• Hans Aßmann von Abschatz (1646-1699)

  • Eines Englischen Hundes

    Mein Leser/ unter diesem Steine/
    Ruht Rodomonds Gebeine/
    Der in der Blütte seiner Jahr
    Ein Ausbund schöner Hunde war/
    Der sich als einen Held in Kampff und Streit erwiesen/
    Und wegen seiner Treu vor andern wird gepriesen.

    Der unter tausend klugen Hunden
    Verständig ward erfunden.
    Der ihm durch ungemeine Kunst/
    Verdient des Herren gutte Gunst/
    Der Freunde Lieb und Hold/ der Feinde Furcht und Schrecken/
    Das nach dem Tode noch sein Nahme kan erwecken.

    Zwar hat das Ende seinem Leben
    Ein schwerer Tod gegeben/
    Doch siel er als ein kühner Held/
    Von keiner schnöden Hand gefällt.
    Er kan die Kranckheit nicht/ sie ihn nicht überwinden/
    Ihn muß ein heißes Bley auff grüner Au entbinden.

    Der Schiffer fürcht sich nicht in Wellen
    Sein Grabmahl zu bestellen.
    Der Bergmann zieht dem Tode nach
    In Pluto finstres Schlaff-Gemach:
    Ein Held wird ihm sein Grab mit Blutte lieber färben/
    Als auff gemeine Weis' in siechen Lager sterben.

    Muß gleich der Leib im Tode büssen/
    Den Staub der Bayre küssen/
    So bleibt doch der bekandte Ruhm
    Sein unvergänglich Eigenthum.
    Es schreibt sein hohes Lob bey Phöbus Wagen-Räder
    Mit Diamanten an gelehrter Leute Feder.

    Du/ dem sich im fürüber-reisen
    Diß schlechte Grab wird weisen.
    Spreit über dieses Todten-Hauß
    Mit vollen Händen Blumen aus/
    Und wo noch Rodomund so viel ist werh gewesen/
    Bemüh dich beygefügt sein Testament zu lesen.

    VII. Leichen- und Ehren-Gedichte 37
  • Hans Aßmann von Abschatz
    LYRIK - operone