Deutsche Lyrik des frühen und hohen Mittelalters

DER BURGGRAF VON RIETENBURG

Ich bin mit rehter stæte

Ich bin mit rehter stæte einem guoten ritter undertân.
wie sanfte ez mînem herzen tuot, swanne ich in umbevangen hân!
der sich mit mangen tugenden guot
gemachet al der werlde liep, der mac wol hôhe tragen den muot.

Sine mugen alle mir benemen

Sine rougen alle mir benemen, den ich mir lange hân erwelt
ze rehter stæte in mînem muote, der mich vil langes liebes went.
und lægen si vor leide tôt,
ich wil im iemer wesen holt. si sint betwungen âne nôt.

Nu endarf mir nieman wîzen

1 Nu endarf mir nieman wîzen
ob ich in iemer gerne sæhe;
des wil ich mich vlîzen.
waz darumbe, ob ich des von zorne jæhe,
daz mir iemen sî lieber iht?5
ich lâze in durch ir nîden niht.
si verliesent alle ir arbeit;
er kan mir niemer werden leit.

2 Mir gestuont mîn gemüete
nie sô hôh von schulde,
sît ich in rehter güete
hân alsô wol gedienet ir hulde.
ich fürhte niht ir aller drô,5
sît si wil, daz ich si frô.
wan diu guote ist fröiden rîch,
des wil ich iemer fröwen mich.

Sît si wil versuochen mich

Sît si wil versuochen mich
daz nim ich für allez guot.
sô wirde ich golde gelîch,
daz man dâ brüefet in der gluot
und versuochet ez baz.5
bezzer wirt ez umbe daz,
lûter, schœner unde klâr.
swaz ich singe, daz ist wâr,
gluotez iemer mê,
ez wurde bezzer vil danne ê.10

Sît si wil, daz ich von ir scheide

Sît si wil, daz ich von ir scheide
─ dem si dicke tuot gelîch ─,
ir schœne und ir güete beide
die lâze si, sô kêre ich mich.
swar ich danne landes var,5
ir lop der hôhste got bewar.
mîn herze erkôs mir dise nôt.
senfter wære mir der tôt,
danne daz ich ir diene vil,
und si des niht wizzen wil.10

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