Fra Diavolo ou L'Hôtellerie de Terracine (Fra Diavolo oder Das Gasthaus von Terracina; Eugène Scribe), opéra comiue 3 Akte (28. Jan 1830 Paris, Théâtre Feydeau)
Musik von Daniel François Esprit Auber

Deutsch von Carl Blum. Deutsche Erstaufführung am 3. August 1830 in Berlin
Fra Diavolo, ein 1760 geborener Brigant, der 1806 nach einem langjährigen Guerillakrieg mit den Franzosen gehenkt wurde.

Fra Diavolo, unter dem Namen des Marquis von San Marco - Jugendlicher Heldentenor
Lord Kookburn, ein reisender Engländer - Charakter- oder Lyrischer Bariton, auch Bass buffo
Lady Pamella, seine Gattin - Spielalt, auch Mezzosopran
Lorenzo, Offizier bei den römischen Dragonern - Lyrischer Tenor
Matteo, Gastwirt von Terracina - Charakterbariton oder -bass
Zerline, seine Tochter - Lyrischer Koloratursopran, auch Lyrischer Sopran
Giacomo, Bandit - Bass buffo
Beppo, Bandit - Tenor buffo
Francesco, ein reicher Bauer, Zerlines Bräutigam - Stumm, Baß
Einwohner von Terracina; Soldaten; Bedienstete des Gasthauses
Italien um 1830

2 Flöten (2. auch Piccolo), 2 Oboen, 2 Klarinetten, 2 Fagotte, 4 Hörner, 2 Trompeten, 3 Posaunen, Pauken, Schlagzeug, Streicher
Bühnenmusik: 4 Hörner, 2 Trompeten, 2 Posaunen, Glockenspiel

Nummernoper (18 Musiknummern) mit gesprochenen Dialogen; ca. 2 Stunden; Troupenas (heute Salabert), Paris

Die Premiere des 'Fra Diavolo' am 28. Januar 1830 stand im Zeichen einer großen Sensation. Auber, der mit der 'Stummen von Portici' die französische Oper der großen Leidenschaft gestaltet hatte, bot mit dem 'Fra Diavolo' seinem begeistertem Publikum die Oper des französischen Esprit: vollendet in der Form und getragen von jenem gezügelten Übermut, der unvergleichlicher Kern des gallischen Humors ist. Die Delikatesse, mit der sich der Franzose ohne jede Sentimentalität über sein Urbürgerlichkeit, die doch der Grundzug seines Wesens ist, spottet, findet im 'Fra Diavolo' ihren bezaubernden Niederschlag. Es kann sich auch nur der geniale Franzose leisten, eine komische Oper mit tödlichem Ausgang zu schaffen, da in dem geistreichen Allotrie auch die erschreckliche Hinrichtung des Räuberhauptmanns, der alle Sympathien auf seiner Seite hat, nicht ernst genommen wird, und schießlich die Gerechtigkeit ja doch siegen muss.
Hier ist es die große Kunst, die lustige Parodie auf die überspannte Romantik nicht zur Frace werden zu lassen und auch in verfänglichster Situation - das sittsame Bräutchen entkleidet sich auf offener Szene - nie das echte Gefühl zu verletzen.

Man hat oft schon behauptet, dass die Oper als Kunstgattung überholt und veraltet sei: grober Irrtum. Die Oper ist lediglich kein Experimentierboden für analytische Musik, sondern muss in den Herzen der Zuhörer Widerhall finden. Außerdem benötigen auch die großen Komponisten Textdichter, die ihr Handwerk verstehen. Man schäme sich deshalb nicht, bei Auber und Scribe, Klasse 'Fra Diavolo', in die Schule zu gehen. Das Publikum wird es danken.

1. Akt: Vor dem Gasthaus von Terracina. Auf den Kopf des gefürchteten Räubers Fra Diavolo ist ein Preis von 10.000 Lire gesetzt. Diese Prämie lockt römische Soldaten, auf Räuberfang auszuziehen; vorher trinken sie sich Mut an. Ihr Hauptmann Lorenzo zecht nicht mit ihnen; er denkt an Zerline, des Gastwirts Töchterlein, das er liebt, das aber einen reichen Bauernsohn heiraten soll. Er sieht seine Hoffnung auf Zerline dahinschwinden; einzig die Aussicht auf die ausgesetzte Prämie scheint ihm noch eine Möglichkeit, die Geliebte für sich zu gewinnen. Fra Diavolo hat sich indessen einem reichen englischen Lord, der sich mit der jungen Lady Pamella auf der Hochzeitsreise befindet, unter der Maske eines Marquis von San Marco aufgedrängt und seine Eifersucht geweckt. Seine Banditenschar hat den Lord bereits ausgeplündert. Dieser erscheint wehklagend im Gasthaus; Lorenzo und seine Soldaten brechen sofort auf, um den Räuber zu verfolgen. Kurz darauf betritt Fra Diavolo wohlgelaunt die Gaststube, von Lord Kookburn misstrauisch begrüßt, weil dieser wieder eine Annäherung an seine Gemahlin befürchtet. Die Diamanten Pamelas üben einen unwiderstehlichen Reiz auf Fra Diavolo aus; mit List entwendet er ihr ein kostbares Medaillon. Von dem Engländer erfährt er, daß sie ihr Geld eingenäht in den Kleidern trage, was ihn zu weiterem Raub verlockt.
Nach geglücktem Fang erscheint Hauptmann Lorenzo wieder; er hat zwanzig Banditen dingfest gemacht und obendrein die der Lady geraubten wertvollen Schmuckstücke zurückgewonnen. Dadurch gelangt Zerline in den Besitz einer vom Lord ausgesetzten Belohnung, die Lorenzo ausgeschlagen hat. Die Hoffnung auf die Vereinigung mit seiner geliebten Zerline scheint sich zu erfüllen. Um auch den auf Fra Diavolos Kopf ausgesetzten Preis zu verdienen, unternimmt Lorenzo einen neuen Streifzug in die Berge. Der vermeintliche Marquis muss dies alles mitansehen und schwört Lorenzo blutige Rache.

2. Akt: Zerlines Schlafzimmer, das an das Gastzimmer der Engländer stößt und nach der anderen Seite in einen dunklen Raum führt. Fra Diavolo hat sich hier eingeschlichen, um die Engländer zu berauben. Als Zerline dem Lord in seine Kammer leuchtet, ruft der Räuber durch eine verabredete harmlose Serenade seine beiden Kameraden Beppo und Giacomo herbei. Sie haben gerade noch so viel Zeit, sich rasch zu verstecken, da Zerline schneller, als man annahm, zurückkommt. Sie müssen nun warten, bis Zerline sich entkleidet und zu Bett gelegt hat. Beppo will sie umbringen, doch das entzückende Lied, das sie beim Zubettgehen singt, stimmt die beiden Räuber weich. Da wird ans Haustor geklopft. Die Banditen verbergen sich in großer Angst, denn Lorenzo ist mit seinen Soldaten zurückgekehrt und fordert wiederholt Einlass. Er ist dem Räuber auf der Spur, die nach Terracina deutet. Zerline, durch das Pochen der Soldaten geweckt, vernimmt freudig die Stimme ihres Geliebten. Auch der Lord und seine Frau werden durch den Lärm munter. Beppo stößt durch Ungeschick einen Stuhl um; Lorenzo will der Ursache dieses Geräusches nachspüren und eilt zur Tür. Hier erscheint unerwartet Fra Diavolo als Marquis und weckt durch seine Erklärung, daß ihn ein Stelldichein in die Stube führte, die Eifersucht des Lords und Lorenzos. Dem Lord gegenüber verdächtigt er Pamella, indem er das geraubte Medaillon zeigt; zu Lorenzo gewandt, gibt er Zerline als seine Geliebte aus. Die sich betrogen wähnenden Männer wüten, und die Banditen freuen sich ihres Streiches. Fra Diavolo schöpft neue Hoffnung auf das Gelingen seines Raub- und Racheplanes.

3. Akt: Im Gebirge. Fra Diavolo erwartet seine Häscher, die mit Bauern und Bäuerinnen ins nahe Wirtshaus ziehen, um das Frühlingsfest zu feiern. Giacomo und Beppo finden verabredungsgemäß im nächsten hohlen Baum einen Zettel mit der Anweisung Fra Diavolos, das Glöckchen zu läuten, sobald die Häscher das Feld geräumt haben. Durch den des Lesens unkundigen Beppo ergibt sich eine komische Entzifferung des Zettels. Die Soldaten rüsten zum Ausmarsch; Lorenzo schilt Zerline, daß sie noch immer nicht seinetwegen mit ihrem Vater gesprochen habe. Da verraten sich die versteckten Banditen Giacomo und Beppo dadurch, dass sie das der Zerline am Vorabend abgelauschte Liedchen trällern. Blitzschnell entdeckt Zerline hierdurch den wahren Zusammenhang und verständigt Lorenzo, der die beiden Banditen auf der Stelle fesseln läßt. Fra Diavolos Zettel wird bei ihnen gefunden, und Lorenzo, seines Fanges nun sicher, lässt das Zeichen mit dem Kapellenglöckchen geben. Dadurch wird Fra Diavolo in die Falle gelockt und gefangengenommen, entweicht aber und stürzt, von einer Kugel getroffen, zu Boden. Matteo gibt nun seine Tochter Zerline dem glücklichen Hauptmann zur Frau. Der Lord und Pamella versöhnen sich, und es herrscht allgemeine Freude über den Ausgang der Ereignisse.

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Opernführer Johannes Scholtze, ca. 1920 (PDF)

1944 Karl Elmendorff; Chor und Orchester der Staatsoper Dresden
Beppo: Karl Wessely
Fra Diavolo: Hans Hopf
Giacomo: Kurt Böhme
Lady Pamela: Marie-Luise Schilp
Lord Cockburn: Arno Schellenberg
Lorenzo: Lorenz Fehenberger
Matteo: Gottlob Frick
Zerline: Irma Beilke
Urania 204 (2 LP) / Preiser PR 90349 (2 CD) (93'58); Cantus Classics 500204 (2 CD) (deutsch, ohne Dialoge)

1954 Wilhelm Schüchter; Chor und Orchester des NDR Hamburg
Bauer: Josef Dienstbier
Beppo: Kurt Marschner
Fra Diavolo: Rudolf Schock
Giacomo: Karl Otto
Lady Pamela: Ursula Zollenkopf
Lord Cockburn: James Pease
Lorenzo: Ernst August Steinhoff
Matteo: Sigmund Roth
Soldat: Karl Alberti
Zerline: Wilma Lipp
Eurodisc 300 730-420 (2 LP) / Relief CD 1909 (2 CD) (deutsch von Karlheinz Gutheim)

1955 Boris Khaikin; Chor und Orchester des Bolschoi-Theaters Moskau
Sergei Jakowlewitsch Lemeschew
Guselnikowa; E. Gribowa
Melodia M10 39865 (3 LP) (2 CD) (live)

1968 Arturo Basile; Coro e Orchestra della Teatro Comunale di Triest
Beppo: Paolo Mazzotta
Fra Diavolo: Giuseppe Campora
Giacomo: Alfredo Mariotti
Lady Pamela: Margaret Simoncini
Lord Cockburn: Marco Stecchi
Lorenzo: Romano Grigolo
Matteo: Vito Susca
Zerline: Cecilia Fusco
DG 2726 072 (2 LP; ital.) / DG 477562 8 (2 CD 66'08) (1 CD; Kurzfassung)

1972 Wolf-Dieter Hauschild; RSO Berlin
Fra Diavolo: Günter Neumann
Giacomo: Herbert Rössler
Lady Pamela: Hannerose Katterfeld
Lord Cockburn: Reiner Süss
Lorenzo: Eberhard Büchner
Matteo: Horst-Dieter Kaschel
Soldat: Gert Gruner
Zerline: Helga Termer
Berlin Classics 21402BC (1 CD) (Auszüge in deutscher Sprache)

1979 Jean-Marc Cochereau; Choeurs de l'Opéra du Rhin, Orchestre Philharmoniue de Strasbourg
Beppo: Bernard van der Meersch
Fra Diavolo: Rémy Corazza
Giacomo: Jacues Trigeau
Lady Pamela: Bernadette Antoine
Lord Cockburn: Gérard Friedman
Lorenzo: Tibère Raffalli
Matteo: Jean Brun
Zerline: Christine Barbeaux
Voce 26 (2 LP) (live Straßburg, Dez. 1979)

1981 Alberto Zedda; Cambridge University Chamber Choir, Orchestra del Festival di Martina Franca
Bauer: Fabio Luisi
Beppo: Oslavio di Credico
Fra Diavolo: Dano Raffanti
Giacomo: Sergio Kalabakos
Lady Pamela: Martine Dupuy
Lord Cockburn: Nelson Portella
Lorenzo: Aldo Bertolo
Matteo: Giorgio Tadeo
Zerline: Luciana Serra
Fonit Cetra LMA 3011 (3 LP) / Fonit Cetra CDC 75 (2 CD 142'33); Warner Fonit 3984-27266-2 (2 CD) (ital., live 1. Aug. 1981 Festival della Valle d'Itrai)

1984 Marc Soustrot; Ensemble Vocal Jean Laforge, Orchestre Philharmoniue de Monte Carlo
Bauer: Michel Marimpouy
Beppo: Michel Hamel
Fra Diavolo: Nicolai Gedda
Francesco: Michel Marimpouy
Giacomo: Michel Trempont
Lady Pamela: Jane Berbié
Lord Cockburn: Rémy Corazza
Lorenzo: Thierry Dran
Matteo: Jules Bastin
Soldat: Regis Ducroc
Zerline: Mady Mesplé
EMI 2700 683 (2 LP) / EMI 754 810-2 (2 CD 112'54)

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