L Y R I K
LYRIK - Arno Holz

Arno Holz (1863-1929)

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Dafnis - München, 1904

Carmina non prius audita
Musarum sacerdos
Virginibus puerisque canto.
Horatius Flaccus.

Nohtwendiger Vor-
bericht an den guht-
hertzigen Leser

Wer in seiner grünen Jugend hat wohl nie den Pegasum geritten? Dihses ädle Thier ist seit Olims Zeiten / inssondre seit der lihbe Herr Opitius uns durch seine kluge aber zihrliche Leyer von denen schrökklichten Schulmeistren befreyt hat / dermahßen hergenommen worden / die Pritzschenmeistrische Poëtastri und Wortefolterer haben sich mit Reveräntz zuvermälden / so Hümpelweis an seinen Schwantz gehänckt / daß es fast Verwundrens ist / wie das geqwählte Lufft-Pferd nicht schon lengst seinen letzten Othem von sich gegäben.

Dannenhero hätte auch ich es fürgezogen / meine schlächten Mißgebuhrten billig unter der Banck vermodern zu lassen / alß meine wenige Fehder durch den Trukk ans Licht zu gebären / wenn einige lose Leute / die ihre Weißheit mehr dem Ovidio alß denen Scriptoribus Sacris verdancken / meine einfältige Wihsen-Lider nicht schon auff allen Märckten und in den Schäncken sängen.

Sich auf dihse Ahrt bey der Posterität fortzupflantzen / erachte ich aber for eine eusserste Gefahr. Der Vinum terribile zu Teutsch Land-Wein verkehrt seine Momus-Brüder nicht blohß zu stinckente Huren-Jäger und Ehebrecher / er bewegt sie auch gleichsahm nur all zu offt / unter die zihrlichste Inventiones ihr eigen albres Gemächte zu mängen; wordurch dan auß einem vihlleicht lobwürdigsten Pindus-Rösgen im Huy eine Sau-Distel geworden.

Homerus / der Kayser aller griechischen Tichtmeister / wäre so heut seinem eignen Eumaeo gleich / hätte er es for klüglich erachtet / uns seine ohnstärbligte Arien nur durch die Gurgeln solcher sich blizz-blazz voll gesoffen habenter Susannen-Brüder zu vermachen; und gar von des ohnvergleichlichen Maro göldener Eneïs wäre kein Fäzzgen mehr gantz / wenn dihser Venusinische Adler aller Boeten es sich nicht hätte verdrüßen lassen / seine mit zihmlichem Fleiß verfärtigte Libligkeiten – wie beym Plinio gebührlich nach zu läsen – Syllaba for Syllaba in gleichsahm wäckserne Täfelgens zu ezzen.

Kortz / ich will itzt meine boetische Kinder / nachdäme ich ihre Vatterschafft vor der gelährten Welt nun doch nicht mehr abstreitten kan / allen der Teutschen Boeterey vernünfftigen Lihbhaberen zu sonderbahrlichem Gefallen herfür und an den Tag gegäben sehn / nicht wie sie zu ihren Zincken / Krumbhörnern und Cythren jene söffische Nacht-Raben im Blauen Frosch oder im Nakkten Bauch brüllen / sondren wie ich sie fürmahls in meinem blühenden Frühling / alß Justgen noch ihren Zahn hatte und Pärlindgen noch an jener Ekke wohnte / nicht ohne Vergnügen gemacht habe.

Ob wohl ich über die erste Kützel-Jahre lengst hinauß bün / ob wohl dihses schwartze Falten-Kleid / daß schon Lutherum gezihrt / dihsen schorbigten Mahden-Sakk nunmehro gnädigst fast ins dreissigste Jahr däkkt –die Pesth-Zeit darbei einberechnet – so bekänne ich doch gern / daß ich stähts mit grosser Lust frölig war. Der blawe Himmel / die kleine weisse Anemonen / der Bäche Silber-Fluß / der bundten Fehder-Singer Hertz-zwingente Musica sind mir sälbst heute / wo mein Fuhß bereits wanckt und die Hahre auff meinem Haubte beginnen gezählt zu werden / noch ümmer allzeit recreationes animi. Und möchte ich drümb spähter auch ins hellische Fewer geworffen und zu Aschen verbrännt werden – ich weiß es wohl / der for uns am Creutze gehangen / wird daß nicht zu lassen – so stipulirte ich trutzdem: ich halte dihse Ahrt Fröligkeit for einer ächte Gemühts-Artzeney!

Johanna Catharina Barbara / der ich von meinen sächzehn Söhnen – vier läben noch – die erste sihben dancke / habe ich auff ihrem Hügel äben sovihle Rohsen-Stökke gesäzzt und mein altes Hertz freut sich / wenn morgends im Junio bey lihblich herfürbrechenter Morgen-Röhte das runde Himmels-Naß vergleichbahr fast Pärlen dran hanget. Sollt ich drümb drauern / daß sie schon sälig ist? Der Herr hat sie mir gegäben / der Herr hat sie mir genommen / der Nahme des Herrn sey gelohbt!

Marianne Charlotte Elisabeth! Deine Hände auff mir ruhten weich und dein zahrter Leib schänckte mir von meinen Söhnen – von meinen Töchtern räde ich nicht – die nächsten sechs. Ümb dein Grab stehn Lilgen und über ihm / abens im Mandel-Baum / wenn der silbre May-Mohnd gleichsahm wie auß unsrem kleinen Kürchlein scheint / singt der Vagel Kiwitt. Sollt ich mich drümb mit Thränen blagen / daß du schon Oben auff mir wartest? Der Herr hat dich mir gegäben / der Herr hat dich mir genommen / der Nahme des Herrn sey gelohbt!

Concordia Beate Emerentia! Du gebahrst mir die übrige drey / und so der Herr will / druckstu mir mahl die Augen zu. Sollt ich schon itzt mich drümb verschrökken?

Ich weiß / daß mein Erlöser lebt!

"Meinen Jesum lass ich nicht;
weil er sich for mir gegäben /
so erfordert meine Pflicht /
Kletten-weis an ihm zu kläben.
Er ist meines Läbens Licht /
meinen Jesum lass ich nicht!"

Möchte aber einem nihdrichten / nichtsnüzzichen Zoilo / auß dessen unlihblichen Phrasibus der gestern getrunckene Broihan rülpst / beyfallen / daß ich mich dermahlß zu vergnügt gezeigt und daß / wie dem Aeschylo seine Tragödien allzusehr nach der Bouteille geschmäkkt / so meine Bucolica nach der Venus röchen / so recriminire nur / daß schon Salomo in seinem Canto Canticorum nicht die Buhlerin Abisag vermeynt hat / sondern das Newe Jerusalem. Also habe auch ich nie die zerlumpte und außgeflikkte Pauren-Magd / des Marsyas Tochter / Mopsa auß Frygien vermeynt / sondern stähts nur die Dame Sophia; zu Teutsch die Aedle Weißheit!

Mollinchens Cädern-Leib / der Nivula vollkommentliche Brüste / Laurettens Spihl-Krystalle sampt aller übrigen verlihbten Materie / sowie jene haarichte Wald-Gespenster und verwunderliche Meer- Monstra waren mir nur Repositoria Apollinis. Nicht / weil ich mich dardurch in das Concept einer geschikkten Person sezzen wollte / sondern auß Modestie. Denn jene ungesalzzte Witzdölpel und Bappihr-Beschmizzer / jene neue eingebüldete Klüglinge / die da meynen / man könne alles / auch ohne das kluge Alterthum / gleichsahm auß seinem eigenen Cerebello zihn / sähe ich mit dem berühmbten Scaliger lihber for Pikkelhäringe / denn for Boeten an. (C'est entre nous!) Alle gescheute und civilisirte Gemühter werden solche tölpische Ertz-Bärenheutter mit grohßer Hertzhafftigkeit verlachen. Es ist ein tieffer Sinn / daß die Gracien nakkend gehn. Hoffe demnach gäntzlich / man wird meine wohl-gemeynte Metaphores nicht for grohbe Realia nähmen und in meinem schlächten Buche nichts fünden / waß Gottes Wort oder der Augspurgischen Confession zurwihder lieffe. Die mir von Natur ankläbenten Fehler habe ich nie zu verbergen gedrachtet / aber ich bün kein dorckelnder Silen und halten den Parnass nicht for einen Sau-Koben.

Sollten jedoch wihder Verhoffende die Pharisäische Mükken-Fänger und Sadduceische Caameel-Verschlukker / dihse Ornamenta Germaniae / die nicht mehr Hirn in ihrem Kopff haben alß eine Märtens-Gantz / auß einem vihlleicht zu nachdrükklichen Bey-Wort die Occasion suchen / mich mit ihren verleumbdischen und stachlichten Ottern-Zungen auß dem majestätischen Musen-Saal unter die Sakk-Pfeiffer und Orgel-Dreher zu drängen / so dörfften dihse Licht scheuente Anonymi dihse höchst gelährte Kaninichen sich füglig fürsehn for ihr auff geworffenes Wurst-Maul; sintemahlen es eine besondere Force meines Naturells ist / daß ich die göldene Heer-Trompete nicht minder zu blahsen verstähe / wie die buchserne Flöhte.

Die Guhtwilligen aber / denen ich mit Verschweigung ihrer Vorzüge nichts an ihrer Würde entzogen haben will / wollen bedäncken / daß die Versche / die ich hihr alß Errores juventutis mich nicht scheue ihrem Judicio zu unterbreiten / blohß meine schlächten sind.

Die guhten habe ich for mir
selbst behalten.
Adieu!

  • Er brohbt erst sein Säyten-Spihl
  • Er lobt sich sein Purschen-Leben
  • Er freut sich / daß es Winter ist
  • Es fegt so grimm kalt / daß er mehr nur noch für seinem Ofen hokkt
  • Er drillert ihr ein Qwodlibet
  • Sein Qwodlibet geföllt ihr so außdermahßen / daß er ihr sofort noch-eins drillert.
  • Daß es bald Oculi ist / drukkt ihme nicht das Hertz ab
  • Es macht ihn durchauß vergnügt / daß es schon Lätare ist
  • Er passirt an ihrer Thür vorbey
  • Er will mit ihr spazziren gehn
  • Es gaudirt ihn / daß die Mädergens schon das Graß zertrükken
  • Er lihgt mit ihr im Grünen
  • Er spazzirt durch den Morgen
  • Er wartet auff sie in einem Lust-Wäldgen
  • Er belauscht die Venerem mitsambt däme Matrio
  • Es verdreußt ihm
  • Er zörnt dem Cato
  • Es hält darfor / daß der Frühling so rächt die Zeit zum Lihben ist
  • Er hört mit ihr den Gukguk schreyn
  • Er klagt / daß der Frühling so kortz blüht
  • Er läßt nie sein Maul hängen
  • Er rastet mit seinen Gesöllen an einem schönen May-Morgen in einem Bircken-Hayn
  • Er freut sich / daß es Frühling ist
  • Er bokulirt im Hirschen
  • Er siht sich am andern Morgen im Spihgel
  • Er perstringirt seine Gesöllen
  • Er klebt so ämsig über seinen Büchern / daß ihm der Schweiß vom Bukkel dropfft
  • Er durchhechelt auch die Weibrichins.
  • Er verlöffelt sich in seine Kammer-Magd
  • Er will sich nicht mit andern in sie dheilen
  • Er drohstet sich über sie
  • Er will nicht heurathen
  • Er stammt aus Flandern
  • Er sizzt auff dem Parnaß
  • Er hält sich vor mehr alß die Uebrigen
  • Er fühlt sich fast den Sternen nah
  • Er bluhstert sich auff / alß ob er der Daradiridatumtarides wäre
  • Er sizzt mit seinen Kompanen im Sauff-Hauß und solmisirt ihnen / wofor er sie frey-hält
  • Er durchsaufft mit seinen Gesöllen die gantze Nacht im blauen Oriflanten
  • Er singt ihnen / während deme sie drincken / in die Laute / wordrauff sie ihm ümmer / zum Clavicembalo / vergnügt antworten
  • Er freut sich / daß es Sommer ist
  • Der Hunds-Stern verbrännt ihn fast
  • Er lauscht einem Vögelgin
  • Er spazzirt mit ihr durch einen schönen Sommer-Tag
  • Er bringt ihr eine Nacht-Musikgen
  • Er bethrent ihre ohngemeine Härtigkeit / nachdäme er sie / wie Actäon die Dianam / beym Baden Splinter-fasel-nakkt gesehn.
  • Er singt ihr ein Morgen-Ständgen
  • Er vergnügt sich mit ihr
  • Ihr ümmer ümbs Bändel zu seyn / ist ihm nicht müglich
  • Im Nahmen eines Andern
  • Er verlustirt sich über die kleine Kloris
  • Daß sie for ihr Schlößgen schon einen Schlüssel hat / basst ihm nicht.
  • Er drohstet sich wihder
  • Er sagt sich ab däm Cupidini
  • Er verlihbt sich in Amaryllis
  • Er siht Arsinoen
  • Er ist in sie noch hefftiger verlihbt / alß in Amaryllis
  • Er pirscht bey ihr auff den Cupidinem
  • Er freut sich / daß es Herbst ist
  • Er schüttelt sein Hertz auß
  • Er lädt seine Gesöllen auff einen Göldt-Fasan
  • Er bekröhnt ihn mit einem Hirsch-Geweih
  • Er freut sich / daß es wihder Winter wird
  • Er verdingt sich dem Apollini
  • Er siht einen Hahr-Stern
  • Nachstehente schlächte Versche schrieb er for Die / an die er sein Hertz gehänckt
  • Er dänckt an die hochfliegenten Adler ädler Teutscher Boesie / so schon vor ihme gesungen
  • Er nimbt Abscheyd vom Leser / indehme er sich darbey defendirt / deß er kein Sauer-Topff gewesen

  • Nohtwendige Erklärung der tuncklen Oerter / for die mehr Einfältigen / denen Gelährten schon bekant. Gleichsahm alß guhtwillige Zugabe.

    Abisag / jene jüdische Dirne auß Sunem / so dem Davidi / nachdäme er alt und spakk war / im fehdrigten Qwartir fein lustig beym Psalmodiren halff.

    Actäon / ein ohnverschehmbter griechischer Jagd-Meister. Von der Diana in einen Hirschen verkehrt / nachdäme er sie mit ihren Gespihlinnen in einem Quäll erdapt.

    Adon / ein überauß schöner Printz auff Cypern. Ein Buhler und Auffwarter der Venus. Sie war so verlihbt in ihn / daß sie sich des offtern heymlig zu ihm ins Bette geschlichen; wordrüber Mars so ergrimmte / daß er sich in ein Wilt-Schwein verstellte und ihme bey der Jagd den Leib auffriß. Daß er ein Zwitter gewesen / der alß Mann die Venerem und alß Frau den Apollinem vergnügt habe / halte ich for eine lihderliche Erfündung.

    Aeschylus / ein griechischer Scribent / der for die Schau-Bühne geschrihben. Er war der erste / der sich unterfing / betrunckene Leute auff sie zu stellen. Er hat nur tichten können / nachdem er sich vorhero ein Fundamentum gesoffen.

    Aesop / der kluge Erfinder der nüzzlichen Lehr-Fabuln.

    Aganippe / auch Hippocrene benihmt / zu Teutsch Pferde-Brunn. Ein Qwäll im tuncklen Böotien. Wer auß ihm tranck / wurde gelährt.

    Aglaja / der Grazien zihrste.

    Agtstein / ein schönes Regenbogen-färbigtes mineralium.

    Alcoran / das ketzerische Librum Symbolicum der Mahometaner. Sie vermeynen / es sey auff Pergament geschrihben / welches von der Haut des jengen Widders gemacht worden / den Abraham an statt seines Sohnes Isaac geopffert; es besteht auß 77 639 Wortern und 323 015 Buchstäben.

    Amathunt / eine Stadt auff der Insul Cypern. Der Venus Residentz.

    Amber / auch Ambra / ein ohngemein wohl riechentes Hartz / ähnlicht dem Börnstein.

    Ambrosin / ein Himmlisches Kleyen-Brodt.

    Amfitrite / des Neptuni Hauß-Frau. Sie war See-grün von Aug-Oepffeln und soll einen silbrenen Rükken gehabt haben.

    Amor / besihe Cupido.

    Amouretten / der Lihbes-Göttin kleines Buhl-Gesinde.

    Anaximander / ein allerspizzfündigster Astrologus von tieffsten Scienzien. Er lehrte die Entstehung der Welt auß dem Uhr- oder Mängeklumpff.

    Apell / nechst dem Parrhasio unter allen Mahlern der lihblichste. Sein Haupt-Stükk war ein Abriß der Venus / wie sie mutter-nakkt auß dem Meer stieg. Sie stund auff einer Muschel und drukkete sich mit ihren Händen das See-Wasser und den Schaum auß ihren Hahren. Alß Uhr-Bild hatte ihm eine Bey-Schläfferin des Alexandri Magni gedihnt / die ihme dihser hernachwerts zum Honorario verehrte.

    Apoll / der Fürsteher der Musen. Aller Tichter Obrister. Vom Plato for die Sonne gehalten.

    Arcas / ein Schäffer.

    Aretin / ein ärgerlicher Stachel-Schreiber. Seinem unflähtigsten Collectaneo: » De omnibus Veneribus Schematibus« hat er der Ehrbarkeit wegen einen lateinischen Titul gegäben. Geläsen habe ich es nicht.

    Argus / ein Hirt mit hundret Augen.

    Aristoteles / ein großes authoritätisches Thier. Der Griechen Vernunfft-Lehrer. Daß er sich im Alter hätte verschneyden lassen / nachdäme er seine Weißheit vom Salomon genommen / ist eine Erzehlung der Jüden.

    Aurora / eine Frau mit Rohsen-färbigten Fingern. Eine Vorläufferin und Kammer-Magd der Sonnen.

    Baal / der erste Monarch über Babylon. Nach seinem Tode unter die Sterne versezzt. Ein Ertz-Teuffel!

    Bachus / ein heydnischer Haupt-Gott. Der Erfinder des Bestialischen Sauffens.

    Bezoar / eine Ahrt Heil-kräfftiges Bibergeil / benachbahrt dem Zibeth. Besihe dihses.

    Boreas / der unannehmliche Nord-Wind.

    Byzantz / der Morgen-Länder göldne Wunder-Stadt. Ihre Figur ist dreyeckkicht und ihr Ümb-Kreiß fünfftehalb Meilen.

    Canaan / zu Teutsch Nieder-Land. Ein annehmlichster / allerlustigster Orth.

    Candalaus / ein König in Lydien. Nachdäme er seine Gemahlin dem Gyges nakkend gezeigt / schlug dihser ihme den Kopff ab und vertratt bei ihr seine Stelle.

    Castalinnen / Bey-Nahme der Musen nach dem Castalio oder Castalis / einem Parnassischen Brunnen.

    Cato / ein beruffener römischer Rathsherr / der ümmer griesgramen und sauer gesehn. Ein Leut-fliehenter und Licht-scheunter Timon oder Mäntschen-Feind.

    Catull / unter allen lateinischen Silben-Flikkern der zihrlichste.

    Cerberus / ein vihl-köpffigtes / Schlangen-hahrigtes terribles Monstrum oder Unthier / das an hundret Ketten für der Hölle lag.

    Ceres / die Frucht- und Feld-Göttin. Eine ansehnliche voll-safftige Person / die for ihre vihle Kinder das Brod-Bakken erfund.

    Ceylan / das alte Taprobane / eine Insul im Oceano Orientali. Von Gestalt eine Birne. Ein angenehmer / allerschönster Lust-Garten. Sie stund so voller Granat-Oepffel / Feigen / Ingwer / Zitronen und Bommerantzen / daß sie den See-Fahrenden schon drey Tage vom Weiten roch.

    Charon / der hellische Schiffman / so die Seelen der Verstorbenen über den Acherontem zu den Inferis fuhr / wofor er von jedem einen Obolum zu Teutsch Weißpfenning bekam.

    Cicero / ein berühmbter römischer Disputator und Zungen-Dröscher von eusserster Eloqwentz.

    Circe / eine verruffne zäubrische Weibs-Person. Eine Ertzt-Hexen-Meisterin!

    Clio / der Musen fürnehmbste. Die Eignerin der göldnen Ruhm-Trompete.

    Clotho / eine garstige Teuffelin.

    Cocythus / ein bittrer hellischer Fluß auß den Threnen der Verdammten.

    Corinne / ein galantes extraordinari schönes Frauens-Mäntsch. Daß sie / wie ettliche vermelden / ihrem Amantem / dem Ovidio / ausser beym bello Veneris / auch noch beym Sylben-Stächen fein prav geholffen / will ich nicht annähmen; inmahssen ich es gäntzlich mit dem fürnehmen Arabischen Boeten Pharezdaki halte / alß welcher / nachdäme er ein sehr schönes Carmen einer Araberin gelesen / gesagt hat: Galli cantum cum Gallina imitatur juguletur; zu Teutsch / wenn die Henne wie der Hahn kreht / muß man ihr den Haltz abdrehen!

    Coridon / ein Schäffer.

    Cupido / Ebräisch Chabab / wordrauß ersichtlich / daß die Heyden auch dihsen Gott auß der Bibel genommen haben. Beim Homero / Pindaro und Hesiodo der Veneris Söhngen. Er reichte seiner Frau Mutter noch nicht biß zum Nabul. Da dihse in zihmlicher Buhlschafft gelebt / streitten sich die Boeten / wer sein Vatter gewesen.

    Cynthie / besihe Cythere

    Cypern / eine blaue / selige Insul in Griechenland.

    Cyprie / besihe Venus.

    Cypripor / besihe Amor.

    Cypris / besihe Cyprie.

    Cythere / besihe Cypris.

    Dach / ein borussischer Professor Poëseos. Er war sehr Lid-reich.

    Dafne / jene Nimfe / die sich lihber in einen Lorrbör-Baum wandeln lihß / alß daß sie dem Apollini ihre Jungfferschafft gönnte. Wenn ich die Wahrheit sagen soll / so halte ich dihses Begäbniß for ohngläublich.

    Dafnis / der Verfärtiger gegenwärtiger Boesie. Ich habe sie mit so großer Lust gesezzt / daß ich nicht förchte / sie werde mit meinen Hahren verschimmeln. Da ich weder ein gebohrner Schlesier / noch auß Meissen bün / habe ich in ihrer Orthographia nichts substituirt / alß meinen natürlichen Verstand. Suum cuique Pulchrum; zu Teutsch / jeglicher Hahn vermeynt / er lege die bäste Eyer.

    Daradiridatumtarides / ein Hispanischer Pfauen-Schwäntzischer Auffschneyder und Complimenten-Macher.

    Democrit / ein griechischer Magus und Stern-Deuter. Seine beständige Belachung der mäntschlichen Thorheiten hatte seine einfältige Landes-Leute / die Abderiten / auff die Vermuthung gebracht / daß sein Zustand der Hülffe des Hippocrates benöhtigt sey; worüber er für Lachen fast vom Stul fiel. Dihser alte Heyde wusste vihl und gläubte wenig.

    Diana / des Apollinis Geschwister. Vom Homero die Hirschen-Mörderin benihmt. Ein längelichtes / blizz-broppres und darbey couragirtes Weibs-Gestell.

    Dido / eine junge / verwittibte Prinzessin auß Africa. Waß sie mit dem Eneas in einer Höhle gemacht / berichtet Virgil.

    Donkischot / ein berühmbter / Allerdurchläuchtigster / furiosischer Ritter von hindter den Pyrenesischen Gebürgen / der so avantageux war / daß die Bolbirer und Wundt-Ertzte nicht genug Pflästergens hatten. Ümb von ihme alles zuverzehlen / würde ein seculum zu kortz fallen!

    Eneïs / des Maro Meister-Stukk. Daß er damit gleichsahm den Homerum sälbst übertroffen / wird von vihlen for wahr gehalten.

    Eolus / der Verwahrer der Winde.

    Epicur / ein wollüstiger griechischer Gottes-Leugner und Affter-Dencker. Ein purlautres Welt-Kind.

    Erato / der Mus fürtreffligste / weil sie macht / daß die gelährte Leute gelihbt und für allen andern in besonderm Esthim gehalten werden.

    Esther / auß dem Ebräischen ins Teutsche gedolmetscht Stern. Der Jüdinnen schönste.

    Eumäus / ein berühmbter Sau-Hirt.

    Eurus / bey den Scythis / auch Hyperboreï benihmbt / ein grimmer Berg / auß dem die Winde blahsen.

    Eurydice / des Orfeus Ehe-Weib. In der Unter-Welt die draurigste / nachdähme sie beym Veilgen-Pflükken von einem Worm gebissen.

    Faunen / aberglaubisches / einbildisches Wald-Gelichter. Erschrökklichte Kerle mit Schweins-Borsten!

    Febus / besihe Apollo.

    Filomele / eine Königs-Tochter auß Thrazien. Wofür sie in eine Nachtigall verwandelt worden / besihe im Ovid.

    Flaccus / ein römischer Ritt-Meister / der sich gleichsahm auff die eusserste Spizze des Parnassus gesezzt. Er hat sich auch auff Schraubereyen verstanden.

    Fleggethon / ein Hellen-Fluß / alß welcher statt des Wassers mit Feuer floß.

    Flemming / von all unsren Teutschen der Hertzrührendste. Er hat sich mit Ehren in seine Grab-Schrifft sälbst gesezzt / daß ihm kein Landsmann gleich gesungen!

    Flora / nechst der Venus die Lihbreitzendste. Die Hüterin der bundt-besternten Wihsen / der zihren Butter-Vögel und der Hoppe-Pferdgens.

    Frygien / ein persianisches Königreich in der Landschafft Asia.

    Galen / ein heydnischer Artzeney-Kündiger / der über 300 Drectätgens geschrihben; noch anitzt das medicinische Oracul for gantz Europa.

    Gargantua / der König aller Durstleider. Ein Freß-Wanst / der hundret Schuch maaß! Wie er sich mit denen jungen Gäntzlin / ümb hihr nicht unflähtig zu werden / verkehrt das Maul gewischt / besihe bei seinem Vatter Rabelais.

    Gosen / eine lihbliche Landschafft / in der die verschnittne Jüden ihre Heerden weideten / bevorab sie den Weg durch das Rohte Meer funden.

    Gracien / drey schöne Kinder / die noch niemand anderst alß nakkigt gesehn. Ein Abschaum for alle Catonianische Essig-Krüge.

    Gryph / ein grundgelährter Schlesier / der es fürnehmlich auff dem Theatro zu einer sonderlichen Perfection gebracht. Im serio genere nicht minder admirabel alß im festivo. Er hat fast den Senecam abgestochen!

    Hanns Sachs / ein ehrlicher Burger und Schuhflikker in Nürnberg. Ein sehr lustiger Reymen-Reisser. Sonst ein Stimpler. Der Lateinischen und anderer Sprachen unkündig. Der Meister-Singer Ertz-Vatter.

    Hebe / eine Schenckin. Alß sie im Olympo unter währender Mahlzeit der Götter gefallen war und alles gewihsen hatte / waß die Schamhafftigkeit verborgen haben will / hat Jupiter sie ab gesezzt. Waß den Herculem nicht behinderte / sie stracks for seine Gemahlin zu nähmen.

    Hecate / eine himmlische Apothekerin und Chymistin / so auß denen Kräuttern allerhand Arcana braute. Von vihlen for den Mohnd gehalten.

    Helena / das allervollkommentlichste Frauen-Zimmer / so je die Welt gesehn. Sie ist auß dem Ey der Leda gekrochen / das ihr der Jupiter alß Schwan gemacht. Wordrauß erhellt / daß der Trojanische Krieg schon auß dihsem Vorfall seinen Uhrsprung genommen. Wenn die Chronologisten nachgerechnet haben / sie sey bey ihrer Entführung durch den Paridem bereits eine alte Schachtel von 60 oder gar 80 Jahren gewesen / so erweist daß nur / daß die Leute voritzo lenger in ihrem vigeur geblihben / alß hernachmahls; worbey sich ettliche auch auff das exemplum der Sahra bezihn. Astynianassa / ihr Cammer-Mägdgen / hat ein Buch von den unterschihdlichen Ahrten deß Bey-Schlafs verfärtigt. Leider ist dihse Charteque verlohren gegangen.

    Heraclit / ein auff-geblahsner griechischer Vihl-Wisser. Er soll ein zihmlicher Sauer-Topff gewesen sein. Der stäts fröliche Epicur ist mir lihber!

    Hercules / zu Teutsch Heers-Keule / von allen Kriegs-Gurgeln die dapfferste. Ein Bubelirer und Ammen-Macher. Ümb ihn zu zeugen / hatte sein Vatter Jupiter bey seiner Mutter Alcmene drey Nächte hindter einander verwandt.

    Hesper / ein ebentheuerlicher astrologischer Traumer / der sich von einem Berge alß seinem Observatorio zu Dhode fiel / wordrauff ihn die Heyden-Götter auß Mitleid in den Abend-Stern verkehrten.

    Hesperien / nach dem Apollodoro auff dem Atlas-Gebürge. Von andren in die Insulas Fortunatas versezzt. Beim Hesiodo im eussersten Westen. Ein wohl-riechenter Göldner Oepffel-Garten / der von einem hundretköpffigten / grün-beschuppten Drachen bewacht war.

    Hippocrat / der Alt-Vatter aller Medicorum seit einundzwantzig Seculis!

    Hofmann / der Venus Leib-Boet. Gleichsahm ihr Secretarius. Seine Lider werden noch brännen / wenn wie alle schon lengst werden zu Staub und Aschen seyn.

    Homerus nach ettlichen Bostill-Reuttern in sihben Städten zugleich gebohren. Nachdäme ich ihm sein Lob schon gegäben / bräuche ich hihr nichts mehr hinzu zusäzzen. Sein Stern hat alle vertunckelt!

    Horaz / besihe Flaccus.

    Hybla / eine Stadt auff Sizilien. Sonst unbekannt.

    Indjen / ein asiatisches Imperium / so den Globum fast biß zum fünfften Theil bedäkkt.

    Indus / ein Fluß / der auß dem Berge Caucaso mitten durch des grossen Mogols Länder ins Indianische Meer fällt. Nechst dem Nilo der grösste. Voller Crocodillen und Pärlen!

    Jason / ein verflossner Meer-Rauber. Daß es sich auß dem Lande Colchide ein purgöldnes Widder-Fell geholt / ist bezeugt worden vom Pindaro.

    Jocus / der Alten Schertz-Gott.

    Junius / unser Brach-Mohnd.

    Juno / des Jupiter Ehe-Weib. Von den Physicis for die unterste dikke Lufft / wie Jupiter for die oberste dünne gehalten. Da es seiner unterschiedlichen Maitressen wegen Zanckens und Beissens genug zwischen den beyden sezzte und ettliche berichten / sie habe den Volcanum blohß vom Winde / den Martem von Anrührung einer Bluhme und die Heben von Essung eines Saulats empfangen / wollen andre / daß sie ihrem Gukguk gar so reine Farbe auch nicht gehalten. Daß sie nach des Moses Frau Zephora der Bibel abgeschihlt worden / werden die wenigste gläuben.

    Jupiter / der Heyden Ober-Gott. Er war so unflähtig / daß es kein Laster gibt / darmitte er sich nicht besudelt hätte. Daß er sich nicht scheute / seinem eignen Vatter / dem Saturnio / mit einer demantnen Sichel das Patrimonium ab zuschneiden / wordrauß dan / als es ins Meer fiel / sich die Venus erhub / war von seinen Schand-Dhaten noch die gelindeste. Ümb seinen Passionen ein Gnüge zu dhun / wandelte er sich nicht blohß / wie bey seiner Juno / alß sie noch Jungffer war / in einen Gukguk / sondern er überlistete seine Kebsen auch noch alß Ockse / alß Schwan / alß göldner Regen / alß Nebul / alß Plizz / alß Wolcke / alß Odler / alß Wachtel / alß Worm und alß Omeise; ohngerechnet der Alcmenen / der er zu ihrem Herculi in Gestalt ihres eigenen Mannes des Amphitryonis verholff. Die von ihm getichtete übrige obscöna übergehe mit Stillschweigen.

    Kastraten / außgeschnittne Leut. Arme ohnvermügliche Hämmlinge.

    Korint / die ädelste Stadt Griechenlands. Im Peloponneso von zwey Meeren bespühlt. Fünffzehnhundret und zwey und sechtzig Schuch über ihr erhub sich ein Tempell der Göttin Veneris / in welchem bey dausend Jungffern waren / die gägen ein Dranckgeld keinem ihre Dienste versagten. Es ist garnicht außzusprechen / waß for ein Geläuff auß aller Welt zu dihsem Tempell gewesen ist!

    Kowjar / ein schwartzer Moskowitischer Fischrögen / mit Pfeffer und Saltz angemacht. Er soll sehr guht schmäkken!

    Lalage / eine verlihbte Buhl-Dirne beym Horatius Flaccus. Er hat sie durch seine verträuliche Spizzfündigkeiten zihmlich berühmt gemacht.

    Laura / des Petrarchae Lihbste. Er hat hundret Oden auff sie gemacht. Daß sie Mutter von fast äben so vihlen Kindren gewesen / haben Uebel-Wollende ihr nach gehänckt. Elwe stehn in den Archivis.

    Leander / ein unglükkhaffter Lihbhaber / der so hizzig war / daß er sich unterstund / in der heiligen Drei-Königs-Nacht den Hellespontum zu durchschwimmen. Was geschicht? Er versoff.

    Leda / eine Königin in Aetolien. Ümb ihr bei zukommen / verstellte Jupiter sich in einen Schwan / alß welcher er vor einem Odler / der die Venus war / in ihren Schooß retirirte / wordrauff er ihr sonstwaß zumuhtete.

    Lethe / ein übles Gewässer / auß dem die Dodten drancken.

    Liber / das ist Befreier / ein Bey-Nahme des Bachus. Besihe dihsen.

    Lohenstein / von allen Schlesiern der Hoch-Drabenste. Ich will ihn nicht zerlästern und gemein machen; aber er kömbt mir neben dem Lob- und Lihb-würdigen Herrn Hofmann (besihe dihsen) wie ein Sechsling neben einem Rosenobel für. Er hat mir for mein weniges judicium zu vihl Capreolen geschnitten!

    Lukrezie / ein römisches Frauenzimmer. Waß sie mit dem Lümpgen Tarquinio gehabt / nähme ich vor bekandt an.

    Luna / der Ehemaligen Mond-Fei. Der Lihbes-Handel / den sie auff dem Berge Latmo mit dem Endymione gepflogen / hat unsre Böotische Schmihr-Flägel schon zu manchem Pasquillo admovirt. Sie soll es mit jenem Printzen biß auff die 50 Töchter gebracht haben. Ich behäupte nicht das contrarium.

    Lyäus / besihe Liber.

    Mänaden / besoffne Mäntscher / die Löwen / Pardel- und Tyger-Thiere / sowie andre dergleichen Bestien / so sie im Gefolge des Bachi mit sich herumb führten / gantz roh und ohngekocht fraßen.

    Magnet / ein ohnwihderstehlichster Anziehungs-Stein. Auß einem Berg in Indien. Besihe dihses.

    Mahom / ein arabischer Betrieger und Cameel-Treiber. Daß die falsche Religion / die er erfunden / ihme vom Teuffel eingeblahsen / darüber sind sich die Christen einig. Daß der Engel Gabriel ihm die Zubereitung eines Gerichts gelährt haben soll / welches ihm die Stärcke von viertzig Mannspersonen in allen Verrichtungen der Venus gegäben habe / halte ich for die allerlächerlichste Fabul.

    Majus / der May-Mohnd.

    Mammelükken / eine fühllose / fast schwartze Völkerschafft.

    Maro / besihe Virgil.

    Mars / der Heyden-Götter Sankt Georg. Der Venus Stopff-Galan.

    Marspiter / besihe Mars.

    Matz / ein Schäffer.

    Mavors / besihe Marspiter.

    Megäre / eine gräuliche griechische Struntzel / mit Schlangen-Zöpffen.

    Melampus / ein Schäffer.

    Meleager / ein griechischer Grammaticus und saalbaadrischer Philologus / der sich den Motten und Mäusen längst zum Confäkkt überlassen!

    Memfis / eine egyptische Gözzen-Stadt. Bey ihr stunden die Pyramiden / die unter die sihben Wunder der Welt gerechnet werden.

    Mercur / der Götter schläuster. Er stund denen Beutel-Schneidern und Kauffleuten für. Er soll auch / ohnbeschadet dem Jubalo / die Music erfunden haben.

    Metrodor / ein Welt-Beschreiber.

    Midas / ein tölpischer König in Frygien. Er war so einfältig / daß er den albren Hirten-Gott Pan mit seinem Tudel-Sakk dem Apollini fürzog; waß dihsen so hefftig erzörnte / daß er ihme als Gratial for sein verkehrtes Urthel Esels-Ohren auff säzzte. Wälche wollen / durch solche prostituiren sich die Kunst-Richter noch heute!

    Minerva / besihe Pallas.

    Mogol / der grosse König von Indostan / von dem Temur oder Tamerlane herstammend. Er soll 300 Millionen Einkommens und 50 000 Helephanten haben. Es ist kein Potentat / der erschrökklicher wäre!

    Momus / ein tartuffelnder / stinckenter Widehopff und Neidhund / der von hindter seines Vatters Kachel-Ofen an allem waß außzusäzzen fund. Sälbst bey der Venus stand ihme nicht an / daß ihre Pantoffeln allzu sehr klapperten / wan sie ginge.

    Mopsa / des Mopsus Grohß-Magd. Daß sie ihme des Winters sehr offters / nachdäme sie ihme abends zu den Wörsten gehakkt / auch noch alß Wärmbd-Stein gedihnt / achte ich ausser allem Zweiffel. Die sie blohß for seine Tochter gehalten / betriegen sich.

    Mopsus / ein Pauren-Bengel.

    Morfeus / ein Bedihnter des Schlaffs. Des Thanatos Zwilling. Nach andren auch blohß sein Geschwister-Kind.

    Mosch / auff Frantzösisch auch Mouschen / jene außländische Alamodo-Pflästergens / so sich die alten Nacht-Eulen ümb ihre Qwer-Mäuler bappen.

    Musc / auch Muskat / ein gewürtziger Nußbaum auff den antipodischen Zimmet-Insuln hindter dem Lande Arabia.

    Musen / der Künste Lehr-Meisterinnen. Neun annehmliche Jungffern / so ettliche ihrem Nahmen nach per Ethymologiam vom Moses deriviren / da dihser omnis eruditionis princeps gewesen. Ich will dargägen nichts gesagt haben.

    Naso besihe Ovid.

    Nectar / ein süsses / dem Magen bekömliches Bier / so die Götter drancken.

    Neptunus / des Jupiter / seines Bruders / Admiral. Der Regirer über alles See-Vieh.

    Niclas / der Kleinen Knechtrupprecht.

    Nil / auff Lateinisch Nilus / der Vatter der Ströhme. Er entspringt bey den Mohren und steigt gemeiniglich biß zu sechtzehn Ellenbogen. Er war die Uhrsache / daß in seinem Lande Egypten die Meß-Kunst erfunden wurde / weil seine Ueberschreitungen die Gräntzen der Felder verweiterten.

    Niobe / ein importunes / kümmerliches Weibs-Gestell / so auß Bedrübniß über den Dodt ihrer armen Kindgens zu Marmol wurde. Noch auß ihren versteinten Aug-Oepffeln vergoß sie Threnen.

    Nocturna / auch Nox benennt / der Göttinnen älteste. Sie fuhr auff einem schwartzen Wagen / alß den ihr der Jupiter geschänckt / nachdäme sie seinen Handel mit der Alcmena märcklich favorisirt hatte.

    Noha / der nach verloffner Sünd-Fluht den Wein gepflantzt. Der dihsen dan gesoffen und sich von seinen Töchtern beschlaffen lihß / war ein andrer.

    Nymphen / auch Nimfen / griechische Wasser-Jungffern.

    Olim / von ihme wird getichtet / er hätte schon vierdausend Jahre für Erschaffung der Welt gelebt. Er starb unter währender Erbauung des Babylonischen Thurms / bey welchem er vermuhtlich nicht mehr darbey gewesen.

    Opitz / unser aller Meister.

    Oreaden / Grüh-hahrigte Berg-Mägdgens. Der Dianae Gespihlinnen.

    Orfeus / ein griechischer Schwartz-Künstler / der ümbs Jahr der Welt 2727 zu den Zeiten des Jüdischen Richters Thola auß Egypten gekommen seyn soll. Der Eurydice Ehe-Mann. Des Apollinis / seines Vatters / Discipul.

    Ovid / ein Lateinischer Süßholtz-Raspler / der in des Amors Schule nicht auff der untersten Banck gesessen.

    Pafos / besihe Amathunt.

    Pallas / von allen heydnischen Göttinnen die gelährteste. Sie soll das Oliwen-Öl erdacht haben / weil man zum Studiren die Lampe bräucht. Daß sie ihr Leb-Tag eine Jungffer geblihben / halte ich nicht for erwihsen.

    Pan / der Gott der Zihgen- und Küh-Hirten. Er soll einen zihmlichen Jüden-Bahrt gehabt haben.

    Parnass / der Musen Brocksberg. Daß er zwo Spizzen gehabt / ist den beeden Bergen Sion und Morijah abgestohlen. Sein Qwäll Castalis ist dem Brunn Siloah nachgemacht.

    Pegasus / der Boeten Plizz- und Donner-Roß. Auß seinem Hufschlag soll der Brunn Hippocrene entsprungen sein. Besihe Aganippe.

    Persepolis / der Persianer Königs-Stadt. Vom Alexandro Magno auff Anstifften der Buhlerin Thais in Asche gelegt.

    Petersquentz / ein närrischer Schul-Meister / der vihl Gickes gackes gemacht hat. Ein Delpel und Dilldappel.

    Petrarcha / ein hurtiger Toskaner. Nächst dem Dantes und Boccatio der beruffenste Italjäner. Herr Menage in der Vorrede seiner Anmärckungen über des Malherbe Poëmata hält darfor / daß die Zahl seiner Commentatorum nicht geringer sey / alß derer / so über den Virgilium geschrihben. Er hat von seiner Laura (besihe dihse) so vihl Wercks gemacht / daß ihme schon würcklich zu gläuben ist / wenn er versichert / er habe sie ümmer blohß vom Weiten gesehn.

    Petron / ein ungemein hizziger Lateiner. Von allen dihsen Kompanen der außverschehmbteste. Er kunt einen halben Ocksen in Eins fressen / ohngeachtet das Zugemüß. Nach dem Justus Lipsio ein Autor purissimae Impietatis.

    Pierinnen / auch Opitzinnen / besihe Musen.

    Pindar / im lyrico genere in der gantzen Antiquität der considerabelste. Vom Politiano sogar über den Davidem gesezzt!

    Pindus / besihe Parnas.

    Plato / von allen Welt-Weisen der Sinnreichste. Er hat schon die göttliche Dreyeinigkeit gewusst. Von ihme wird geschwäzzt / daß er von einer Jungfrau gebohren worden sey / welche des Abgotts Apollinis Gespenst geschwängert haben soll. Daß er sich verdreußtet haben sollte / den Homerum auß seiner Republique zu verbannen / halte ich for ein Mährgen.

    Plinius / ein römischer Natur-Kündiger. Ein Politicus und Hof-Mann.

    Pomona / die Herbst- und Oepffel-Göttin. Des Vertumni Amantin.

    Porfirius / ein muntrer Kopff / der sich eusserst admirabel gemacht hat. Daß er wider die Ewigkeit der Hellen-Straffen geschrihben / wollen wir ihme alß einem Heyden nicht nachrechnen.

    Potifar / des Pharaonis Geheimbde-Kämmerer. Nach der Lateinischen Bibel Vulgatae versionis ein Eunuchus / zu Teutsch Kapp-Hahn.

    Properz / ein nicht unlihblicher Lateiner / der in seinem Carminibus rohte / fewrige Tulpen / schön schattirte Nelcken und andre dergleichen herrliche und anmühtige Gewächse denen unansähnlichen und nüzzlichen Stauden fürzog / so Margrittgen for ihre Küche ropfft. For die Mükken-Seiger ein unflähtiger Roß-Kefer!

    Proserpina / des Pluto Ehe-Wirthin / alß welche sie mit dihsem Unhold wider Willen hatte zu Bette gehn müssen.

    Psyche / eine griechische Jungffer mit Schmetterlings-Flügeln.

    Pygmalion / ein König auff Cypern / der in ein Stand-Bild der Venus verlihbt war.

    Pyramus ein Lihbhaber der Thisbe / der sich auß falscher Meynung sälbst erstach / wordrauff sich dihse gleichfalls hinrichtete.

    Pythagoras / ein griechischer Schul-Meister / der vihl Nachdenckliches ersonnen. Daß nach ihme ein Ey zur Herfürbringung der Welt gedihnt / halte ich aber for ein aller Wahrscheinlichkeit entblöhßtes Mährgen; mahssen solches gägen meinen Sensum physicum ginge / zu Teutsch natürlichen Verstand.

    Pythia / eine heydnische Wahrsagerin / alß welche sie über einem unterirdischen Feuer auff einem Drey-Schemmel saß.

    Quindecimpilus / ein Schäffer.

    Rabelais / der gelährteste Frantzose. Er hat von seinem grossen Riesen Gargantua (besihe dihsen) ein so lustiges Buch geschrihben / daß sich alle Welt bukklicht gelacht hat.

    Rist / von allen unsrer vollkommenen und Majestätischen Haubt- und Helden-Sprache Beflissenen bißanhero der gewaltsahmste.

    Ronsard / ein gelährter frantzösischer Eddelmann. Sein Mund / den gleichsam Apoll sälbst geküsst / ist von ohngemeiner Süssigkeit gewesen.

    Saffo / auch Sapffo benihmbt / die sich auß verlihbter Wuht über die Härtigkeit ihres Phaonis von dem Felsen Leukate gestörtzt. Die ihr nachgesehn / haben sich auß dem Flattren ihrer Kleyder betriegen lassen / daß sie in einen Schwan verwandlet worden.

    Salomo / jener Jüden- Pontifex / der wider die Eremitische Draurigkeit die meiste Weiber gehabt.

    Saturnus / der ungehöbelte Wetter-Gott. Er bemaaß die Zeit nach seiner Sand-Uhr und versah zugleich die Cometen.

    Satyri / unreine / den Incubis verwandte Geister / so in den Abgrund des hellischen Pfuhls gehören. Sie waren so geul / daß sich kein Frauens-Volck sicher für ihnen sehen lassen dorffte. Von denen Natur-Kündigen auff eine Ahrt Affen gedeutet.

    Scaliger / ein Welt-berühmbter Padovaner. Die Zihrde seiner Nation. Gleichsamb for ein Wunder seiner Zeit gehalten.

    Scriptores Sacri / der Papistischen Kirchen-Väter: Tertullianus / Cyprianus / Arnobius / Lactantius / Minutius Felix / Augustinus / Cyrillus und die andre große Lichter. Sie in summam zu vermärcken / würde nach Reliquien von Schul-Füchsereyen stincken.

    Silen / des Bachi Hof-Meister und Sauff-Bruder / alß welcher er dihsem Printzen so manches Fuder Wein gekostet. Ein Schmausirer und Schmaruzzer!

    Simbson / der Jüden Hercules.

    Sirene / ein wollüstiges / unerbahres Frauen-Zimmer.

    Sodom / besihe das Erste Buch Mose / Verß 24–25 im neunzehnten Kapittul.

    Stagirit / besihe Aristoteles.

    Stambol / besihe Byzantz.

    Susa / zu Teutsch Lilgen-Burg / der Persianischen Könige alte Schazz-Kammer Stadt.

    Sylvan / ein Wald-Gott; der Faunen und Satyri Anführer. Besihe dihse.

    Syrinx / eine jämmerlich schöne Nimfe.

    Tantalus / ein König in Frygien / däme für Hunger und Dorst die Zunge ümmer auß dem Maul hing / weiln er blapperdaschig der Götter Heimlichkeiten auß geschwazzt.

    Tellus / die Erd-Göttin. Nach ettlichen aller Götter und Menschen Mutter. Von andren for die Eva gehalten.

    Thanatos / der Alten Hannß Mors.

    Thelilar / ein Sau-Mäntsch! Deliberire / man kännt sie sattsamlich auß der Bibel.

    Theocrit / der erste / der auff einem Haber-Halm gepfiffen.

    Theopomp / ein griechischer Philosophus / der zihmlich schwülstige Composita verfasst hat. Es were vihl Nies-Wurtz nöthig / ümb so ein Gehirn von der ihm ankläbenten Thorheit zu saubern!

    Thetis / ein Meer-Fräulein. Des berühmbten griechischen Fürsten Achilles Mutter.

    Thisbe / eine Jungffer aus Memfis: Besihe Pyramus.

    Tibull / ein kurtzweiliger Lateiner / der mehr for das wohl-fliesend Lihbliche war / alß for das metaphorisch Tiefsinnige und Majestätische. Nach meinem Gousto nicht der knastrigste.

    Titan / besihe Apollo.

    Triton / des Neptuni nasse See-Trompeter.

    Troja / jene berühmbte asische Stadt / die nach zehnjähriger Belägerung erobert und verbrannt wurde.

    Tyrtäus / ein Lacedämonischer General / so zur Flöhte gesungen.

    Venus / die wir alle kännen. Aller Götter und Göttinnen obriste. Im steinigten Argos opfferte man ihr mit Rohsen gefüllte Färckel. Ich halte sie mit dem Plato for die Püppel-Mutter der Boesie.

    Vertumnus / der Römer Wintzer-Gott.

    Virgil / ein heydnischer Hexen-Meister. Wie er Christum bereits vorgeahnt / beweisen die Scholastici. Daß er darbey auch fast allzu lustig sein kunte / verrahten seine Bucolica / zu Teutsch Hirten-Lider.

    Volcan / der Venus Ehe-Mann. Ein außgemachter Hahnrei. Sonst von Profession ein Schmitt. Daß er der jenge gewesen / der in der Heiligen Schrifft Tubalcain genennt wird / halte ich for eine ungegründete Meynung.

    Zefirus / ein Lufft-Gott. Der Flora Mann. Ein zihmliches Milch-Maul.

    Zembla / eine Insul der halb erfrornen Lappen gantz im Eyß-Meer; dem nördlichten Polo benachbart.

    Zibeth / ein sinesisches Reuch-Mittel von eußerster Kostbahrkeit. Auß dem stinckenten Brunst-Beuttel einer Zihge.

    Zoilus / ein Nasen weiser / mißgönstiger Splitter-Richter. Ein großmäuligter Kunst-Frässer. Unter allen Verdrühßlichkeiten dihses zergänglichen Erdkreises die klagwürdigste. Ich säzze sein übel-klingentes Geschrey nicht vihl über das Gepfeiffe der Nacht-Wächter. Einstweilen empfehle ich mich denen Parcen!


    Angehänckte Auffrichtige und Reue-mühtige Buß-Thränen

    Vanitas! Vanitatum Vanitas!
    Biblia Sacra
    Fürvermärck

    Es ist ein ärgerlicher Zufall / daß grade die sonst capabelste Ingenia deß offtern beyneben die außgemachteste Seu-Rüssel sind.

    Unter allen Lautenisten / die der selige Herr Opitius mit seiner göldenen Poesie auß dem sonst unfruchtbahren Boden unsres gelährten Vatterlands gleichsahm wie mit einer Wüntschel-Ruhte herauß- und herfür gelokkt hat / ist unser Dafnis unter dihsem Hinblikk nicht blohß der künstlichste / sondren auch der unflähtigste gewesen. Er war so Welt-verlihbt / daß er sich nicht scheute / seinem Nahmen jenen Bey- oder Zusazz Aus Flandern anzuhängen / der einem ehrlichen Christen übel ansteht und einen unehrbaren und wanckel-müthigen Mäntschen verräht.

    Nachdäme er in seiner ungezeumten und hizzigen Jugend in Altdorff gesoffen / in Jena geraufft und in Helmstädt denen Professoribus die Fenstern eingeschmissen / stehn seine übrige Lebensümbstände / dafern sie nicht schon auß seinen Liedren springen / in seinem lästerlichen »Nohtwendigen Vorbericht« bereits meinstentheils von ihme sälbst vermärckt. Er war dermahls noch zihmlich in seinem vigeur und man spührt auß seinen Ausdrükkungen / daß er ehist den Dägen mit bey-nah noch grösserer Geschikklichkeit zu führen gewusst / alß die Fehder.

    Erst nachdäme sich bey seinem starcken Geblüht allgemählig die hefftigste Stökkungen eingestellt / brachte sein herein gebrochenes Alters Gebrest ihn zum Nachdäncken. Er erwehlte die stille Einsamkeit zu seiner lihbsten Favoritin und fing an / sich nach Drohst-Gründen ümbzusehn.

    Concordia Beate Emerentia / von der er verhoffend gewesen / sie würde ihme die Augen zudrukken / hatte ihn nach unveränderlichem Gottes-Willen in dihsem irdischen Jammer-Thal bedrühbt allein gelassen / und von seinen Söhnen / die nach ihrem Vatter schlachteten / kamen ihme auß Flegelhausen und Zechendorff zum Verdriehß blohß noch Brieffgens ümb Cremnitzer Dukahten zu und ümb Lüneburgische Wildemanns-Dhaler.

    Die Herrlichkeit dihser Erde verlohdert wie ein angezündetes Büschel-Werck und auff ein großauffgesperrtes Maul folgt das Malum hippochondriacum. Das sind uhralte Veritates! Silvette / Flattaris und Mabelle / dihse irdische Göttinnen / wie er sie genanndt hatte / ekkelten ihn itzt / und er sah ein / waß er mit seinem Säuischen Gekruntze for ein einfältiger Stroh-Stöppsel gewesen.

    Ümbsonst! Daß er bey itzt klügerem Alter des Ovidii Verwandlungs-Buch denen Lamentationibus Jeremiae hindtan säzzte / verhalff ihme nichts mehr! Beelzebub / Satanas / Pluto / Barrabas und die andre verteuffelte Herren der Fünsterniß waren zu lange seine Spieß-Gesöllen gewesen!

    Bref / der erzörnte Gott refusirte seine gefürnißte Excusen und der thörigte Frey-Geist starb / nachdäme ihme noch zurlezzt von einer Scorbutischen Gicht alle Finger in der Hand krumm und unbrauchbar gewesen / vorn Seinen ungnädigen Blikken bestrahlt wie er gelebt hatte.

    Wohl fund sich unter seiner wenigen Hindterlassenschafft / außer einigen schon hinlänglich caduc und zitterich nihdergeschriebenen Leichen- Sermonibus / die ich mir in respectueusem Anbedracht ihres heiligen Balsam-Schmakks vihlleicht nicht unbillich alß befürderliches Bresend behihlt / auch noch ein bröcheriges / buntschäkkichtes / mit flammenden Feuer-Rohsen vermahltes Kästgen voller zermürbelter Zokker-Hertzgens / zerstäubter Mayen-Blöhmkens und zu kleinen Kräntzgens verknüttelter Haar-Tzontzelgens. Deßgleichen und im weiteren ein schon arg verschruntzeltes und verkrumpeltes Daffet-Däschgen / alst in welchem vergilbte Athlaß-Schleiffgens / verschlissene Sammit-Klunckren und mit weissen wie noch flünckernden Gelseminen-Blüthgens bestirnte Zinober-Bändgens / sowie etzliche seltzahme / mit närrisch-kauterwälschen Vanitäten in krausen Zikkzakk-Littren bekriggelte Zedulchens / wie sie das verlihbte Frauen-Zimmer im Rükken Anderer schläu und insgeheimbd ihrem cortesirenden / dienstwilligen Galan und Lümpgen nippernäppisch tendelnd auß verbuhlter Milch-Hand noch fast Busen-warm in die begihrlich hingesträkkte Rechte zuzustekken pflegt; beynebst einem armsälig dünnen / lengst mitten versprungenen / silbrenen Vergiß Mich nicht-Rinckchen. Für allem aber und im gantzt Besonderem ein zihmbdlich erklekkliches Bündel Collectanea auß jener deplorablen Zeit / allwo unser ehbevor außgelassener Bubelirer / Gassen-Freund und Cynikus / in den eytel nichtigen / wenngleich gläntzenten Laster- und Sünden-Schlamm dihser doch offenbar bloß nur Scheinbahrkeit biß über sein cerebrum versoffen / sein küzzelichtes Fleisch gar trefflich verlustihrt hatte; mit allerhand schnurrpfeifferischen Stükken »Er visihrt sie durchs Schlüssel-Loch« / »Sie mahlt sich einen Frühling an« / »Es aigrihrt ihn / daß sie sich nicht genugsamb ümb seinen Karbunckel harmt« und ähnlichten spitzfündigen Tituln. Auff zahrtem Jungffern-Pappihr mit kostbahrer / sinesischer Muschel- Tinctur und darmitt auch ja alles rächt blizzen und schimmren möchte / mit Gold- und Silberfäden zihrlich verhofften. Ich erachtete mir for auctorisiert / sölbichten Dildappeleien und Pagadellen Sporen-Streichs dohinne zu befördren / worhineyn und -hinab sie gehöhrten. Ich will nicht sagen wo.

    Daß ich Dir jedennoch / nichts däm zum Drotz / seine bekannte / vihlberufene / übersäfftige omnia mea wegen zu starcken Abgangs derer Exemplarien und weylen sie auß dihser Mangel-hafften Bedrühbniß-Welt nun einmahl doch nicht mehr wekk zu schaffen sind / bevor seinen zu späht außgeschütteten Buß-Thränen hihr nochmalß und vom Neuen vermehrfältiget habe / wird niemand unbilligen.

    Wer auch nur ein Viertel Pfennig-Stükk von einem Judicio besizzt / weiß / daß ich dihß nicht for die Epicurische Mast-Seue gedahn / for die Bantagruels-Brüder und Späkk-Schnäppel / die mit mir nicht unter die sälbe Zech gehören / sondren auß aller- honettesten Absichten alß Pythagorisches Symbolum! Nicht zu höchlichster Belihbung / Erlüstigung und Wollustirung / sondren auß Misericordia!

    Gehet hin und dhuet
    nicht desgleichen! Evan-
    gelium Lucae / Verß
    fünff im dreizehn-
    ten Kapittul.
    Amen!

  • Er ligt alt und kranck und kombt sich für geschlagner denn Hiob!
  • Er bespricht sich fasst die gantze / lihbe / lange Nacht mit seynem Andren / wordreyn sich dan zum Schluß noch ein Dritter mängckt.
  • Er erwacht in den spähten Herbst-Morgen
  • Er ringt mit Ihme / wie mit Ihme fürmahls jener alte Ertzt-Vatter Jakob rang
  • Er verträut Ihm!
  • Er verlustihrt sich zur Sions-Zitter
  • Er stellt sich den lezzten Gerichts- und Doten-Dag für
  • Er verföllt wihder in seine alte Draurigkeit
  • Er gedänckt seiner Lieben und daß sie ihme alle gestorben sind
  • Er bereut nichts; er wüntscht nur / daß ihn noch Ein-mahl der Frühling freut
  • Er siht nach hartem Winter von seiner lezzten Streu auß der Kammer
  • Er spührt ihn kommen
  • Er spricht noch auß dem Grabe
  • ◀◀◀

    OPERONE