Spervogel II (um 1190)


Swer in vremeden landen vil der tugende hât,
ez enwárt nie mannes lop sô guot
der solde niemer komen hein, daz waere mîn rât,
sô daz von sînem hûse vert, man in wol erkennet.
waz hilfet, daz man traegen esel mit snellem marke rennet?


Wan sol die jungen hunde lâzen zuo dem bern
und den rôten habech zem reiger, welle ers gern,
†und elliu ros zurstun slahen,†
mit linden wazzern hende twahen,
mit rehten triuwen minnen got, und al die welt wol êren,
und neme ze wîsem manne rât und volge ouch sîner lêre.


Swer suochet rât und volget des, der habe danc,
alse mîn geselle Spérvògel sanc.
und sold er leben tûsent jâr,
sîn êre stîgent, daz ist wâr.
ist danne, daz er triuwen pfliget und den niht wil entwenken,
sô er ín der erde ervûlet ist, muoz man sîn gedenken.


Ez zimt wol helden, daz si vrô nâch leide sîn.
kein ungelücke wart nie sô grôz, dâ waere bî
ein heil. des suln wir uns versehen.
uns mac wol vrome nâch schaden geschehen.
wir haben verlorn ein veigez guot. vil stolzen helde, enruochet!
dar umbe suln wir niht verzagen. ez wirt noch baz versuochet.


Waz vromt dem rosse, daz ez bî dem vuoter stât,
und einem wolve, daz er bî den schâfen gât,
der in diu beide tiure tuot?
sô ist ez jenem alsô guot,
der veile vindet, swaz er wil, und des niht mac vergelten.
ein lieht in vremedes mannes hant vröit den blinden selten.>


Swer einen friunt wil suochen, dâ er sîn niht enhât,
und vert ze walde spürn, sô der snê zergât,
und koufet ungeschouwet vil,
und haltet gerne verlorniu spil,
und dienet einem boesen man, ez ân lôn belîbet,
dem wirt wol afterriuwe kunt, ob erz die lenge trîbet.


Swer lange dienet, dâ man díenst níht verstât,
und einen ungetriuwen miteslüzzel hât,
und einen valschen nâchgebûr,
dem wirt sîn spîse harte sûr.
obe er sich wil alsô betragen, daz er árman niht verdirbet,
daz muoz von gotes helfe komen, wan er mit triuwen wirbet.


Diu saelde dringet vür die kunst, daz ellen gât
vil dicke nâch dem rîchen zagen in swacher wât.
erst tump, swer guot vor êren spart.
zuht diu wellet grâwen bart.
triuwe machent werden man und wîse schoene vrâge.
liebe meistert wol den kouf, scheidet schade die mâge.


Wan sol einen biderben man wol drîzic jâr
dar ûf behalten – daz ich iu sage, daz ist wâr –,
obe man dem hêrren widersage,
daz er ime holdez herze trage.
swem daz guot ze herzen gât, der gewínnet niemer êre.
jô enrede ich ez niht dur mînen vromen, wan daz ich ez alle lêre.


Sô wê dir, armuot! du benimst dem man
beidiu witze und ouch den sin, daz er niht wizzen kan.
die friunde getuont sîn lîhten rât,
swenne er des guotes niht enhât.
si kêrent im den ruggen zuo und grüezent in wol trâge.
die wîile daz er mit vollen lebt, hât er holde måge.


Sô wol dir, wirt, wie wol dû doch dem hûse zimst!
an dem worte niemer mê dû abe genimst.
swie kleine man gebresten hât,
wol dich der wirt imme hûse stât.
der wirt der kan des hûses reht wol mezzen nâch der snüere.
waz solde ein wîselôses her, daz âne meister vüere?


Wan sol den mantel kêren, als daz weter gåt.
ein frômder man der habe sîn dinc, als ez danne stât.
sins leides sî er niht ze dol,
sin liep er schône haben sol.
ez ist hiute mîn, morne din: teilet man die huoben.
vil dicke er selbe drinne lît, der dem andern grebt die gruoben.


Swer mir nu verwîzet, daz ich niht enhân,
gelebe ich iemer, daz ich wol berâten gân,
der muoz ouch mir der bœser sin.
ich hôrte sagen, daz der Rîn
hie vor in engen vürten vlôz. des muoz ich lônes biten.
nu ist er worden alsô grôz, daz in nieman mac gerîten.


Mich wundert dicke, daz ein wol gerâten man
under sînen vríundèn niht werben kan,
si sîn im âne schulde gehaz
und gunden einem vrömden baz
der êren, sô er solde pflegen in in den landen.
sô sî des vriundes nien enhant, si trüegen in ûf den handen.


Daz ich ungelücke hân, daz tuot mir wê.
des muos ich ungetrunken gân von einem sê,
dar ûz ein schôner brunne vlôz,
der was michel unde grôz.
dar kam vil der fremden diet, die wurden hôch gesetzet.
ich bôt dar dicke mînen napf, der wart mir nie genetzet.


Swer den wolf ze hirten nimt, der vât sin schaden.
ein wîser man der sol sîn schif niht überladen.
daz ich iu sage, daz ist wâr.
swer sinem wibe volget dur daz jâr
und er ir rîchiu kleiden über rehte mâze koufet,
dâ mac ein hôchvart von geschehen, daz sîm ein stiefkint toufet.


Treit ein rein wîp niht guoter kleiden an,
sô kleidet doch ir tugent, als ich mich kan entstân.
daz si vil wol gebluomet gât,
alsam der liehte sunne hât
an einem tage sînen schîn lûter unde reine.
swie vil ein valsche kleidet treit, doch sint ir êre kleine.


Wir loben alle disen halm, wand er uns truoc.
vernet was ein schöner sumer und korns genuoc.
des was elliu diu werlt ouch vrô.
wer gesach ie schöner strô?
ez füllet dem rîchen man die schiure und ouch die kiste.
swanne ez gedienet, dar ez sol, wirt ez aber dan ze miste.


Swâ ein vriunt dem andern vriunde bî gestât
mit ganzen trûwen gar ân alle missetât,
dâ ist des vriundes helfe guot.
dem er sie willichlîche tuot,
daz sie gelîche eim andern helen, dem mêret sich daz kunne.
swâ vriunde einander waege sint, daz ist ein michel wunne.


Swér sînen guoten vriunt behalten wil,
den sol er vur den liuten strâfen nicht zuo vil.
er neme in besunder hin dan
unde sage im, waz er habe getân.
dâ ne hôrt ez der vrémde nicht. und er zórne in dâ vil sêre
unde hálte in vur den liuten wol. des hât er immer êre.


Mich nimpt wunder, daz ein reine biderbe man
umme sîner vriunde hulde nicht werben kan,
sie ne trágen im âne schulde haz
unde gúnden einem vremeden baz
der êre, die er solte hân mit den bésten in den landen.
stirbet er, sie sênt den tac, si truogen in of den handen.


Swer den wolb zuo hûse ladet, der nimpt sîn schaden.
ein schifman mac ein krankez schif schiere überladen.
daz ich iu sage, daz ist wâr:
swer sîme wîbe durch daz jâr
koufet guoter kleider vil und im sélben nicht enkoufet,
deme dárb des nicht grôz wunder nemen, ob man ím ein stiepkint toufet.


Treit ein reine wîp nicht guoter kleider an,
sô zieret wol ir tugent, als ích es mich kán vurstân,
daz sie vil schône bluoet stât,
alsô die liechte sunne of gât,
die kegen den morgen schînet vruo lûter unde sô reine.
swie vil ein valsche kleider treit, ist dóch ir lop vil kleine.


Swer spuret hin zuo walde, swen der snê zurgât,
unde vríunde suochet, dâ her nicht enhât,
unde kóufet unbesêndez vil,
und heldet gar vurlorne spil,
unde díenet einem bôsen man, des er âne lôn belîbet.
im wirt wol afterruwe kunt, ob er iz die lenge trîbet.


Ein edele kunne stîget of bî einem man,
der dem vil wol gehelfen unde râten kan.
sô sîget ein hôez kunne nider
unde ríchtet sich nimmêr of wider,
swenne síe vurliesent under in, der in dâ solte râten.
er was in ie mit trûwen bî unde súonte, was sie tâten.


Daz ich ungeluckich bin, daz tuot mir wê.
des muost ich ungetrunken gên von eime sê,
dâ ûz ein kuole brunne vlôz,
des kraft was michel unde grôz,
dâ buozete maniger sînen dorst unde wárt dâ wol ergetzet.
swie dicke ich mînen napf dâ bôt, er newárt mir nie genetzet.


Sô wê dir, aremuote! dû benimst dem man,
sinne unde witze, daz er nicht nekan.
sîne vríunt die tuont des guoten rât,
swenne er des guotes nicht nehât.
sie kêrent im den rucke zuo unde grúozent in vil trâge.
swen der helt mit vullen vert, hât er holde mâge.


Waz hilfet dem rosse, daz ez bî dem vuoter stât,
unde ouch dem wolbe, daz er bî den schâfen gât,
unde mán ez in béiden tiure tuot?
sô hât ez einer alsô guot,
der véilè vint, des er gert, unde des niht mac vurgelten.
ein liecht in sêndes mannes hant daz vreuwet den blinden selten.


Swer guote witze hât, dér ist wol geborn,
swaz man éinem bôsen vurseit, daz ist gar vurlorn.
man tuot im ie den besten rât,
swie selten er daz vur guot untvât!
er newólle alle sîne sinne an ganze tugende kêren,
sô mochte man einen wilden beren noch sanfter harfen lêren.


Ummaere hunde sol man schupfen zuo dem beren,
unde rôten habich werfen zem reiger, tar ers geren,
altez ros zuo der stuote slân,
mit lindem wazzer hende twân,
von herzen sol man minnen got, die werlt ein teil um êre,
wîsen mán den sol man willich haben und volgen sîner lêre.


Der guote gruoz der vreut den gast, swen er în gât,
vil wol dem wirte daz in sîme hûse stât,
daz er mit zuchten wese vrô
unde bíetez sîme gaste sô,
daz in der wille dunket guot, dén er kegen im kêret.
mit lîchter kost er dienet lop, swer vremden man wol êret.


Inhalt home