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LYRIK Otto Julius Bierbaum - Poetische Werke 177

Aßmann von Abschatz, Hans

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Arent, Wilhelm

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Arnim, Achim von

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Otto Julius Bierbaum (1865-1910)

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Poetische Werke 177

Traum-Exegese

Mir träumte, daß ich Adam wär,
Adam im Paradiese,
Ich grübelte so für mich her
Auf einer bunten Wiese.

Da unter einem Apfelbaum,
Sah meine Frau ich liegen;
Sie schlief, und über ihrem Traum
Thät sich die Schlange wiegen.

Die sprach, mit Schrecken hört ichs: Iß!
Ist doch vom Apfelbaume!
Drauf: Wenn michs lüstet, ei gewiß!
Sprach meine Frau im Traume.

Die Schlange, lauernd: Aber Er,
Er hat es euch verboten ...
Und meine Frau: Verboten? Wer?
Mach, hol mir einen roten!

Die Schlange wand sich schnell hinauf,
Warf einen roten runter.
Da that mein Lieb die Augen auf,
Biß in den Apfel munter.

Um Gott! rief ich, nun ist es aus,
Wir werden ausgewiesen!
Und sah auch schon im schnellsten Braus
Herab den Engel schießen.

Er stand in großer Gloria
Wie ein Kürisserposten
Vor meiner Frau; wie die ihn sah,
Lacht sie: Du, willst du kosten?

Nein, sprach der Engel Gabriel,
Ich bin nicht da zum Essen;
Oh liebe Frau, du leichte Seel!
Hast du denn ganz vergessen?..

Und wieder lachend meine Frau:
Mein guter Gottesbote,
Nur keine Angst! Ich weiß genau
Die göttlichen Verbote.

»Und dennoch?! Ach, was soll ich ihm
Von soviel Trotze sagen,
Um den die tausend Seraphim
Die goldnen Flügel schlagen?!«

›Sag unserm strengeguten Herrn,
Ich thät ihn herzlich lieben
Und wär im Paradiese gern,
Von Herzen gern geblieben.

Doch dürfte nichts verboten sein.
Das wär ein grausam Spielen,
Sollt ewig ich tagaus tagein
Nach Gottes Aepfeln schielen.

Hab lieber drum gegessen schnell
Und warte des Gerichtes.‹
Abflog der Engel Gabriel
Mißmutigen Gesichtes.

Kaum, daß ich: Aber Frau! gebarmt,
Kam er in sanftem Schweben
Zurück, hat flügelnd sie umarmt,
Ihr einen Kuß gegeben.

Und hoch vom Himmel sang es hell,
Gar lieblich anzuhören,
Zu Flöte, Geig und Violoncell
In heitren Engelschören:

Weil du so gut das Paradies
Und Gottes Herz verstanden,
Geschahs, daß er dich küssen ließ
Durch seinen Abgesandten.

Ich aber ward mit manchem Hieb
Getrieben vor die Pforte,
Darüber flammenzügig schrieb
Herr Gabriel die Worte:

Wer immer möcht und nimmer wagt,
Schnell herzhaft zu genießen,
Sei feierlich davon gejagt
Aus Gottes Paradiesen.

Irrgarten der Liebe 177 Gedichte 066 / Bilder und Traeume 05

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