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LYRIK Friedrich Rückert - Poetische Werke 1692

Friedrich Rückert (1788-1866)

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Poetische Werke 1692

Stilles Glück

Der letzte Strahl von Gold um Berges Haupt zerrann,
Und von der Arbeit kehrt nachhaus der müde Mann.

Die Frau steht in der Thür, reicht ihm das Kind entgegen;
Das Hündlein läuft herfür und wedelt angelegen.

Verdrießen läßt sichs nicht, daß seine Liebkosungen
Der Mann nicht weiter merkt, der liebkost seinem Jungen.

Mit vollem Euter kommt die Geis; sein Kind zu nehmen,
Weil melken will die Frau, muß sich der Mann bequemen.

Die Milch am Feuer kocht, das Kindlein wird gewiegt,
Das stille Paar genießt, ihr Glück im Schlummer liegt.

O stilles Glück! daheim könnt' ich ein gleiches haben,
Und muß mich in der Fremd' am fremden Anblick laben.

Die Weisheit des Brahmanen. Bd. 5. XV. 5

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