Rienzi, der Letzte der Tribunen (Richard Wagner nach dem gleichnamigen Roman von Edward Bulwer-Lytton), Große tragische Oper 5 Akte WWV 49 (Juni 1837 - Nov. 1840; 20. Okt. 1842 Dresden, Königlich Sächsisches Hoftheater; Rienzi: Joseph Aloys Tichatschek; Adriano: Wilhelmine Schröder-Devrient; Irene: Henriette Wüst; Colonna: Wilhelm Dettmer; Orsini: Johann Michael Wächter; Dirigent: Reißiger)
Musik von Richard Wagner

in Dresden lange Zeit mit Erfolg gespielt, ab 1843 zeitweise auch an 2 Abenden: Rienzis Größe und Rienzis Fall
Erstaufführungen: Hamburg 1844; Königsberg 1845; Berlin, Königliche Oper 1847...; Prag 1859; Stockholm 1865 (schwed.); Graz 1865; Rotterdam 1868; Paris, Théâtre Italien 1869 (frz.); Wien 1871; Gent 1872 (frz.); Venedig 1874 (it.); Budapest 1874 (ung.); Madrid 1876 (it.); Riga 1878; New York 1878 (dt.); London, Her Majesty's Theatre 1879 (engl.); Petersburg 1879 (russ.);
die Partitur wurde ihres Umfangs wegen in der Praxis zahlreichen Bearbeitungen unterworfen, darunter ist die von G. F. Kogel (1910) die verbreitetste. Der Theaterzettel der Uraufführung trägt den Werktitel Rienzi, der letzte der Tribunen.

Cola Rienzi, päpstlicher Notar - Heldentenor
Irene, seine Schwester - Jugendlich-dramatischer Sopran
Stef(f)ano Colonna, Haupt der Familie Colonna) - Baß
Adriano, sein Sohn - Sopran/Dramatischer Mezzosopran
Paolo Orsini, Haupt der Familie Orsini - Charakterbariton
Raimondo, päpstlicher Legat - Baß
Baroncelli, römischer Bürger - Charaktertenor
Cecco del Vecchio, römischer Bürger - Baß
Der Friedensbote - Spielsopran/Soubrette
Ein Herold - Tenor
Der Gesandte Mailands - Baß
Die Gesandten der lombardischen Städte - Tenor und Baß
Der Gesandte Neapels - Tenor
Die Gesandten Böhmens und Bayerns - Baß
Priester, Mönche, Soldaten, Volk von Rom
Rom in der Mitte des 14. Jahrhundert

Chor: Römische Nobili und Trabanten; Anhänger der Colonna und der Orsini; Priester und Mönche aller Orden; Senatoren; Bürger und Bürgerinnen Roms; Friedensboten

Pantomime: Collatinus; Lucretia; Virginia; Jungfrauen der Lucretia; Tarquinius; Bewaffnete des Tarquinius; Bruts; Freunde des Collatinus; junge Römer; Ritter, die Friedensgöttin

3 Flöten (2. auch Piccolo), 2 Oboen, 3 Klarinetten, 3 Fagotte, Serpent, 4 Hörner, 4 Trompeten, 3 Posaunen, Ophikleide, Große Trommel, Kleine Trommel, Rührtrommel, Becken, Triangel, TamTam, Harfe, Streicher
Bühnenmusik: Trompete, Orgel, Glocken
Militärmusik: 12 Trompeten, 6 Posaunen, 4 Ophikleiden, 10 Kleine Trommeln, 4 Rührtrommeln

Nummernoper, 4 3/4 Stunden, B. Schott's Söhne, Mainz (Richard-Wagner-Gesamtausgabe)

Mit dem 'Rienzi' begibt sich Wagner auf das Gebiet der sogenannten großen Oper nach französischem Muster. Im Stile Aubers, Halévys und Meyerbeers gehalten, überbietet 'Rienzi' jene älteren Werke noch an Kraft und Wucht des Ausdruckes und an raffiniertester Verwendung aller dramatischen und musikalischen (orchestralen) Effekte. Immerhin zählt aber Rienzi noch in die Sturm- und Drangperiode Wagner.

1. Akt: Orsini und seine Parteigänger versuchen in der Nacht, Rienzis Schwester zu entführen. Ihr Hilfegeschrei ruft Colonna, Adriano und ihren Anhang herbei. Sie befreien Irene, und es entspinnt sich zwischen den beiden Parteien ein heftiger Kampf, den der päpstliche Legat Raimondo vergebens zu schlichten sucht. Erst Rienzi kann die Ruhe unter dem Volke und den streitenden Nobili wieder herstellen. Diese verspotten Rienzi und ziehen ab, ihren Streit vor den Toren Roms weiter auszutragen. Das Volk und der Legat dringen in Rienzi, dem schändlichen Treiben der Nobili ein Ende zu machen. Nachdem Rienzi sich der Unterstützung der Kirche versichert hat, verspricht er dem Volke, Rom den Frieden zu geben. Er mahnt das Volk zur Ruhe und zur Heimkehr. Wenn ein Trompetenruf erschalle, dann sei die Stunde gekommen, wo die Freiheit wieder in Rom einzöge und die Macht der übermütigen Nobili gebrochen würde. Das Volk verläuft sich, nur Rienzi bleibt mit Irene und Adriano Colonna zurück. Adriano, empört über die Untaten des eigenen Geschlechts, erklärt sich ais Anhänger Rienzis und sagt ihm seine Hilfe beim Kampf gegen die vornehmen Geschlechter zu. Damit knüpft sich auch ein zärtliches Band zwischen ihm und Irene. Der Trompetenruf ertönt, das Volk strömt jubelnd herbei. Aus der Kirche tritt an der Seite des päpstlichen Legaten Rienzi heraus und verkündet dem jauchzenden Volke, daß das alte freie Gesetz der Bürger wieder Geltung haben soll. Mit einer Huldigung für den Volkstribun endet der Akt.
2. Akt: Im Festsaal des Kapitols verkünden Friedensboten den Sieg über die Nobili. Mit erzwungener Unterwürfigkeit begrüßen nun auch die Nobili, unter ihnen Colonna und Orsini, Rienzi als Tribun. Er mahnt sie, das Gesetz treu zu halten und ladet sie zum Feste ein. Als er sie verlassen hat, fassen sie den Entschluß, ihn bei dem Feste umzubringen. Adriano hat ihre Verschwörung belauscht und widersetzt sich dem Beschluß. Sein Vater stellt ihn zwischen die Wahl, bei der Ausführung des Beschlusses zu helfen oder seine ganze Familie dem Henkerbeil auszuliefern. Adriano leidet schwer unter dem furchtbaren Zwiespalt. Wenn er auch seinen Vater nicht verraten will, so ist er doch fest entschlossen, den Bruder seiner Geliebten zu retten. In festlichem Aufzug ziehen römische Bürger und Gesandte vieler Städte und Länder in den Saal. Rienzi empfängt sie auf einem erhabenen Sitz an der Seite Irenens. Doch durch seine Forderung, daß das Recht der Wahl des deutschen Kaisers in Zukunft Rom zustehen solle, erregt er heftigen Widerspruch der auswärtigen Gesandten, während sich die Nobili im geheimen über die unkluge Anmaßung des Tribuns freuen. Adriano drängt sich an Rienzi heran und warnt ihn vor dem mörderischen Dolch. Doch Rienzi trägt ein Panzerhemd unter dem Kleide, da er auf solch einen Anschlag schon gefaßt war. Während eines Tanzspieles führt Orsini einen Dolchstoß nach Rienzi. Dieser erklärt das Fest sofort für beendet und beruft ein Gericht über die Verschwörer ein. Die Senatoren sprechen das Todesurteil über die Verräter, doch Adriano und Irene flehen um Gnade. Obgleich das Volk und die Senatoren ungestüm den Tod der Nobili fordern, begnadigt Rienzi die Schuldigen und läßt von ihnen noch einmal das Gesetz der Römer beschwören. Während das Volk dem Tribun zujubelt, empfinden die Adligen es als neue Schmach, von ihm begnadigt zu sein, und schwören aufs neue Rache.
3. Akt: Die Sturmglocke hat das erregte Volk auf das Forum gerufen. Die Nobili sind während der Nacht geflohen und bedrohen nun mit der Waffe in der Hand die Stadt. Rienzi ruft zu schonungslosem Kampf gegen die Verräter auf, denen er ein zweitesmal nicht Gnade erweisen wolle. Adriano, der unter dem furchtbaren Zwiespalt zwischen Vater und Geliebten leidet, versucht noch einmal, das Blutvergießen zu verhindern und Versöhnung zu stiften. Doch Rienzi weist ihn entschieden ab und setzt sich an die Spitze des Volkes, das entschlossen in den Kampf zieht. Adriano will nun Irene verlassen und draußen an der Seite des Vaters den Tod suchen. Doch da kehrt das siegreiche Volk zurück. Colonnas Leiche wird über die Bühne getragen, und Adriano sinkt an ihr in die Knie mit dem Schwur, den Tod seines Vaters an Rienzi zu rächen.
4. Akt: Vor der Laterankirche finden sich mehrere mißvergnügte Plebejer zusammen. Die politische Entwicklung hat sich gegen Rienzi gewandt, so daß dieser nun von allen weltlichen Mächten verlassen ist. Die Mißvergnügten wittern Verrat, zumal da Rienzi seine Schwester mit Adriano Colonna zu verheiraten und sich so mit der Partei der Nobili zu verbünden gedenke. Zu dieser Schar tritt Adriano vermummt und stellt die Begnadigung der Nobili als Verrat am Volke dar. So bestimmt er die Versammelten, den Tod des Tribuns zu beschließen. Doch als die Verschwörer den päpstlichen Legaten zu dem von Rienzi anberaumten Tedeum in die Kirche ziehen sehen, werden sie unschlüssig, da sie annehmen, daß Rienzi immer noch unter dem Schutz der Kirche stehe. Als Rienzi auf seinem Weg zur Kirche erscheint und sie ermahnt, die eben erworbene Freiheit zu bewahren, lassen sie ihren Plan fallen. Doch als der Tribun die Stufen zur Kirche hinanschreitet, tritt der Kardinal ihm entgegen und spricht den Bannfluch über ihn aus. Das Volk läuft verwirrt auseinander. Adriano sucht Irene zur Flucht zu bewegen, doch sie bleibt bei dem fassungslosen Bruder. Er aber rafft sich auf und verliert die Hoffnung auf Roms Zukunft und Freiheit nicht.
5. Akt: In einer Halle des Kapitols betet Rienzi vor einem kleinen Altar, daß sein Werk nicht verloren sei. Dann sucht er seine Schwester zu bewegen, sich durch die Flucht zu retten, ehe auch sie der Bannfluch träfe. In Adrianos Liebe fände sie Schutz. Sie ist jedoch entschlossen, das Schicksal des Bruders zu teilen. Da rüstet sich Rienzi ein letztes Mal, vor das Volk zu treten. Adriano, von Rachedurst und Liebe hin- und hergerissen, bestürmt Irene noch einmal, mit ihm zu fliehen, empfängt jedoch nur eine kalte Abweisung. Als er sie mit Gewalt retten will, da das Kapitol bereits in Brand gesteckt ist, stößt sie ihn von sich.
Verwandlung: Vor dem Kapitol strömt das Volk zusammen und schreit nach Rienzi; der von der Kirche Verfluchte soll sterben. Er erscheint in voller Rüstung auf dem Balkon und spricht zum Volke. Doch man hört nicht mehr auf ihn und schleudert Steine und Feuerbrände gegen ihn. Mit einem Fluch über das undankbare Volk umarmt er die Schwester, die zu ihm tritt. Adriano stürzt an der Spitze der Nobili herbei, um das wütende Volk zu vertreiben. Er rennt in das brennende Haus, um die Geliebte zu retten, doch da stürzt der Bau zusammen und begräbt alle drei unter den Trümmern.

1937 Hans Weissbach; Chor & Orchester des Reichssenders Leipzig
Adriano: Margarete Klose
Cecco del Vecchio: Hanns Fleischer
Friedensbote: Lore Hoffmann
Irene: Francisca von Dobay
Paolo Orsini: Theodor Horand
Raimondo: Ferdinand Frantz
Rienzi: August Seider
Steffano Colonna: Rudolf Gonszar
Walhall WLCD 0111 (1 CD) (unvollständig)

1941 Johannes Schüler; Staatskapelle Berlin, Chor der Deutschen Staatsoper Berlin
Adriano: Margarete Klose
Baroncelli: Gustav Rödin
Cecco del Vecchio: Wilhelm Hiller
Irene: Hilde Scheppan
Paolo Orsini: Jaro Prohaska
Rienzi: Max Lorenz
Steffano Colonna: Robert von der Linde
ACANTA 23 035 (LP) / Preiser 90223 (1 CD) (68'22 gekürzt)

1950 Robert Heger; Orchestra, Chor
Adriano: Hilde Rössl-Majdan
Baroncelli: Waldemar Kmentt
Cecco del Vecchio: Otto Wiener
Friedensbote: Friedl Riegler
Irene: Gerda Scheyrer
Paolo Orsini: Walter Berry
Raimondo: Oskar Czerwenka
Rienzi: Günther Treptow
Steffano Colonna: Adolf Vogel
EJS 189 (2 LP) (live, gekürzt)

1950 Winfried Zillig; Chor & Symphonie-Orchester des Hessischen Rundfunks Frankfurt
Adriano: Erna Schlüter
Baroncelli: Willy Hofmann
Cecco del Vecchio: Josef Lindlar
Friedensbote: Berta Preisker
Irene: Trude Eipperle
Paolo Orsini: Rudolf Gonszar
Raimondo: Heinz Prybit
Rienzi: Günther Treptow
Steffano Colonna: Helmut Fehn
Documents OR 303-3 (LP), Melodram 230 (3 LP) / Cantus 500201/2 (4 CD), Urania URN22.157 (3 CD) (167'32 live, gekürzt)

1957 Lovro von Matacic; Württembergisches Staatsorchester Stuttgart, Chor der Württembergischen Staatsoper Stuttgart
Adriano: Josef Traxel
Baroncelli: Alfred Pfeifle
Cecco del Vecchio: Fritz Linke
Irene: Paula Brivkalne
Paolo Orsini: Hans Günter Nöcker
Raimondo: Otto von Rohr
Rienzi: Wolfgang Windgassen
Steffano Colonna: Gustav Neidlinger
Living Stage LS 1018 (2 CD) (live, gekürzte Bearbeitung von Wieland Wagner und Maximilian Kojetinsky)

1960 Josef Krips; Wiener Symphoniker, Singverein der Gesellschaft der Musikfreunde Wien
Adriano: Christa Ludwig
Friedensbote: Teresa Stich-Randall
Irene: Anne Lund Christiansen
Paolo Orsini: Walter Berry
Raimondo: Heinz Holecek
Rienzi: Set Svanholm
Steffano Colonna: Paul Schöffler
Melodram MEL 27023 (2 CD) (118'41 live, gekürzt)

1964 Hermann Scherchen; Coro & Orchestra del Teatro alla Scala Milano
Adriano: Gianfranco Cecchele
Baroncelli: Piero di Palma
Friedensbote: Luciana Piccolo
Irene: Raina Kabaivanska
Paolo Orsini: Lino Puglisi
Raimondo: Giuseppe Modesti
Rienzi: Giuseppe di Stefano
Steffano Colonna: Franco Piva
GDS CD: 21038, Premiere Opera 2378-2 (2 CD) (live, gekürzt)

1974 Fritz Weisse; RIAS Symphonie-Orchester Berlin
Adriano: Elisabeth Steiner
Baroncelli: Alexander Senger
Irene: Lou Ann Wyckoff
Paolo Orsini: Wolf-Hildebrand Moser
Raimondo: Hans Georg Ahrens
Rienzi: Karl-Walter Böhm
Steffano Colonna: Josef Greindl
eurodisc 88 619 XDR (2 LP) (live, gekürzt)

1976 Edward Downes; BBC Northern Symphony Orchestra, BBC Symphony Chorus
Adriano: Lorna Haywood
Baroncelli: Adrian de Pleyer
Cecco del Vecchio: Paul Hudson
Friedensbote: Elizabeth Gale
Herold: Brian Cockson
Irene: Lois McDonnall
Paolo Orsini: Raimund Herincx
Raimondo: David Ward
Rienzi: John Mitchinson
Steffano Colonna: Michael Langdon
House of Opera CD-ROM, Mitridate Ponto PO-1040 (4 CD) (287'04 live)

1976 Heinrich Hollreiser; Staatskapelle Dresden, Chor der Dresdener Staatsoper, Chor des Leipziger Rundfunks
Adriano: Janis Martin
Baroncelli: Peter Schreier
Cecco del Vecchio: Günter Leib
Friedensbote: Ingeborg Springer
Irene: Siv Wennberg
Paolo Orsini: Theo Adam
Raimondo: Siegfried Vogel
Rienzi: René Kollo
Steffano Colonna: Nikolaus Hillebrand
EMI 193-02 776/80(5) (LP / EMI 7 63980 (4 CD) (215'21 gekürzt)

1979 Siegfried Köhler; Chor & Orchester des Hessischen Staatstheaters Wiesbaden
Adriano: Glenys Linos
Baroncelli: Wolfgang Frey
Cecco del Vecchio: Erwin Kurtz
Irene: Jeannine Altmeyer
Paolo Orsini: Carl-Henning Steinhaus
Raimondo: Eduard Wollitz
Rienzi: Gerd Brenneis
Steffano Colonna: Heinz Peters
Inszenierung: Hans-Peter Lehmann
House of Opera DVD (1 DVD) (live, gekürzt)

1983 Wolfgang Sawallisch; Bayerisches Staatsorchester München, Chor der Bayerischen Staatsoper München
Adriano: John Janssen
Baroncelli: Norbert Orth
Cecco del Vecchio: Kieth Engen
Friedensbote: Carmen Anhorn
Gesandte: Raimund Grumbach, Alfred Kuhn, Friedrich Lenz, Hans Wilbrink
Irene: Cheryl Studer
Paolo Orsini: Bodo Brinkmann
Raimondo: Karl Helm
Rienzi: René Kollo
Steffano Colonna: Jan-Hendrik Rootering
Orfeo C 346 953 D (3 CD) (193'57 live, gekürzt)

2001 Christoph Prick; Staatskapelle Dresden, Chor der Dresdener Staatsoper
Adriano: Iris Vermillion
Irene: Petra Maria Schnitzer
Rienzi: Peter Seiffert
Sonstige: Claus H. Henneberg
Premiere Opera 2392-2 (2 CD) (live)

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