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LYRIK Otto Julius Bierbaum - Poetische Werke 405

Aßmann von Abschatz, Hans

Adler, Friedrich

Ahlefeld, Charlotte von

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Arent, Wilhelm

Arndt, Ernst Moritz

Arnim, Achim von

Arnold, Gottfried

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Ball, Hugo

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Otto Julius Bierbaum (1865-1910)

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Poetische Werke 405

Der patriotische Holländer

(Eine fast unglaubliche Geschichte, Herrn Franc Nohain nacherzählt)

Man hatte sich mit allen guten Dingen
So vollgestopft, wie man es muß,
Wenn die Ernährung soll gelingen;
Voll war man, voll bis zum Zerspringen,
Nach Atem sah man schon die Kinder ringen,
Da rief der Hausherr: »Nun der Magenschluß!
Die Resi soll den Käse bringen!«

Die Resi kam. Wie war sie blaß.
Die Hausfrau rief: »Was ist denn das?
Reicht man den Käse ohne Glocke?!«
– »Ach gnädge Frau!« rief Resi, »ach!
Es tat auf einmal einen Krach,
Da war sie ...« – »Ungeschickte Docke!«
Erwiderte die Hausfrau drauf,
»So geh und kauf
ne andre, aber, bitte, eine,
Die nicht von selber springt!« – Die Beine
Nimmt Resi untern Arm und rennt.

Wär die Geschichte jetzt am End,
So wär es keine.

Doch, denken Sie! Nach einer Stunde
Erscheint mit schreckenschiefem Munde
Besagte Resi. Ihr Geschrei
Verkündet: »Gnädge Frau! Entzwei
Ist auch die zweite Glocke!
Ich bin gewiß nicht schuld daran!«
Die Gnädge sieht sie flammend an
Und heißt sie mehr als eine Docke.
»Du tust das, scheint mir, zum Pläsier!
Schweig! sag ich ... Und das sag ich dir:
Paß auf! Sonst! ... O! Ist es zu sagen?!
An einem Tage zwei zerschlagen!
Hol eine andre!« – Ihre Beine
Nimmt Resi untern Arm und rennt.

Wär die Geschichte hier am End,
So war es immer noch wohl keine.
– – – – – – – – – – – – – – – – – – – –
Das Abendessen ist serviert,
Wie lieblich lockt die kalte Platte,
Mit Petersilie schön garniert,
Die schon dasselbe Amt beim Mittagsbraten hatte.
Nur eines fehlt: der Käse ist nicht da.
»Ich sagte doch, Veronika,«
Bemerkt der Hausherr mit Verdruß,
»Es soll und muß
Stets Käse auf dem Tische sein!
Muß man denn jeden Tag dasselbe sagen?«
Die Gnädge klingelt, Resi wankt herein;
Man sieht ihr an, wie ihre Pulse schlagen.

Der Käse ist schon wieder glockenbar!
Da sträubt der Gnädigen sich selbst das falsche Haar,
Und ihr beredter Mund hat keine Worte.
»Wie!?!« ruft sie endlich, »tust du mirs zum Torte?!
O die Verworfne! Drei an einem Tag!
Das halte aus, wers kann und mag!
Ich kann es nicht! Bei Gott, ich kann es nicht
Und will der Unglückseligen ins Gesicht,
So scheint es, höchst persönlich springen.

Da hebt ein wunderliches Klingen
Sich wie von Äolsharfen durch die Lüfte,
Und unter süß diskretem Rahmgedüfte
Der rot geschminkte Edamkäse spricht:
»Entschuldgen Sie, wenn ich das Wort ergreife,
Das meiner Art sonst nicht gegeben ist.
Ich bin ein Käse von vollkommner Reife,
Daher der Ruhe hold und feind dem Zwist,
Ein Sohn des Landes, wo aus Ton die Pfeife
Und jeder Mensch ein tadelloser Christ!
Weshalb es mir unmöglich ist, zu schweigen,
Wo Unschuld soll das Haupt der Strafe neigen,
Drum, kurz und gut, Madam, ich war es, ich,
Der die drei Glocken leider hat zerschlagen,
Und zur Entschuldigung kann ich nur sagen,
Ich tats als Patriot, nicht lästerlich.

Loyalität war schuld, daß ich das Glas zerstieß:
Ich sprang vor Freude auf, zertrümmernd mein Verließ;
Der Patriot in mir wars, ders zu tun mich hieß.
Ich wär nicht wert, daß diese Lampe mich beschiene,
Spräng ich nicht heute hoch als edler Patriot«
(Hier sprang er wiederum, gleich einer Ballerine,
Was einen wirklich schönen Anblick bot;
Bewundernd klirrten Maßkrug und Terrine),
»Heut ist vor Freude meine Rinde rot:
Heut ist der Hochzeitstag von ›unsrer Wilhelmine‹!«

Ausgewählte Gedichte 046

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