Giuseppe Verdi

Rigoletto

Oper in vier Aufzügen

Personen

Der Herzog von Mantua (Tenor)

Rigoletto, sein Hofnarr (Bariton)

Gilda, dessen Tochter (Sopran)

Graf von Monterone (Baß)

Graf von Ceprano (Bariton)

Die Gräfin, seine Gemahlin (Sopran)

Marullo, Kavalier (Bariton)

Borsa, Höfling (Tenor)

Sparafucile, ein Bravo (Baß)

Maddalena, seine Schwester (Mezzosopran)

Giovanna, Gildas Gesellschafterin (Alt)

Ein Gerichtsdiener (Baß)

Ein Page der Herzogin (Mezzosopran)

Herren und Damen vom Hofe. Pagen. Hellebardiere. Diener

Ort der Handlung: Mantua und Umgegend.

Im ersten Aufzug Säulensaal im herzoglichen Palaste zu Mantua. Im zweiten Aufzug öder Stadtteil in Mantua. Im dritten Aufzug ein kleiner Saal im herzoglichen Palaste zu Mantua. Im vierten Aufzug öder unheimlicher Stadtteil zu Mantua am Ufer des Flusses Mincio.

Zeit: Das 16. Jahrhundert.

Rechts und links vom Darsteller.

Nr. 1. Introduktion.

34 Takte Andante sostenuto.

Der Vorhang hebt sich nach dem 34. Takte.

Erster Aufzug.

Ein prächtiger Säulensaal im herzoglichen Palaste zu Mantua, über eine Freitreppe in einen mit einem Vorhang verschließbaren zweiten Saal mit einem großen Fenster hinten, welches in einen Garten führt, nach dem vorstehenden Dekorationsplan.

Kandelaber mit brennenden Lichtern neben der Mittelfreitreppe rechts und links. Zur Rechten vorn auf Stufen ein Thronsitz mit einem Armsessel. Zur Linken hinten ein Kartenspieltisch mit Stühlen. Tischchen. Stühle. Von der Decke ein Kronleuchter, auf den Tischen Armleuchter mit brennenden Lichtern.

Es ist Nacht.

Hellstrahlende Festbeleuchtung.

Rechts und links vom Darsteller.

Erster Auftritt.

Eine glänzende Festversammlung: Herren und Damen im großen Kostüm im hinteren Saale tanzend. Vier Hellebardiere an den Treppenstufen rechts und links. Sechs Pagen und sechs Diener mit Gold- und Silbergefäßen kommen, gehen und servieren im Saale hinten. Eine Spielergruppe um den Tisch links hinten beim Kartenspiele sitzend:

Ballorchester unsichtbar hinten auf der rechten Seite in der Nähe.

Allegro con brio, feurige schnelle Tanzweise im hinteren Saale mit Anschluß an die zunächst Auftretenden.

Alle hinten Ausbrüche des Lachens und der Heiterkeit.

Der Herzog von Mantua und sein Höfling Borsa kommen in heller Festkleidung im 58. Takte von links.

Zweiter Auftritt.

Die Vorigen. Herzog, Borsa zu seiner Linken.

Paare kommen und gehen.

Herzog und Borsa kommen nach vorn.

HERZOG in übermütiger Haltung und Laune.
Endlich zum Schlusse bring‘ ich das Abenteuer
Mit jener spröden unbekannten Schönen!
BORSA.
Die in der Kirche öfter Sie gesehen?
HERZOG.
Jeden Festtag seit drei Monden.
BORSA.
Und ihre Wohnung?
HERZOG.
In einem düstern Winkel.
Jede Nacht besucht ein Mann die Schöne.
BORSA.
Und kennt das Mädchen Ihren Stand und Namen?
HERZOG.
O nein! –

Eine Gruppe von sechs Herren und Damen geht von rechts vorn nach links hinten durch den vordern in den hintern Saal

BORSA macht den Herzog aufmerksam auf die Vorübergehenden.
Ha, welche Reize! O sehn Sie!
HERZOG.
Alle verdunkelt Cepranos junge Gattin.

Der Tanz im Saale hinten endet, wenn jetzt die Bühnenmusik abschließt.

BORSA leise.
Der Graf darf das nicht hören.
HERZOG übermütig lachend.
Mag er es wissen!
BORSA.
Einer andern könnt‘ er’s sagen.
HERZOG.
Dieses Unglück wär‘ für mich leicht zu ertragen!

Er spricht mit Borsa leise weiter.

Die Tänzerpaare bewegen sich in zwangloser Unterhaltung.

Die Pagen und Diener reichen Erfrischungen.

Nr. 2. Ballade.

HERZOG.
Freundlich blick‘ ich auf diese und jene,
Die wie Sterne, wie Sterne mich leuchtend umschweben;
Doch mich fesseln soll nie eine Schöne,
Denn ich glühe für keine allein.
Die Natur will uns alle beglücken,
Nur der Wechsel verschönert das Leben!
Mag die eine mich heute entzücken,
Morgen wird mich die and’re erfreun! –
Treue hält uns in lästigen Banden,
Nimmer will ich dies Schicksal, dies Schicksal erfahren;
Mag ein Thor sie für eine bewahren,
Nur in Freiheit kann die Liebe gedeihn!
Niemals hemmt mich das Auge des Gatten,
Seiner Eifersucht kann ich nur lachen,
Mag ein Argus ihr Kleinod bewachen,
Ja, der Sieg bleibt am Ende doch mein!

Er wendet sich nach hinten.

Die Bühnenmusik im Saale hinten beginnt ein Menuett.

Menuett-Tanz im Saale hinten.

Der Hofnarr Rigoletto verwachsen, hämisch, höhnisch, spottsüchtig, von allen gehaßt, kommt in heller Narrenkleidung mit dem Narrenscepter im Gürtel mit Beginn des Menuetts von links.

Dritter Auftritt.

Die Vorigen. Herzog rechts, Rigoletto zu seiner Linken. Borsa zurückstehend. Dann ein Hofherr mit der Gräfin und dem Grafen Ceprano. Ballgesellschaft im hintern Saal.

Rigoletto geht zum Herzog, unterrichtet ihn vom Nahen der Gräfin Ceprano und tritt dann beobachtend nach rechts hinten.

Gräfin kommt am Arme eines Hofherrn, gefolgt vom Grafen von links.

Herzog tritt ihnen entgegen, begrüßt das gräfliche Paar und führt die Gräfin in den Vordergrund.

Hofherr verabschiedet sich und geht in den hintern Saal.

Borsa tritt zu Ceprano und spricht leise einige Worte mit ihm.

Ceprano der den Herzog und die Gräfin gespannten Blickes beobachtet, beachtet ihn kaum.

Borsa tritt achselzuckend auf seine Stelle links hinten zurück.

Nr. 3. Menuett.

HERZOG.
Sie fliehn mich? Wie grausam!
GRÄFIN.
Ceprano zu folgen geziemet der Gattin.
HERZOG.
Im strahlenden Schimmer
Am Hofe zu glänzen geziemet der Sonne,
Und hier zu verbreiten Entzücken und Wonne!
Sie sehen von Liebe und Sehnsucht mich glühen,
Und können noch länger Ihr Herz mir entziehen?
GRÄFIN verwirrt.
O schweigen Sie!
HERZOG.
Sie sehen von Liebe und Sehnsucht mich glühen,
Und Sehnsucht mich glühen!
GRÄFIN.
O schweigen Sie, o schweigen Sie!
HERZOG.
Sie sehen von Liebe
Und Sehnsucht mich glühen,
Und können noch länger Ihr Herz mir entziehen?

Hofherren und Damen aus dem hinteren Saale versammeln sich um den Herzog und die Gräfin.

Die Spielergruppe am Tisch links hinten steht auf und tritt näher.

Menuett im Saale hinten endet.

Herzog küßt der Gräfin entzückt die Hand, reicht ihr den Arm und eilt mit ihr ab nach rechts.

Die Damen ziehen sich zurück.

Ceprano der die ganze Zeit den Herzog mit ergrimmten Blicken beobachtete, will folgen.

RIGOLETTO vertritt Ceprano den Weg und klopft ihm lachend auf die Schulter.
Was spukt dir im Kopfe,
Herr Graf von Ceprano?

Ceprano folgt mit einer aufschäumenden Bewegung dem Herzog und seiner Gemahlin nach rechts.

RIGOLETTO höhnisch zu den Hofherren, die er herbei winkt.
O seht doch, wie er schnaubet!
HERRENCHOR umringt Rigoletto.
Welch ein Fest!
RIGOLETTO.
Nun ja!
HERRENCHOR.
Den Herzog erfreun solche Gelage!
RIGOLETTO.
Das merkst du erst heute? So geht’s alle Tage!
Er findet an Schlachten und Kämpfen Vergnügen,
An Festen und Tänzen, an Wein und an Spiel!
Oft sucht er Erholung in zärtlichen Siegen,
Heut‘ nahm er sich endlich die Gräfin zum Ziel!
HERRENCHOR mimisch:
Ach so!

Rigoletto geht lachend ab nach rechts.

Menuett-Tanz beim Nachspiel.

Marullo kommt eilig von links.

Vierter Auftritt.

Marullo, Borsa und die Hofherren. Ballgesellschaft im hintern Saal.

Das Fest im Hintergrunde erleidet keine Unterbrechung.

Nr. 4. Chor.

MARULLO in Hast.
Was Neues! Was Neues!
HERRENCHOR versammeln sich um ihn.
Was ist es? Erzähle!
MARULLO.
Ihr werdet erstaunen!
HERRENCHOR.
O rede doch endlich!
MARULLO lachend.
Ha, ha! Rigoletto –
HERRENCHOR.
So sprich.
MARULLO.
Ihr mögt raten!
HERRENCHOR.
Verlor er den Höcker? Ward er zum Adonis!

Lachen.

MARULLO humoristisch.
O nichts von dem allen!

Mit komischer Ernsthaftigkeit.

Der Narr Rigoletto –
HERRENCHOR.
Nur weiter.
MARULLO lachend.
Hat ein Liebchen!
HERRENCHOR erstaunt.
Wie, ein Liebchen! ist’s möglich?
MARULLO.
Der Bucklige ist zum Cupido geworden.
HERRENCHOR.
Der Krüppel Cupido!
MARULLO UND HERRENCHOR.
O süßer Cupido!

Sie ziehen sich lachend in den Hintergrund.

Die Gräfin Ceprano kommt von rechts mit einer Hofdame und begiebt sich mit ihr in den hintern Saal.

Der Herzog folgt mit Rigoletto von rechts.

Der Graf Ceprano wird unmerklich später beobachtend von ebendaher sichtbar.

Fünfter Auftritt.

Herzog, Rigoletto zu seiner Linken. Ceprano zwischen beiden zurückstehend und beobachtend. Gräfin und Hofdame im Saale hinten. Marullo, Borsa und Hofherren links hinten zurückstehend. Ballgesellschaft im hintern Saal. Dann die Stimme des Grafen von Monterone.

Marullo, Borsa und die Hofherren grüßen den Herzog beim Eintreten ehrerbietig und gespannt.

HERZOG vorn auf und abgehend.
Wie lästig! Ceprano ist immer um sie!
Ein Weib gleich der Gräfin sah ich noch nie!
RIGOLETTO hinter ihm herlaufend, lachend.
Entführe sie.
HERZOG.
Wie wäre das möglich?
RIGOLETTO.
Heut‘ Abend!
HERZOG.
Bewacht von dem Grafen?
RIGOLETTO.
Den setzt man gefangen.
HERZOG abwehrend.
Nein, nein!
RIGOLETTO.
Nun, dann – verbann‘ ihn!
HERZOG.
Das darf nicht geschehen!
RIGOLETTO mit der Gebärde des Kopfabschlagens.
Wohlan! Dann gilt’s seinem Kopfe!
CEPRANO tritt ergrimmt zwischen beide vor; für sich.
Der schändliche Bube!
HERZOG humoristisch, den Grafen betrachtend.
Der Kopf sollte fallen?
RIGOLETTO frech lachend.
Er ist wie ein andrer!

Er zeigt nach Cepranos Kopf.

Sieh! gleicht er nicht allen?
Warum ihn verschonen?
CEPRANO wütend, die Hand am Degen.
Ha, Schurke!
HERZOG abwehrend zu Ceprano.
O laß ihn!
RIGOLETTO lachend.
Ich fürcht‘ ihn nicht sehr!

Ceprano geht außer sich vor Wut, die Hand am Degen, an Rigoletto vorbei nach links hinüber.

MARULLO UND HERRENCHOR zu Rigoletto.
Der Zorn übermannt ihn!
HERZOG giebt Rigoletto einen Wink, an seine rechte Seite zu treten.
He, Narr, komm hierher!

Rigoletto tritt hinter dem Herzog weg, ihm zur Rechten. Herzog zieht ihn am Ohr vor.

BORSA zum Herzog, auf Ceprano blickend.
Der Zorn übermannt ihn!
MARULLO ebenso.
Der Zorn übermannt ihn!
HERRENCHOR ebenso.
Der Zorn übermannt ihn!
HERZOG zu Rigoletto.
Zu weit treibst du immer
Den Scherz und die Possen!
CEPRANO außer sich.
Ich werde mich rächen!
RIGOLETTO verlacht die Ermahnungen des Herzogs.
Was sollt‘ es mir schaden,
Hat’s ihn auch verdrossen?
CEPRANO wie vorher.
Er wagt sich an jeden,
Nicht einer ist frei!
HERZOG zu Rigoletto.
Gieb acht, einmal wird es dir übel ergehn!
MARULLO, BORSA UND HERRENCHOR.
Doch wie denn?
CEPRANO leise zu den Hofherren.
Versehen mit Waffen –
RIGOLETTO.
Was kann einem Liebling –
CEPRANO ebenso.
Kommt alle zu mir!
MARULLO, BORSA UND HERRENCHOR leise.
Ja!
RIGOLETTO.
Das Herzogs geschehn!
CEPRANO ebenso.
Noch heute!
MARULLO, BORSA UND HERRENCHOR leise.
Es sei!

Rigoletto geht am Herzog vorüber und nimmt zwischen diesem und Ceprano die Mitte.

HERZOG zu Rigoletto.
Zu weit treibst du immer
Den Scherz und die Possen!
Gieb acht, einmal wird es
Dir übel ergehn!

Er wiederholt.

RIGOLETTO.
Was sollt‘ es mir schaden,
Hat’s ihn auch verdrossen?
Was kann einem Liebling
Des Herzogs geschehn!

Er wiederholt.

CEPRANO leise zu den Hofherren.
Wir wollen uns rächen,
Er macht uns zu schaffen
Und wagt sich an jeden,
Nicht einer ist frei!
Ha, Rache! Ha, Rache! Ja, Rache!
Versehen mit Waffen
Kommt alle zu mir!

Er wiederholt.

MARULLO, BORSA UND HERRENCHOR.
Wir wollen uns rächen,
Er macht uns zu schaffen
Und wagt sich an jeden
Nicht einer ist frei!
Wir rächen uns! Wir rächen uns! Wir rächen uns!
Ja, es sei! Ja, es sei!

Sie wiederholen.

CEPRANO UND BORSA leise.
Auf, zur Rache!
MARULLO UND HERRENCHOR ebenso.
Auf, zur Rache!
CEPRANO UND HERRENCHOR leise.
Auf, zur Rache!
HERZOG UND RIGOLETTO aufhorchend.
Diese Klänge!
BORSA UND HERRENCHOR leise.
Auf, zur Rache!
MARULLO UND HERRENCHOR leise.
Auf, zur Rache!
CEPRANO UND HERRENCHOR leise.
Auf, zur Rache!

Die Ballmusik erhebt sich rauschend.

Tänzer, Tänzerinnen und Hofherren kommen nach vorn und beleben den Vordergrund.

Die Diener servieren Erfrischungen.

ALLGEMEINER CHOR unter Lachen und Trinken in ausgelassenster Weise.
Diese Klänge, diese Tänze
Laden uns zur Freude ein!
So entzückend, so berauschend
Kann’s im Paradies nicht sein!

Sie wiederholen die beiden letzten Zeilen.

Herzog besteigt zum Schluß den Thronsitz rechts.

Rigoletto schreitet ihm in komischer Ernsthaftigkeit nach und setzt sich zu seinen Füßen.

Nr. 5. Stretta.

MONTERONES STIMME links in der Nähe, stark.
Ich muß ihn sprechen!
HERZOG unliebsam berührt, zusammenschauernd, nach links gewendet.
Nein!
MONTERONES STIMME wie vorher.
Ich will es!
ALLE erstaunt und gespannt, nach links gewendet.
Monterone!

Der Graf von Monterone kommt festen Schrittes, in tiefe Trauer gekleidet, von links.

Sechster Auftritt.

Die Vorigen. Monterone in der Mitte.

Die linksstehenden Hofherren und Damen machen Monterone Platz.

Borsa giebt einen Wink nach hinten.

Der Vorhang am hintern Saale wird zugezogen.

Die Damen wenden sich mehr nach hinten zurück.

MONTERONE ohne Pause fortfahrend, den Herzog mit edlem Stolze anblickend.
Ja, Monterone!

Schwer.

Gleich dem Donner aus den Wolken
Soll meine Stimm‘ Euch treffen!
RIGOLETTO aufstehend, zum Herzog, Monterones Stimme nachahmend.
Ich will ihn sprechen! –

Er zieht sein Narrenscepter aus seinem Gürtel, geht nach der Musik vier Schritte machend in die Mitte und stützt das Scepter in die linke Hüfte.

Lachen in der Hofgesellschaft.

RIGOLETTO mit komischer Ernsthaftigkeit und geziertem Wesen.
Als ein Verschwörer, als ein Verschwörer wurdest du gerichtet!

Er begleitet die folgenden drei musikalischen Figuren mit komisch-ernsten Bewegungen seines Scepters.

Doch unsre Gnade, ja, unsre Gnade hat den Spruch vernichtet!

Ebenso während der folgenden drei musikalischen Figuren; dann kläglich gelangweilt.

Und nun kommst du alle Tage
Mit deiner Klage,

Mit kläglich komischem Pathos.

Und forderst jammernd deiner Tochter Ehre!

Lachen in der Hofgesellschaft.

MONTERONE mit schwerer Betonung, verächtlich gegen Rigoletto.
Ein neuer Schimpf!

Drohend zum Herzog.

Ja, täglich komm‘ ich, ihr sollt mich hören,
Stets wird mein Ruf eure Feste stören,
Bis für den Frevel, den du verübt,
Ein strenger Richter mir Rache giebt.
Und willst du mich dem Henker übergeben,
Werd‘ als Gespenst ich drohend dich umschweben,
Und mit dem Haupt hier in meinen Händen
Werd‘ ich um Rache, um blut’ge Rache
Zum höchsten Gott mich flehend wenden.

Die Hofgesellschaft steht wie vom Donner gerührt.

HERZOG steht auf, winkt den Hellebardieren hinten und tritt die Stufen herunter.
Genug! ergreift ihn!
RIGOLETTO.
Der Thor!

Er tritt lachend hinten vorüber, Monterone zur Linken.

ALLE ANDERN.
O Frevel!
MONTERONE zum Herzog und zu Rigoletto.
So mögt ihr beide denn verfluchet sein!

Herzog und Rigoletto lächeln darüber.

ALLE ANDERN treten einen Schritt zurück.
Ha!
MONTERONE zum Herzog, auf Rigoletto weisend.
Du hetzest den Hund
Auf den sterbenden Löwen,
Wie feig, o Herzog!

Zu Rigoletto.

Und du, o Schlange!
Höhnest den Schmerz des weinenden Vaters!

Rigoletto horcht auf und erschrickt.

MONTERONE.
Sei denn verfluchet!
RIGOLETTO entsetzt für sich.
Was hör‘ ich? O Grauen!

Er steht, den Kopf in die Hände gestützt, vernichtet und schaudernd, starr vor sich hinblickend.

Monterone steht allein in der Mitte.

Alle sind von ihm zurückgewichen.

HERZOG UND DIE HOFGESELLSCHAFT drohend zu ihm.
O du, der Verwirrung und Angst hier verbreitet,
Ein Dämon hat dich zu dem Feste geleitet!
So wenig nur gilt dir dein trauriges Leben!
Du magst vor dem Zorne des Herrschers erbeben!
Du hast ihn verschuldet, o hoffe nichts mehr,
Der Arm des Gesetzes, er treffe dich schwer!
Du hast ihn verschuldet, o hoffe nichts mehr!
Nein, nein, nichts mehr! Nein, nichts mehr!
MONTERONE zum Herzog.
Sei denn verfluchet!

Zu Rigoletto.

Und du, o Schlange!
Höhnst den Schmerz des weinenden Vaters!
Sei denn verfluchet!
RIGOLETTO aus seiner Erstarrung heraus.
O Grauen! –
O Grauen! O Grauen! Ha, welch ein Grauen!
O welch ein Graun! Welch ein Graun!

Er steht vernichtet.

Herzog eilt ab nach rechts.

Die Hellebardiere treten vor und umringen Monterone, um ihn in Verhaft zu nehmen und nach links abzuführen.

Rigoletto tritt Monterone in den Weg, um ihn mit flehend erhobenen Händen zu bewegen, den Fluch zurückzunehmen.

Monterone bekräftigt seinen Fluch jedoch mit einer großen Gebärde.

Rigoletto bricht schmerzdurchwühlt zusammen.

Umzug: Rigoletto schwarz mit Mantel.

Zweiter Aufzug.

Nr. 6. Duett.

Der Vorhang hebt sich nach dem sechsten Takte.

Rechts ein Haus von schlichtem Aussehen, von einer sehr hohen Mauer umgeben, mit einem Vorhof und einer hohen Terrasse, von Arkaden gestützt; in dem Vorhof rechts vorn ein Busch mit einer Bank; von dem Vorhof führt links eine verschlossene Thür, die nach außen schlägt, nach der Straße, und hinten eine Treppe nach der Terrasse. An der Terrasse ein Strauch. Von dem Hause rechts hinten führt die Thür des ersten Stockwerks auf die Terrasse. Links hinten der Palast des Grafen Ceprano; links vorn ein Gartenmauerteil, zu einem andern Palast gehörig.

Es ist Abend und dunkel.

Gewitterhimmel.

Erster Auftritt.

Rigoletto, der Bravo Sparafucile zu seiner Linken.

Rigoletto schwarz gekleidet und in einen schwarzen Mantel gehüllt, ohne das geringste Zeichen der Narrentracht, kommt von links zwischen den Häusern.

Sparafucile folgt ihm langsam, unter dem Mantel einen Degen verborgen.

RIGOLETTO wendet sich, in dumpfes Brüten versunken, nach der Thür von der Straße nach dem Vorhof; seiner Brust entringen sich leise die Worte.
Der alte Mann verfluchte mich!
SPARAFUCILE nähert sich langsam.
O Herr!
RIGOLETTO erschrickt, wendet sich verdrießlich um.
Geh‘, kann nichts geben!
SPARAFUCILE.
Ich bettle nicht! Ein Mann steht hier,
Mit dem Degen wohl bekannt!
RIGOLETTO für sich.
Ein Räuber!
SPARAFUCILE stolz.
Ein Mann, der Nebenbuhler
Für wenig läßt verschwinden!

Geheimnisvoll.

Auch du hast Nebenbuhler!
RIGOLETTO für sich.
Wirklich?
SPARAFUCILE zeigt nach rechts.
Dein Liebchen wohnt hier im Haus.
RIGOLETTO für sich.
Was hör‘ ich?

Laut.

Und wie viel müßte ich
Für einen Herrn wohl geben?
SPARAFUCILE wichtig thuend.
Mehr ford’r ich für sein Leben –
RIGOLETTO.
Als man gewöhnlich giebt?
SPARAFUCILE.
Halb wird der Preis vorausbezahlt,
Der Rest folgt später nach.
RIGOLETTO für sich.
Du Satan!

Laut.

Und wie wird sicher
Solch eine That verübt?
SPARAFUCILE leise, mit freundlichem Lächeln.
Bald auf der freien Straße,
Bald unter meinem Dache;
Nachts harr‘ ich meines Mannes,
Mit einem Stoße ist’s geschehn!
RIGOLETTO weicht zurück, für sich.
O Satan!

Laut.

Doch wie zu Hause?
SPARAFUCILE.
Leicht macht es sich
Mit Hilfe meiner Schwester;
Auf den Straßen tanzt sie,
Ist reizend; sie lockt die Opfer, und dann –
RIGOLETTO mit der Hand abwehrend.
Verstehe!
SPARAFUCILE.
Ohne Lärmen.
RIGOLETTO.
Verstehe!
SPARAFUCILE seinen Degen zeigend.
Dies ist mein Instrument!
Ist’s gefällig?
RIGOLETTO erschrocken zurückfahrend.
Nein, jetzt nicht!
SPARAFUCILE den Degen einsteckend.
Desto schlimmer für dich.
RIGOLETTO.
Wer weiß!
SPARAFUCILE.
Sparafucil, so nenn‘ ich mich!
RIGOLETTO geht an Sparafucile vorüber nach links.
Ein Fremder?
SPARAFUCILE im Abgehen nach links hinten.
Aus Burgund.
RIGOLETTO.
Und wo bist du zu finden?
SPARAFUCILE.
Hier, jeden Abend!
RIGOLETTO abwehrend.
Geh‘!
SPARAFUCILE.
Sparafucil, merk‘ dir es wohl!

Er geht ab nach links hinten.

RIGOLETTO wie vorher.
Geh‘, geh‘, geh‘, geh‘!

Zweiter Auftritt.

Rigoletto allein.

Nr. 7. Scene und Duett.

RIGOLETTO nachsehend.
Gleich sind wir beide!
Mir dient die Zunge,
Ihm dient der Stahl.
Ich bin der Mann des Scherzes,
Er des blut’gen Ernstes! –

Er steht in sich selbst versunken; bei der vierten Figur im Orchester schreckt er auf.

Der alte Mann verfluchte mich!

Er verhüllt sein Gesicht in seinen Mantel; nach einer Pause erwacht er verzweifelt aus seiner Unempfindlichkeit.

O Menschen, o Natur!
Ihr habt mich beide zum Bösewicht gebildet!
O schrecklich, so häßlich zu sein!

Mit Abscheu.

O schrecklich, den Narren zu spielen!
Ewig scherzhaft zu sein, ewig zu lachen!
Mir versagt ist des Menschen Erbe, die Thräne!

Er bedeckt jammernd das Gesicht mit beiden Händen.

Der Herzog, mein Gebieter,
Jung noch und mächtig, immer scherzhaft, heiter,
Sagt mir oft, halb im Schlummer:
Narr, komm her, mach‘ mich lachen!

Mit schmerzerstickter Stimme.

Und ich muß schnell gehorchen!

Mit Wutausbruch und verzweifelter Gebärde.

Tod und Verdammnis!
Haß, euch Höflingen! Ihr mitleidlosen Spötter!
Über euch der Hölle Plagen!
Wenn ich boshaft bin,

Mit ganzer Kraft.

ihr habt die Schuld zu tragen!

Er hält erschöpft inne und zeigt voll Wehmut nach dem Hause rechts.

Doch hier fühl‘ ich mich umgewandelt!

Bei der plötzlichen Erinnerung an Monterone zusammenzuckend.

Der alte Mann verfluchte mich! Der Gedanke,
Warum, wenn er mich floh, kehrt er stets wieder?
Sollt‘ er mir Unheil bringen?
O nein! eitle Sorgen!

Er zieht einen Schlüssel hervor, öffnet damit leise die Thür von der Straße nach dem Vorhof, tritt in den Hof, verschließt die Thür von innen, zieht den Schlüssel ab, steckt ihn zu sich und sieht sich vorsichtig um.

Gilda eilt gleichzeitig aus dem Hause rechts auf die Terrasse und über die Treppe herab in den Vorhof ihm entgegen.

Dritter Auftritt.

Gilda, Rigoletto zu ihrer Linken.

Duett.

RIGOLETTO wirft Mantel und Barett ab nach hinten vor den Busch.
Tochter!
GILDA innig und ergreifend in ihrer Liebe und Verehrung sich ihm in die Arme werfend.
Mein Vater!
RIGOLETTO mit vollem Entzücken.
Wenn ich dich sehe
Wie fühl‘ ich glücklich mich in deiner Nähe!

Er faßt sie bei beiden Händen.

GILDA.
O welche Liebe!
RIGOLETTO.
Du bist mein Leben!
GILDA.
O welche Liebe!
RIGOLETTO seufzend.
Welch andres Glück kann die Erde mir geben?

Er schließt sie zärtlich in seine Arme.

GILDA.
O welche Liebe!
RIGOLETTO.
O meine Tochter!

Er wendet sich tiefseufzend von ihr.

GILDA.
Ach, mein Vater!

Sie richtet ihn zu sich ziehend auf.

O wie du seufzest! was kann dich quälen?
Dem Kinde, der Tochter magst du’s entdecken!
Wirst du denn ewig dich mir verhehlen
Und von den Unsern nie mir erzählen?
RIGOLETTO mit bitterer Wehmut.
Wir stehn allein.
GILDA mit kindlicher Unschuld in ihn dringend.
Wie ist dein Name?
RIGOLETTO schließt sie wieder zärtlich bewegt in seine Arme.
O laß mich schweigen!
GILDA mit traurigem Vorwurf.
So willst du nie mir Vertrauen zeigen?
RIGOLETTO sie unterbrechend wie von einer bösen Ahnung befallen.
Du gehst nicht aus?
GILDA etwas betroffen die Augen niederschlagend.
Nur in die Kirche!
RIGOLETTO beruhigt.
So ist es gut!
GILDA erfaßt seine Hände und sieht ihm in die Augen; schwermütig.
Willst du dich selber mir niemals nennen,
So laß die Mutter mich endlich kennen!
RIGOLETTO macht sich bewegt von ihr los und verbirgt sein Gesicht; im höchsten Schmerz.
Ach! Sprich nie mit einem Armen
Von dem verlornen Glücke!
Sie, ach, sie fühlt‘ Erbarmen
Mit meinem Mißgeschicke!
Häßlich, verlassen, elend,
Rührt‘ ich ihr sanftes Herz!
Ach, Sie ruht nun im Grabe,
Leicht sei die Erde ihr,
Süß ihr des Todes Schlummer!
Du bliebst allein mir in meinem Kummer,

Beide Arme erhebend.

Nimm, güt’ger Gott, nimm meinen Dank dafür!
GILDA sehr bewegt.
Ach, welch schwerer Gram, welch bittrer Schmerz
Zerreißt, o Vater, dein armes Herz!
RIGOLETTO schmerzvoll.
Nur du, du bleibst allein, nur du allein, ja,
Du bleibst mir allein in meinem Kummer,
Nimm meinen Dank, nimm, Allgüt’ger,
Nimm meinen Dank, meinen heißen Dank dafür!
GILDA bewegt.
Welch schwerer Gram, welch bittrer Schmerz
Zerreißt, o Vater, dein armes Herz?
Ich kann dein tiefes Leid nicht sehn,
Es läßt mich selbst vor Schmerz vergehn!
Ich kann dein Leiden nicht sehen,
Ich kann es nicht sehen!
Es läßt mich selber vor Schmerz vergehen!
Es läßt mich selber vor Schmerz,
Ja, vor Gram und Schmerz vergehen!
RIGOLETTO wie vorher.
Du bleibst mir allein in meinem Kummer!
Nimm meinen Dank, nimm, Allgüt’ger,
Nimm meinen Dank, meinen heißen Dank dafür!
GILDA wie vorher.
Ich kann dein tiefes Leid nicht sehn,
Es läßt mich selbst vor Schmerz vergehn!
Ich kann dein Leiden nicht sehen,
Ich kann es nicht sehen!
Es läßt mich selber vor Schmerz vergehen,
Es läßt mich selber vor Schmerz,
Ja, vor Gram und Schmerz vergehen!
O, sag‘ mir deinen Namen,
Entdecke mir dein Leiden.
RIGOLETTO.
Wozu mein Name, was frommt es dir?
Genug, ich bin dein Vater!
Wenn manche mich beneiden,
Mich fürchten oder hassen,

Er geht an ihr vorüber nach rechts.

So fluchen wieder andre mir.
GILDA.
Heimat, Verwandte und Freunde,
Sie hätten dich verlassen?
RIGOLETTO in höchster Empfindung.
Heimat, Verwandte und Freunde,
Heimat, Familie und Freunde,
Ach, alles, ja, alles hab‘ ich nur in dir!

Er führt sie zur Bank links und setzt sich.

GILDA kniet zu seinen Füßen.
O kann dich das beglücken,
Welche Wonne schafft es mir!
Kann, teurer Vater, dich das beglücken,
O welche hohe Wonne schafft es mir,
O welche Wonne schafft es mir!

Sie wirft sich ihm in die Arme und verbirgt das Gesicht an seiner Brust.

RIGOLETTO legt segnend die Hand auf ihr Haupt; wie vorher.
Heimat, Familie und Freunde
Hab‘ ich allein in dir!
Alles, ja, alles hab‘ ich in dir,
Ja, alles hab‘ ich nur allein in dir!
GILDA.
Schon seit drei Monden, die nun verflossen,

Schmeichelnd.

Bin ich im Hause hier eingeschlossen.
Gerne möcht‘ ich einmal die Stadt besehn –
RIGOLETTO heftig, mit Abwehr.
Nein! Nie!

Er steht auf und zieht sie mit sich empor.

Du wagtest doch nicht auszugehn?
GILDA.
Nein!
RIGOLETTO.
Weh!
GILDA für sich.
Ach, was sagt‘ ich?
RIGOLETTO.
Du magst dich hüten.

Für sich, mit einigen Schritten nach rechts vorn.

Leicht wär‘ es ihnen, ihr nachzuspüren.
Des Narren Tochter zu entführen,
Welch köstlicher Scherz für die Buben!

Schaudernd.

O Graun!

Er ruft nach hinten zum Hause hin.

He da!

Die Gesellschafterin Giovanna die schuldbeladen hinter der Hausthür gelauscht hatte, eilt aus dem Hause rechts auf die Terrasse und über die Treppe herab in den Vorhof zu Rigoletto.

Vierter Auftritt.

Giovanna rechts. Rigoletto in der Mitte. Gilda links.

GIOVANNA zu Rigoletto.
Gebieter!
RIGOLETTO.
Hat jemand mich kommen sehen?

Drängend.

Rede die Wahrheit!
GIOVANNA mit besorgter Miene.
O nein! Niemand!
RIGOLETTO.
Recht gut! – Die Thüre
Nach der Bastei bleibt doch geschlossen?
GIOVANNA wie vorher.
Stets ist sie zu, stets ist sie zu!
Ja, Herr, gewiß!
RIGOLETTO drängend.
Rede, ist’s wahr! Rede, ist’s wahr?
Ach!

Zu Giovanna, indem er Gilda im Arm hält.

Wache sorglich und behüte,
Was ich bang‘ dir anvertraue.
Diese zarte reine Blüte,
Sie ist mein einzig Glück!
Schütze treu sie vor dem Sturme,
Der manch andre schon zerstörte,
Und gieb rein die Unversehrte
In des Vaters Hand zurück.
GILDA ihren Vater beruhigend.
Laß, o laß so düstre Sorgen
Deine Ruhe nimmer stören!
Dort bei Gott in höhern Sphären
Lenkt ein Engel mein Geschick!
Ja, der Mutter frommes Flehen
Wird vor Unglück mich bewahren!
Ohne Schuld soll sie mich sehen,
Kehr‘ ich einst zu ihr zurück!
RIGOLETTO.
Ach! wache sorglich und behüte,
Was ich bang‘ dir anver –

Der Herzog kommt in bürgerlicher Kleidung, Börse bei sich, auf der Straße von links hinten.

Fünfter Auftritt.

Die Vorigen. Herzog.

RIGOLETTO bricht ab und fährt erschreckt zusammen.
Ich höre Tritte!

Er zieht gleichzeitig den Schlüssel hervor, öffnet die Thür, die von dem Vorhof nach der Straße führt und nach außen schlägt, tritt hinaus, sieht sich vorsichtig um und verschwindet einige Augenblicke nach links vorn.

Herzog verbirgt sich hinter der nach außen schlagenden Thür und wenn Rigoletto links vorn verschwunden ist, schlüpft er in den Vorhof und tritt hinter den Strauch hinten, Giovanna mit einem Wink zu schweigen, eine Börse zuwerfend.

GILDA für sich.
Himmel!

Sie geht rasch bis zur Bank rechts vorn.

Immer ein neuer Argwohn!
RIGOLETTO kehrt von links vorn zurück und eilt von der Straße durch die Thür in den Vorhof; zu Giovanna.
Folgte niemand euch zur Kirche jemals nach?
GILDA tritt zu seiner Linken.
Nie!
HERZOG rigoletto erkennend, für sich.
Rigoletto.
RIGOLETTO zwischen Gilda und Giovanna.
Sollte jemand klopfen,
So dürft ihr nie ihm öffnen!
GIOVANNA.
Auch nicht dem Herzog?
RIGOLETTO.
Ihm weniger als andern! –
Lebwohl, meine Tochter!
HERZOG erstaunt, für sich.
Seine Tochter?
GILDA.
Lebwohl, teurer Vater!
RIGOLETTO wie vorher.
Ach! wache sorglich und behüte,
Was ich bang‘ dir anvertraue,
Diese zarte reine Blüte,
O sie ist mein einzig Glück!
Schütze treu sie vor dem Sturme,
Der manch andre schon zerstörte,
Und gieb rein die Unversehrte
In des Vaters Hand zurück.
O wache! O wache! Sie ist ja,
Sie ist mein einzig Glück!
Beschütze diese reine Blüte,
Sie ist mein einzig Glück! –

Er küßt Gilda.

Tochter! o Tochter! Lebwohl! lebwohl!
GILDA wie vorher.
Laß, Vater, laß so düstre Sorgen
Deine Ruhe, deine Ruhe nimmer stören!
Bau‘ auf Gott, in jenen Höhn
Ein Engel lenket mein Geschick!
Dort wird in jenen Höhn
Ein Engel für mich flehn,
Er lenket mein Geschick.
Ein Engel dort in jenen Höhn
Lenkt mein Geschick! –
Vater! mein Vater! Lebwohl! lebwohl!

Rigoletto giebt Giovanna ein Zeichen nach dem Busch hin.

Giovanna holt von dort seinen Mantel und sein Barett und hilft ihn damit bekleiden.

Rigoletto küßt Gilda nochmals zärtlich, geht ab durch die Thür vom Vorhof nach der Straße, verschließt mit seinem Schlüssel sorgsam diesen Eingang und entfernt sich nach rechts hinten.

Sechster Auftritt.

Gilda, Giovanna zu ihrer Linken. Herzog hinter dem Strauch hinten.

Nr. 8. Scene und Duett.

GILDA.
Giovanna! Mir ist so bange!
GIOVANNA.
O sprich, weshalb?
GILDA.
Ich sagt‘ ihm nichts von jenem jungen Manne.
GIOVANNA.
Warum es sagen? So glaubst du etwa
Den jungen Mann zu hassen?
GILDA.
Nein, nein! Was ich hier fühle,
Kann ich es sagen?
GIOVANNA die Börse in der Hand wiegend.
Er ist sicher von Stand,
Dies zeigt sein Betragen!

Sie tritt zurück, nach dem Herzog sehend.

GILDA mit einigen Schritten nach vorn.
Ich denk‘ ihn lieber mir von meinem Stande,
Dann schließen fester sich der Liebe Bande!

Herzog giebt Giovanna ein Zeichen sich zu entfernen.

Giovanna entfernt sich, ängstlich rückwärts schauend, über die Treppe und die Terrasse ins Haus rechts.

Siebenter Auftritt.

Herzog, Gilda zu seiner Linken.

GILDA ohne Pause fortfahrend.
Ich seh‘ ihn wachend, selbst im Traume verfolgt er mich,
Stets ruft mein Herz ihm zu: Ich lie –
HERZOG tritt vor, Gilda zur Rechten, wirft sich ihr zu Füßen, den Ausruf vollendend.
Liebe dich!
O wiederhole mir die süßen Worte,
Ach und erschließe mir des Himmels Pforte!
GILDA will davon eilen.
Giovanna! Giovanna!

Herzog hält sie zurück.

GILDA.
Ach, wehe mir! Sie konnte gehen
Und ganz verlassen muß ich mich hier sehen!
HERZOG.
Was sagst du? Die Liebe ist dein Geleite,
Ein zärtlich Herz schlägt an deiner Seite!
GILDA zitternd.
O sag‘, wer führte dich hierher zu mir?
HERZOG.
Ob Engel, ob Dämon, gleich sei es dir!
Ich liebe dich!
GILDA flehend.
Verlaß mich!
HERZOG erhebt sich.
Ich sollte dich fliehen,
Da Lieb‘ und Sehnsucht mich zu dir ziehen?
Der Gott der Liebe ließ mich dich finden,
Um mein Geschick mit deinem zu verbinden!
Liebe ist Seligkeit, ist Licht und Leben,
Und ihre Sprache ist des Herzens Beben.
Nichts sind dem Liebenden Schätze und Kronen,
Wenn Treu‘ und Zärtlichkeit sein Sehnen lohnen!
Liebe gewähret uns himmlische Freuden,
Die selbst die Engel, die selbst die Engel uns beneiden!
Komm denn, umarme mich, du holdes Wesen,
O laß durch Liebe glücklich uns sein!

Er wiederholt die letzten Worte.

GILDA.
In seinen Blicken kann ich es lesen,
Er wird auf ewig sein Herz mir weihn!

Sie wiederholt.

HERZOG.
Umarme mich! – Umarme mich!
O laß durch Liebe glücklich uns sein!
O komm, umarme mich, du holdes Wesen,
Und laß durch Liebe uns glücklich sein!

Er wiederholt und erst nach der Kadenz umarmt er Gilda.

Gilda fällt an seine Brust.

Der Graf von Ceprano und der Höfling Borsa kommen von links zwischen den Häusern.

Achter Auftritt.

Herzog und Gilda im Vorhof. Ceprano und Borsa auf der Straße.

HERZOG.
Du liebst mich, wiederhol‘ es mir!
GILDA in Scham die Augen niederschlagend.
Du weißt es!
HERZOG.
O welche Wonne!
GILDA.
Nun sag‘ mir deinen Namen,
Ich darf ihn doch wohl wissen?

Herzog denkt verlegen nach.

CEPRANO leise zu Borsa.
Dies ist der Ort!
HERZOG.
Ich nenne mich –
BORSA leise zu Ceprano.
Recht gut.

Ceprano und Borsa gehen ab nach links hinten.

HERZOG Gilda sich nennend.
Gualtier Maldé,
Student der Rechte und mittellos!

Giovanna eilt erschreckt aus dem Hause rechts auf die Terrasse und über die Treppe herab in den Vorhof.

Neunter Auftritt.

Herzog, Gilda zu seiner Linken. Giovanna zurückstehend.

GIOVANNA in größter Besorgnis nach links zeigend.
Ich hörte draußen Schritte –
GILDA.
Vielleicht mein Vater!

Sie tritt an die Thür, die vom Vorhof nach der Straße führt.

HERZOG für sich.
Verderben jedem überläst’gen Frevler,
Der hier mich störet.
GILDA zu Giovanna.
Die Thür nach der Bastei magst du ihm öffnen!
O eile!

Giovanna eilt ab über die Treppe und Terrasse ins Haus rechts.

HERZOG schließt Gilda von neuem entzückt in seine Arme.
Sag‘, ob du mich liebst?
GILDA schwach abwehrend.
Und du?
HERZOG in höchster Leidenschaft.
Mein ganzes Leben! Ja!
GILDA sich seinen Liebkosungen überlassend.
Genug! nun geh‘! ich zittre!
Nun geh‘! entferne dich!
HERZOG.
Lebwohl denn, Geliebte, mein Glück, mein Leben!
GILDA.
Lebwohl denn, Geliebter, mein Glück, mein Leben!
HERZOG.
Für dich schlägt ewig –
GILDA.
Für dich schlägt ewig dies Herz allein,
Für dich allein!
HERZOG.
Dies Herz allein, für dich schlägt ewig
Dies Herz allein!
Lebwohl, Geliebte!
GILDA.
Lebwohl, Geliebter!
HERZOG.
Lebwohl!
Geliebte!
GILDA.
Lebwohl! O –
BEIDE.
Lebwohl! Nie wanket meine Treue,
Ja, auf ewig bin ich dein,
Auf ewig nur dein!
Nie wanket meine Treue,
Ja, auf ewig bin ich dein!
Nie wankt die Treue,
Ja, auf ewig bin ich dein, ja, nur dein!
HERZOG.
Lebwohl denn!
GILDA.
Lebwohl denn!
HERZOG.
Geliebte!
GILDA.
Geliebter!
BEIDE.
Für dich, für dich schlägt dies Herz allein!

Sie wiederholen.

GILDA.
So lebe wohl!
HERZOG.
Lebwohl, lebwohl!
GILDA.
Gedenke mein!
HERZOG.
Gedenke mein!
GILDA.
Lebwohl, lebwohl!
HERZOG.
Lebwohl, lebwohl!
BEIDE.
Lebwohl, lebwohl! Lebwohl, lebwohl!

Giovanna tritt oben in Erwartung des Herzogs von rechts aus dem Hause.

Herzog eilt ab über die Treppe und die Terrasse ins Haus rechts.

Giovanna folgt ihm.

Es ist dunkle Nacht geworden.

Zehnter Auftritt.

Gilda allein.

Nr. 9. Scene und Arie.

GILDA hat den Herzog mit liebevollen Blicken begleitet, wendet sich nach vorn und bleibt wie in Verklärung stehn, preßt die Hand aufs Herz und ihrer Brust entringt sich der Name.
Gualtier Maldé! O du geliebter Name!
Ewig bleibst du mir ins Herz gegraben! –
Teurer Name, dessen Klang
Tief mir in die Seele drang,
Rufe meiner Liebe Glück
Ewig mir ins Herz zurück!
Kaum gehört, erklang dein Laut
Mir so lieblich und vertraut!
Süßer Name, du allein
Sollst mein letzter Seufzer sein.

Sie geht langsam über die Treppe hinauf auf die Terrasse und bleibt oben stehen.

Graf von Ceprano mit einem Schlüssel, Borsa, Marullo mit einer Binde und einer Larve, und eine Anzahl von Hofherren in Mänteln, verlarvt und mit Degen an der Seite kommen mit zwei brennenden Blendlaternen und einer Leiter leisen Schrittes auf der Straße von links hinten.

Elfter Auftritt.

Gilda auf der Terrasse, vom Monde beschienen. Ceprano, Borsa und die Hofherren auf der Straße links vorn.

Alle Hofherren stellen sich links vorn auf mit dem Rücken zum Publikum, nach der vom Monde beleuchteten Gilda sehend.

GILDA ohne größere Pause fortfahrend.
Kaum gehört, erklang dein Laut
Mir so lieblich und vertraut!
Süßer Name, du allein
Sollst mein letzter Seufzer sein!
Kaum gehört, erklang dein Laut
Mir so lieblich und vertraut!
Er klang so vertraut!
Ja, ja, du sollst allein
Mein letzter Seufzer sein!
Teurer Name, du allein
Sollst mein letzter Seufzer sein!
O süßer Name, du allein
Ja, du allein,
Du sollst mein letzter Seufzer sein!
Gualtier Maldé! – Gualtier Maldé!
Teurer Name, dessen Klang
Tief mir in die Seele drang!
Ja, nur du, nur du allein
Sollst mein letzter Seufzer sein!
Gualtier Maldé! Gualtier Maldé!

Sie verschwindet im Hause rechts oben, ihre Stimme verhallt!.

BORSA macht die übrigen auf Gilda aufmerksam; leise.
Ha, seht!
CEPRANO leise.
Wie anmutsvoll!
HERRENCHOR ebenso.
O welche Schönheit!
MARULLO leise.
Sie ist ein Engel!
HERRENCHOR ebenso.
Dies die Geliebte von Rigoletto!
O seht, wie schön, wie schön!

Sie bleiben in Gildas Anblick verloren stehen, bis sie verschwunden ist und Rigoletto sich naht.

Rigoletto kommt in tiefen Gedanken von links hinten.

Zwölfter Auftritt.

Rigoletto. Borsa. Ceprano. Marullo. Hofherren. Dann Gilda. Später Giovanna.

Nr. 10. Finale.

RIGOLETTO leise.
Warum kehr‘ ich zurück?
BORSA leise.
Nur stille! Zu Werke! Gebt acht auf mich!
RIGOLETTO.
Ach, jener Alte hat mich verflucht!

Er geht bis zur Thür, die von der Straße nach dem Vorhof führt und stößt mit dem zweiten Viertel des nächsten zweiten Taktes auf Borsa; zurückfahrend.

Wer da!
BORSA leise zu seinen Gefährten.
Seid stille! ’s ist Rigoletto!
CEPRANO will zu Rigoletto, leise.
Das trifft sich herrlich! Nehmt ihm das Leben!
BORSA ihn zurückhaltend, leise.
Nein, er soll uns morgen zu lachen geben.
MARULLO hat die Leiter an die äußere Mauer der Terrasse stellen lassen.
Bereit ist alles!
RIGOLETTO hat horchend herumgetappt.
Wer redet hier?
MARULLO tritt zu Rigoletto.
He! Rigoletto! sprich!
RIGOLETTO mit fürchterlicher Stimme.
Wer ist da?
MARULLO.
Nur nicht so grimmig! Ich bin –
RIGOLETTO stark.
Wer?
MARULLO.
Marullo!
RIGOLETTO gemäßigter.
In solcher Nacht kann man ja nicht sehen!
MARULLO.
Laßt nicht umsonst uns die Zeit verlieren,
Man wird die Gattin Cepranos entführen!

Er zeigt nach links auf Cepranos Palast.

RIGOLETTO für sich.
Ich atme wieder!

Laut.

Seid ihr auch sicher?
MARULLO leise zu Ceprano.
Gieb deinen Schlüssel!

Ceprano thut es.

MARULLO laut zu Rigoletto.
Zweifle nicht länger!
Das Abenteuer muß uns gelingen!

Er reicht ihm den Schlüssel Cepranos hin.

Hier ist der Schlüssel!
RIGOLETTO den Schlüssel befühlend.
Das ist sein Wappen!

Für sich.

Wohl mir, das Unheil ist von mir ferne!

Er zeigt nach links, laut.

Hier der Palast! Ich helf‘ euch gerne!
MARULLO.
Wir sind maskiert!

Er giebt Ceprano den Schlüssel zurück.

RIGOLETTO zu Marullo.
Gebt eine Maske mir,
Daß ich mich verhülle!
MARULLO.
Da, nimm geschwind!

Er befestigt ihm die Larve mit einer Binde, die zugleich seine Augen und Ohren bedeckt.

Du hältst die Leiter!

Die Andern stellen ihn an die Leiter, die an der Terrasse lehnt, nachdem sie ihn vorher einigemal langsam im Kreise herumgedreht haben.

RIGOLETTO die Leiter haltend.
Ha, welche Finsternis!
MARULLO leise zu seinen Gefährten.
Die Binde macht ihn jetzt taub und blind!

Er steigt während des folgenden Chores über die Leiter auf die Terrasse, eilt über die Treppe hinunter in den Vorhof und öffnet von innen die Thür, die von dem Vorhof nach der Straße führt.

Die zwei Hofherren mit den brennenden Blendlaternen folgen ihm über die Leiter.

Der Eine stellt seine Laterne vor dem Aufstieg am Fuße der Leiter nieder.

Marullo geht dann, immer vorsichtig und ruhig, über die Treppe nach der Terrasse, betritt mit den beiden Hofherren das Haus rechts, worin sich Gilda befindet.

HOFHERRENCHOR leise.
Leise, stille! Wir schreiten zur Rache!
Den sie trifft, der steht selbst hier Wache!
Daß er nimmer uns necke und höhne,
Ward für ihn dieser Streich ausgedacht!
Still, wir rauben ihm heut‘ seine Schöne,
Morgen wird er vom Hof derb verlacht.
Stille, stille, stille, stille!
Still, wir rauben ihm heut‘ seine Schöne,
Morgen wird er vom Hof derb verlacht!
Daß er nimmer uns verlache,
Daß er nimmer uns verhöhne,
Darum wurde für ihn der Streich erdacht!
Stille, stille, stille!
Stille!
Nur still!
Stille, stille, stille, stille!
Nur fort ans Werk und habt wohl acht!

Marullo kommt mit dem Ende des vorherigen Chores, die eine Laterne in der Hand, von rechts oben aus dem Hause.

Die beiden Hofherren welche die gefesselte Gilda, deren Mund verbunden ist, tragen, folgen ihm über die Terrasse und die Treppe und eilen, das junge Mädchen entführend, mit ihr vom Vorhof durch die offene Thür nach der Straße und links hinten hinweg.

Gilda verliert dabei auf der Straße ihre Schärpe.

Die andern Hofherren folgen den Entführern.

Die Thür vom Vorhof nach der Straße bleibt offen.

GILDA der es gelang, ihre Binde ein wenig zu lüften, in einiger Entfernung.
Zu Hilfe, ach, zu Hilfe!
DIE HOFHERREN entfernt jubelnd.
Viktoria!
GILDA noch entfernter.
Zu Hilfe!
RIGOLETTO der allein zurückgeblieben ist und noch immer die Leiter hält.
Ist’s denn noch nicht vorbei?
Ich muß doch sehen!

Er befühlt seine Augen.

Gar eine Binde?

Er reißt Binde und Larve herab, sieht die offene Thür von der Straße nach dem Vorhof, läuft hindurch, über die Treppe zur Terrasse hinauf, zerrt Giovanna aus dem Hause rechts oben, starrt sie vernichtet an und rauft sich die Haare, ohne einen Laut von sich geben zu können; dann läuft er über die Treppe nach der Straße, ergreift die Laterne, die an der Leiter stehen geblieben ist, erblickt Gildas Schärpe, erkennt sie, nimmt sie auf und hebt sie mit beiden Händen empor, in die Worte ausbrechend.

Ha! Ha! Ha, jener Fluch des Alten!

Er bricht zusammen.

Giovanna eilt entsetzt ins Haus rechts zurück.

Umzug: Rigoletto. Herzog.

Dritter Aufzug.

Nr. 11. Scene und Arie.

Der Vorhang hebt sich nach dem neunten Takte.

Mittelthür. Seitenthüren rechts und links. Links vorn ein Fenster. An der Hinterwand die Bildnisse des Herzogs und der Herzogin in ganzer Figur. Zur Rechten und zur Linken Tische mit Sesseln.

Es ist Tag.

Erster Auftritt.

Der Herzog allein.

HERZOG kommt, ein Taschentuch in der Hand, mit dem siebzehnten Takte höchst aufgeregt durch die Mitte.
Sie wurde mir entrissen!
Und wann, o Gott? In einem Augenblick,
Eh‘ eine bange Ahnung nach ihrem Hause
Mit hast’gem Schritt mich lenkte!
Die Thüre offen! Das ganze Haus verödet!
Und wo mag jetzt der holde Engel weilen?
Sie, die zuerst in diesem kalten Herzen
Die reine Flamme treuer Liebe entzündet!
Der es gelang, mit ihren keuschen Blicken
Meiner Sehnsucht wildes Glühen zu verbannen!
Sie wurde mir entrissen!
Wer konnt‘ es wagen? Doch schwere Rache
Soll die That versöhnen!
Dies heischt, Geliebte, dein Schmerz und deine Thränen!

Arie.

Ich seh‘ die heißen Zähren
Auf deinen holden Wangen;
Seh‘ dich in Frevlerhänden
Vor Angst und Schreck erbangen,
Und höre zum Geliebten
Dich laut um Hilfe schrein!
Er war dir allzuferne,
Um treu dir beizustehen.
Er, der sein Dasein gäbe,
Um glücklich dich zu sehen,
Er, der des Himmels Seligkeit
Dir möchte gern verleihn.

Er setzt sich an den Tisch links und legt sein Taschentuch darauf.

Der Graf von Ceprano, die Höflinge Borsa und Marullo und die Hofherren treten eilig unter Verneigungen durch die Mitte ein.

Zweiter Auftritt.

Herzog. Die Eingetretenen um ihn versammelt.

HOFHERRENCHOR.
Herzog! Herzog!
HERZOG.
Was ist’s?
HOFHERRENCHOR.
Die Schöne Rigolettos ward heut‘ entführet.
HERZOG.
Wirklich? Und wo?
HOFHERRENCHOR.
Aus dem Hause!
HERZOG.
Wie so? Redet! wie geschah’s?
Redet, redet! Wie geschah’s?
HOFHERRENCHOR.
In einer düstern entlegnen Straße,
Wo wir zur Nachtzeit vorübergehn,
Sehn wir ein Mädchen auf der Terrasse,
Ein Engelsbild, entzückend schön,
Entzückend schön!
Es war sein Liebchen; wer sollt‘ es glauben
Die kaum gesehen, vor uns verschwand.
Und wir beschlossen, sie ihm zu rauben,
Als jetzt der Narr selbst vor uns stand,
Selbst vor uns stand!
Schnell ward das Märchen für ihn erfunden,
Dem Grafen würde hier der Streich gespielt.
Die Augen wurden ihm dann verbunden,
So daß er selber die Leiter hielt,
So daß er selber uns die Leiter,
Die Leiter selber hielt!
Nicht allzuschwierig war, was wir begannen,
Denn die Entführung war bald geschehn.
HERZOG für sich.
Himmel!
HOFHERRENCHOR.
Sie schrie und weinte, schnell ging’s von dannen!
HERZOG für sich.
Sie ist es, die Heißgeliebte!
HOFHERRENCHOR.
Der Narr, der Narr blieb fluchend dort am Hause stehn.
Der Narr, er blieb dort fluchend stehn,
Der Narr, er blieb am Hause stehn!
Ja, er blieb dort fluchend am Hause stehn!

Sie wiederholen.

HERZOG.
Doch wohin brachtet ihr die Tiefbetrübte?
HOFHERRENCHOR.
Nach dem Palaste flohn wir mit ihr.

Ceprano, Borsa und Marullo zeigen nach der Thür rechts.

HERZOG freudig sich erhebend, sein Taschentuch liegen lassend.
So nahe ist mein Himmel mir! –

Für sich.

Zu ihr ruft mich die Liebe,
Daß ich den Schmerz ihr lohne!
Gern gäb‘ ich meine Krone,
Um glücklich sie zu sehn.

Er wiederholt die letzten Worte.

Erfahren soll sie heute,
Wem sie ihr Herz gegeben,
Und daß dem Thron zur Seite
Noch Lieb‘ und Treu’bestehn!

Er wiederholt die letzten Worte.

HOFHERRENCHOR unter sich.
Woher kommt die Veränderung,
Was ist mit ihm geschehn?

Sie wiederholen.

HERZOG für sich.
Zu ihr ruft mich die Liebe,
Daß ich den Schmerz ihr lohne!
Gern gäb‘ ich meine Krone,
Um glücklich sie zu sehn.

Er wiederholt.

Erfahren mag sie heute,
Wem sie ihr Herz gegeben,
Und daß dem Thron zur Seite
Noch Lieb‘ und Treu‘ bestehn!

Er wiederholt.

HOFHERRENCHOR unter sich.
Woher kommt die Veränderung,
Was ist mit ihm geschehn?
HERZOG wie vorher.
Daß noch Lieb‘ und Treu‘ bestehn,
Daß Lieb‘ und Treu‘ bestehn, daß Lieb‘ und Treu‘ bestehn!

Er eilt ab nach rechts.

Die Hofherren stehen, wenn der Herzog abgegangen ist, in einzelnen Gruppen und unterhalten sich.

Nr. 12. Scene und Arie.

MARULLO für sich.
Ach, armer Rigoletto!

Rigoletto wird trällernd, seinen Schmerz betäubend, außer halb hörbar.

Die Hofherren richten ihre Aufmerksamkeit nach der Mittelthür.

Dritter Auftritt.

Die Hofherren. Dann Rigoletto.

RIGOLETTO außerhalb, scheinbar lustig.
Lala, lala, lala, lala, lala, lala, lala!
HOFHERRENCHOR zieht sich mehr nach hinten, unter sich.
Er kommt, seid stille!
RIGOLETTO wie vorher, kommt mit erheuchelter Gleichgültigkeit trällernd durch die Mitte.
Lala, lala, lala, lala, lala!
HOFHERRENCHOR ironisch.
Guten Tag, Freund Rigoletto!
RIGOLETTO für sich.
Hier find‘ ich diese Schurken!

Er ist nach vorn gekommen.

CEPRANO.
Was giebt’s Neues, du Narr?
RIGOLETTO nachäffend.
Was giebt’s Neues, du Narr?

Ihn von Kopf zu Fuß betrachtend.

Daß Ihr heut‘ läppischer noch seid als gewöhnlich!
HOFHERRENCHOR lachend.
Ha, ha, ha!
RIGOLETTO wie vorher.
Lala, lala, lala, lala, lala, lala, lala!

Für sich.

Wo mag die Arme schmachten?

Er schlendert im Vordergrunde des Saales umher, nach allen Seiten hin unauffällig forschend.

HOFHERRENCHOR unter sich.
Sein Frohsinn ist Verstellung.
RIGOLETTO wie vorher.
Lala, lala, lala, lala, lala, lala, lala!
Lala, lala, lala, lala!
HOFHERRENCHOR unter sich.
Ja, ja! Sein Frohsinn ist Verstellung!
RIGOLETTO zu Marullo.
O wie freu‘ ich mich, daß die Luft des Abends
Euch nicht den Schnupfen brachte.

Er geht um den Tisch rechts herum.

MARULLO scheinbar erstaunt.
Welches Abends?
RIGOLETTO scheinbar als wisse er etwas.
O es war ergötzlich!
MARULLO.
Daß ich gut geschlafen?
RIGOLETTO.
Du hast geschlafen? Nun, so hab‘ ich geträumet.

Wütend, indem er nach links schlendert, wo er das Taschentuch auf dem Tisch links erblickt, es rasch mit der linken Hand erfaßt und sich gleichzeitig nach den Hofherren umsieht.

Lala, lala, lala, lala, lala, lala, lala!
HOFHERRENCHOR unter sich.
Seht, seht, wie er alles mustert!
RIGOLETTO für sich, indem er das Tuch mustert.
’s ist nicht das ihre!

Er wirft es wieder hin, entschlossen fragend.

Ist der Herzog schon wach?

Er setzt sich rechts, nimmt seine Narrenkappe ab und legt sie auf den Tisch.

HOFHERRENCHOR.
Nein, nein! Er schläft noch!

Ein Page der Herzogin kommt von links.

Vierter Auftritt.

Die Vorigen. Page nimmt die Mitte.

PAGE.
Den Gemahl will die Herzogin sprechen.
CEPRANO nach einer Ausrede suchend.
Er schläft noch.
PAGE.
Hier bei euch war er ja eben.
BORSA wie vorher.
Er ging jagen.
PAGE.
Ohne Pagen und Waffen?
HOFHERRENCHOR ungeduldig.
Willst oder kannst du’s nicht verstehen?
Er kann jetzt niemand sehen!

Sie drängen ihn nach links hinaus, woher er kam.

Fünfter Auftritt.

Die Vorigen ohne den Pagen. Dann Gildas Stimme.

RIGOLETTO der das Gespräch mit der größten Aufmerksamkeit verfolgt hat, springt auf, eilt in die Mitte und bricht mit erhobenem Haupte donnernd los.
Ha! so ist sie hier! Sie ist beim Herzog!
HOFHERRENCHOR.
Wer?
RIGOLETTO.
Das Mädchen, das ihr frevelnd
Mir heute Nacht geraubet!
Doch bald werd‘ ich sie finden!
Sie ist hier!
HOFHERRENCHOR.
Ist dein Liebchen verschwunden,
Suche sie wo anders.
RIGOLOTTO stürzt sich mit geballten Fäusten, mit zurückgeworfenem Kopf gegen die rechts stehenden Hofherren.
Ich will meine Tochter!
HOFHERRENCHOR.
Seine Tochter?

Sie treten überrascht einen Schritt zurück.

RIGOLETTO stöhnend, seine Wut zurückhaltend.
Ja, meine Tochter!
An diesem stolzen Siege –
Wie! – kann euer Herz sich laben?

Sie starr ansehend.

Sie ist da! Gebt sie mir! Ich will sie haben.

Er will gewaltsam nach der Thür rechts.

Die Hofherren treten ihm in den Weg, fassen seine Hand und weisen ihn streng zurück.

RIGOLETTO taumelt erschöpft nach vorn und verhüllt sein Gesicht; nach einer Pause.
Feile Sklaven, ihr habt sie verhandelt!
Sagt, was wurde als Preis euch gegeben?
Um die Schätze der Hölle zu heben,
Setztet selbst eure Seele ihr ein.
Gebt sie wieder! Zwar bin ich ohne Waffen,
Doch mein Arm soll den Sieg mir erbeuten.
Für die Ehre der Tochter zu streiten,
Wird Verzweiflung die Kraft mir verleihn!
Öffnet schleunigst jene Thüre, feige Mörder!
Schnell öffnet die Thüre, o öffnet die Thüre, ihr Mörder!

Er stürzt nochmals gegen die Thür rechts.

Die Hofherren machen sie ihm wie vorher wiederholt streitig.

Einige ziehen die Degen.

RIGOLETTO nachdem er verzweifelt mit ihnen gerungen, wankt nach links und bricht dort am Sessel zusammen.
Ach! Ihr alle gegen einen! O Schande!

Weinend.

Alle gegen mich!

Er erhebt sich mit dem Aufwand seiner letzten Kräfte; so furchtbar er eben noch seine Tochter forderte, so sanft erfleht und erbettelt er sie jetzt.

Ach! Ja, ich weine! Marullo, o höre!
Du allein bist nicht taub für die Ehre!
Sage mir, sag‘, wo ist sie verborgen?
Marullo, o höre, sage mir, ach,
Wo ist sie verborgen?

Er faßt Marullo an.

Nicht wahr?

Schluchzend.

Im Palaste?

Er wiederholt zweimal und schaudert dann nach einer Pause zusammen; weinend.

Du schweigest!

Er läßt Marullo los.

Weh‘ mir! –

Weinend.

O ihr Edlen! Verzeihung, Erbarmen!
Laßt den Vater seine Tochter umarmen!
Gebt mein Kind, gebt mein alles mir wieder,
Gebt die Tochter mir wieder,
Und der Himmel, der Himmel, er segne euch dafür!
Erbarmt euch mein, erbarmt euch mein!
O gebt mein Kind mir wieder
Und der Himmel, er segn‘ euch dafür!

Er wiederholt die letzten Worte, sinkt in der Mitte in die Kniee, die Hände bittend nach unten streckend.

O gebt mein Kind mir wieder!
Ihr Herrn, erbarmet euch mein!

Die Hofherren sind, durch sein Flehen gerührt, von der Thür rechts fort ihm unwillkürlich näher getreten, so daß das Auftreten Gildas nicht gehindert wird.

Nr. 13 und 14. Scene, Chor und Duett.

GILDA ist durch einen Mark und Bein durchdringenden Aufschrei im Zimmer rechts hörbar.
Ha!

Rigoletto erhebt sich, als er die Stimme seiner Tochter hört und wankt einige Schritte mit nach der Thür gerichtetem Gesicht nach rechts.

Gilda erscheint in der Thür und sieht ihren Vater.

Sechster Auftritt.

Die Vorigen. Gilda, Rigoletto zu ihrer Linken.

Rigoletto streckt seine Arme nach Gilda aus.

GILDA eilt ihm an die Brust.
Mein Vater!
RIGOLETTO drückt sie schmerzerfreut an sich.
Gott! meine Tochter!

Die Hofherren höchstes Erstaunen und Verwunderung.

RIGOLETTO zu ihnen mit von Schluchzen und Lachen erstickter Stimme.
Ihr Herren! – Nur sie blieb – allein mir –
Von all den Meinen!

Gilda blickt die Hofherren an und geht an Rigoletto vorüber nach links.

RIGOLETTO.
Fürchte nun nichts mehr! O meine Tochter!
Nur ein Scherz war’s! Nicht wahr?

Lachend zu den Hofherren.

Ihr saht mich weinen, jetzt lach‘ ich!

Er weint; zu Gilda.

Doch du, warum weinst du?
GILDA leise, in tiefer Scham.
Mein Vater, ach, die Schande!
RIGOLETTO mit grellem Übergang, erbebend.
Himmel! was sagst du?
GILDA wie vorher.
Laß mich, o Vater,
Vor dir allein erröten!

Rigoletto schiebt Gilda nach links hin von sich.

Gilda bricht an dem Sessel links zusammen.

RIGOLETTO mit geballter Faust gegen die Hofherren gewendet; gebieterischen Tones.
Entfernt euch von hier! Ihr alle!
Wenn euer Herzog dieser Thür sich nahte,
Laßt ihn nicht den Eintritt wagen,

Mit mimischer Bekräftigung seiner Worte.

Und sagt ihm, ich wäre hier!

Er bleibt erhobenen Hauptes stehen.

HOFHERRENCHOR halblaut unter sich.
Um mit Narren umzugehen,
Ist Verstellung öfter gut;
Kommt, doch lasset uns erspähen,
Was er sinnet, was er thut.

Alle Hofherren gehen langsam ab durch die Mitte und verschließen hörbar hinter sich die Thür.

Siebenter Auftritt.

Rigoletto, Gilda zu seiner Linken.

RIGOLETTO wendet sich zu Gilda und zieht sie vom Stuhle empor.
Rede, wir sind allein.
GILDA sieht ihm einen Moment ins Auge; für sich.
Gott, gieb mir Kraft und Mut!

Sie sinkt ihm schluchzend zu Füßen.

Rigoletto beugt sich während der folgenden neun Takte über Gilda, erfaßt ihre Hände, richtet sie auf, zieht sie an seine Brust, bedeckt ihr Haupt mit Küssen, deutet ihr an: »Sprich!« geht einige Schritte nach rechts und bleibt in Erwartung der Schreckensnachricht auf den Sesse! rechts gestützt stehen.

GILDA hebt in höchster Verzweiflung ihre Arme empor und beginnt, tonlos schluchzend.
Wenn ich an Festestagen
Betend im Tempel kniete,
Sah ich dort einen Jüngling
In frischer Jugendblüte.
Zwar unsre Lippen schwiegen,
Doch deutlich, deutlich sprach der Blick!

Sie wendet sich zögernd zu ihrem Vater und erhebt langsam den Blick zu ihm.

Rigoletto läßt den Kopf auf die Brust sinken, deutet ihr an; »Fahre fort!«

GILDA.
Gestern zur Abendstunde
Sah ich ihn vor mir stehen:
Er sei Student und mittellos,
Und er begann zu flehen,
Und schwur, in meinem Herzen,
In meinem Herzen fänd‘ er sein ganzes Glück.

Rigoletto sinkt auf den Sessel rechts.

GILDA.
Er ging, er ging! Ach, und süße Hoffnung
Fühlt ich in mir erwachen,
Als eine Schar von Räubern
Verlarvt die Thür erbrachen,
Und rasch unter bitterm Spott und Hohn
Hierher mit mir entflohn!
RIGOLETTO steht auf; seiner Brust entpreßt sich ein tiefer Seufzer.
Ach! Gott, nur für mich erfleht‘ ich
Von dir ein schimpflich Leben,
Um sie in reinerm Glanze
Hoch über mich zu heben.
Ach, stets wird ja beim Hochgericht
Der Altar auch gefunden!

Schluchzend.

Doch alles, doch alles ist nun verschwunden,
Vernichtet ist der Altar!

Er wiederholt die letzten Worte.

Gilda bricht in Thränen aus.

RIGOLETTO tritt zu ihr und drückt sie an sich; tiefster Schmerz des armen Krüppels, der seine geschändete Tochter weinend im Arm hält.
Ach! weine, weine, o weine an meinem Busen!
GILDA stets schmerzbewegt.
Vater!
RIGOLETTO.
Mildre, mildre der Seele bittern Schmerz!
GILDA.
Deine Trostesworte sind Balsam für mein Herz!
RIGOLETTO.
Weine, weine, o weine an meinem Busen,
Mildre, mildre der Seele bittern Schmerz!
GILDA.
Ach, deine Worte sind Balsam,
Ja, deine Worte sind Balsam für mein Herz.

Sie wiederholen.

RIGOLETTO gilda loslassend und vor sich hinstarrend.
Hab‘ ich erst vollbracht,
Was noch muß geschehen,
Dann soll man uns beide
Nicht länger hier sehen!
GILDA ohne zu verstehen, nickt mit dem Kopf.
Ja!
RIGOLETTO für sich.
Ein einziger Tag
Reicht jawohl dazu hin!

Er wendet sich zum Abgang nach links.

Ein Gerichtsdiener kommt in diesem Augenblick von links zwei Schritte hinter ihm der Graf von Monterone, zwei Schritte hinter diesem zwei Hellebardiere, der eine mit einem Schlüsselbund.

Achter Auftritt.

Die Vorigen. Gerichtsdiener. Monterone. Zwei Hellebardiere.

Rigoletto eilt, Gilda vor sich herdrängend, nach links vorn.

Gilda fällt dort auf die Kniee.

Rigoletto verbirgt sie ängstlich vor Monterone, die Hand auf ihr Haupt legend, als wolle er sie vor dem Fluche des Alten schützen.

GERICHTSDIENER zu den Hellebardieren, nach der Mittelthür zeigend.
Schließt auf!

Der Eine schließt die Mittelthür auf.

GERICHTSDIENER.
In den Kerker bringen wir ihn!
MONTERONE vor dem Bildnis des Herzogs an der Hinterwand rechts.
Da ich nur umsonst meinen Fluch dir gegeben,
Und Blitze und Schwerter verschonten dein Leben,
So blühn dir auch ferner noch Glück und Gedeihn.

Der Gerichtsdiener, Monterone und die beiden Hellebardiere gehen ab durch die Mitte.

Die Mittelthür wird geschlossen.

Neunter Auftritt.

Rigoletto, Gilda zu seiner Linken.

RIGOLETTO die Hand Gildas fassend und Monterone nachblickend.
Du irrst, guter Alter! Gerächt wirst du sein!
Ha! bald schlägt sie, die blutige Stunde!
Nein! nichts soll vor der Rache dich schützen!
Seist du auch mit der Hölle im Bunde,
Keine Macht wird vom Tod dich befrein.
Gleich des Himmels verheerenden Blitzen

Er wiederholt diese Worte.

Bricht auf dich das Verderben herein.
GILDA begreift, daß sich ihr Vater blutig an dem Herzog rächen will und sucht ihn zu besänftigen, denn sie liebt den Herzog und glaubt von ihm wieder geliebt zu sein.
Ach! ich sehe vor Freude dich beben!
Dieser Jubel erfüllt mich –
RIGOLETTO.
Ha, Rache!
GILDA.
Mit Grauen!
O verzeih‘! Wenn wir andern vergeben,
Wird auch einst uns der Himmel verzeihn!
RIGOLETTO.
Ha, Rache!
GILDA.
O verzeihe!
RIGOLETTO.
Nein!
GILDA.
O verzeihe!
RIGOLETTO.
Nein!
GILDA für sich.
Er belohnte mit Schmach mein Vertrauen,
Und doch denk‘ ich in Liebe noch sein!
RIGOLETTO.
Gleich des Himmels verzehrenden Blitzen
Bricht auf dich das Verderben herein!
GILDA.
O verzeihe! – Ja, dann wird,
Dann wird der Himmel
Einst auch uns verzeihn!

Sie wiederholen.

Gilda lehnt sich an des Vaters Brust.

Rigoletto schließt sie in die Arme und geht mit ihr langsam ab nach links.

Umzug: Rigoletto.

Vierter Aufzug.

Nr. 15. Scene und Kanzone.

Der Vorhang hebt sich nach dem dritten Takte.

Oder unheimlicher Stadtteil zu Mantua am Ufer des Flusses Mincio nach dem vorstehenden Dekorationsplan.

Im Hintergrunde hinter einer verfallenen Brustwehr der Mincio, weiter entfernt Mantua. Rechts hinten eine Brücke über den Fluß. Rechts an der Seite alte verfallene Häuser mit einer Steinbank. Links ein Haus, halb in Ruinen; unten über Stufen durch einen großen Bogen mit einem verschließbaren Vorhang das Innere eines ländlichen Gasthauses mit Thüren rechts und links; die Thür rechts öffnet sich nach innen, hat außen einen Klopfer und innen einen Riegel; nahe dieser Thür eine Spalte in der Wand. Eine Treppe führt auf den Boden: nach vorn mit einem sehr breiten Balkon ohne Dach und schadhafter Balustrade und einem ebenfalls verschließbaren Vorhang. Die Vorhänge unten und oben sind zu Beginn zurückgeschlagen.

Unten in der Gaststube:

Hinten auf der einen Seite ein Tisch mit Laterne, Dolch, Eßgeschirr aller Art, Weinflaschen und Gläser; auf der andern Seite ein Schrank mit einem alten Mantel drinnen. Vorn ein runder Tisch mit Stühlen; auf dem Tisch eine brennende Lampe, ein Krug, Spielkarten.

Oben auf dem Boden:

Hinten ein Bett mit Vorhängen. Vorn ein Tisch mit Stühlen. Stühle.

Es ist Abend.

Dann dunkle Nacht, schweres Gewitter.

Erster Auftritt.

Rigoletto. Gilda. Der Bravo Sparafucile. Dessen Schwester Maddalena.

Sparafucile sitzt im Hause, unten, am Tisch vorn und putzt bei der brennenden Lampe an seinem Degen, kann nicht hören, was auf der Straße vorgeht.

Maddalena im Hause, oben, hinter der Treppe, nicht sichtbar.

Rigoletto kommt im Mantel, mit Geld versehen, auf der Straße von rechts hinten, hat das verlegene unruhige Wesen eines Mannes, der gestört zu werden fürchtet, blickt oft nach der Seite des Hauses um sich.

Gilda ebenfalls in einen Mantel gehüllt, folgt ihm und steht ihm zur Rechten.

RIGOLETTO.
Du liebst ihn?
GILDA fest.
Ewig!
RIGOLETTO.
Und ich ließ dir doch Zeit,
Ihn zu vergessen.
GILDA leidenschaftlich.
Ich lieb‘ ihn.
RIGOLETTO mit schmerzlichem Bedauern.
Arme weibliche Herzen!

Drohend.

Weh‘ dem Verführer!
Doch ich will dich blutig rächen!
GILDA innig.
Verzeih‘ ihm, Vater!
RIGOLETTO nach einer Pause tiefen Nachsinnens.
Und würdest du ihn lieben, wenn ich dir zeigte,
Daß er dich betrogen?
GILDA ungläubig dem Vater ins Auge sehend.
Ich weiß nicht!

Mit Überzeugung.

Doch nein, er liebt mich!
RIGOLETTO mit Haß.
Er?
GILDA bestimmt.
Ja!
RIGOLETTO.
Wohlan, so komm‘, sieh‘ selber.

Er führt sie nach dem Hause links zu der Spalte in der Wand.

GILDA blickt hindurch.
Ein Mann im Zimmer.
RIGOLETTO leise, mit verbissener Wut.
Gleich sollst du sehen!

Der Herzog kommt als einfacher Kavallerieoffizier gekleidet, im Hause, unten, durch die Thür links.

Zweiter Auftritt.

Rigoletto und Gilda auf der Straße an der Spalte beobachtend. Herzog und Sparafucile im Hause, unten.

GILDA zusammenfahrend, mit dem Auge voller Angst auf Rigoletto gerichtet.
Ach! teurer Vater!

Rigoletto deutet ihr an, weiter zu verfolgen, was der Herzog thut. Herzog klopft Sparafucile auf die Schulter. Sparafucile steht auf und steckt den Degen ein.

HERZOG wirft Hut, Mantel, Handschuhe und Degen auf einen Stuhl im Hintergrunde.
Zwei Dinge und hurtig!
SPARAFUCILE.
Welche?
HERZOG.
Eine Flasche Wein und ein Zimmer!
RIGOLETTO für sich.
Ja ja, so treibt er’s immer!
SPARAFUCILE für sich, mit wohlgefälligem Lächeln.
Er weiß zu leben!

Er geht nach dem Tische hinten und macht sich dort zu schaffen.

Gilda bleibt an der Spalte, alles hörend und sehend, was in der Schenke vorgeht, dann und wann plötzlich zusammenzuckend.

Herzog geht während des folgenden Vorspiels nach der Treppe, die nach oben führt, als suche er jemand.

Kanzone.

HERZOG.
O wie so trügerisch sind Weiberherzen,
Mögen sie klagen, mögen sie scherzen,
Oft spielt ein Lächeln um ihre Züge,
Oft fließen Thränen, alles ist Lüge!
Habt ihr auch Schwüre zum Unterpfande,
Auf flücht’gem Sande
Habt ihr gebaut,
Habt ihr gebaut, ja, habt ihr gebaut! –
Sehnt euer Herz sich nach süßen Stunden,
Ein holdes Liebchen ist bald gefunden!
Doch bittre Reue wird der empfinden,
Der nur an eine sich fest will binden.
Habt ihr auch Schwüre zum Unterpfande,
Auf flücht’gem Sande
Habt ihr gebaut,
Habt ihr gebaut, ja, habt ihr gebaut!

Sparafucile kommt mit einer Flasche Wein und zwei Gläsern vor und setzt sie auf den Tisch vorn; dann zieht er seinen langen Degen, klopft mit dessen Knopf zweimal an die Zimmerdecke und steckt den Degen wieder ein.

Maddalena in Zigeunertracht, kommt die Treppe, die von oben nach unten führt, herabgehüpft.

Sparafucile tritt gleichzeitig durch die Thür, die zur Straße führt, hinaus zu Rigoletto.

Dritter Auftritt.

Rigoletto, Sparafucile und Gilda auf der Straße. Maddalena und Herzog im Hause unten.

Herzog eilt Maddalena entgegen, um sie zu umarmen.

Maddalena entschlüpft ihm.

Gilda an der Spalte wie vorher.

Rigoletto der etwas nach hinten gegangen war, stößt auf Sparafucile.

SPARAFUCILE leise.
Dein Mann ist da!
Soll er sterben? Soll er leben?
RIGOLETTO ebenso.
Ich werde einen Wink dir später geben.

Sparafucile entfernt sich nach links hinter dem Hause.

Vierter Auftritt.

Rigoletto und Gilda auf der Straße. Herzog und Maddalena unten.

Nr. 16. Quartett.

HERZOG zu Maddalena.
Als Tänzerin erschienst du mir
Vor ungefähr acht Tagen.
Du wohntest in dem Hause hier,
Hört‘ ich die Leute sagen.
Seitdem fühl‘ ich die Schmerzen

Er preßt die Hand aufs Herz.

Der Sehnsucht tief im Herzen.
GILDA für sich.
Ha, Falscher!
MADDALENA zum Herzog, zu seiner Linken.
Ha, ha! Andre Zehn indessen
Hast du vielleicht vergessen?
Das Herrchen mag dem Feuer
Nur immer ferne bleiben.
HERZOG umarmt sie.
Ja, ich bin ein Ungeheuer!
GILDA zu Rigoletto.
Ach, teurer Vater.

Sie wendet sich entsetzt zu ihm.

Rigoletto führt sie zur Spalte zurück.

MADDALENA zum Herzog, ausweichend.
O laß mich! Sei besonnen!
HERZOG entgegnend.
Sich so zu sträuben!
MADDALENA wie vorher.
Besonnen!
HERZOG zu Maddalena.
Wirst du zu jeder Zeit
So kalt dich von mir wenden!
Stets muß ja solche Sprödigkeit
In Wonne und Liebe enden!

Ihre Hand fassend.

Dies Händchen, ach, wie zart und fein!
MADDALENA.
Du willst mich wohl verhöhnen?
HERZOG.
Nein, nein!
MADDALENA.
Du Schmeichler!
HERZOG.
Umarme mich!
GILDA für sich.
Verräter!

Sie wendet sich entsetzt ab.

MADDALENA.
Trunken –
HERZOG lachend.
Ja, liebestrunken!
MADDALENA.
Du machst, mein feines Herrchen,
Dich lustig über mich.

Gilda reißt sich von Rigoletto los und eilt zur Spalte zurück.

HERZOG.
Zur Gattin wähl‘ ich dich.
MADDALENA.
Willst du das unterschreiben?
HERZOG.
Ja, ewig dein zu bleiben!

Gilda kann den Anblick nicht länger ertragen und wendet sich wieder ab.

RIGOLETTO zu Gilda.
Nun, ist dir das genug?
GILDA den Kopf an ihres Vaters Brust bergend.
O schändlicher Betrug!

Sie wirft sich in des Vaters Arme.

MADDALENA zum Herzog.
Willst du das beschwören?

Rigoletto führt Gilda in den Hintergrund.

HERZOG zu Maddalena.
Ja, ewig dein zu bleiben!
RIGOLETTO zu Gilda.
Nun, ist dir das genug?

GILDA zu Rigoletto.
O schändlicher Betrug!
RIGOLETTO erwidernd.
Nun, ist dir das genug?

Er wiederholt diese Worte.

MADDALENA zum Herzog.
Willst du das unterschreiben?

Sie wiederholt zweimal.

HERZOG erwidernd.
Ja, ewig dein zu bleiben!

Er wiederholt diese Worte.

Holdes Mädchen, sieh mein Leiden!
Kannst du so daran dich weiden?
Nur ein Wort von dir vertilgt die Schmerzen,
Die du grausam, die du grausam hier erregt.
Komm und fühle an meinem Herzen,
Komm und fühle wie es schlägt.
Nur ein Wort von dir vertilgt die Schmerzen,
Die du grausam, die du grausam hier erregt!
MADDALENA zum Herzog.
Ha, ha, ha! Ja, ich muß lachen
Über all die schönen Sachen!
GILDA zu Rigoletto.
Ach, so süße Schmeichelworte –
MADDALENA zum Herzog.
Was dies Jammern will bedeuten,
Süßer Freund, das kenn‘ ich schon!
GILDA wie vorher.
Hört ich auch zu mir ihn sprechen!
RIGOLETTO zu Gilda.
Schweige, nichts frommen deine Zähren!
Schweig‘, o schweige! nichts frommen deine Zähren!
Nein, o nein, nein, nein, nein, nein!
GILDA.
Armes Herz, du darfst nicht brechen
Vor Verzweiflung, Gram und Schmerz!
Nein, nein, nein, o nein!
MADDALENA zum Herzog.
O seit alten grauen Zeiten
Sprechen sie in diesem Ton,
Ja, in diesem Ton!
HERZOG zu Maddalena.
Ach, ein Wort nur tilgt die Schmerzen,
Die du grausam hier erregt.

Gilda reißt sich abermals los, kommt vor und horcht auf des Herzogs Worte.

HERZOG.
Holdes Mädchen, sieh mein Leiden!
Kannst du so daran dich weiden?
Nur ein Wort von dir vertilgt die Schmerzen,
Die du grausam hier erregt.
Komm und fühl‘ an meinem Herzen,
Komm und fühle wie es schlägt!
O komm, o komm! – O komm, o komm!
MADDALENA zum Herzog.
Ha ha ha! Ja, ich muß lachen
Über all die schönen Sachen!
Was dies Jammern will bedeuten,
Süßer Freund, das kenn‘ ich schon!
O seit alten grauen Zeiten
Sprechen sie in diesem Ton.
Ja, ha ha, ha ha, wie lächerlich!
Ja, süßer Freund, das kenn‘ ich schon!
Ja, ach, ja!
GILDA.
Armes Herz, du darfst nicht brechen
Vor Verzweiflung, Gram und Schmerz,
Nein, nein, nein, nein, nein, nein, nein, nein!
Nein, o nein! ach, nein!
RIGOLETTO zu Gilda.
Er wird keine mehr bethören!
Laß dafür den Vater sorgen,
Dem sein Kleinod er geraubt!
Ja, der Blitz – vielleicht schon morgen
Trifft er des Verräters Haupt.
O schweig‘, o schweig‘! – O schweig‘, o schweig‘!

Herzog und Maddalena im Hause, unten, setzen sich an den Tisch vorn, trinken, scherzen und lachen.

Gilda auf der Straße, sinkt erschöpft in die Arme Rigolettos.

Nr. 17. Recitativ und Quartett.

RIGOLETTO.
Höre! Geh‘ in die Wohnung!

Er giebt ihr eine Börse.

Nimm die Börse,
Nimm ein Pferd; Männerkleidung
Liegt schon für dich bereit und eile
Nach Verona! Morgen schon bin ich bei dir.
GILDA.
Warum nicht heute?
RIGOLETTO.
O unmöglich!
GILDA.
Ich zittre!
RIGOLETTO scheint aufzuatmen.
Geh‘

Er begleitet Gilda nach rechts hinten bis zur Brücke.

Rigoletto und Gilda nehmen herzlichen Abschied.

Gilda entfernt sich über die Brücke.

Rigoletto geht nach links hinten hinter das Haus und kommt mit Sparafucile im Gespräch von dort zurück.

Es wird dunkler.

Fünfter Auftritt.

Sparafucile und Rigoletto auf der Straße. Herzog und Maddalena im Hause, unten, am Vordertisch sitzend.

RIGOLETTO zieht eine zweite Börse hervor.
Zwanzig Scudi, sagtest du? Hier hast du zehn.

Er giebt sie Sparafucile.

Die andere Hälfte später. Du sagst, er bleibt?
SPARAFUCILE.
Ja!
RIGOLETTO.
Genau um Mitternacht bin ich wieder hier.
SPARAFUCILE zuvorkommend.
Weswegen! Ich allein
Kann dem Fluß ihn übergeben.
RIGOLETTO scharf.
Nein, nein!

Mit Wut verratender Freude.

Ich selber will es thun!
SPARAFUCILE.
Sei es! Wie ist sein Name?
RIGOLETTO.
Willst du auch den meinen wissen?
Er heißt »Verbrechen!«

Den Arm feierlich nach dem Hause links erhebend.

»Vergeltung« heiß‘ ich!

Er geht ab nach rechts hinten über die Brücke.

Es ist tiefdunkle Nacht geworden.

Blitz und Donner.

Sechster Auftritt.

Sparafucile auf der Straße. Herzog und Maddalena im Hause, unten, am Vordertisch sitzend. Chor als Wind.

SPARAFUCILE sieht Rigoletto fragend nach.
Das Gewitter ist nahe und dunkler wird die Nacht.
HERZOG will Maddalena umarmen.
Maddalena!

Sparafucile öffnet die Thür, die von der Straße ins Haus links führt.

MADDALENA dem Herzog ausweichend.
Warte, warte!

Sparafucile erblickend.

Sieh, da kommt der Bruder!

Es blitzt.

Sparafucile tritt ein, verriegelt die Thür und legt seinen Degen auf den Tisch hinten.

HERZOG.
Er komme!

Es donnert.

MADDALENA zu Sparafucile.
Es donnert!
CHOR von hinten her als Wind hörbar, mit geschlossenem Munde vokalisierend.
Hm – hmhmhm – hmhmhm!
SPARAFUCILE.
Auch Regen wird es geben!
HERZOG zu Sparafucile.
Um so besser, ich bleibe hier!
Du schläfst im Stalle! Auch in der Hölle,
Wo du nur willst!

Regen, Donner.

SPARAFUCILE.
Ich danke!

Er geht nach hinten zum Tisch und zündet die dort stehende Laterne an.

MADDALENA steht auf, heimlich zum Herzog.
Nein, nein, verlaß uns!
HERZOG schenkt sich ein.
In diesem Wetter?

Maddalena nähert sich Sparafucile.

SPARAFUCILE leise zu ihr.
Zwanzig Scudi in Gold!

Wind.

CHOR wie vorher.
Hm – hmhmhm – hmhmhm!
SPARAFUCILE laut zum Herzog.
Gerne will ich mein Gemach Euch überlassen;
Wollt Ihr’s besehen, ich will hinauf Euch führen.

Er geht mit der brennenden Laterne nach der Treppe, die nach oben führt und steigt hinauf.

HERZOG steht auf.
Wohlan, mag es so sein!
Geh‘ denn, ich folge!

Er sagt Maddalena ein Wort ins Ohr, nimmt Hut, Mantel, Handschuhe und Degen von dem Stuhl im Hintergrunde und folgt Sparafucile nach oben, Maddalena Kußfinger zuwerfend.

Blitz, Donner.

MADDALENA unten.
Ach, armer Junge! – So schön und freundlich!

Wind, Blitz und Donner.

Himmel! Welch grauenvolle Nacht!

Sie setzt sich traurig an den Tisch.

CHOR wie vorher.
Hm – hmhmhm – hmhmhm!
HERZOG MIT SPARAFUCILE oben angekommen, sieht den offenen Balkon.
Hier schläft man in freier Luft!
Das ist köstlich! Gute Nacht!
SPARAFUCILE.
Ein süßer Traum mag Euch beglücken!

Blitz und Donner.

HERZOG.
Ein Stündchen sanften Schlafs wird mich erquicken!

Donner.

Sparafucile stellt die brennende Laterne auf den Tisch und entfernt sich über die Treppe nach unten, setzt sich dort an den Tisch, Maddalena gegenüber und trinkt aus der Weinflasche des Herzogs.

HERZOG legt Hut, Mantel und Handschuhe auf einen Stuhl an der Treppe und seinen Degen auf den Tisch zur Laterne und wirft sich aufs Bett, wo er sein Lied wiederholt und ganz langsam einschläft, mit ersterbenden Worten auf den Lippen.
O wie so trügerisch sind Weiberherzen,
Mögen sie klagen, mögen sie scherzen! –
Mögen sie klagen, mögen sie –
Selbst Schwüre – zum Pfande,
Auf flüchtigem Sande habt ihr gebaut –
Habt ihr – gebaut,
Ja, nur auf Sand habt ihr ge –

Er schläft.

MADDALENA unten.
Ein lieblicher Junge mit freundlichen Mienen!
SPARAFUCILE.
Er läßt zwanzig Scudi in Gold mich verdienen.
MADDALENA.
Nur zwanzig? Wie wenig! Weit mehr ist er wert!
SPARAFUCILE.
Sieh‘ nach, ob er schlummert, dann bring‘ mir sein Schwert.

Er trinkt ruhig weiter.

Blitz und Donner.

Maddalena steht auf und geht die Treppe hinauf, nimmt die brennende Laterne vom Tisch, leuchtet auf den Herzog hin und sieht ihm wehmütig ins Gesicht; dann ergreift sie den Degen vom Tisch, zieht den Vorhang vor den ganzen obern Raum und kommt nach unten zurück.

Gilda als Mann gekleidet, im Mantel, mit Stiefel und Sporn, kommt über die Brücke von rechts hinten und nähert sich langsam dem Hause links.

Blitze und Donner.

Siebenter Auftritt.

Gilda auf der Straße. Maddalena und Sparafucile im Hause unten.

Nr. 18. Scene und Terzett.

GILDA.
Ich schwanke nicht länger,
Die Liebe gebietet! Verzeihung, mein Vater!

Blitz und Donner.

Wind.

CHOR wie vorher.
Hm – hmhmhm – hmhmhm!
GILDA schaudert zusammen.
O Nacht des Entsetzens! Gott schütze mich hier!
MADDALENA legt den Degen des Herzogs vor Sparafucile auf den Tisch, flehend.
O Bruder!
GILDA geht zitternd auf das Haus links zu und legt abwechselnd Auge und Ohr an die Spalte.
Wer sprach hier?
SPARAFUCILE.
Zur Hölle mit dir!

Er steht auf, tritt an den Schrank hinten und sucht einen alten Mantel hervor.

MADDALENA.
Ergleicht dem Apollo an Schönheit! Ich lieb‘ ihn,
Er liebt mich! O Bruder, du darfst ihn nicht töten.
GILDA wie vorher, lauschend und hörend.
O Himmel!
SPARAFUCILE den Mantel Maddalena zuwerfend.
Sieh‘ nach, ob er ganz ist.
MADDALENA.
Wozu?
SPARAFUCILE.
Drin geht dein Apollo im Flusse zur Ruh‘,
Sobald er geblutet.

Blitz, Donner.

GILDA.
Ich seh‘ hier die Hölle!

Sie legt ihren Mantel ab und beiseite.

Wind.

CHOR wie vorher.
Hm – hmhmhm – hmhmhm!
MADDALENA.
Das Geld sollst du haben, ich schaff‘ es zur Stelle,
Wenn du ihn verschonest.
SPARAFUCILE.
Das möcht‘ ich wohl hören.
MADDALENA.
Wohlan denn! Was ich meine, will ich dir erklären: Zehn Scudi hast du ja bereits schon genommen,
Der Bucklige wird mit dem Reste noch kommen,
Ermord‘ ihn!
GILDA wie vorher, lauschend und hörend.
Was hör‘ ich?
MADDALENA.
Zehn andre –
Wirst du bei ihm finden!
GILDA wie vorher, verzweifelnd die Hände ringend.
Mein Vater!
MADDALENA.
Und so, lieber Freund,
Ist das Ganze ja dein.
SPARAFUCILE.
Den Buckligen töten?
Das kannst du mir raten?
Bin ich denn ein Räuber?
Bin ich denn ein Mörder?
Hab‘ ich meine Kunden
Wohl jemals verraten?
Der Alte bezahlt mich,
Treu muß ich ihm sein!

Er geht zurück, nimmt seinen Degen vom Tisch hinten und will hinauf.

Blitz und Donner.

MADDALENA hält ihn zurück.
O Gnade für ihn!
SPARAFUCILE will sich den Weg nach oben erzwingen.
Nein, nein, er muß sterben!
MADDALENA stellt sich vor die Treppe.
Ich laß ihn entfliehn.

Sie will die Treppe hin auf.

GILDA atmet auf, mit thränenerstickter Stimme.
O großmüt’ge Fremde!
SPARAFUCILE Maddalena zurückhaltend.
Mein Wort ist gegeben.
MADDALENA.
Was thut’s?
SPARAFUCILE.
Und die Scudi?
MADDALENA.
O schenk‘ ihm das Leben, o schenk‘ ihm das Leben!

Blitz.

SPARAFUCILE tritt, vom Widerstand der Schwester besiegt, vor.
Wenn noch, eh‘ die Glocke
Wird Mitternacht schlagen,
Ein andrer sich findet, so stirbt er für ihn.

Blitz, Donner.

MADDALENA faßt ihn aufs neue an.
Ach, niemand wird heute
Ins Freie sich wagen,
Dem sichern Asyl, das ihn schützet, entfliehn.
GILDA in Angst und Verzweiflung.
O welche Versuchung! Dem Leben entsagen,
Um ihn, den Verführer, dem Tod zu entziehn!

Regen, Wind, Blitz, Donner.

GILDA.
O güt’ger Himmel, schütze ihn!

Sie wiederholt zweimal.

MADDALENA.
Ach, niemand wird heute ins Freie sich wagen,
Dem sichern Asyl, das ihn schützet, entfliehn.
Nein, nein, niemand stellt sich hier für ihn!
SPARAFUCILE.
Wenn noch, eh‘ noch die Glocke wird Mitternacht schlagen,
Ein andrer sich findet, so stirbt er für ihn!

Er wiederholt diese Worte.

Blitzstrahl. Das Leuchten hört auf.

CHOR wie vorher.
Hm – hmhmhm – hmhmhm!

Eine Turmuhr schlägt halb Zwölf.

CHOR wie vorher.
Hm – hmhmhm – hmhmhm!
SPARAFUCILE.
Noch eine halbe Stunde!
MADDALENA weinend.
O warte noch, Bruder!

Sparafucile versucht wiederholt, sich von Maddalena los zu machen, ist jetzt frei und steht mit dem Degen in der Hand an der Treppe.

CHOR wie vorher, sehr stark.
Hm – hmhmhm – hmhmhm!

Einschlag.

GILDA ringt nach Mut und Fassung.
Wie! diese kann weinen, und ich sollte zagen?
CHOR wie vorher.
Hm – hmhmhm – hmhmhm!
GILDA entschlossen.
Wohlan denn, so will ich getreu dieses Leben,
Wie einst ich ihm schwur, für das seinige geben.

Blitz und Donner.

Gilda klopft dreimal mit dem Klopfer nach der Musik an die Thür, welche von der Straße ins Haus links führt.

MADDALENA sehr erstaunt und erfreut.
Man klopft!
SPARAFUCILE will wieder fort.
Es war der Wind!

Blitz und Donner.

Gilda klopft wie vorher zum zweitenmal.

Blitz und Donner.

MADDALENA wie vorher.
Man klopft schon wieder!
SPARAFUCILE.
Wie seltsam!

Laut rufend.

Wer da?
GILDA taumelt bei dieser Stimme einige Schritte zurück, dann tritt sie mit der letzten Kraft wieder zur Thür, rufend.
Ach, Mitleid, Erbarmen!
Habt Ihr diese Nacht kein Asyl für mich Armen?
MADDALENA.
Lang wird sie ihm werden!
SPARAFUCILE laut rufend.
Gleich öff’n ich die Thüre!
MADDALENA zu Sparafucile, drängend.
Auf, spute dich, eile, die That zu vollbringen,
Der eine muß sterbend den andern befrein!
SPARAFUCILE zu Maddalena.
So geh‘ denn und öffne! der Plan wird gelingen.
Sei’s der oder jener, der Preis ist doch mein!

Er steckt seinen Degen ein.

GILDA.
So jung muß ich Arme zum Opfer mich bringen!

Sie sinkt in die Kniee.

O mögest du, Gott, meinen Mördern verzeihn! Ach!
Vergieb, teurer Vater, deinem armen Kinde,
Ich muß, den ich liebe, vom Tode befrein!
Verzeihe – o Vater – verzeihe – verzeihe!
Ich muß ja, den ich liebe, vom Tode befrein!

Sie wiederholt die letzten Worte und steht auf.

MADDALENA wie vorher.
Eile, ach, eile, die That zu vollbringen,
Der eine muß sterbend den andern befrein!

Sie wiederholt diese Worte.

SPARAFUCILE zu Maddalena.
Geh‘ denn und öffne! Der Plan wird gelingen!
Sei’s der oder jener, der Preis ist doch mein.

Er wiederholt diese Worte.

Blitz und Donner, Regen und Wind.

Gilda klopft wie vorher zum drittenmal.

CHOR wie vorher, sehr stark.
Hm – hmhmhm – hmhmhm – hmhmhm –
Hmhmhm – hmhmhm – hmhmhm!
MADDALENA zu Sparafucile.
Spute dich!
SPARAFUCILE ergreift den Dolch vom Tisch hinten, zu Maddalena.
Öffne!
MADDALENA öffnet die Thür von der Straße ins Haus, ruft Gilda zu.
Kommt näher!

Sparafucile stellt sich hinter die nach innen schlagende Thür.

GILDA angstvoll.
Himmel!
O verzeihe den Mördern!

Sie tritt mit dem Worte »Mördern« in die Thür.

MADDALENA zu Gilda.
Kommt näher!

Sie schließt den Vorhang an der Vorderseite.

SPARAFUCILE zu Gilda.
Kommt näher!

Er schließt gleichzeitig mit Maddalena die Thür und erdolcht Gilda.

Einschlag.

GILDA mit einem Aufschrei.
Ha!

Blitz, Donner, Regen.

Alles bleibt in tiefem Schweigen und schwarzer Finsternis begraben.

Gewittermusik.

Die Heftigkeit des Gewitters nimmt nach und nach ab, der Regen hört auf.

Rigoletto kommt in einen Mantel gehüllt von rechts hinten über die Brücke.

Achter Auftritt.

Rigoletto allein.

Ein Blitz.

Nr. 19. Scene.

RIGOLETTO.
Endlich erscheint sie, die Stunde der Rache!
Seit dreißig langen Tagen erwart‘ ich sie,
Blut’ge Thränen weinend
Unter des Narren heitrer Larve!

Ein Blitz.

Die Thür von der Straße ins Haus links untersuchend.

Die Thüre verschlossen!
Ha, noch ist es nicht Zeit! Ich warte!

Blitz, Donner.

O Nacht voll Graun und Schrecken!
Sturm und Gewitter am Himmel,
Und Blut und Mord auf Erden!
Ha! wie so groß fühl‘ ich mich heute!

Es schlägt entfernt Mitternacht.

Mitternacht!

Er klopft mit dem Klopfer an die Thür von der Straße ins Haus.

Sparafucile sieht nach einer kleinen Pause heraus.

Neunter Auftritt.

Rigoletto, Sparafucile zu seiner Linken. Dann Gilda ermordet.

SPARAFUCILE.
Wer da?

Er tritt heraus.

RIGOLETTO.
Ich bin es!

Er will eintreten.

SPARAFUCILE hält ihn ab.
So warte!

Er geht ins Haus zurück und trägt die ermordete, in einen Mantel gehüllte Gilda heraus und legt sie vor Rigoletto auf den Boden.

Hier hast du deinen Mann.
RIGOLETTO stürzt sich über den Mantel.
O Wonne! Ein Licht!
SPARAFUCILE.
Ein Licht? Nein, meine Scudi!

Rigoletto giebt ihm eine Börse.

SPARAFUCILE steckt die Börse ein, ergreift den Mantel, um ihn nach dem Hintergrund zu ziehen.
Hurtig zum Flusse mit ihm.
RIGOLETTO schiebt ihn zurück.
Nein, mir gebührt es!
SPARAFUCILE.
Nun, meinetwegen!

Er zeigt nach rechts hinten.

Hier ist es zu seicht!

Er zeigt nach links hinten.

Dort unten ist das Wasser tiefer.
Eile, daß niemand dich bemerkt.
Gute Nacht!

Er geht ab nach links ins Haus und verriegelt von innen die Thür.

Blitz und Donner.

Zehnter Auftritt.

Rigoletto. Gilda. Dann Herzog.

RIGOLETTO das Auge auf den Mantel gerichtet.
Er liegt da! Und tot!

Den Mantel betastend.

Ja, ja, ich möcht‘ ihn sehen!
Doch weswegen? O er ist es! Hier seine Sporen!

Er richtet sich hoch auf.

Blick‘ nun auf mich, o Welt!
Dies ist ein Narr! Und ein mächt’ger Narr ist dieses!

Er stellt den Fuß auf die Leiche.

Er unter meinen Füßen! Er selber! O Wonne! –
O Schmerz des Vaters, dir wurde endlich Rache!
Ein Fluß zu seinem Grabe
Und ein alter Mantel zu seinem Leichentuche!
Zum Flusse! zum Flusse!

Er will den Mantel aufheben, um den Ermordeten fortzuschleppen.

STIMME DES HERZOGS der inzwischen erwacht und aufgestanden war und sich nun entfernt, von links hinter dem Hause.
O wie so trügerisch sind Weiberherzen,
Mögen sie klagen, mögen sie scherzen!
RIGOLETTO steht entsetzt und wie betäubt.
Welche Stimme!

Er geht zurück und horcht.

HERZOG wie vorher.
Oft spielt ein Lächeln um ihre Züge,
Oft fließen Thränen, alles ist Lüge!
RIGOLETTO kehrt zitternd vor Wut zum Mantel zurück.
Ha, es ist ein nächtlich Trugbild!
HERZOG kommt von links nach rechts hinten vorüber.
Habt ihr auch Schwüre
Zum Unterpfande,
Auf flücht’gem Sande habt ihr gebaut!
RIGOLETTO zitternd und bebend.
Nein, nein! – Nein! – Er ist’s selber!

Schäumend.

Fluch und Verdammnis!

Gegen das Haus links.

He da! Bandit der Hölle!
HERZOG im Gehen, entfernter, nach und nach ver hallend.
Auf flücht’gem Sande habt ihr gebaut,
Ja, nur auf Sand habt ihr gebaut!

Elfter Auftritt.

Rigoletto. Gilda.

Nr. 20. Finale.

RIGOLETTO.
Wer fiel statt seiner hier zum Opfer?

Er öffnet den Mantel.

Ich zittre! ein menschlicher Körper!

Ein langer Blitz.

Er erkennt dabei seine Tochter.

Meine Tochter! Gott, meine Tochter!

Donner.

Doch nein! Es ist unmöglich!
Sie ging nach Verona.
Es war ein Blendwerk!

Wieder ein langer Blitz.

Sie ist es!

Er kniet nieder.

Meine Gilda! mein Kind! O gieb mir Antwort!
Nenne mir deinen Mörder!

Er klopft voll Verzweiflung an das Haus links.

Holla! –
Ha, niemand! Alles still!

Er kniet hinter Gilda und schreit von Thränen und Schluchzen erstickt.

Meine Tochter!
Mein Kind! O meine Gilda!
GILDA richtet sich halb auf, wie durch des Vaters Stimme ins Leben zurückgerufen.
Ach! Wer ruft mich?
RIGOLETTO.
Ha, sie redet, sie regt sich, sie atmet!
O Himmel, du mein einzig Gut auf Erden!

Er hält sie im rechten Arm.

O sieh‘ mich, ach, erkenne mich!
GILDA.
Mein teurer Vater!
RIGOLETTO.
Welch Geheimnis!
O sprich, bist du verwundet? Rede!
GILDA.
Der Dolch! – hier – er drang ins Herz!

Sie läßt den Kopf sinken.

RIGOLETTO richtet sie auf.
Wer war dein Mörder?
GILDA.
Ich bin strafbar – ich täuschte dich, Vater!
Meine Liebe – ließ für ihn mich sterben.
RIGOLETTO für sich.
Ew’ger Gott!
Sie traf der Strahl meiner Rache!
Ha, ich selbst stürzte sie ins Verderben!
Teurer Engel! Ach, sieh‘ meinen Jammer!
Rede, rede, geliebte Tochter!
GILDA.
Ach, laß mich schweigen! Vergieb, vergieb uns beiden! Segne, segne deine Tochter, o mein Vater!

Lange Pause.

Sie umschlingt mit der rechten Hand Rigolettos Kopf.

Oben bei Gott, an der Mutter Seite
Bet‘ ich ewig, o Vater, für dich!
RIGOLETTO.
Nein, nein,
Du darfst nicht, du darfst nicht von mir scheiden!
Nein, holder Engel, ich lasse dich nicht,
Nein, ich lasse dich nicht!
GILDA.
Oben bei Gott, an der Mutter Seite –
RIGOLETTO.
Meine Tochter!
GILDA.
Bet‘ ich ewig, o Vater, für dich!
RIGOLETTO.
Nein, ich lasse dich nicht!
GILDA.
Ja, bei Gott –
RIGOLETTO.
O mein Kind!
GILDA.
Dort bet‘ ich für dich!
RIGOLETTO.
Wenn du stirbst, wie verlassen wär‘ ich hier!
Ach, laß lieber mich sterben mit dir!
GILDA.
Lebwohl! Vergieb!
RIGOLETTO.
Meine Tochter! Meine Gilda!
Nein, ich lasse dich nicht!
O mein Kind! –
Nein, ich lasse dich nicht!
O mein Kind!
GILDA.
O vergieb ihm!

Sie bricht zusammen und streckt die Hand nach ihm aus.

Mein Vater! mein Vater!

Leiser werdend.

Oben bei Gott, oben bei Gott, ja, bei Gott,

Hauchend.

Dort bet‘ ich für –

Sie stirbt.

RIGOLETTO betrachtet sie mit starren wahnsinnigen Blicken und schreit verzweifelt.
Gilda, meine Tochter!

Er springt außer sich vor Jammer auf, starrt sie an.

Sie ist tot! –

Er blickt zum Himmel, dann auf die Leiche seines Kindes.

Ha! jener Fluch des Alten!

Er stürzt besinnungslos zu Gildas Füßen nieder.