Deutsche Lyrik des späten Mittelalters

OTTO VON BOTENLAUBEN

Fröide ist al der welte komen

›Fröide ist al der welte komen,
niht ze mînem fromen,
sît mich sîn güete alsô vrömeden wil.
Der walt ist grüene und sanges vol.
swer sich vröuwen sol,5
der lobe die zît, diu gît wunnen vil.
Alliu herzen an vröiden jungen sich,
swaz et vröiden gert, wan ich.‹

Karbunkel ist ein stein genant

Karbunkel ist ein stein genant,
von dem saget man, wie liehte er schîne.
Der ist mîn, und ist daz wol bewant:
ze Lôche lît er in dem Rîne.
Der künic alsô den weisen hât,5
daz ime den nieman schînen lât.
mir schînet dirre als ime tuot der:
behalten ist mîn frouwe als er.

Ich hân erwelt mir selben süezen kumber

I Ich hân erwelt mir selben süezen kumber,
den wil ich hân für aller bluomen schîn.
Er ist niht wîs, der mich hât deste tumber:
nît was ie, der muoz ouch iemer sîn.
Durch die lieben trage ich disen pîn;5
den hân ich erwelt, nu sî ouch mîn.
tuo mir swie du wellest, vrouwe, der gewalt ist dîn.

II Ich man die süezen reinen noch ir triuwen
die si mir gap, des ist unmâzen lanc:
Kæme ich wider, ich schiede ûz allen riuwen.
geschiht des niht, sô wirt mîn leben kranc.
Nâch der ie mîn herze sêre ranc,5
mir geschiht von ir minne sunder wanc
alse der nahtegal: diu sitzet tôt ob ir vröiden sanc.

III Solte ich sterben von sô grôzen leiden,
daz wære mir ein angestlîchiu nôt.
Wes schult daz sî, daz wil ich iu bescheiden:
daz ist ir minneclîcher munt sô rôt.
Vrömede ich si lange, daz ist mîn tôt.5
ouch wurden ir vil liehtiu ougen rôt,
dô ich urloup nam und mich in ir genâden bôt.

Wære Cristes lôn niht alsô süeze

I Wære Cristes lôn niht alsô süeze,
so enlieze ich niht der lieben frouwen mîn,
Die ich in mînem herzen dicke grüeze.
si mac vil wol mîn himelrîche sîn,
Swâ diu guote wone al umbe den Rîn.5
herre got, so tuo mir helfe schîn,
daz ich mir und ir erwerbe noch die hulde dîn!

II ›Sît er giht, ich sî sîn himelrîche,
so habe ich in zuo gote mir erkorn,
Daz er niemer vuoz von mir entwîche.
herre got, lâ dirs niht wesen zorn!
Erst mir in den ougen niht ein dorn,5
der mir hie ze fröiden ist geborn.
kumt er mir niht herwider, mîn spilnde fröide ist gar verlorn.‹

Wie sol ich den ritter nu gescheiden

I ›Wie sol ich den ritter nu gescheiden
und daz schœne wîp,
die dicke bî ein ander lâgen ê?
Dâ rât ich in rehten triuwen beiden
und ûf mîn selbes lîp,5
daz si sich scheiden und er dannen gê.
Mâze ist zallen dingen guot.
lîp und êre ist unbehuot
ob man iht langer lît.
ich ensinge eht anders niht wan: ez ist zît
. 10
stant ûf, ritter!‹

II »Hœrestu, vriunt, den wahter ûf der zinnen,
wes sîn sanc verjach?
wir müezen unsich scheiden, lieber man.
Alsô schiet dîn lîp ze jungest hinnen,
dô der tac ûf brach5
und uns diu naht sô vlühteclîche entran.
naht gît senfte, wê tuot tac.
ôwê, herzeliep, in mac
dich nû verbergen nieht.
uns nimet der vröiden vil daz grâwe lieht.⌉10
stant ûf, ritter!«

III ›Dîn kuslîch munt, dîn lîp clâr unde süeze,
dîn drucken an die brust,
dîn umbevâhen lât mich hie betagen.
Daz ich noch bî dir betagen müeze
ân aller vröiden verlust!5
sô daz geschiht, so endürfen wir niht clagen.
Dîn minne ist gar ein zange mir,
si klemmet mich, ich muoz [] ze dir,
gult ez mir al den lîp.‹
»Mich enlât der tac, daz clage ich sendez wîp.
stant ûf, ritter!«

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