Solimano (Giovanni Ambrogio Migliavacca), dramma per musica 3 Akte (5. Febr. 1753 Dresden, Königlich-Sächsisches Hoftheater)
Musik von Johann Adolf Hasse

Soliman, der große, führte in dem Ottomanischen Hause die Verheirathungen wieder ein, welche bey demselben seit grausamer Zeit, waren abgeschafft gewesen, und hatte deswegen die berühmte Roßelane in das Ehebette, und auf den Thron feyerlichst erhoben. Da dieselbe aber einem von ihren Söhnen gern den Scepter in die Hände spielen wollte, so versuchte sie öffters, aber fruchtlos, Soliman gegen Mustapha, der aus dem ersten Ehe-Bette gebohren, und der rechtmäßige Nachfolger im Reich war, in den Harnisch zu bringen. Endlich bekam sie, zu dieser Absicht, ihren Schwieger-Sohn Rusteno, welcher Groß-Vezier war, auf ihre Seite.
Mustapha war in eine von Tacmantes, Sophi in Persien, Prinzeßin Tochter, bey Gelegenheit des Kriegers, den er in dasigen Gegenden geführet hatte, verliebt geworden. Deswegen gab der arglistige Rusteno vor, von Mustapha an den Sophi geschriebene Briefe aufgefangen zu haben, in welchen er sich deßen Schutz, und seine Tochter, als das sicherste Pfand eines beständig dauernden Bündnißes, zur Braut sollte ausgebethen haben. Die Handschrift war so künstlich nachgemahlet worden, daß Soliman sie würklich vor des Mustapha seine hielt; und da die Liebe, die alle Soldaten gegen den Sohn bezeigten, des Vaters Argwohn vermehrete: So ruffte dieser jenen, von der in Amasien ihm angewiesenen Statthalterschafft zu sich zurück, und ließ ihn, ohne ihn anzuhören, und in gröster Geschwindigkeit, um das Leben bringen; durch welche barbarische That er den Namen des gnädigsten Ottomannischen Monarchen, den er sich bisher erworben hatte, auf einmahl besteckte.
Die ganz besondere Freundschaft, welche Mustapha und Giangir, der sich, ohngeachtet er ein Sohn der Roßelane war, auf dem Körper seines umgebrachten Bruders entleibete, jederzeit gegen einander gehegt hatten; Die Reu Solimans; Die Absetzung des Groß- Veziers Rusteno; und ein gewisser, kurtze Zeit darauf entstandner Ruff, (der aber nach diesem vor falsch befunden wurde,) daß ein dem Mustapha sehr ähnlich sehender Sklave an seiner statt wäre getödet worden, sind die Wege, welche die Historie selbst scheinet angezeiget zu haben, um einige Umstände zu verändern, und dem Singespiel ein erfreutes Ende zu geben. Baudier. Allgemeine Türkische Historie.
Die Handlung gehet in Babylon, und ihren herumliegenden Gegenden vor, wo das Ottomannische Heer, an den Ufern des Flußes Tigris, zu Felde lieget.
Man hat es für bequemer gefunden, die Namen Mustapha, und Giangir, mit Selim und Osmin zu verwechseln, weil diese ebenfalls türkisch, aber zu der Musik viel geschickter sind.

Soliman, Türkischer Groß-Sultan, und Vater von
Selim, ein Sohn von der ersten Ehe
Narsea, Emira, Tacmantes, Sophi in Persien Töchter, und türkische Gefangene
Osmin, Solimans, und der Roßelane Sohn
Acomas, Janitscharen Aga
Rusteno, Groß-Vezier
Chor von Soldaten
Stumme Personen:
Von Solimans Gefolge:
Baßen, Veziers, und andere adeliche Wachen
Leib-Wachen, oder Bogen-Schützen, sogenante Solachi
Edel-Knaben, sogenannte Icogliani
Gesetz' Ausleger, sogenannte Imams
Moren, als Edelknaben bey Narsea, und Elmira
Von Selims Gefolge:
Aga, und Baßen zu Pferd
Persianische Gefangene beyderley Geschlechts
Sklaven, und Moren
Feld-Musick
Wache zu Fuß, oder Jannitscharen
Wache zu Pferd, oder Spahi
Soldaten, aus verschiedenen Asiatischen und Europäischen Orten, mit ihren Baßen, Officieren, und andern zur Feld Musik nöthigen Personen, Paucken, Trommeln, Fahnen, Roß-Schweife und anfangs in zween Haufen getheilet sind, sich aber hernach mit den Jannitscharen vereinigen, und das ganze Ottomanische Heer ausmachen.

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