Deutsche Lyrik des frühen und hohen Mittelalters

❷ REINMAR ❷

◀ ❶ REINMAR

Ich gehabe mich wol

1 Ich gehabe mich wol und enruochte iedoch,
ob mir ein vil lützel wære baz.
ich bin allez in den sorgen noch.
wirt mir sanfter iht, ich rede ouch daz.
zuo den sorgen, die ich hân,5
ist mîn klage, ine habe der tage die vollen niht,
daz mîn swære iht muge ze herzen gân.

2 Ez erbarmet mich, daz si alle jehen,
daz ich anders niht kunne wan klagen.
mugt ir michel wunder an mir sehen ─
waz soft ich nu singen oder sagen?
solte ich swern, ine wisse waz?5
gesæhe ich wider âbent einen kleinen boten,
sône gesanc nie man von frowen baz.

3 Ich bin aller dinge ein sælic man,
wan des einen, dâ man lônen sol.
ob ich dise unsælde verwenden kan,
sô vert ez nâch ungenâden wol.
mir ist ungelîch deme,5
der sich eteswenne wider den morgen fröit.
alsô tæte ouch ich, weste ich mit weme.

4 Treit mir ieman tougenlîchen haz,
waz der sîner fröide an mir nu siht!
wê, war umbe tæte aber ieman daz?
wan got weiz wol, ine tuon doch nieman niht
wan sol mir genædic sîn.5
mich beginnet doch nâch mînem tôde klagen
maniger, der nu lîhte enbære mîn.

5 Die ich mir ze frowen hâte erkorn,
dâ vant ich niht wan ungemach.
waz ich guoter rede hân verlorn!
jâ, die besten, die ie man gesprach.
si was endelîchen guot.5
nieman konde si von lüge gesprochen hân,
ern bete als ich getriuwen muot.

6 Ich wil immer gerner umbe sehen,
ich was mîner fröide ein teil ze frî.
mir ist von einer kleinen rede geschehen,
daz ich wil wizzen, wer bî mir sî.
ungefüeger liute ist vil.5
sprech ich wider âbent lîhte ein schœne wort,
waz mac ichs, der mirz verkêren wil?

Sage, daz ich dirs iemer lône

1 »Sage, daz ich dirs iemer lône,
hâst du den vil lieben man gesehen?
ist ez wâr und lebt er schône,
als sie sagent und ich dich hœre jehen?«
»frowe, ich sach in, er ist frô.5
sin herze stât, ob irz gebietent, iemer hô.«

2 »Ich verbiute im fröide niemer,
lâze eht eine rede, so tuot er wol.
des bite ich in hiute und iemer.
dem ist alsô, daz manz versagen sol.«
»frowe, nu verredent iuch niet.5
er sprichet: allez daz geschehen sol, daz geschiet.«

3 »Hât aber er gelobt, geselle,
daz er niemer mê gesinge liet,
ez ensî ob ich ins biten welle?«
»frowe, ez was sîn muot, dô ich von im schiet.
ouch mugt irz wol hân vernomen.«5
»owê, gebiute ichz nu, daz mac ze schaden komen.

4 Ist aber, daz ichs niht gebiute,
sô verliuse ich mîne sælde an ime
und verfluochent mich die liute,
daz ich al der werlte ir fröide nime.
alterst gât mir sorge zuo.5
owê, nun weiz ich, obe ichz lâze oder ob ichz tuo.

5 Daz wir wîp niht mugen gewinnen
friunt mit rede, sine wellent mê,
daz müet mich. ine wil niht minnen.
stæten wîben tuot unstæte wê.
wær ich, des ich niene bin,5
unstæte, lieze er danne mich, sô lieze ich in.«

Lieber bote, nu wirbe alsô

1 Lieber bote, nu wirbe alsô,
sihe in schiere und sage im daz:
vert er wol und ist er frô,
ich lebe iemer deste baz.
sage im durch den willen mîn,5
daz er iemer solhes iht getuo,
dâ von wir gescheiden sîn.

2 Frage er, wie ich mich gehabe,
gihe, daz ich mit fröiden lebe.
swâ du mügest, dâ leit in abe,
daz er mich der rede vergebe.
ich bin im von herzen holt5
und sæhe in gerner denne den liehten tac ─
daz aber du verswîgen solt.

3 E daz du iemer im verjehest,
daz ich im holdez herze trage,
sô sich, daz du alrêrst besehest,
und vernim, waz ich dir sage:
mein er wol mit triuwe mich,5
swaz im danne muge ze fröiden komen,
daz mîn êre sî, daz sprich.

4 Spreche er, daz er welle her ─
daz ichs ferner lône dir ─,
sô bite in, daz ers verber
die rede, dier jungest sprach zuo mir,
ê daz ich in an gesehe.5
wes wil er dâ mit beswæren mich,
daz niemer doch an mir geschehe?

5 Des er gert, daz ist der tôt
und verderbet manigen lîp,
bleich und eteswenne rôt,
alsô verwet ez diu wîp.
minne heizent ez die man5
und möhte baz unminne sîn.
wê im, ders alrêrst began!

6 Daz ich alsô vil dâ von
gerede, daz ist mir leit,
wenne ich was vil ungewon
sô getâner arbeit,
als ich tougenlîchen trage.5
dun solt im niemer niht verjehen
alles, des ich dir gesage.

Als ich werbe unde mir mîn herze stê

1 Als ich werbe unde mir mîn herze stê,
alsô müeze mir an vröiden noch beschehen.
mir ist vil unsanfter nu dan ê,
mîner ougen wunne lât mich nieman sehen.
die sint mir verboten gar.5
nu verbieten alsô dar
und hüeten,
daz siu sich erwüeten.
wê, wes nement siu war?

2 Mich genîdet niemer sælic man
umbe die liebe, die si an mir erzöuget hât.
vröid noch trôst ich nie von ir gewan
wan sô vil, daz mir der muot des hôhe stât,
daz ich sis ie getorste biten,5
ein wîp mit alsô reinen siten.
mir wære
lîp und guot unmære,
het ich si vermiten.

3 Ich wæne ieman lebe, er hab ein leit
daz vor allem leide im an sîn herze gât.
owê, warumbe versprach ich tumber arebeit,
diu mir liebet und doch lobelîchen stât?
die versprich ich niemer tac.5
ich muoz leben, als ich mac.
waz darumbe
tuot got lîht ein wunder,
daz si mir werden mac.

4 Mir ist lieber, daz si mich verber,
und alsô daz si mir doch genædic sî,
danne si mich und jenen und disen gewer;
seht, sô wurde ich niemer mê vor leide frî.
nieman sol des gerende sîn,5
daz er spreche ›mîn und dîn
gemeine‹.
ich wil ez haben eine.
schade und frome sî mîn.

5 Ich was mînes muotes ie sô hêr,
daz ich in gedenken dicke schône lac.
daz wart mir, und wart ouch mir niht mêr.
swer daz âne rede niht gelâzen mac,
der tuot übel und sündet sich.5
nîdet er mich, waz ruoch ich?
in guote,
sô lebe ich in hôhen muote.
swer nu werbe, der minne als ich.

6 Ich bin als ein wilder valk erzogen,
der durch sînen wilden muot als hôhe gert.
der ist alsô hôh über mich geflogen
unde muotet, des er kûme wirt gewert,
und fliuget alsô von mir hin5
und dienet ûf ungewin.
ich tumber,
lîde ich senden kumber,
des ich gar schuldic bin?

7 Jô engienc ir nie, daz ich gesprach
sô nâhen, daz ez wære intes wert.
sol mich daz verjagen, daz ich sie sach
und ich ouch ihtes dar under hân gegert,
daz ich solte hân verswigen?5
owê, wie ist daz gedigen
unschône!
nâch sô kleime lône
hân ich selten noch genigen.

Des tages dô ich daz kriuze nam

1 Des tages dô ich daz kriuze nam,
dô huote ich der gedanke mîn,
als ez dem zeichen wol gezam
und als ein rehter bilgerîn.
dô wânde ich sie ze gote alsô bestæten,5
daz si iemer fuoz ûz sîme dienste mêr getræten.
nu wellent si aber ir willen hân und ledeclîche varn als ê.
diu sorge diu ist mîn eines niet, si tuot ouch mêre liuten wê.

2 Noch füere ich aller dinge wol,
wan daz gedanke wellent toben.
dem gote dem ich dâ dienen sol,
den enhelfent si mir nihi sô loben,
als ichs bedorfte und ez mîn sælde wære.5
si wellent noch allez wider an diu alten mære
und wænent, daz ich noch frôide pflege, als ich ir eteswenne pflac.
daz wende, muoter unde maget, sît ichs in niht verbieten mac!

3 Gedanken nu wil ich niemer gar
verbieten (dês ir eigen lant),
in erloube in eteswenne dar
und aber wider sâ zehant.
sô si unser beider friunde dort gegrüezen,5
sô kêren dan und helfen mir die Sünde büezen,
und sî in allez daz vergeben, swaz si mir haben her getân.
doch fürhte ich ir betrogenheit, daz si mich dicke noch bestân.

4 Sô wol dir, fröide, und wol im sî,
der dîn ein teil gewinnen mac.
swie gar ich dîn sî worden frî,
doch sach ich eteswenne den tac,
daz du über naht in mîner pflege wære.5
des hån ich aber vergezzen nu mit maniger swære.
die stîge sint mir abe getreten, die mich dâ leiten hin an dich.
mirn hulfe viemen wider ze wege, ern hete mînen dienest und ouch mich.

Hôh alsam diu sunne stêt daz herze mîn

1 Hôh alsam diu sunne stêt daz herze mîn.
daz kumt von einer frowen, diu kan stære sîn.
ir genâde, swâ si sî,
si machet mich vor allem leide frî.

2 Ich hân ir niht ze gebenne wan mîn selbes lîp,
derst ir eigen. dicke mir diu schœne gît
fröide und einen hôhen muot,
savanne ich daran gedenke, wie si mir tuot.

3 Wol mich des, daz ich si ie sô stære vant!
swâ si wonet, diu eine liebet mir daz lant.
füer si über den wilden sê,
dar füer ich hin. mir ist nâch ir sô wê.

4Het ich tûsent manne sin, daz wære wol,
daz ich si behielte, der ich dienen sol.
schône und wol si daz bewar,
daz mir von ir niht leides widervar.

5 Ich enwart nie rehte sælic wan von ir.
swes ich ir gewünschen kan, des gan si mir.
sæleclîch ez mir ergie,
dô diu schœne mich in ir genâde vie.

Ich hân hundert tûsent herze erlôst

1 Ich hân hundert tûsent herze erlôst
von sorgen, alse frô was ich.
wê, jâ was ich al der werlte trôst,
wie zæme ir daz, sin trôste ouch mich?
si ensol mich niht engelten lân,5
daz ich sô lange von ir was,
dar zuo daz ichs engolten hân.

2 Ich wil bî den wolgemuoten sîn,
wan ist unfrô, dâ ich ê dâ was,
dâ entrœstent kleiniu vogellîn,
dâ entrœstent bluomen und gras.
dâ sint als jæmerlîchiu jâr,5
daz ich mich under den ougen rampf
und sprach: ›nu gênt ûz, grâwe hâr.‹

3 Als rehte unvrô enwart ich nie.
daz solt eht sin; nu ist ez geschehen.
mich bekennent noch die liute hie,
die mich anders hânt gesehen.
alse fröidenrîche was ich dô,5
daz ich mich fröite und fröide gap.
wie tunt man wider mich nu sô?

4 Kume ich wider an mîne fröide als ê,
daz ist den senden allen guot.
nieman ist von sorgen alse wê,
wil er, ich mache in wolgemuot.
ist aber er an fröiden sô verzaget,5
daz er enkeiver buoze gert,
sô enruoche ich, ob er iemer klaget.

5 Hœret, waz ich zuo der buoze tuo,
daz ich mit zouber niht envar.
minneclîchiu wort stôze ich dar zuo,
den besten willen strîche ich dar.
tanzen und singen muoz ich haben;5
daz fünfte ist wunneclîcher trôst:
sus kan ich senden siechen laben.

Ungenâde und swaz ie danne sorge was

1 Ungenâde und swaz ie danne sorge was,
der ist nu mère an mir,
danne ez got verhengen solde.
rât ein wîp, diu ê von senender nôt genas,
mîn leit, und wær ez ir,5
waz si danne sprechen wolde.
der mir ist von herzen holt,
den verspriche ich sêre,
niht durch ungefüegen haz,
wan durch mînes lîbes êre.10

2 In bin nihi an disen tac sô her bekomen,
mir ensî gewesen bî
underwîlent hôchgemüete.
guotes mannes rede habe ich vil vernomen,
der werke bin ich frî,5
sô mich iemer got behüete.
dô ich im die rede verbôt,
dône bat er niht mêre.
disen lieben guoten man
enweiz ich, wie ich von mir bekêre.10

3 Als ich eteswenne in mîme zorne sprach,
daz er die rede vermite
iemer dur sîn selbes güete,
sô hât er, daz ichz an manne nie gesach,
sô jæmerlîche site,5
daz ez mich zwâre müete,
und iedoch sô sêre niet,
daz ers iht genieze.
mir ist lieber, daz er bite,
danne ob er sîn sprechen lieze.10

4 Mir ist beide liep und herzeclîchen leit,
daz er mich ie gesach
oder ich in sô wol erkenne,
sît daz er verlieren muoz sîn arebeit,
sô wol als er mir sprach.5
daz müet mich doch eteswenne,
und iedoch dar umbe niht,
daz ich welle minnen.
minne ist ein sô swærez spil,
daz ichs niemer tar beginnen.10

5 Alle, die ich ie vernam und hân gesehen,
der keiner sprach sô wol
noch von wîben nie sô nâhen.
waz wil ich des lobes? got lâze im wol geschehen.
sin spæhe rede in sol5
lützel wider mich vervâhen.
ich muoz hœren, swaz er saget.
wê, waz schât daz ieman,
sît er nihi erwerben kan
weder mich noch anders nieman?10

Nu muoz ich ie mîn alten nôt

1 Nu muoz ich ie mîn alten nôt
mit sange niuwen unde klagen,
wan si mir aise nâhen lît,
daz ich ir vergezzen nien enmac.
ir gruoz mich vie, diu mir gebôt5
vil langen niuwen kumber tragen.
erkande si der valschen nît,
baz fuogete si mir heiles tac.
sol mir an ir guot ende ergân,
die wîle ich muoz von herzen hân,10
sô mac uns beiden liep geschehen.
swaz si es lenget, daz ist schade,
wil si mich iemer frô gesehen.

2Ich enmac ez in allen niht gesagen,
die mich dâ vrâgent zaller zît,
war umbe ich alsô trûric lebe
und âne wunneclîchen muot.
die selben hulfen mir ez klagen,5
die sich dâ setzent in den strît.
enpfâhent die nu leides gebe,
daz enfrumet noch endunket guot.
ez sol in unerzeiget sîn,
daz râtet mir daz herze mîn.10
ich bin, der siz verswîgen sol.
swer wîbes êre hüeten wil,
der bedarf vil schœner zühte wol.

3 Von herzeliebes schulden hât
mîn lîp vil kumberlîche nôt,
daz si niemer kunde grœzer sîn,
des helfent al die sinne jehen.
den ez niht ze herzen gât5
noch in diu minne nie gebôt,
die sprechent von der swære mîn,
waz mir sô grôzes sî geschehen,
daz ich sô trûreclîchen klage.
und trüegen si, daz ich dâ trage,10
mîn schade tet in alse wê,
daz er si muote und mir dar nâch
vil wol geloubten iemer mê.

4 Mir sol ein sumer noch sîn zît
ze herzen niemer nâhe gân,
sît ich sô grôzer leide pflige,
daz minne riuwe heizen mac.
waz hulfe danne mich ein strît,5
den ir mit triuwen hân getân,
sît ich in selhen banden lige?
wê, wanne kumet mir heiles tac?
jô enmac mir niht der bluomen schîn
gehelfen für die sorge mîn,10
unde ouch der vogel sanc,
ez muoz mir stæte winter sîn:
sô rehte swær ist mîn gedanc.

Spræche ich nu, daz mir wol gelungen wære

1 Spræche ich nu, daz mir wol gelungen wære,
sô verlüre ich beide sprechen unde singen.
waz touc mir ein alsô verlogenz mære,
daz ich ruomde mich alse frömder dinge?
daz wil ich den hôchgemuoten lân,5
den dâ wol geschiht, die nemen sich des an.
ich klage iemer mînen alten kumber,
der mir iedoch sô niuwer ist,
den si mir gap, dô si mir fröide nam. wê, ich vil tumber!

2 Wil diu vil guote, daz ich iemer singe
wol nâch fröiden, mac si mich danne lêren
alsô, daz si mir mîne nôt geringe.
ân ir helfe truwe ich niemer si verkêren.
mac si sprechen ›ez ist mit triuwen jâ‹,5
als ê sprach nein, sô wirt mîn wille dâ,
daz ich singe frô mit hôhem muote.
dâ bî sô ist diu sorge mîn,
daz man ze lange beitet. daz kumt niht wol ze guote.

3 Ich bin niht tump mit aise wîsem willen,
daz ich sô reine noch sô stæte minne;
wan daz si sint vil lîhte ze stillen,
den dâ liep âne leit geschiht, als ich es sinne.
sô verliuse ich niemer fröiden vil,
sît diu guote mich niht sanfte stillen wil.
sol mîn dienst alsô sîn verswunden,
sô sîn doch geêret elliu wîp,
sît daz mich einiu mit gedanken fröit an manigen stunden.

4 Ez bringet mich in zwîvel eteswenne,
daz ich lônes bîte in alsô langer mâze.
an der ich aber triuwe und êre erkenne,
wæne ich des, daz mir diu ungelônet lâze,
sô geschæhe an mir, daz nie geschach.5
guot gedinge ûz lônes rehte nie gebrach.
des habe ich hin zir hulden ie gedinget.
ouch ist ez wol genâden wert,
swâ man nâch liebe in alsô lûterlîcher stæte ringet.

Dem gelîch entuon ich niht

1 Dem gelîch entuon ich niht,
als ich durch swachen nît verzage.
swenne iht leides mir geschiht,
mit fuoge ichz tougenlîchen trage
und gedenke ›es wirdet rât‹.5
alsô habe ich gelebet her,
daz mir mîn dinc noch schône stât.

2 Minem leide ist dicke sô,
dazz nieman wol volenden kan,
und gestên doch lîhter frô
danne in der welte ein ander man.
dest unstæter bin ich niht,5
wan daz ein sinnic herze sich
beklagen sol des im beschiht.

4 Mich beswærent alle die,
der herze niht sô sinnic sîn,
daz si lebent, sine wizzen wie,
und spottent doch dar under mîn.
die sint übel und bin ich guot,5
wand ich niemer rehten man
gehazzen wil, sô er rehte tuot.

4 Stæten lop er nie gewan,
swer al der werlte willen tuot.
mêr umbe êre sol ein man
sorgen denne umb ander guot
und des besten flîzen sich.5
frage in ieman, wer im daz
geraten habe, sô nenne er mich.

Dêst ein nôt, daz mich ein man

1 Dêst ein nôt, daz mich ein man
vor al der werlte twinget, swes er wil.
sol ich, des ich niht enkan,
beginnen, daz ist mir ein swærez spil.
ich hât ie vil stæten muot.5
nu muoz ich leben als ein wîp,
diu minnet und daz angestlîchen tuot.

2 Der mîn huote, des wære zît,
ê daz ich iht getæte wider in.
wolt er lâzen nu den strît!
wes gert er mêre, wan daz ich im holder bin
danne in al der werlte ein wîp?5
nu wil er ─ daz ist mir ein nôt ─,
daz ich durch in die êre wâge und ouch den lîp.

3 Des er mich nu niht erlât,
daz tuon ich unde tete sîn gerne vil,
wand ez mir umb in sô stât,
daz ich sîn niht ze friunde enbern wil.
ein alsô schône redender man,5
wie möhte ein wîp dem ihr versagen,
der ouch sô tugentlîche lebt, als er wol kan?

4 Schône kan er im die stat
gefüegen, daz er sprichet wider mich.
zeinen zîten er mich bat,
daz ich sînen dienest næme; daz tet ich.
dô wânde ich des, ich tæte wol.5
dône wiste ich niht, daz sich dâ huop
ein swære, diu lange an mînem lîbe wesen sol.

5 Mînes tôdes wânde ich baz,
danne daz er gewaltic iemer wurde mîn.
wê, war umbe spriche ich daz?
jâ zürne ich âne nôt; ez solte eht sîn.
dicke hât ich im versaget,5
dô tet er als ein sælic man,
der sînen kumber alles ûf genâde klaget.

Ich tuon mit disen dingen niht

1 Ich tuon mit disen dingen niht:
ich trûre ein teil ze sêre.
der mich sô vil gesorgen siht,
ich fürhte, er mirz verkêre
übel und anders danne wol.5
nun weiz ich, waz ich sprechen sol,
wan ich enkan niht mêre.

2 Wilent dô man fröun mich sach,
dô was mir wol ze muote.
man hôrte wol, daz ich dô sprach
vil manige rede guote.
hei, waz mannes was ich dô!5
nu wurde ich aber lîhte frô,
der mîn schône huote.

3 Verliesent mich, die fröiden gernt,
sô hât diu rede ein ende.
die nu vil lîhte mîn enbernt,
die windent danne ir hende.
wê, daz si als übel gedenkent mîn,5
die doch sô guot dâ wellent sîn!
daz sint ir missewende.

4 Ich habe in anders niht getân,
wan daz ich sêre sinne
dar, dâ ich ie geminnet hân
und noch hiute minne.
owê, daz ich des ie began!5
des fürhte ich vil unsælic man
grôzen schaden gewinne.

5 Wê, ich bin sô gar verzaget!
dêswâr, ich solt erwinden.
ich hân sô vil dâ her geklaget,
daz ez versmâht den kinden.
nu mac ich dienen anderswâ.5
nein, ich enwil, mîn fröide ist dâ.
dâ sol ich si vinden.

War kan iuwer schœner lîp

1 »War kan iuwer schœner lîp?
wer hat iuch, sælic vrouwe, den benomen?
ir wâret ein wunneclîchez wîp,
nu sint ir gar von iuwer varwe komen.
dâst mir leit und müet mich sêre.5
swer des schuldic sî, den velle got und nem im al sîn êre.«

2 »Wâ von solt ich schœne sîn
und hôhes muotes als ein ander wîp?
ich hân des willen mîn
niht mêre wan sô vil, ob ich den lîp
mac behüeten vor ir nîde,5
die mich zîhent unde machent, daz ich einen ritter mîde.

3 Solhe nôt und ander leit
hât mir der varwe ein michel teil benomen.
doch fröwet mich sîn sicherheit,
daz er lobte, er wolte schiere komen.
weste ich, ob ez alsô wære,5
sô engehôrte ich nie vor maniger wîle mir ein lieber mære.

4 Ich gelache in iemer an,
kumt mir der tac, daz in mîn ouge ersiht.
wand ichs niht verlâzen kan
vor liebe, daz mir alsô wol geschiht.
ê ich danne von im scheide,5
sô mac ich sprechen ›gên wir brechen bluomen ûf der heide.‹

5 Sol mir disiu sumerzît
mit manigem liehten tage alsô zergân,
daz er mir niht nâhen lît,
dur den ich alle ritter hân gelân,
owê danne schœnes wîbes!5
sôn kam ich nie vor leide in grœzer angest mînes lîbes.

6 Mîne friunde mir dicke sagent
(und liegent), daz mîn niemer werde rât.
wol in, daz si mich sô klagent,
wie nâhen in mîn leit ze herzen gât!
swenne er mich getrœstet eine,5
sô gesiht man wol, daz ich vil selten iemer iht geweine.«

Herzeclîcher fröide wart mir nie sô nôt

1 Herzeclîcher fröide wart mir nie sô nôt,
mir entæten sorgen tougenlîchen wê.
die müezen sîn an mir vil unverwandelôt,
in gelebe, daz si genâde an mir begê:
sô müest ich wol trûren iemer lân5
und lieze manige rede, als ich niht hôrte, für diu ôren gân.

2 Waz unmâze ist daz, ob ich des hân gesworn,
daz si mir lieber sî danne elliu wîp?
an dem eide wirt niemer hâr verlorn:
darumbe setze ich ir ze pfande mînen lîp.
swie sô si gebiutet, alsô wil ich leben.5
sin gesach mîn ouge nie, diu baz ein hôhgemüete könde geben.

3 Ungefüeger schimpf bestêt mich alle tage.
si jehent des, daz ich ze vil gerede von ir,
und diu liebe sî ein lüge, die ich von ir gesage.
owê, wan lâzent si den schaden mir?
si möhten tuon, als ich dâ hân getân,5
und heten wert ir liep und liezen mîne frowen gân.

4 Ichn gesprach nie, daz si an mir tæte wol,
wan gedeclîchen, des bat ich.
ichn weiz, für waz ich daz haben sol:
si swîget allez und lât reden mich.
dâ ist volleclîches trôstes noch niht bî.5
nu müeze mir geschehen, als ich ir günne und mîn geloube sî.

5 Waz ich bœser handelunge erliten hân,
von den ichs wol erlâzen mohte sîn,
die niht frâgent, wie mîn kummer si getân
und wie mîn frouwe noch gedenke mîn!
bœsen haz erzeigent sie mir alsô,5
die ich gesihe noch jæmerlîche leben, unde bin ich frô.

Er hât ze lange mich gemiten

1 Er hât ze lange mich gemiten,
den ich mit triuwen nie gemeit.
von sîner schulde ich hân erliten,
daz ich nie grœzer nôt erleit.
sô lebt mîn lîp nâch sînem lîbe.5
ich bin ein wîp, daz im von wîbe
nie liebes geschach, swie mir von im geschæhe.
mîn ouge in gerner nie gesach danne ich in hiute sæhe.

2 Mir ist vil liebe nu geschehen,
daz mir sô liebe nie geschach.
sô gerne hân ich si gesehen,
daz ich si gerner nie gesach.
ich scheide ir muot von swachem muote.5
si ist sô guot, ich wil mit guote
ir lônen, ob ich kan, als ich doch gerne kunde.
vil mêre vröiden ich ir gan, danne ich mir selben gunde.

Âne swære

1 Âne swære
ein frouwe ich wære,
ân daz eine, daz sich sent
min gemüete
nâch sîner güete,5
der er mich wol hât gewent.
sol ich lîden
von im langez mîden,
daz müet mich wol sêre,
ich spriche im niht mêre,10
wan daz er mich siht, daz sivt sîn êre.

2 Mîn geselle,
swaz er welle,
daz muoz im an mir geschehen.
man sô guoten,
baz gemuoten,5
hân ich selten mê gesehen,
im gelîchen,
doch sô gemellîchen,
bî dem für die swære
bezzer fröide wære.10
iemer hôrt ich gerne sîniu mære.

3 Mîn gedinge
der ist geringe,
die wîle ich in lebendic hân.
swer in êret
und im mêret5
fröide, daz ist mir getân.
swaz er wolte,
daz ich lâzen solte,
daz konde ich vermîden.
bœser liute nîden10
wil ich im ze dienste gerne lîden.

4 Wol dem libe,
der dem wibe
solhe fröide machen kan.
mîme heile
ich gar verteile,5
mîdet mich der beste man.
swes er pflæge,
swenne er bî mir læge,
mit sô frömden sachen
künder wol gemachen,10
daz ich sîner schimpfe müese lachen.

5 Ich wær stæte,
swaz er tæte,
ob er doch gedæhte mîn.
er schier hinnen
mit den minnen,5
daz ich niht vergizze sîn.
wîp mit güeten
sol ir êre hüeten
schône zallen zîten,
wider ir friunt niht strîten.10
alsô wil ich sîn mit êren bîten.

6 Zuo dem scheiden,
daz uns beiden
menige fröide hât erwert,
gotes güete
mir in behüete,5
swar er in der welte vert.
alsô schône
man nâch wîbes lône
noch geranc nie mêre.
daz ich sîner êre10
weiz sô vil, daz ist mîn herzesêre.

◀ ❶ REINMAR

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