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LYRIK Friedrich Rückert - Poetische Werke 731

Friedrich Rückert (1788-1866)

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Poetische Werke 731

Aus Äußerm fühlst du dich und Innerem zusammen
Gesetzt, o Mensch, die von verschiednen Enden stammen.

Doch deine Aufgab' ist, die beiden auszugleichen,
Und weder hier vom Pfad noch dorthin auszuweichen.

Zu äußern Inneres und Äußres zu verinnern,
Das ist der Dinge Recht, der äußern und der innern.

Zu äußern Inneres und Äußres zu verinnern,
Ist Geistes Äußerung und geistiges Erinnern.

Sich äußern soll der Geist, nicht aber sich veräußern;
Die innern Regungen sind nicht ein Spiel der äußern.

Dein Innres überwiegt dem Äußern, das sagt sinnig
Die Sprache schon, die bei dem Innern gab ein Innig.

Drum hüte dich, mein Sohn, je außer dich zu kommen;
Und ists geschehn, so wird in dich zu gehn dir frommen.

Aus ihrem Innern durch Naturtrieb nimmt die Flucht
Die Pflanze, bis sie sich erinnert in der Frucht.

Doch ganz ist äußerlich geworden Stein und Erz,
Kann nicht mehr in sich gehn, wie ein verhärtet Herz.

Darum muß äußerlich der Stein sich lassen wälzen
Von Fluten, und das Erz von Feuergluten schmelzen.

Doch wem die äußern gleich sind und die innern Enden,
Der ist ein Handschuh, nach Belieben umzuwenden,

Und höchstens ein Polyp, den es nicht im Behagen
Stört, wenn sein Magen wird zur Haut, die Haut zum Magen.

Die Weisheit des Brahmanen. Bd. 3. VII. 72

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