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LYRIK Otto Erich Hartleben - Poetische Werke 157

Otto Erich Hartleben (1864-1905)

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Poetische Werke 157

Franzensfeste

Franzensfeste, du Tor des Frühlings,
draus dem fröstelnden, nordischen Fremdling
Lenzeswogen der Blütenbäume
warm und lachend entgegenströmen,
weich und wonnig entgegenschlagen –
sage, warum diese dräuenden Mienen,
all diese Mauern und finsteren Gräben,
all diese Wälle, draus ungezählte
Riesenkanonen gen Himmel starren? –

Wehe! Europa rüstet den Frieden!
Tief in die wonnigsten Täler der Berge
tragen sie düster das Werk der Zerstörung,
tragen sie seufzend des Krieges Bild.

Franzensfeste, du Tor des Frühlings:
Einst – ich weiß es – ranken und schwanken
blaue Syringen empor an den Mauern,
goldener Regen weht von den Zinnen
und auf den Wällen wildert die Rose

Doch aus den leeren Kanonenscharten
klingts wie der Klang der gefüllten Gläser,
klingt es wie silbernes Mädchenlachen,
klingts wie Gesang froh-seliger Menschen! –

Laß uns träumen von deiner Zukunft,
Franzensfeste, du Tor des Frühlings!

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