L Y R I K
LYRIK Otto Julius Bierbaum - Poetische Werke 230

Aßmann von Abschatz, Hans

Adler, Friedrich

Ahlefeld, Charlotte von

Albrecht von Haigerloch

Albrecht von Johansdorf

Angelus Silesius

Arent, Wilhelm

Arndt, Ernst Moritz

Arnim, Achim von

Arnold, Gottfried

Aston, Louise

Ball, Hugo

Bierbaum, Otto Julius

Birken, Sigmund von

Bleibtreu, Karl

Blumauer, Aloys

Bodenstedt, Friedrich von

Boie, Heinrich Christian

Bohne, Johannes

Brentano, Clemens


Conradi, Hermann

Hart, Heinrich

Hart, Julius

Hartleben, Otto Erich

Holz, Arno

Lenau, Nikolaus


Rückert, Friedrich


Otto Julius Bierbaum (1865-1910)

[Inhalt] [Anfänge] [Titel] [Zeilen]

Poetische Werke 230

Erwachen in den grellen Tag

(Ein Vorgesicht.)

Was war das für ein wunderreicher Traum!
Er hat mein Herz so innig warm beglückt ...

Er führte mich auf grüne Wiesen aus
Voll Frühlingsblumen, – jeder Blüte gab
Von Sonnengold er einen Glorienschein.
Hell war der Himmel und unendlich weit,
Leis wimpelte von säftevollen Zweigen,
Die glänzend überquollen in dem Licht
Des jungen Lenzen, unberührtes Grün.

Und alles war voll Glück, voll Glück auch ich;
Ein Sonnenstäubchen Glück: so fühlt ich mich.
Und durch die Welten wirbelte ich hin;
Licht war mein Herz, und meine Augen Glanz.

Die Wiese mit den Blumen ... Langsam schritt
Ich durch das grüne Rauschemeer, ich führte
Am Arm ein Mädchen, und an meiner Brust
Hört ich ein Klopfen, das wie Liebe klang,
So fragend zag und bittebang und tief;
Und zweier Augen heiße Seligkeit,
Ein Rosenhimmel, aller Gnaden voll,
Sah mir ins Herz und hellte mir ein Glück,
Das nie ich wußte, das mein Sehnen war
Durch lange, arme, liebeleere Zeit.

Das war die Liebe.

Leise wie ein Traum
Ist sie durch Seele mir und Sinn geweht,
Und ich war selig. Rosen sah ich rings,
Und Rosen deckten mir die ganze Welt,
Die Welt voll Gräuel, Traumesrosen deckten
Mit Blütenranken mir die Wahrheit zu.

Die Sonne sah ich nur: ich sah nur dich;
Die Augen gingen über mir vor Glanz,
Ergießen wollte sich das Herz vor Glück,
Bang überselig strömen in den Tod, –
Da wacht ich plötzlich unter Thränen auf.

Was ich als Sonne selig angesehn,
Als aller Liebe, aller Schönheit Herd –
Ein einziger Blick verriet mir blitzesgrell,
Daß eine Lüge meine Sonne war,
Ein schöner, böser, liebeleerer Stern.

Der Traum ist aus. Ich starre in mein Herz,
Ich weine in mein Herz: die Thräne fällt
In einen Krater, krustig ausgebrannt.
Der heiße Lavastrom der Liebe ward
Zu Stein.

Ich will die Tage nutzen. Kalt
Will deine Lüge ich einmeißeln ihm.

Irrgarten der Liebe 230 Gedichte 119 / Das Haus im Irrgarten 11

◀◀◀ ▶▶▶


Gedichte:

Anfänge

Titel

Zeilen

Autor - Anfänge

Autor - Titel

Wortschatz

OPERONE