Spruchlexikon DEUTSCH 2

<<< | >>>


De Aanten dragen hör Recht up de Puckl.
In einem Rechtsstreit mit den Enten ist nicht viel zu gewinnen, sie haben nichts als ihre Federn.
Aant
Den Aantvogel kann man nix nehmen, as den Kopp.Aant
En Schöt is gên Aantvogl.Aant
Mênst du, dat ik 'n Aantvogl bin?
Wenn einer dem andern auf den Fuß tritt.
Aant
Aare haben scharfe Augen.Aar
Auch der Aar hat erst auf der Erde geflattert, eh' er sich zum Himmel erhob.Aar
Den Aar mit dem Uhu vergleichen.Aar
Die Aare kümmern sich nicht um Fliegen.
la] Aquilae nesciunt muscas. (Wahlspruch d. Ompteba)
Aar
Du zeuhest arn vber die Hennen im Hauss.
»Arn vber die Hennen ziehen, wie vilen geschicht, dass sie guckuc in jr besitz setzen, die jn jr eyer vnderlegen vnnd naher dauon fliehen.«
Aar
Ein Aar kämpft stets mit den Schlangen.Aar
fleuch auf du königlicher aar,
dich schwingend in die lüfte!;
junger aar, dein königlicher flug
wird den druck der wolken überwinden.
Bürger an A. W. Schlegel.
Aar
Wenn der Aar seine Schwingen am stolzesten ausbreitet, trifft ihn die Kugel des Jägers.Aar
Aarau ist eine schöne Stadt, Biberstein ein Bettelsack, Kilchberg ist ein Butterkübel, Küttiche der Deckel drüber, Suhr das ist der Stämpfel.
Deutsche Romanzeitung
Aarau
T is 'n Aartje van Vaartje.
Eine Art von Vater.
Aarjte
Aaron (7. April) und Justin (13. April) helfen den Hafer ziehn.
Wohlau
Aaron
Nun redt Aron, Moses is es schîte gegange.Aaron
Und Aaron schwieg still.
Wenn einer, der sonst das große Wort führt, nichts mehr zu sagen weiß.
Aaron
Wenn Aaron den Schnupfen hat, so sprich mit Mose.Aaron
Aas ist keine Speise für den Adler.Aas
Aas lässt sich nicht vor Geiern (Raben, sagen die Wenden) verbergen.Aas
Auch ein Aas scheint fett, wenn es voll Luft ist.Aas
Das Aas an die Angel stecken.
Einen mit List reizen, fangen.
la] Escam hamo circumponere.
Aas
Das Aas lockt die Würmer herbei.
se] Aas lockar örnen ut.
Aas
Das Aas stinkt über sein Lager hinaus.
dk] Aadslet stinker laenger bort, end den sted der ligger.
Aas
Dat Aas hett was lehrt, seggt Coord van Hallen, de kann dör de Welt kamen.
Der Witz liegt darin, dass das Wort »Aas« hier durchaus nicht verächtlich sein soll, wie es sonst ist. Ähnlich sagt man in Ostfriesland: ?T is 'n gelehrter Hund; ?t is 'n Fûlpûp, 'n kloken Bengel, 'n gelehrten Racker u.s.w., ohne damit etwas Schlimmes ausdrücken zu wollen.
Aas
Ein Aas bleibt ein Aas.Aas
Ein Aas, das der Rabe nicht riechen soll, muss tief liegen.Aas
Es git niche schäinikjer Ôs, mä vun Mäinjtschen. (Siebenbürgen-sächsisch)Aas
Et äs e fel Ôs. (Siebenbürgen-sächsisch)Aas
Je is 'n Aas up sin Clarnette.
Pommersche Geschichten
Aas
Kein grewlicher ass, denn von menschen.Aas
Man muss ein Aas legen, so man fangen will.Aas
Wenn das Aas abgefleischt ist, fliegt der Rabe davon.Aas
Wer ein Aas schüttelt, macht den Gestank ärger.
(Arabien)
Aas
Wo Aas ist, da sind Fliegen.Aas
Wo Aas ist, da versammeln sich die Raben.Aas
Wo Aas ist, werden bald auch Krähen sein.
(Litauen)
Aas
Wo Äser sind, da schwirren die Eulen.
Grimm: esca, cadaver. gilt noch heute vom weggeworfnen todten fleisch, das die thiere lockt, ganz wie luder, während köder nur esca, nicht cadaver ausdrückt.
- er liegt im wasser den fischen zum aase; wo das aas liegt, da samlen sich die adler; die geier witterten das aas; mit frischem aas erfischen;
- wiltu capaunen feiszt machen, so bereit ein aas von kleien und gibs ihnen zu essen. Tabernaemont. kräuterb. 649;
- der gestank der moräste und äser. Kant 10, 160;
- soll ich noch staub auf das aas des gefallnen verräthers werfen?
ein dorrendes geripp, ein halbverbrantes aas. A. Gryphius 1, 214;
- so soll dich auch mein aas noch pochen. Günther 203, (d. i. meine leiche dich noch verhöhnen).
Verachtend und als heftige schelte:
- du aas! ihr äser! du faules oss! H. Sachs I. 5, 511d;
verstärkt schindaas, schindäser, rabenaas, das auf dem schindanger liegt, auf das sich die raben niederlassen. Häufig aber auch aus der schelte übergehend in liebkosung, wie das frankfurtische os, dim. esi der manigfaltigsten bedeutung fähig bald traulich und lobend, bald schimpfend und verachtend zugerufen wird.
- der tact, du aas, zu deiner melodei, sagt Mephistopheles zur hexe.
- ein hübsches rabenäschen. Weise com. probe 60;
- ach du rabenaas! Günther 1001;
komm liebs esi! in solchem sinn kann aas blosz als esca, ohne gedanken an das todte, als reiz und lockung gefaszt werden, wie es auch heiszt freszlieb, einen vor liebe auffressen mögen. Gerade so doppelsinnig sind luder und schelm (ahd. scelmo cadaver, pestis): du luder! hei luder! du freundlicher schelm! schelmenauge! litt. maita aas, eik maita eik! geh luder geh! Nesselmann s. 389.
Aas
Wo ein Aas ist, da sammeln sich die Adler [oder Geier].
Hiob, 39, 30; Luk. 17, 37; Matth., 24, 28
Richtiger die Aasgeier. Ein altes, schon in der Bibel vorkommendes Sprichwort, das jetzt in sehr mannigfacher Bedeutung gebraucht wird. Man wendet es an auf vornehme Herren, die viel Bedienung halten, bei Glücksrittern, die gewinnsüchtige Leute zum Spiel verlocken, auf feile Dirnen.
»Wo ein ass, ist der Vögel kein Zal noch mass.«
dk] Hvor aadslater, der samles örnem.
nl] Waar eenen dodlichaam is, daar vergoderen de arenden.
la] Sequitur perca sepiam. - Ubicumque cadaver fuerit, statim adest aquila.
se] Der åtelen är, dit samlas ock örnarna.
Aas
Wo ein Aas ist, sammeln sich Raubvögel, wo ein hübsches Weib ist, Schmarotzer.Aas
Aus einem Aasgeier wird kein Adler (Falke).
en] A carrion kite will never make a good hawk.
fr] D'un buse on ne peut faire un épervier.
Aasgeier
Der Aasgeier hat keinen Wunsch, als dass das Pferd sterben möchte.
(Surinam)
Jeder ist auf seinen eigenen Vorteil bedacht.
Aasgeier
Der Aasgeier hatte immer einen übeln Geruch, und nun er todt ist, erst recht.
(Surinam)
Von denen, die den schlechten Ruf ihrer Jugend mit den Jahren gesteigert.
Aasgeier
Der Aasgeier liebt das Aas.
(Surinam)
Jeder bewegt sich gern in seinem Elemente.
Aasgeier
Der Aasgeier sieht den Hinrichtungen zu und kommt, abends die Augen auszupicken.
(Surinam)
Der Dieb ersieht sich erst eine günstige Gelegenheit.
Aasgeier
Des Aasgeiers Schimpfreden bringen das Pferd nicht um.
(Surinam)
Aasgeier
Wenn man den Aasgeier schimpft, fühlt sich der Truthahn beleidigt.
(Surinam)
Aasgeier
Wer den Aasgeier sieht, spuckt aus, wer aber das Tjotjo-Vögelchen (ein Singvogel) sieht, pfeift.
(Surinam)
Man richtet sein Verhalten nach der Person ein.
Aasgeier
Er ist ganz aasig.
Ihm ist aasig zu Mute. Aasig = krank, aber auch träge, faul.
Aasig
Stöt em in de Aasside.
Gib ihm einen Stoß. Aasseite ist die innere Seite der Haut, die auf dem Fleisch gesessen hat.
Aasseite
Ab - von der Magd auf die Tochter.Ab
Ab nach Kassel.
Kassel war zur Zeit der nordamerik. Freiheitskämpfe (1775 bis 1783) der Sammelplatz für hessische und andere Landeskinder, die durch ihre Fürsten als Soldaten nach England verkauft wurden.
Ab
Ab Sephe (Sophie oder Joseph).
Eine sprichwörtliche Redensart in Gera, um zu sagen: Fort, weg damit.
Ab
Ab und einen Walzer.Ab
Ab und zu.
D. i. manchmal.
Ab
Weit abe ist gut für schießen.
la] Extra telorum jactum.
Ab
Sich mit einem abackern müssen.Abackern
Dar sünt mehr Äbärs (= Storch) as Poggen.Abar
Dat sünd mehr Abars als Poggen.
Mehr Brotesser als Brotverdiener.
Abar
De Abar (= Storch) is sîn Feeren nett so gôd nödig als de Lünick (Schatz).Abar
De Äbär is sin Feddern eben so god nödig, as de Lüning (Sperling).Abar
De Abars nögd, mutt Poggen hebben.
Wer Störche (große Gäste) einlädt, muss Frösche (entsprechende Speisen) vorzusetzen haben.
Abar
De Äbärs nögt, mutt Poggen hebben.Abar
Wor Äbärs sünt, dar sünt ok Poggen (Frösche).Abar
Über Abbadan geht kein Dorf.
Von der lächerlichen Eitelkeit mancher Leute, die von ihrem Geburtsort, wäre er auch nur das elendeste Nest, nur mit den größten Lobeserhebungen sprechen.
Abbadan
Drücken wir das Abbild der Ewigkeit auf unser Leben!
Friedr. Nietzsche, Also sprach Zarathustra.
Abbild
Abbitte ist die beste Buße.
dk] Afbede er beste bod.
la] Errantia medicina confessio.
se] Afbedja är bästa bot.
Abbitte
Abbitte ist die beste Genugtuung.Abbitte
Abbitte nicht, aber Halsstarrigkeit ist Schande.
Jene zeigt ein edles, diese aber ein böses Herz an.
Abbitte
Abbitten ist besser als leugnen.Abbitte
Die beste Abbitte ist, nicht mehr tun.Abbitte
Hei öss afgeblötzt.
Er hat einen Korb bekommen.
Abblitzen
Jemanden abblitzen lassen.
Jemandem kein Gehör schenken, ihm etwas versagen, ihn kurz abfertigen.
Der Blitz erreicht sein Ziel nicht, wenn er vom Blitzableiter abgelenkt wird.
Abblitzen
Wer dir abborgen wil, dem leih, doch merk vor, wer er sey.Abborgen
Abbrech und Teufelsabbiss muss sein.Abbrech
Die Abbrech nicht finden können (das Ende).Abbrech
Nimm die Abbrech!
Höre auf!
Abbrech
As man bricht sich ab auf heißen, bluft man auf kalten. (Jüd.-deutsch. Brody.)
Wenn man den Körperteil verbrennt hat, bläset man auch das kalte.
Abbrechen
Er hat es zu grün (unreif) abgebrochen.Abbrechen
Wer sich etwas abbricht, der erwirbt etwas.Abbrechen
Wiltu abbrechen, so bau auch wieder.Abbrechen
Abgebrannt wie ein Mohr.
»Ich bin abgebrannt wie ej Muhr.«
Abbrennen
Er ist abgebrannt (ist ohne Geld).Abbrennen
Er ist kalt abgebrannt.
(Litauen)
Von denen, die kurz vor dem gerichtlichen Zwangsverkaufe ihres Grundstücks die Gebäude mit Hülfe von Freunden niederreissen, und das Material, wie das Inventar und Mobilar fortschaffen, damit die Gläubiger nichts erhalten können.
Abbrennen
Was sich nicht abbürsten lässt, das muss man abstreicheln.
Manche Menschen sind wie ihr Rock, man kann nicht alles herunterbürsten, vieles geht nur herunterzustreicheln.
Abbürsten
Wir wollen einander abbürsten.Abbürsten
A hôt's Abc om Puck'l ûfgeschmîrt. (Österreich-Schlesien)Abc
Abc, beim x will ich anfangen.
Wenn die Schlesier von einem sagen wollen, dass er sehr wenig Lob verdient, so sprechen sie: Man müsste ihn durchs ganze Abc loben und beim x anfangen.
Abc
Bedenkt in Wohl und Weh
Dies goldne Abc.
Goethe, Gesellige Lieder: Frech und froh.
Abc
Beim Abc anfangen.
la] A linea incipere. (Aristid.)
Abc
Das Abc hat nur Ein W, unser Leben hat hundert und meh.Abc
Das Abc macht das meiste Weh.Abc
Das Abc macht dem Pfarrer das meiste Weh.Abc
Eine Pfarre ohne Abc haben.
Pfarrer in einem Orte ohne Adel, ohne Beamten und ohne Collegen sein.
Abc
Einen wieder beim Abc anfangen lassen.
Ganz von vorn.
fr] Remettre quelqu'un à l'Abc.
Abc
Er ist das kleine und große Abc durch.
Er hat viel erfahren, ist durchtrieben.
Abc
Er ist kaum über das Abc hinaus.
la] Ne Aesopum quidem trivisti. (Suidas.)
Abc
Er ist noch (nicht) im Abc.
Er hat noch nicht die ersten Schritte zur Bildung getan, hat noch nicht einmal den äußersten Vorhof der Wissenschaft betreten. Cicero sagt: Ne eruditum quidem illum pulverem attigit.
Abc
Er ist noch im Abc.
Er ist über's kleine Abc hinaus.
Jüdisch-deutsch in Warschau: Er känn in die kleine Ojssiëlech. Er ist gebildet, hat etwas gelernt. Ojssiëlech ist eine Verkleinerungsform vom hebräischen Oss = Zeichen, Buchstabe.
Abc
Er kommt nun aus dem Abc.Abc

001 002 003 004 005 006 007 008 009 010
011 012 013 014 015 016 017 018 019 020
021 022 023 024 025 026 027 028 029 030
031 032 033 034 035 036 037 038 039 040
041 042 043 044 045 046 047 048 049 050
051 052 053 054 055 056 057 058 059 060
061 062 063 064 065 066 067 069 068 070
071 072 073 074 075 076 077 078 079 080
081 082 083 084 085 086 087 088 089 090
091 092 093 094 095 096 097 098 099 100
101 102 103 104 105 106 107 108 109 110
111 112 113 114 115 116 117 118 119 120
121 122 123 124 125 126 127 128 129 130
131 132 133 134 135 136 137 138 139 140
141 142 143 144 145 146 147 148 149 150
151 152 153 154 155 156 157 158 159 160
161 162 163 164 165 166 167 168 169 170
171 172 173 174 175 176 177 178 179 180
181 182 183 184 185 186 187 188 189 190
191 192 193 194 195 196 197 198 199 200
201 202 203 204 205 206 207 208 209 210
211 212 213 214 215 216 217 218 219 220
221 222 223 224 225 226 227 228 229 230
231 232 233 234 235 236 237 238 239 240
241 242 243 244 245 246 247 248 249 250
251 252 253 254 255 256 257 258 259 260
261 262 263 264 265 266 267 268 269 270
271 272 273 274 275 276 277 278 279 280
281 282 283 284 285 286 287 288 289 290
291 292 293 294 295 296 297 298 299 300
301 302 303 304 305 306 307 308 309 310
311 312 313 314 315 316 317 318 319 320
321 322 323 324 325 326 327 328 329 330
331 332 333 334 335 336 337 338 339 340
341 342 343 344 345 346 347 348 349 350
351 352 353 354 355 356 357 358 359 360
361 362 363 364 365 366 367 368 369 370
371 372 373 374 375 376 377 378 379 380
381 382 383 384 385 386 387 388 389 390
391 392 393 394 395 396 397 398 399 400
401 402 403 404 405 406 407 408 409 410
411 412 413 414 415 416 417 418 419 420
421 422 423 424 425 426 427 428 429 430
431 432 433 434 435 436 437 438 439 440
441 442 443 444 445 446 447 448 449 450
451 452 453 454 455 456 457 458 459 460
461 462 463 464 465 466 467 468 469 470
471 472 473 474 475 476 477 478 479 480
481 482 483 484 485 486 487 488 489 490
491 492 493 494 495 496 497 498 499 500

<<< | >>>
operone