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LYRIK Friedrich Rückert - Poetische Werke 693

Friedrich Rückert (1788-1866)

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Poetische Werke 693

An einem Pfuhle sah ich sprudeln eine Quelle,
So trüb sein Wasser war, so hell war ihre Welle.

Durch einen schmalen Rand war sie von ihm geschieden,
Wie vom Unedelsten das Edelste hienieden.

Hat ihre Reinheit vom Unreinen sich genährt,
Gesintert durch den Sand Unklares sich geklärt?

Unschönes, so verschönt, wär' um nichts minder schön;
Doch sieh, die Quelle springt, und deutet nach den Höhn.

Nicht springen könnte sie, wenn sie nicht wär' entsprungen
Von jenen Höhen, die dis niedre Thal umrungen.

Sie ist ein schönes Bild, daß, was herab geboren
Von dort ist, nie nach dort empor den Trieb verloren.

Dis Angedenken hat die Reinheit ihr bewahrt,
Ihr Wesen nahm nichts an von ihres Nachbarn Art.

Laß dich die Nachbarschaft des Schlechten nur nicht kränken;
Den Einfluß wehrt dir ab des Bessern Angedenken.

Die Weisheit des Brahmanen. Bd. 3. VII. 34

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