L Y R I K
LYRIK Friedrich Rückert - Poetische Werke 1108

Friedrich Rückert (1788-1866)

[Inhalt] [Anfänge] [Titel] [Zeilen]

Poetische Werke 1108

Die Zukunft steht verhüllt schon in der Gegenwart,
Wo sie der stumpfe Blick des Menschen nicht gewahrt.

Wir alle streben zwar zu heben ihren Flor,
Doch staunen werden wir, wann sie nun tritt hervor.

Sie hat, mein Ahnen spricht, ein ander Angesicht,
Als mancher glaubt, der nun für seinen Abgott ficht.

Sie lächelt und sie zürnt, wie ihrs euch nicht laßt träumen,
Ein Blick von ihr wird euch und euern Wahn wegräumen.

Das sei euch profezeit: sie gleicht in nichts der Zeit,
Am allerwenigsten doch der Vergangenheit.

O weh, betrogner Gast, der du der Göttin Glast
Mit solchem nebligen Gespenst verwechselt hast.

Du bist des Lohnes baar, da sie im Reich erschienen,
Weil du ihr dientest zwar, doch wolltest ihr nicht dienen.

Die Weisheit des Brahmanen. Bd. 4. X. 19

◀◀◀ ▶▶▶

OPERONE