Deutsche Sprichwörter, Redensarten, Zitate 1601
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Gewiss auch hast du recht, dass der Gedanke im Menschen das beste ist, von dem Kapital, das er doch hat, und wie er mit wuchern möchte, um es aufs tausendfältige zu treiben, es entstehe draus Gewinnst oder Verlust.
Goethe, An Lavater, 13.10.1780

Gewiss betrügt niemand, aber Ungewiss trügt alle Welt.

Gewiss erregt nicht die Gesellschaft und die Unterhaltung eines Mannweibes, wohl aber die einer kenntnisreichen Frau, die ihren Geist ausgebildet hat, ohne doch die Anmut ihres Geschlechtes aufzugeben, bei den ausgezeichneten Männern ihres Jahrhunderts stets Bewunderung wo nicht Begeisterung.
Stendhal, Über die Liebe

Gewiss geht vor ungewiss.
nl] Gewis gaat voor ongewis.
la] Certa amittimus, dum incerta petimus.

Gewiss ist das eine, dass Mitleid, welches aus Verachtung entspringt, auch wieder die Quelle der Verachtung wird.
C. Brentano, an Bettine

Gewiss ist die Klage über die Einsamkeit Ausdruck einer Sehnsucht, ihr zu entrinnen.
Thälmann, Antwort auf Briefe eines Kerkergenossen

Gewiss ist die Krankheit nützlich, die nach der Hand des Arztes verlangt.
Bernhard von Clairvaux, Über die Bekehrung

Gewiss ist die Schreibkunst die wunderlichste aller menschlichen Erfindungen.
Odins Runen waren die erste Form des Schaffens eines Helden. Carlyle, Über Helden, Heldenverehrunp und das Heldentümliche in der Geschichte

Gewiss ist es fast noch wichtiger, wie der Mensch sein Schicksal nimmt, als wie sein Schicksal ist.
W. v. Humboldt, Briefe an eine Freundin, 6. 9. 1825

Gewiss ist jede Übertreibung von Übel; alles Gute und Nützliche kann, auf die Spitze getrieben, schlecht und schädlich werden, ja muss es sogar, wenn eine gewisse Grenze überschritten wird.
Lenin, Die Aufgaben der Abteilungen der revolutionären Armee

Gewiss ist's übrigens, dass alles Große, was noch auf der Kleinigkeit-Erde getan worden, nur aus dem begeisternden Glauben an eine Erhebung desselben entstanden ist.
Jean Paul, Dämmerungen für Deutschland

Gewiss man hat außer Rom keinen Begriff, wie man hier geschult wird. Man muss so zu sagen wiedergeboren werden, und man sieht auf seine vorigen Begriffe wie auf Kinderschuhe zurück.
Goethe, An das Ehepaar Herder, 13.12.1786

Gewiss nur der am empfindlichsten gewesen ist, kann der Kälteste und Härteste werden, denn er muss sich mit einem harten Panzer umgeben, um sich vor den unsanften Berührungen zu sichern, und oft wird ihm selbst dieser Panzer zur Last.
Goethe, Riemer, 24.7.1809

Gewiss sterb' ich.
Rottenburg
i] Beteuerung für: So gewiss als ich sterbe

Gewiss vermisse ich meinen Mann, sagte die Frau, als man sie fragte, ob er ihr nicht sehr fehle; er machte Feuer an, holte Wasser, brachte die Betten in Ordnung u.s.w., was ich jetzt alles selber machen muss.

Gewiß war es der Teufel, der die Frauen tanzen gelehrt hat.
England

Gewiss wie ein Nagel in der Wand.

Gewiss wird man durch anhaltende Bedienung vor der Zeit alt und unfähig.
Goethe, Italienische Reise

Gewiss würde man, nach meiner Überzeugung, über Gegenstände des Wissens, ihre Ableitung und Erklärung viel weniger streiten, wenn jeder vor allen Dingen sich selbst kennte und wüßte, zu welcher Partei er gehöre, was für eine Denkweise seiner Natur am angemessensten sei.
Goethe, An K. C. v. Leonhard, 12.10.1807

Gewiss, alle Mütter sind schön, wenn sie ihre Kinder an die Brust legen und darüber wachen, dass ihr Schreien gestillt und der beginnende Schmerz gelindert wird.
Honoré de Balzac (1799-1850), Das verfluchte Kind

Gewiss, das Alter ist ein kaltes Fieber
Im Frost von grillenhafter Not.
Goethe, Faust II A II, Gotisches Zimmer / Baccalaureus, Vs 6785

Gewiss, Du hast recht, Bester, der Schmerzen wären minder unter den Menschen, wenn sie nicht - Gott weiß, warum sie so gemacht sind - mit so viel Emsigkeit der Einbildungskraft sich beschäftigten, die Erinnerungen des vergangenen Übels zurückzurufen eher als eine gleichgültige Gegenwart zu ertragen.
Goethe, Werther 2.Fassung, 1.Buch, 4.Mai 1771

Gewiss, es ist gut, wenn wir die nicht immer kennen, für die wir arbeiten.
Goethe, Lehrjahre IV, 16

Gewiss, es ist keine schönere Gottesverehrung als die, zu der man kein Bild bedarf, die bloß aus dem Wechselgespräch mit der Natur in unserem Busen entspringt!
Goethe, Dichtung und Wahrheit II,6

Gewiss, nichts wünscht sich der Mensch mehr als ein gleichmäßiges dauerndes Glück in einem ohne Ärgernis verlaufenden Leben.
Cicero, Dankrede vor dem Volke

Gewiss, nur der am empfindlichsten gewesen ist, kann der Kälteste und Härteste werden; denn er muss sich mit einem harten Panzer umgeben, um sich vor den unsanften Berührungen zu sichern; und oft wird ihm selbst dieser Panzer zur Last.
Goethe zu Riemer, 1809

Gewiß, und aller Anfang ist schwer. Überhaupt, alle Arbeit ist schwer, die diesen Namen verdient, nicht wahr?

Gewiss, weil wir doch einmal so gemacht sind, dass wir alles mit uns und uns mit allem vergleichen, so liegt Glück oder Elend in den Gegenständen, womit wir uns zusammenhalten, und da ist nichts gefährlicher als die Einsamkeit.
Goethe, Werther 2. Buch, 20. Oktober

Gewiss, wer krank ist, wird bei allen Ärzten herumfragen, und die größten Resignationen, die bittersten Arzneien wird er nicht abweisen, um seine gewünschte Gesundheit zu erhalten.
Goethe, Werther 1. Buch, 1. Juli

Gewiss, wir alle haben Erkenntnis. Doch die Erkenntnis macht aufgeblasen, die Liebe dagegen baut auf.
Neues Testament, Paulus (1 Korinther 8, 1)

Gewiss, wir machen viel zu viel vorarbeitenden Aufwand aufs Leben. Anstatt daß wir gleich anfangen uns in einem mäßigen Zustand behaglich zu finden, so gehen wir immer mehr ins Breite, um es uns immer unbequemer zu machen.
Goethe, Wahlverwandtschaften II,10

Gewisse Armut, so man eines Dinges nicht brauchen kann.

Gewisse Ausgabe und ungewisse Einnahme sind der Haushaltung Tod.
fr] Le gain est incertain et passager, mais la dépense est toujours continue et certaine.

Gewisse Bücher scheinen geschrieben zu sein, nicht damit man daraus lerne, sondern damit man wisse, dass der Verfasser etwas gewußt hat.
Goethe, Maximen und Reflexionen 72

Gewisse Dienste Königen zu leisten
Ist misslich.
Schiller, Don Carlos, II, 10 (Domingo)

Gewisse Dinge lassen sich leichter legalisieren als legitimieren.
Chamfort, Maximes et pensées

Gewisse Dinge lernt man auf keine Weise leichter als durch den Gegensatz.
Francesco Petrarca

Gewisse Dinge will ich lieber schlecht
Nach andrer Willen machen, als allein
Nach meinem gut.
Lessing, Nathan der Weise, IV, 1 (Tempelherr)

Gewisse geographische oder durch Ähnlichkeit des Temperaments, der Geistesverfassung oder Sprache verbundene Gruppen sind normal und haben bisher noch allen historischen Umwälzungen standgehalten. Solche landschaftlichen Gruppierungen.. verdienen geschont und geschätzt zu werden. Und ihr eigenmächtiger relativer Separatismus ist keineswegs antisozial: wenn er nur nicht aggressiv ist, das heißt, nicht auf Gewaltanwendung beruht.
Henri Barbusse (1873-1935), Der Schimmer im Abgrund

Gewisse Gnade ist besser als ungewisse Hoffnung.
dk] Bedre er en vis naade, end uvist haab.
en] Grace is best for the man.

Gewisse krankhafte Veranlagungen begleiten starke Seelen.
Sully Prudhomme, Gedanken

Gewisse Leute verfehlen niemals, um uns zu zeigen, dass wir Unrecht tun, sie nicht zu schätzen, das Beispiel von Männern von Rang anzuführen, die viel auf sie halten. Ihnen möchte ich antworten: zeigt uns das Verdienst, wodurch ihr euch die Achtung jener Leute erworben habt, und wir werden euch ebenso achten.
Pascal, Pensées

Gewisse Mängel sind notwendig zum Dasein des einzelnen. Es würde uns unangenehm sein, wenn alte Freunde gewisse Eigenheiten ablegten.
Goethe, Maximen und Reflexionen 18

Gewisse Orte behalten sich immer das Recht vor, uns gewisse Eindrücke zu geben.
Goethe, An Knebel, 17.9.1799

Gewisse Tugenden gehören der Zeit an, und so auch gewisse Mängel, die einen Bezug auf sie haben.
Goethe, Geschichte der Farbenlehre 3. Abt. - Lücke

Gewissen Freund, erprobtes Schwert wird man in Nöten sehn.
Walther von der Vogelweide

Gewissen Geheimnissen, und wenn sie offenbar wären, muss man durch Verhüllen und Schweigen Achtung erweisen, denn dieses wirkt auf Scham und gute Sitten.
Goethe, Wilhelm Meisters Wanderjahre

Gewissen Geistern muss man ihre Idiotismen lassen.
Goethe, Maximen und Reflexionen 125

Gewissen hat keine Zähne und kann doch nagen.

Gewissen ist das Gedächtnis der Gesellschaft, das sich der Einzelne zu eigen macht.
Leo N. Tolstoi, Tagebücher (1899)

Gewissen ist ein Wort für Feige nur,
Zum Einhalt für den Starken erst erdacht:
Uns ist die Wehr Gewissen, Schwert Gesetz.
Shakespeare, König Richard III., V, 3 (König Richard)

Gewissen ist Macht.
Gerhard Kocher, Vorsicht, Medizin!

Gewissen ist nur ein anderer Name für Wahrheit.
USA

Gewissen macht uns alle zu Egoisten.
Oscar Wilde, Das Bildnis des Dorian Gray

Gewissen Menschen ist ein Mann von Kopf ein fataleres Geschöpf als der deklarierteste Schurke.
Lichtenberg, Aphorismen

Gewissen ohne Gott ist etwas Entsetzliches. Es kann sich bis zur größten Unsittlichkeit verirren.
Fjodor M. Dostojewski, Tagebuch eines Schriftstellers

Gewissen ohne Wissen ist besser als Wissen ohne Gewissen.

Gewissen und Feigheit sind dieselben Dinge. Gewissen ist der Handelsname der Firma. Das ist alles.
Oscar Wilde

Gewissen und Feigheit sind in Wirklichkeit ein und dasselbe. Das Gewissen ist nur der öffentliche Geschäftsname der Doppelfirma.
Oscar Wilde, Das Bildnis Dorian Gray

Gewissen Verleumdern zu erwidern
Hieße, sich bis zu ihnen erniedern.
Leuthold, Aus den Heften der späten Zeit

Gewissen! göttlicher Instinkt, unsterbliche, himmlische Stimme; sicherer Führer eines unwissenden, beschränkten, doch vernünftigen und freien Wesens: unfehlbarer Richter des Guten und Bösen, das du den Menschen gottähnlich machst!
V. Cousin, Profession de foi du Vicaire savoyard

Gewissen!, göttlicher Instinkt, unsterbliche und himmlische Stimme, sicherer und uneingeschränkter Führer eines unwissenden und eingeschränkten Wesens, unfehlbarer Richter des Guten und Bösen, der den Menschen Gott ähnlich macht.
Jean-Jacques Rousseau, Emile

Gewissen, dann das irdische Brot. Denn das Geheimnis des menschlichen Seins liegt nicht in dem bloßen Leben, sondern im Sinn des Lebens. Es sehnt sich nach einer festen Vorstellung, wozu er leben soll.
Dostojewski

Gewissen, Ehre, Keuschheit, Liebe und Achtung der Menschen sind käuflich, und Freigebigkeit vermehrt nur die Vorteile des Reichtums.
Luc de Clapiers Marquis de Vauvenargues, Reflexionen und Maximen

Gewissen, was doch das höchste, das würdigste Erbteil der Menschen ist, eine inkommensurable, bis ins Feinste wirkende, sich selber spaltende und wieder verbindende Tätigkeit? Und Gewissen ist's vom Höchsten bis ins Geringste. Gewissen ist's, wer das kleinste Gedicht gut und vortrefflich macht.
Goethe, Maximen und Reflexionen 1392

Gewissen: das Bewußtsein eines inneren Gerichtshofes im Menschen.
Kant

Gewissen: jede Pause in der Kontinuität einer unangenehmen Erwartung.
Bierce

Gewissenlosigkeit ist nicht Mangel des Gewissens, sondern der Hang, sich an dessen Urteil nicht zukehren.
Kant

Gewissensbisse erziehen zum Beißen.
Friedr. Nietzsche

Gewissensbisse hat man nur, wenn man schuldig ist.
Musset, Frederic und Bernerette

Gewissensbisse sind die sadistischen Regungen des Christentums.
Kraus, Aphorismen

Gewissensbisse sind Katzenjammer des Herzens, und Katzenjammer Gewissensbisse des Magens.

Gewissensbisse sind nur die Erwartung des physischen Leidens, dem uns das Verbrechen aussetzt.
Helvetius, Vom Menschen

Gewissermaßen vertritt bei uns die Bildung auf niederen, mittleren und hohen Schulen die verschiedenen Weihen der Mysterien.
Schopenhauer, Parerga u. Paralipomena, II, Kap. 15, Über Religion

Gewissheit gibt allein die Mathematik. Aber leider streift sie nur den Oberrock der Dinge. Wer je ein gründliches Erstaunen über die Welt empfunden, will mehr. Er philosophiert.
Busch, an Marie Anderson, 29. 5. 1875

Gewisslich ist Unfreundlichkeit
Ein Stück der Unglückseligkeit.
Fischart, Das glückhafte Schiff von Zürich

Gewitter im Mai verkünden ein fruchtbar Jahr.

Gewitter im Märzen gehen dem Bauer zu Herzen.

Gewitter im Oktober künden,dass du wirst nassen Winter finden.

Gewitter im Oktober sagen beständig, der künft'ge Winter sei sehr wetterwendig.

Gewitter in der Vollmondzeit verkünden Regen weit und breit.

Gewitter nach Sanct-Bartholomä' bringen wenig Nutzen, schaden meh'.

Gewitter ohne Regen ist ohne Segen.
i] Auf Streit und Schelte muss ein versöhnliches Wort folgen

Gewitter reinigen die Luft.

Gewitter sind zu erwarten, wenn die Krebse das Wasser und ihre Höhle verlassen und am Ufer umherkriechen.

Gewitter überm kahlen Baum langer Wintertraum.

Gewitter um Bartholomä (24.8.), die bringen (oft) Hagel und (bald frühen) Schnee.

Gewitter um Mauritius (22.9.) bringen Schaden und Verdruss.

Gewitter und Regen im Mai, singt der Bauer Juchhei.

Gewitter vom Georgiustag (23. April), folgt gewiss noch Kälte nach.

Gewitter vor dem Georgstag (23. IV) vermindert das Korn, Gewitter nach dem Georgstag läßt es gedeihen.
Estland

Gewitter vor Georg, Kälte nach Georg.

Gewitter vor St. Georgstag (23. April) ein kühles Jahr bedeuten mag.

Gewitter vorm Georgiustag (23.4.), folgt gewiss noch Kälte nach.

Gewitter, Sturm und Regen
Verkünden Gottes Segen,
Dem, welcher ihm vertraut!
Fr. L. Graf zu Stolberg, Das Gewitter

Gewittert's im September noch, liegt im März der Schnee noch hoch.

Gewogen und gemessen, ist bald gegessen.
i] Wenn man alles im Kleinen kaufen muss, ist es bald aufgezehrt.

Gewogen und zu leicht befunden.
Daniel, 5, 27

Gewöhn das Schwein nicht an die Stube und das Kind nicht ans Wirtshaus.
Estland

Gewohn' es, Hündchen, Pommerchen!
i] Ermutigender Zuruf an sich selbst oder andere

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