Abert, Johann Joseph
* 20. Sept. 1832 in Kochowitz bei Gastorf (Böhmen)
† 1. Apr. 1915 in Stuttgart
Komponist

INFO

Abert, Johann Joseph, born Sept. 21, 1832, at Kochowitz in Bohemia, began his 'musical education as a chorister in the church of Gastdorf. In his eighth year he was transferred to the Augustine convent at Leipa, and remained there till his fifteenth year, when he ran away to Prague, and through the assistance of an uncle entered the Conservatorium there. Several of his compositions were performed at the concerts of the school, and in 1852, having attracted the attention of Lindpaintner, then capellmeister at Stuttgart, he received the post of contrabassist in the theatre orchestra of that town. Shortly after this, two symphonies were written. These were followed by a symphonic poem 'Columbus' (Crystal Palace, March 4, 1865), and by four operas, 'Anna von Landskron' (1859), 'König Enzio' (1862), 'Astorga' (1866), 'Ekkehard' (1878), and 'Die Almohaden' (1890), besides many works of smaller calibre. On the retirement of Eckert in 1867, Abert succeeded him as capellmeister, retiring in 1888. His 'Friihlingssymphonie' is dated 1894.

Werk
Vokalwerk

  • Messe Es-Dur für vierstimmigen gemischten Chor op. 23 (1858)
  • 100. Psalm für Männerchor und Blasorchester (1881)
  • geistliche Chöre, weltliche Kantaten ound Lieder

    Bühnenwerke

  • Anna von Landskron (Christian Gottfried Nehrlich), Große Oper 4 Akte (1858 Stuttgart, Hoftheater)
  • König Enzio (Friedrich Albert Bernhard Dulk), Große Oper 4 Akte (1862 Stuttgart, Hoftheater)
    DETAILS

    Einführung

    Aberts Oper hatte erst den Titel König Enzio, wurde aber von dem Tondichter völlig umgearbeitet und abermals 1862 als Enzio von Hohenstaufen mit großem Erfolge am Stuttgarter Hoftheater aufgeführt. Abert hat das Werk in großangelegtem Maßstab durchgeführt und seine große Begabung für dramatische Musik glänzend bewiesen. Trotzdem hat er die Liedform nicht zu Wagnerscher unendlicher Melodie erweitert und auch seine Instrumentation ist durchaus maßhaltend, ohne irgendwie dem dramtischen Ausdrucke etwa schuldig zu bleiben. In Aberts ganzem Werk offenbart sich der edel denkende, feinfühlende deutsche Komponist. "Enzio von Hohenstaufen" nimmt auf dem Gebiete der modernen Oper einen hervorragenden Platz ein.

    Solisten

    Enzio, Sohn Kaiser Friedrich II., vormals König von Sardinien, gefangen in Bolgna - Tenor
    Antonio Lambertazzi, Podesta von Bologna - Bariton
    Bianka, seine Tochter, heimlich vermählt mit Enzio - Sopran
    Graf Rainer von Saulgau - Tenor
    Kavaliere Fabio und Viadagoli, Freunde und Genossen Enzios - Baß
    Gaddo, Kastellan des Palastes - Bariton
    Alberti, Offizier des Palastes - Bariton
    Luka di Marano, Mönch - Baßbariton
    Jani, Zigeuner - Tenor
    La Zingana, eine Seherin - Mezzosopran
    Gianni, ein Winzer - Tenor
    Nina, eine Winzerin - Sopran

    Chor

    Senatoren, Nobili, darunter Ghibellinen. Mönche. Ein Schöffe. Bravi. Zigeuner. Winzer und Winzerinnen. Edelwache. Bewaffnete Bolognas. Volk.

    Ort und Zeit

    Bologna, 1268

    Inhalt

    1. Akt. Enzios Palastgarten. Enzio von Sardinien, des letzten Hohenstaufen-Kaisers jüngster Sohn, ist nach siegreichen Kämpfen in Gefangenschaft geraten, Bologna hält den König in einem Palast interniert. Von einem kleinen Hofstaat umgeben, lebt er in stillem Glücke, denn Bianka, des Podesta von Bologna schöne Tochter, schenkte ihm ihre Liebe und ließ sich ihm heimlich vermählen. Beim Beginn des ersten Aktes finden wir den Gefangenen in großer Besorgnis. Sein treues Weib ist ihm geraubt, er hat vergebens ihr nachspüren lassen. Da meldet sich ein wandernder Zigeunertrupp, der in den Garten eingelassen wird. Während ihrer Wahrsagekünste erscheint eine Blumenverkäuferin beim König, überreicht ihm einen Strauß, und er erkennt die verkleidete Bianka. Sie war vom Vater in ein Kloster eingesperrt und ist mit Hilfe der Zigeuner entflohen. Sie bringt nun dem Geliebten Nachricht von Konradins Siegeszuge durch Oberitalien, der Stern der Hohenstaufen geht wieder auf.

    2. Akt. Saal im Palast. Enzio beschließt zu fliehen und dem heldenmütigen Neffen zu folgen. Aber noch bevor der Plan zur Flucht reif ist, kommt schon die Trauerbotschaft, daß Konradin in einem Hinterhalt gefallen ist und sein Leben zu Neapel unter dem Henkerbeil endete. Nun gilt kein Säumen mehr. Gaddo, der Kerkermeister, bietet dem Gefangenen das Mittel zur Flucht. Eben soll ein alter Diener Enzios beerdigt werden, statt der Leiche legt sich der König in den Sarg, man trägt ihn aus den Toren.

    3. Akt. Vor der Kirche. Hier erscheint Gaddo als Verräter, Enzio springt aus der Totenlade und ersticht den heuchlerischen Bösewicht. Seine Getreuen scharen sich um ihn, aber auf des Podesta Geheiß wird der König entwaffnet und vom Senat zu ewigem Kerker verdammt.

    4. Akt. Felsenkluft. Jetzt erst erfährt das Haupt der Republik, daß der harte Spruch ihn selbst mit betroffen, daß sein einziges Kind Enzios Gattin ist. Weder der Vater noch der Geliebte können Bianka von ihrem Entschluß abbringen, sie folgt dem Verurteilten in die Gruft der Tofana.

  • Astorga (Ernst Pasqué nach Episoden aus dem Leben des Komponisten Emanuele d'Astorga), Romantische Oper 3 Akte (27. Mai 1866 Stuttgart)
    DETAILS

    Erstaufführungen

    Deutsche Erstaufführung 1866 Leipzig, danach an vielen deutschen Bühnen; 1870 Wien, Carltheater, 1876 Basel; 1888 Posen; 1876 Prag (tschechisch)

    Einführung

    Aberts 'Astorga' ist überaus reich an Schönheiten und zeugt von einer großen Meisterschaft in Verwendung aller Mittel, welche die weit entwickelte moderne Kunst bietet. Für den Sänger ist diese Oper ausgiebig und dankbar. Des Komponisten Instrumentatiion ist eine ausgezeichnete und zeigt er sich hier als fein gebildeter Musiker, der vor allem Maß zu halten weiß. Wo immer das Werk Aufführungen erlebte, wurde dem Komponisten stürmisch zugejubelt.

    Solisten

    Francesco Fernese, Herzog in Parma - Baß
    Eleonore, seine Nichte - Sopran
    Carlos, Herzog von Los Balbazes, spanischer Grand und Gouverneur Siziliens - Bariton
    Astorga, Sänger und Musiker - Tenor
    Angioletta - Sopran
    Graf von Lauristan, Intendant der Kapelle Leopold I. - Baß
    Ein Offizier

    Chor

    Kavaliere und Edeldamen, Gefolge, Trabanten und Pagen, Sänger und Musiker, Schüler Astorgas; Wachen, Volk

    Ort und Zeit

    Parma, 18. Jahrhundert

    Handlung

    1. Akt. Palast Farnese zu Parma. Astorga liebt Eleonore, die Tochter Farneses, und genießt auch ihre Gegenliebe. Francesca Farneses aber hat seine Tochter Carlos zum Mann bestimmt. Astorga hat den Auftrag bekommen, durch ein Lied das Hochzeitsfest zu verschönen. Hierbei lernt er mit Schrecken seinen Nebenbuhler kennen. In seiner Liebe teilt Astorga den Hochzeitsgästen mit, daß Carlos seinen edlen Vater, der sich gegen die Tyrannenherrschaft aufgelehnt, habe hinrichten lassen, und seine Mutter und ihn gezwungen habe, diesem Bluturteile beizuwohnen. Weil Astorga aber hierdurch seine Ebenbürtigkeit verrät, beschließen Carlos und Farnese seinen Untergang. Als Carlos den Sänger niederstoßen will, wirft sich Angioletta, eine begeisterte Schülerin Astorgas, dazwischen und hält Carlos von seiner Tat ab. Astorga wird von seinen Anhängern weggeführt.

    2. Akt. Häuschen Angiolettas in lieblicher Landschaft, die von einem Flusse im Hintergrunde durchzogen wird. Astorga hat sich hierher geflüchtet. In aller Einsamkeit, zurückgezogen von aller Gesellschaft arbeitet er hier an seiner Hymne: Stabat mater dolorosa. Angioletta tritt hinzu und mahnt den Geliebten, sich zu seinem Schutze ins Haus zu begeben. Astorga folgt der Mahnung. Kaum ist er in das Häuschen getreten, da ertönen Männerstimmen, und auf einem Nachen kommen Carlos und Lauristan mit mehreren Offizieren. Lauristan hat vom Kaiser den Auftrag erhalten, die berühmte Sängerin Angioletta für die Hofoper zu gewinnen. Mit Mühe war es ihm gelungen, den Aufenthalt der beliebten Künstlerin auszukundschaften. Doch Angioletta lehnt den ehrenhaften Antrag ab. Auf Bitten der Kavaliere singt sie und entzückt alle durch ihren schönen Gesang. Alle Herren verabschieden sich wieder, und jeder von ihnen und insbesondere Balbazes hofft im geheimen, Angioletta für sich zu gewinnen. Er beschließt, sie heute Nacht mit Gewalt sein eigen zu machen. Angioletta eilt ins Haus, um Astorga vor den Spähern zu retten. Kaum ist sie in ihre Wohnung getreten, kommt des Herzogs Nichte Eleonore daher. Ihr ist Kunde geworden, daß ihr Gemahl (Carlos, Herzog von Balbazes) den Aufenthalt Atorgas durch Späher erfahren hat. Sie will den armen Sänger retten und versteckt sich in der Nähe der Hütte. Unterdes hat sich Balbazes von seinen Gefährten getrennt, um seinen finsteren Plan, Angioletta zu rauben, auszuführen. Er gewahrt Eleonore und hält sie für Angioletta. Er gesteht der vermeintlichen Sängerin seine Liebe, erkennt aber zu spät, daß er seine Gattin vor sich hat. Wütend dringt er auf diese ein. Da eilt Astorga herbei und rettet Eleonore. Balbazes fordert Astorga zum sofortigen Zweikampf und wird in demselben getötet. Volk eilt herbei und findet Carlos von Balbazes tot daliegen. Ein Offizier befiehlt, daß Astorga gefangen genommen werde, doch als Angioletta verspricht, Lauristan an den Hof zu folgen, wird Astorga freigelassen, aber Wahnsinn umfängt ihn. - Eleonore verspricht Astorga nun zu schützen.

    3. Akt. Palast der Eleonore. Zwei lange Jahre hat sich Eleonore in treuer Liebe vergeblich bemüht, Astorgas Geisteskrankheit zu heilen. Nichts hat sie unversucht gelassen, um den Geliebten zu retten. Heute will sie das letzte versuchen. Sie hat nämlich eine berühmte Sängerin bestellt, die durch Astorgas eigene Komposition, die Hymne "Stabat mater dolorosa", des Kranken geistige Umnachtung vertreiben soll. Die Sängerin kommt. Es ist niemand anders als Angioletta, die mit Freuden sich bereit erklärt, durch Gesang der Hymne den verehrten Meister zu heilen. Angioletta singt, und Astorga erlangt die geistige Klarheit zurück. Aufjauchzend erkennt er die geliebte Angioletta und stüzt in ihr Arme. Obwohl Eleonore für Astorga vom König von Spaniendie Erlaubnis erwirkt hat, daß Astorga seinen alten Namen Fürst von Palagonien wieder führen darf, beschließt jener doch, mit Angioletta in stiller Zurückgezogenheit fortan zu leben. Mit tiefem Schmerz nimmt Eleonore von Astorga, den sie innig geliebt, für immer Abschied.

  • Enzio von Hohenstaufen (Friedrich Albert Bernhard Dulk; 2. Fassung von König Enzio), Große Oper 4 Akte (1875 Stuttgart)
  • Ekkehard (nach Joseph Victor von Scheffels gleichnamigem Roman über Ekkehard von St. Gallen, von verschiedenen Verfassern bearbeitet), Oper 5 Akte (11. Okt. 1878 Berlin, Hofoper)
    DETAILS

    Einführung

    Wie vor 12 Jahen "Astorga", so hatte auch dieses Werk gelegentlich seiner Erstaufführung einen durchschlagenden Erfolg. Die Musik zu "Ekkehard" zeigt nicht bloß die ernste künstlerische Arbeit eines gründlich gebildeten, mit allen Mitteln seines Faches vertrauten Komponisten, sondern legt Zeugnis ab. daß wir es mit einem reich begabten Tondichter zu tun haben. "Ekkehard" zählt sowohl textlich wie vor allem musikalisch zu den bedeutendsten Erscheinungen.

    Solisten

    Hadwig, Herzogin in Schwaben -Sopran
    Praxedis, ihre Vertraute - Sopran
    Spazzo, ihr Kämmerer - Bariton
    Graf von Montfort - Bariton
    Watzmann, der Abt - Bariton
    Rudimann, der Kellermeister - Bariton
    Ekkehard, Mönch vom Kloster St. Gallen, Gast auf der Reichenau - Tenor
    Die Waldfrau - Mezzosopran oder Alt

    Chor

    Mönche und Klosterschüler, Winzer und Fischer. Bewohner des Bodenseeufers, Knechte und Hörige, Edelfrauen und Ritter, Reisige, Pagen der Herzogin und Gefolge

    Ort und Zeit

    Vor dem Kloster Reichenau, auf und bei dem Hohentwiel, 10. Jahrhundert

    Inhalt

    1. Akt. Vor dem Kloster Reichenau. Es ist Herbst. Winzer bergen mit Wein gefüllte Fässer im Kloster, Rudimannkostet mit langem Zug den Rebensaft. Die Waldfrau die bisher unbeobachtet war, flucht dem Wein und dem Kerkermeister und geht fort. Abt Watzmann und Mönche kommen und loben das Getränk. Weinlied des Abtes "Klosterwein von Reichenau", dann verlassen alle unter Glockengeläute den Ort. Die Fähre läßt zwei Frauen, Hadwig und Praxedis, landen. Die Herzogin beklagt sich, daß sie Sehnsucht ohne gleichen quält. "In meiner Brust ein Feuer glüht, doch was auf Erden blüht, ist mir verwehrt," singt sie. Wohl beugt sich vor der Herzogin alles Volk, doch Liebe erntet sie nicht. Rudimann kommt in angeheitertem Zustande hinzu, und als er Praxedis küssen will, tritt Ekkehard hinzu und schleudert den Trunkenbold fort. Ekkehard ist von dem Anblicke der schönen Frauen entzückt. Da erscheint der Abt, und als er Rudimann seine Frechheit vorhalten will, entschuldigt sich dieser, daß er im trunkenen Zustande, Ekkehard aber nüchtern weltliche Genüsse hegte. Entrüstet wirft man den beiden Frauen vor, daß sie heimlich das Gebiet des Klosters betreten hätten und Unfrieden stifteten. Der Abt weist sie sogar scharf von dannen. Da landet die Fähre abermals, und Graf Montfort erscheint, indem er die Herzogin von Schwaben ehrfurchtsvoll grüßt. Abt Watzmann bittet um Vergebung und kredenzt der Herzogin einen Becher, den diese auf das Wohl ihres Heimatlandes leert. Dann begehrt sie des Klosters Schätze zu besichtigen. Doch als der Abt erschrocken von dem heiligen Gelübde spricht, daß kein Weiberfuß die Schwelle des Klosters betreten dürfe, gibt Ekkehard listig der hohen Frau ein Tuch, damit sie ihre Füße damit umhülle und so das Gelübde nicht gebrochen werde. Hadwig reicht Ekkehard die Hand; Montfort bemerkt mit aufkeimender Eifersucht, daß die Herzogin an dem jungen Ekkehard außergewöhnlichen Gefallen findet.

    2. Akt. Burggarten auf dem Hohentwiel. Ekkehard liest aus dem Virgil der Herzogin, Praxedis und dem Grafen Monzfort vor. Plötzlich aber unterbricht die Herzogin den Vortragenden. Sie ist sehr ergriffen. Da tönen Worte der Waldfrau an ihr Ohr. Letztere singt: "Der Abend kommt und die Nachtluft weht - wir müssen alle von dannen." Praxedis deutet die düsteren Worte dahin, daß Sonnenwende nicht weit sei. Montfort warnt die Herzogin vor dem Sang, jene aber wendet sich verwirrt ab. Da erscheint Spazzo und ruft Hadwig zum Abendessen ab. Ekkehard schreitet gesenkten Hauptes nach dem Turm. Montfort hat der Herzogin staunend nachgesehen. "Klarheit ist es nun, er ist verschmäht." Wütend beschließt er, Ekkehard zu vernichten. Zu diesem Zwecke erbittet er von der Waldfrau zwei "Tränke voll Zauberkraft, von denen der erste Verderben schafft, und glühende Liebe der zweite". Die Waldfrau sagt zu, doch muß Montfort zur Sonnenwende am Heidenstein sich einfinden.
    Verwandlung. Am Heidenstein. Der heidnischen Feier der Sonnenwende tritt Ekkehard plötzlich entgegen. "Weh' über euch, verstockte Sünderschar!" Wütend ergreifen alle Männer die Waffen, doch furchtlos verharrt Ekkehard und zertrümmert mi seinem Beile den Altar, auf dem den heidnischen Götzen geopfertwurde. Zwar siegt Ekkehard über die Anhänger der heidnischen Feier, aber die Waldfrau hält ihm seine sündige Liebe zur Herzogin vor, und Ekkehard schreit auf: "Weh' mir, ich bin gerichtet!"

    3. Akt. In der Burgkapelle. Ekkehard tritt ein, und in ihm ringt sich die Gewißheit durch, daß er Hadwig nicht lassen kann, er sagt sich vom Klosterorden los. Da erscheint Hadwig. Ekkehard glaubt wahrzunehmen, daß die Herzogin ihn wider liebt, und schließlich hebt er die sich Sträubende empor und küßt sie. Zu gleicher Zeit erscheinen Abt Watzmann und Montfort in der Kapelle. Letzterer stürzt sich mit gezücktem Dolche auf Ekkehard. aber die Herzogin selbst hält den Wütenden zurück. Der Abt flucht dem Ekkehard, und auch die Herzogin stimmt in diesen Fluch mit ein. Mi den Worten: "Weh' mir, auch sie hat mich verdammt" läßt er sich fesseln und abführen.

    4. Akt. Burghof. Montfort und die Waldfrau haben die Hunnen zu nächtlichem Ueberfall an die Burg herangeführt. Die Waldfrau bestimmt Montfort, diese selbst hereinzuführen. Beide gehen an die Ausführung ihres Planes. Praxedis erscheint. Auch sie liebt Ekkehard, der im anstoßenden Turme schmachtet. Sie will ihn befreien, doch erst, als Praxedis ihm sagt, daß Hadwig ihn noch liebt. ergreift Ekkehard freudig die rettende Hand. Beide beschließen nun, mit des Kaisers Heer gegen die Hunnen zu ziehen, Praxedis verkleidet als Mönch. Da gewahrt Ekkehard Flammenzeichen. Die Hunnen, Montfort an der Spitze, dringen in den Burghof. Ekkehard tötet den Verräter. Doch schon brechen Flammen aus der Burg hervor, Ekkehard stürzt sich hinein und rettet Hadwig. Die Hunnen werden abgeschlagen. Hadwig will sich nun ihrem Retter in die Arme stürzen, doch Ekkehard enteilt mit den Worten: "Mich ruft der Herr, leb' wohl!"

    5. Akt. Vor dem Hohentwiel. Die Hunnen sind geschlagen worden, und die Sieger werden zurückerwartet. Die Waldfrau versucht selbst im Sterben noch Unheil durch falsche Berichte zu verbreiten, da ertönen Fanfaren und - Ekkehard zieht, wenn auch schwer verwundet, mit Praxedis und den siegreichen Kämpfern herein. Hadwig will sich ihm vor allem Volk in die Arme werfen, doch Ekkehard reißt seine verbundenen Wunden auf und mit den Worten: "Ich hab's gesühnt voll reiner Weihe, im Tod noch blick' ich nach dir hin, und sprachst du huldvoll, ich verzeihe, so hat der Himmel auch verzieh'n" stirbt er in den Armen Hadwigs und Praxedis.

    Records

    1998 Peter Falk; Stuttgarter Choristen, Orchester des SWR Kaiserslautern
    Ekkehard: Jonas Kaufmann
    Graf von Montfort: Jörg Hempell
    Hedwig: Nyka van Ingen
    Praxedis: Susanne Kelling
    Rudimann: Christian Gerhaher
    Spazzo: Henry Böhm
    Waldfrau: Mihoko Fujimura
    Watzmann: Alfred Reiter
    Capriccio 60 080 (2 CDs) 129'13 (live, Musiktage Bad Urach 1998)

    1. Vorspiel
    2. Erster Akt: Herbstsonne Leuchtet Mit Mildem Schein
    3. Da Wären Wir, Dem Zwang Entronnen
    4. Geprobt Und Gesegnet Sind Reben Und Wein
    5. Haha, Mit Eigenen Augen Nun Schaut
    6. O Edle Frau, Übt Gnade Aus
    7. Zweiter Akt: Da Saß Die Königin Vor Der Juno Tempel
    8. Klar Ist Es Nun, Ja, Ich Bin Verschmäht
    9. Die Götter, Die Uns Teuer
    10. Wir Ziehen Zum Heiligen Feste
    CD 2
    1. Dritter Akt: Mit Schönster Blumenfülle
    2. Der Gedanken Sturm Zu Bannen
    3. O Herr Über Leben Und Tod
    4. Hadwig! - Wer Stört Mich?
    5. Vierter Akt: Wir Sind Zur Stelle
    6. Rings Tiefe Stille, Alles Ruht
    7. Ha, Welch Ein Strahl Ward Plötzlich Dort Entfacht
    8. Fünfter Akt: Hier Pflanzt Das Banner Schwabens Auf
    9. Welch Heller Klang Zerreißt Den Trüben Wahn
    10. Entsetzliches Gesicht, Mein Herz Erbebt

  • Die Almohaden (oder Die Glocke von Almudaina) (Arnold Kasten nach einem Drama des Don Juan Palon y Coll), Oper 4 Akte (1890 Leipzig)
    DETAILS

    Gelegentlich der Erstaufführung errang Aberts jünstes Werk einen entschiedenen und die Leipziger Kritik nennt es eine der bedeutendsten Schöpfungen der modernen Oper. Schon das Libretto ist entschieden mit großem Geschick verfaßt worden. Obwohl die Handlung in der Hauptsache zu einem düsteren, dramatischen Knoten geschürzt ist, wechseln doch lustig-bunte Scenen mit dramatisch-wuchtigen Ereignissen ab und halten bis zum Schlusse das Interesse wach. Aberts Musikdrama, denn ein Drama im modernsten Sinne muß man die gewaltige Schöpfung nennen, ist reich an Schönheiten. Deklamatorische Wahrheit und süße Melodik versteht Abert in glänzender Weise zu verbinden. Seine Instrumentation ist äußerst farbenprächtig, ohne dabei die Singstimmen zu ertöten. Alles in allem haben wir es mit einem Werke allerersten Ranges zu tun, das nicht allein von Händen eines begabten, erfahrenen Musikers, sondern von einem genialen Tonheroen geschaffen werden konnte.

    Zoraya, verbannte Fürstin der Almohaden unter dem Namen „Donna Elena” - Mezzosopran
    Ismael, ihr Sohn - Tenor
    Zelima - Sopran
    Salem - Baß
    Don Gilabert de Centellas, Gouverneur von Mallorca - Bariton
    Galceran, Beltran, Offiziere in spanischen Diensten - Bariton und Baß
    Der Page des Centellas, - Sopran
    Spanische Jäger, Mauren und Maurinnen. Tänzerinnen. Pagen. Ein Muezzin. Mönche, Nonnen
    Mallorca (balearische Insel) im 13. Jahrhundert

    1. Akt. Garten vor dem Landhaus der Donna Elena. Zoraya, verbannte Fürstin der Almohaden, unter dem Namen „Donna Elena”, hat ihren Todfeind Don Gilabert de Centellas, Gouverneur von Mallorca, welcher im Dienste seines Königs ihren Gemahl des Thrones und Lebens beraubt und ihren Sohn eingekerkert hatte, in ihr am Meer gelegenes Landhaus gastlich aufgenommen und ihn dadurch vom Tode errettet, ohne von ihm erkannt zu werden. Ein in ihren Diensten stehender vornehmer Maure, Salem, welcher eben gelandet, um ihr mitzuteilen, daß ihr Sohn Ismael aus seinem Kerker befreit worden sei, will den Gouverneur ermorden, doch wehrt sie ihm dies. Der im Aufbruch begriffene Gouverneur wünscht seine Dankbarkeit an Elenas Kindern zu erweisen, etwa an ihrem Sohn, von dessen Dasein ihm Kunde geworden. Elena antwortet darauf verlegen, diesen habe, nachdem er früh das Vaterhaus verlassen, ein finsteres Schicksal erfaßt, und hinwiederum klagt Centellas, daß auch ihm eine Tochter, heißer Liebe Kind, samt der geliebten Mutter geraubt worden sei. Diese Gespräch wird durch die Ankunft Ismaels unterbrochen, welcher sich als Troubadour singend eihführt. Von einem seiner Offiziere aufmerksam gemacht, erkennt ihn Centellas und befiehlt, ihn als Rebell in Ketten zu legen. Elena und ihre Tochter Zelima stürzen sich dazwischen und geben sich als Mutter und Schwester Ismaels zu erkennen. Nach kurzem Kampf zwischen Gefühl und Pflicht besteht Centellas auf seinem Befehl, und auch der Offizier Galceran, welcher Zelima liebt und ihr geschworen hat, sie stets zu beschützen, muß widerstrebend zu seinem Herrn halten. Nach einem heftigen Kampf der Spanier und der Mauren erreicht Ismael die Treppe, welche auf das Dach des Landhauses führt, und stürzt sich von diesem aus ins Meer, worauf sich ein neuer Kampf um die Landungstreppe entspinnt.

    2. Akt. Platz in Palma. Der Ausgang dieses Kampfes ist folgender: Ismael ist wieder gefangen worden und soll hingerichtet werden. Aus Liebe zu dessen Schwester Zelima bietet sich nun Galceran den verschworenen Mauren an, ihn zu retten, was mit ihrer Hilfe beim Maskenfeste, welches Centellas zu geben gedenkt, geschehen soll; er selbst wolle mit Glockenschlägen das Signal zum Sturm geben. und die Mauren sollen Ismael als König im Triumph nach Palma führen. Sie mißtrauen ihm, und auf die Frage: „Wer bürgt uns, daß du kein Verräter?” tritt Zelima, welche schon vorher den Entschluß, ihren Bruder zu retten, ausgesprochen, unter sie, um für ihn zu bürgen.

    3. Akt. Im alten Palast von Almudaina. Der Gouverneur Centellas, sowohl durch Elenas als sein eigenes Schicksal milde gestimmt, versucht den vom König zum Tode verurteilten Ismael zu retten, indem er ihn auffordert, auf die Krone zu verzichten und mit dem König Frieden zu schließen. Doch Ismael lehnt das Ansinnen standhaft ab, und Centellas befiehlt den ihn abführenden Wachen: „Hört ihr die Glocke des Palastes tönen, dann führt ihn ungesäumt zum Tode!” Er zieht sich zurück. Verschworene Mauren, unter ihnen Elena, treten nun auf. Galceran steigt auf den Turm, in welchem sich die Glocke befindet; Salem versichert sich des Pagen, der dies bemerkt hat. Centellas hat sich unterdessen in den Ballsaal begeben und führt aus diesem Elena, welche auf seinen Wunsch die Maske abnimmt, in den Vordergrund. Auch sie weist nun das Ansinnen des Thronverzichts im Namen ihres Sohnes zurück und fleht ihn an, dem sie das Leben gerettet, nun auch ihren Sohn zu retten; dabei erinnert sie ihn seines eigenen Leides: „Denkst du, Centellas, deines Kindes, der Schmerzen seiner Mutter nicht?” Aber er versichert ihr, er würde sich, ehe er von seiner Pflicht weiche, selbst dem Tode weihen. Doch das Kind, welches einst von einer sterbenden Mutter Elena übergeben und von dieser aufgezogen worden, ist Centellas Tochter, und der eben noch auf seine Pflicht pochende Vater ruft überwältigt aus: „Nimm deinen Sohn und führe mich zu ihr!” Bei diesem friedlichen Pakt dringt plötzlich Waffengeklirr und Kriegsgeschei aus dem Ballsaal, Spanier und Mauren sind handgemein geworden, und Elena ruft Centellas zu: „Gieb dich gefangen!” Darauf eilt Centellas zum Turm und ruft, indem er den Strang ergreift: „Amudainas Glocke trägt zitternd auf eherner Zunge den Todesruf für Ismael, schon zuckt die Hand zum Schwunge!” und zu Elena: „Ein Schritt noch, und es fällt dein Haupt bei dieser Glocke Ton!” Als aber auch Elena ihrerseits Salem befiehlt, Centellas Tochter zu töten, sobald er die Glocke erschallen hört, da folgt Centellas zum zweiten Male dem Vaterherzen und gibt Ismael gegen die Tochter frei.
    In diesem Augenblick ertönt mit dröhnenden Schlägen die Glocke - zum Entsetzen der beiden Eltern, welche nun ihre Kinder für verloren halten. Es ist jedoch das Sturmsignal Galcerans, welches ertönte, und im Triumph werden Ismael und Zelima hereingetragen; der Aufstand der Mauren ist vollstängig gelungen, und Ismael besteigt als König den Thron. Sein erster Befehl ist, Centellas und die gefangenen Spanier zu töten; doch Elena erwirkt ihnen gegen den Rat Salems freien Abzug und erklärt Zelima als Centellas Tochter. Nach schmerzlichem Seelenkampf zieht Zelima mit ihrem Vater, und Ismael sieht ihr, wärend er mit der Krone geschmückt wird, ebenso schmerzergriffen nach.

    4. Akt. Inneres eines maurischen Zeltes. Der freigelassene Gouverneur hat die aufständischen Mauren aufs neue angegriffen und besiegt sie nun in heißer Schlacht. In dieser finden sich Ismael und Zelima, welche verwundet ist. Aus der geschwisterlichen Liebe wird eine bräutliche, und Zelima wird im Augenblick des höchsten Glücks ins Paradies entrückt. Wie sich Ismael über die Leiche beugt, will ihn der heranstürmende Galceran, von Eifersucht ergriffen, gefangen nehmen; sie fechten und fallen beide; die hinzukommenden feindlichen Eltern reichen sich über den Leichen ihrer Kinder die Hand.

    Instrumentalwerke

  • Symphonie h-moll (1852)
  • 2. Symphonie c-Moll (1854)
  • 3. Symphonie A-Dur (1856)
  • 4. Symphonie (Columbus. Musikalisches Seegemälde in Form einer Sinfonie) D-Dur op 31 (1864)
  • 5. Symphonie c-Moll (1870)
  • 6. Symphonie (Lyrische Sinfonie) d-Moll (1890)
  • 7. Symphonie (Frühlingssinfonie) C-Dur (1894)
  • Streichquartett A-Dur
  • Ouvertüren, Märsche, Konzerte, Kammermusik, Klavierwerke und Bearbeitungen für Orchester
  • Literatur

  • François-Joseph Fétis, Biographie universelle des musiciens et bibliographie générale de la musique, Paris 1860-1865 (Suppl. Bd. 1)
  • H. Abert, J. J. Abert, in: Württembergischer Nekrolog für 1915, Stuttgart 1916
  • H. Abert, Joh. Jos. Abert (1832-1915). Sein Leben und seine Werkke, Leipzig 1916, neu herausgegeben von A. A. Abert, Bad Neustadt a. d. Saale 1983 (= Beiträge zur Musikgeschichte der Sudetendeutschen 1)
  • Ders., J. J. Abert, in: Neue Musikzeitung 36, 1916
  • Th. Kroyer, Die circumpolare Oper. Zur Wagnergeschichte, in: Jahrbuch der Musikbibliothek Peters 26, 1919, 16-33
  • A. A. Aberts, J. J. Abert. Ein Circumpolarer zwischen Tradition und Fortschritt, in: Festschrift H. Becker, herausgegeben von J. Schläder/R. Quandt, Laaber 1982, 214-236
  • W. Hader, Johann Joseph Abert: Zur Renaissance eines deutschböhmischen Komponisten, in: Ethonationale Wechselbeziehungen in der mitteleuropöischen Musik, Brno 1994, 309-315

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