Das Liebesverbot oder Die Novize von Palermo (Richard Wagner nach Shakespeare, Measure for Measure), Große komische Oper 2 Akte WWV 38 (Juni 1834 - März 1836; 29. März 1836 Magdeburg [eine Aufführung]) (1839-1840 in Paris, Übersetzung ins Französische)
Musik von Richard Wagner

Wiederaufnahmen: München 1923; Berlin 1933...; New York 1965 (MET-Studio); London 1965; Partiturdruck erst 1923

Friedrich, Statthalter von Sizilien in Abwesenheit des König - Bass
Brighella, Chef der Polizeidiener - Bass
Luzio, Antonio, Claudio, Angelo, junge Edelleute - Tenor, Tenor, Tenor, Bass
Isabella, Claudios Schwester - Sopran
Dorella, früher Kammermädchen bei Isabella - Sopran
Mariana, Friedrichs verlassene Frau - Sopran
Danieli, Wirt eines Weinhauses - Bass
Pontio Pilato, in seinen Diensten - Tenor
Gerichtsherren, Polizeidiener, Volk
Palermo im 16. Jahrhundert

1. Akt: Der König von Sizilien, der auf einige Zeit sein Land verlassen hat, hat seinem Statthalter Friedrich, einem Deutschen, alle Vollmachten gegeben, um die in Palermo eingerissene Sittenlosigkeit einzudämmen. Friedrich will nun mit unnachgiebiger Strenge seine Gewalt anwenden. Er läßt zunächst in einer Vorstadt Palermos alle Volksbelustigungshäuser schließen und die Wirte und Bediensteten abführen. Das Volk nimmt gegen diese Maßnahmen energisch Stellung und wird darin von dem jungen und witzigen Luzio bestärkt. Da wird sein Freund Claudio auf dem Wege nach dem Gefängnisse vorbeigeführt. Er ist auf Befehl des Statthalters verhaftet worden, da seine Geliebte, deren Eltern einer ehelichen Vereinigung bisher widerstanden haben, von ihm Mutter geworden sei. Der Statthalter wolle nun ein altes Gesetz wieder in Anwendung bringen, wonach ein solches Liebesvergehen mit dem Tode bestraft wird. Claudio fürchtet das Schlimmste und hofft nur noch, daß es den Bitten seiner Schwester Isabella gelingen könnte, das Herz des Allzustrengen zur Milde zu bewegen. Luzio verspricht dem Freunde, sofort seine Schwester aufzusuchen.
Isabella ist in ein Kloster als Novize eingetreten. Dort findet sie auch ihre alte Freundin Marianne wieder, die ihr erzählt, daß sie von einem Manne durch heiße Liebesversprechungen verführt worden sei, daß dieser sie dann aber verlassen und sogar den schlimmsten Verfolgungen ausgesetzt habe, und daß dieser kein Geringerer als Friedrich, der jetzige Gewalthaber im Staate, sei. Ihre Empörung über den schändlichen Verräter steigert sich noch, als sie nun von Luzio erfährt, welch furchtbares Schicksal ihren Bruder erwartet. Luzio ist von ihrer zornigen Schönheit so hingerissen, daß er sie bestürmt, das Kloster zu verlassen und sein Weib zu werden. Sie weist seinen Eifer in die gehörigen Schranken zurück, nimmt aber seine Begleitung zu der Gerichtsverhandlung an.
Die Gerichtsszene wird zunächst durch ein komisches Verhör einiger Verbrecher gegen die Sittlichkeit, das von Brigella durchgeführt wird, eingeleitet. Dann aber erscheint der finstere Friedrich, um die Hauptverhandlung gegen Claudio selber zu leiten. Als schon das furchtbare Urteil gesprochen werden soll, erscheint Isabella und bittet den Statthalter um eine Unterredung unter vier Augen. In dieser versucht sie nun, den Unerbittlichen durch Berufung auf seine eigene Erfahrung zu einem milderen Urteil zu veranlassen. Friedrichs Leidenschaft entzündet sich an der zunehmenden Wärme ihrer Worte, und er verspricht ihr schließlich alles, was sie wünscht, um den Preis ihrer eigenen Hingabe. In höchster Empörung will sie das Volk und die Richter herbeirufen, um den Heuchler öffentlich zu entlarven. Da sie aber schnell einsehen muß, daß ihr dieses angesichts der Macht des Statthalters nicht möglich sein wird, ändert sie ihren Plan. Sie verspricht dem ratlosen und staunenden Volk, daß die Karnevalslustbarkeiten, die der Allgewaltige soeben verboten habe, diesmal mit besonderen Überraschungen gewürzt sein sollten. Als Friedrich gegen ihre Worte mit Gewalt einschreiten will, flüstert sie ihm nur eine süße Verheißung für die folgende Nacht ins Ohr, wodurch sie ihn für alle ihre Absichten gefügig macht. In allgemeiner Verwirrung schließt der Akt.
2. Akt: Isabella besucht ihren Bruder im Gefängnis, um zu ergründen, ob er ihrer Bemühung würdig sei. Sie entdeckt ihm die schmachvollen Anträge des Statthalters und fragt ihn, ob er um den Preis der Unehre seiner Schwester sein Leben retten wolle. Voller Empörung weist Claudio dieses zurück. Doch in der Voraussicht seines baldigen Todes und in dem wehmütigen Gedenken an seine Geliebte wird er schwach bis zu der Frage, ob seiner Schwester denn das Opfer ihrer Ehre zu groß erschiene. Voller Verachtung wendet sich Isabella von ihm ab, ist aber dennoch entschlossen, den Rettungsplan auszuführen, ohne jedoch ihren Bruder zunächst davon in Kenntnis zu setzen. Sie hat nämlich die Absicht, die von Friedrich verlassene Marianne an ihrer Stelle zu dem versprochenen Stelldichein zu schicken. Um dieses zu erleichtern, benachrichtigt sie Friedrich, daß sie ihn in einer Maskenvermummung an einem von ihm selbst verbotenen Belustigungsorte erwarten wolle. Den leichtsinnigen Luzio gewinnt sie zur Mithilfe, indem sie ihm die von dem Statthalter gestellten Bedingungen mitteilt, worauf dieser empört ankündigt, daß er eher einen Aufruhr in der Stadt anzetteln werde, als daß Friedrich sein verbrecherisches Ziel erreichen dürfe.
Bei Einbruch der Nacht hat Luzio das Volk zu Beginn der Karnevalsprozession auf der Straße versammelt. Er stachelt die Massen bis zur offenen Empörung auf. Isabella hält jedoch diesen Ausbruch noch zurück, da Friedrich herannaht, um die vermummte Marianne zu erwarten und mit ihr zu verschwinden, in der Annahme, daß sie Isabella sei. Diese glaubt nun schon ans Ziel gelangt zu sein und auf eine weitere Rache verzichten zu können. Sie ist der Meinung, das Begnadigungsdokument in der Hand zu haben. Voll Entsetzen entdeckt sie aber, daß dieses Schreiben einen verschärften Hinrichtungsbefehl enthält, da Friedrich sich entschlossen hat, wenn auch als Sünder, so doch als Ehrenmann zugrunde zu gehen: nach dem Liebesgenuß an Isabellas Busen will er sich selber töten, genau so wie für Claudio die Todesstrafe gelten soll. In höchster Verzweiflung ruft nun Isabella das Volk zu blutiger Erhebung auf. Luzio steht ihr darin bei, obgleich er sie nunmehr für geschändet hält. Da führt Brighella aus dem Dunkel eine vermummte Gestalt herbei, die er bei verbotenem Stelldichein überrascht habe: es ist Friedrich, der von allem Volk erkannt wird und zerknirscht sein Urteil durch den König fordert. Die zitternde Marianne an seiner Seite reklamiert ihn nun aber als ihren Gatten. Man beschließt nun dem zurückkehrenden König entgegenzuziehen und seine Gnade anzuflehen. Isabella aber gibt das Klosterleben auf und reicht Luzio die Hand zur Ehe.

1962 Robert Heger; Chor & Symphonie-Orchester des ORF Wien
Angelo: Ernst Salzer
Antonio: Willy Friedrich
Brighella: Ludwig Welter
Claudio: Anton Dermota
Danieli: Franz Handlos
Dorella: Hanny Steffek
Friedrich: Heinz Imdahl
Isabella: Hilde Zadek
Lucio: Kurt Euiluz
Marianna: Christiane Sorell
Pontio Pilato: Herbert Prikopa
Melodram Mel 24 (3 LP) / Melodram 27052 (2 CD), Opera d'Oro OPD 1454 (2 CD) (121'13 live, gekürzt)

1963 Meinhard von Zallinger; Orchester von Radio Beromünster, Chor von Radio Bern
Angelo: Wolfram Martz
Brighella: Camillo Agrelli
Claudio: Lorenz Fehenberger
Danieli: Franz Lindauer
Dorella: Ingeborg Fanger
Friedrich: Rolf Telasko
Isabella: Edith Lang
Lucio: Leonhard Packl
Marianna: Vera Schlosser
Pontio Pilato: Jakob Soltermann
EJS 273 (1 LP) (uerschnitt)

1972 John Bell; Chor & Orchester des Jugend-Festspieltreffens Bayreuth
Marianne: Margarethe Warnecke (1. Akt); Eliane Watts (2. Akt)
Angelo: Patrick McCarthy
Antonio: Claus Peter Samson
Brighella: Horst Lorig
Claudio: Paul Whitmarsh
Danieli: István Gáti
Dorella: Doris Linser
Friedrich: Philip Gelling
Isabella: Doris Soffel
Lucio: Reinhold Kräußel
Marianna: Margarethe Warnecke
Marianna: Eliane Watts
Pontio Pilato: Peter Maus
Mixtur MXT 3001-3 (3 LP) (130'43 live, gekürzt)

1976 Edward Downes; BBC Northern Symphony Orchestra, BBC Northern Singers
Angelo: William Elvin
Antonio: Neil Jenkins
Brighella: Lawrence Richard
Claudio: Ian Caley
Danieli: Leslie Fyson
Dorella: Elizabeth Gale
Friedrich: Raimund Herincx
Isabella: April Cantelo
Lucio: Alexander Young
Marianna: Ilse Wolf
Pontio Pilato: David Lennox
MRF MRF 155 S (LP) / House of Opera CD-ROM (178'00 live, vollständig)

1983 Wolfgang Sawallisch; Bayerisches Staatsorchester München, Chor der Bayerischen Staatsoper München
Angelo: Kieth Engen
Antonio: Friedrich Lenz
Brighella: Alfred Kuhn
Claudio: Robert Schunk
Danieli: Raimund Grumbach
Dorella: Marianne Seibel
Friedrich: Hermann Prey
Isabella: Sabine Hass
Lucio: Wolfgang Fassler
Marianna: Pamela Coburn
Pontio Pilato: Hermann Sapell
Orfeo C 345 953 D (2 CD) (154'00 live, leicht gekürzt)

1983 Niksa Bareza; Chor & Orchester der Oper Graz
Angelo: Zoltan Csaszar
Antonio: Hans Holzmann
Brighella: Nandor Tomory
Claudio: uade Winter
Danieli: Franz Hajtas
Dorella: Fran Lubahn
Friedrich: József Dené
Isabella: Nelly Ailakowa
Lucio: Juraj Hurny
Marianna: Annemarie Zeller
Pontio Pilato: Ernst-Dieter Suttheimer
House of Opera DVDZZ 1061 (1 DVD) (live, gekürzt)

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