Der von Kolmas (12. Jahrhundert)


Mir ist von den kinden her mîne tage
entflogen mit den winden, daz ich vón herzen klage.
kunde ez gehelfen! nu hilfet ez nieht;
swaz ich dár umbe tæte, wær ez geschehen.
ditz leben ist unstæte, als ir hânt wol gesehen,
wan ez erleschet der tôt als ein lieht.
owê dáz wir gedenken sô kleine dar an
únd ez mit níhte nieman erwenden enkan.
nu enruocht uns wie lützel wir drumbe gesorgen.
úns ist diu bítter gálle in dem honege verborgen.
Wol in der nu wirbet mit flîze umbe leben
dâ nieman enstirbet. wirt im gegeben
nâch sînem willen daz niemer zergât.
dâ ist ganziu wünne und minne âne haz.
ich wæne ieman künne volbedenken daz
wíe gar ez allez nâch wûnsche da stât.
dâ íst rehtiu vröude und vollez gemach,
da enírrent ríechendiu hûs noch triefendiu dach,
dâ kan von jâren nieman eralten:
dâ suln wir hin, wil ez got, der es alles sol walten.
Des bîten unser vróuwen ze hilfe an der ger,
dáz wirz beschouwen daz úns des gewer
der víl milte gót den ir lîp umbevie.
dér hât bevangen die welt umbe gar.
sîn kraft mac langen noch verrer dan dar.
nu schowent daz wunder daz er begie.
alliu wúnder dês gên dem wunder ein wint:
si ist Cristes muoter von himele und ist doch sîn kint.
und íst maget hêr, daz die reinen volschœnet.
gót hât den hímel und die wélt mit ir tugenden bekrœnet.
Wir sîn bilgerîne und zogen vaste hin.
in der sünden lîme stecket mîn sin,
dâz ich sîn drûz niht gebrechen enmac.
wir várn eine strâze die nieman verbirt.
wir suln dúrch niht enlâzen, wir bereiten den wirt
der úns hât geborget dâ her mangen tac.
gelt ím: ditze lében smilzt als ein zin;
ez gât an den âbent des lîbes; der morgen ist hin.
wir suln uns bezîte des besten berâten.
begrîft uns diu naht mit der schulde, sô wirt ez ze spâte.


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