Lyrik

Ballade, Elegie, Epigramm, Ghasel, Haiku, Hymne, Lied, Ode, Ritornell, Sonett, Villanelle
Anagramm, Lipogramm, Palindrom, Akrostichon, Bildreihengedicht, Rollengedicht

Friedrich Rückert (1788-1866)

Hofer, Commandant von Tyrol

Aus Mantua von dem Walle
Komm' ich geschritten her,
Wo noch von meinem Falle
Ein Fleck ist blutig sehr;
Die Augen unverschlossen,
Von der Franzosen Hand,
Ward ich allda erschossen,
Ich Tyrols Commandant

Im Jahre, da man setzte
In Insurrection
Tyrol, das Schwerter wetzte
Für Oestreichs Kaiserthron,
War ich es, den erkannten
Die Häupter der Partei
Als Tyrols Commandanten,
Daß ich's für Oestreich sei.

O Oesterreich, ich habe
Die Commandantenschaft
Bewahret bis zum Grabe
Für dich mit treuer Kraft;
Es hat mich nicht verdrossen,
Daß als Verräther ich
Vom Feinde ward erschossen,
Weil ich es ward für dich.

O Oesterreich, ich habe
Die Commandantenschaft
Bewahret auch im Grabe
Für dich mit treuer Kraft;
Mußt' auch mein Blut zerstieben
Auf fremden Mauern wohl,
Im Tod bin ich geblieben
Commandant von Tyrol.

Ich hab' als treuer Hüter
Nachdem ich längst erblich,
Behütet die Gemüther,
O Oesterreich für dich.
Als Geist bin ich geschritten
Stets dies mein Land hindurch,
Und habe unbestritten
Bewahrt dir deine Burg.

Nun heut', da unser Hoffen
Gekommen ist zum Ziel,
Daß Tyrol frei und offen
Zurück an Oestreich fiel;
Hier von mir eingehändigt
Nimm hin das theure Pfand:
Heut' ist mein Amt geendigt
Als Tyrols Commandant.

Nimm hin dies Land der Treue,
Das dein von Anfang war,
Das dein jetzt ist auf's neue,
Und dein sei immerdar.
Aus meiner Hand ich thue
Den Commandantenstab,
Und gehe so zur Ruhe
Zufrieden in mein Grab.