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LYRIK Achim von Arnim - Poetische Werke 547

Aßmann von Abschatz, Hans

Adler, Friedrich

Ahlefeld, Charlotte von

Albrecht von Haigerloch

Albrecht von Johansdorf

Angelus Silesius

Arent, Wilhelm

Arndt, Ernst Moritz

Arnim, Achim von

Arnold, Gottfried

Aston, Louise

Ball, Hugo

Bierbaum, Otto Julius

Birken, Sigmund von

Bleibtreu, Karl

Blumauer, Aloys

Bodenstedt, Friedrich von

Boie, Heinrich Christian

Bohne, Johannes

Brentano, Clemens


Conradi, Hermann

Hart, Heinrich

Hart, Julius

Hartleben, Otto Erich

Holz, Arno

Lenau, Nikolaus


Rückert, Friedrich


Ernst Moritz Arndt (1769-1860)

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Poetische Werke 547

Die Herzogin von Orlamünde

Nach einer chronikalischen Erzählung von Nikolaus Dumman, abgedruckt in Ch. Ph. Weldenfels Selecta antiquit. lib. II. c. XXXIII. p. 469, Herr Heinze bemerkte, daß die Kinder in der Niederlausitz sich der Worte beym Abzählen bedienen: Engel, Bengel laß mich leben, ich will dir einen schönen Vogel geben.

Albert Graf von Nürnberg spricht:
»Herzogin ich liebe nicht;

Bin ein Kind von achtzehn Jahren
Und im Lieben unerfahren,

Würde doch zum Weib dich nehmen,
Doch vier Augen mich beschämen;

Wenn nicht hier vier Augen wären,
Die das Herze mein beschweren.«

Orlamündens Herzogin
Spricht zu sich in ihrem Sinn:

»Witwe bin ich schön vor allen,
Aller Fürsten Wohlgefallen;

Wenn nicht hier vier Augen wären,
Würde seine Lieb mich ehren.«

»Kinder ihr vom schlechten Mann,
Der mich hielt in strengem Bann;

Weil ihr meine Land ererbet
Wenn ihr nicht unmündig sterbet.«

Also Oehl in Flammen wüthet,
Das statt Wasser aufgeschüttet.

Also deutet sie die Rede
Auf zwey eigne Kinder schnöde,

Die im Saal zum Spiel abzählen,
Unter sich den Engel wählen:

»Engel, Bengel, laß mich leben,
Ich will dir den Vogel geben.«

Nadeln aus dem Wittibschleyer
Zieht sie, daß er falle freyer,

Zu dem wilden Hager spricht:
»Nimm die Nadeln und verricht,

Schwarzer Hager, du mein Freyer
Fürchtest nicht den schwarzen Schleyer,

Fürchtest du nicht auch vier Augen,
Die zum Zusehn hier nicht taugen,

Setz' dich mit zu ihren Spielen,
Daß sie keine Schmerzen fühlen,

Daß die Wunden niemals sprechen,
Must du in das Hirn sie stechen.«

Herulus zum Hager spricht,
Eh der ihm das Hirn einsticht:

»Lieber Hager, laß mich leben,
Will dir Orlamünde geben,

Auch die Plassenburg die neue,
Und es soll mich nicht gereuen.«

Herula zum Hager spricht,
Eh er ihr das Hirn einsticht:

»Lieber Hager laß mich leben,
Will dir meine Docken geben,

Engel, Bengel laß mich leben,
Will dir meinen Vogel geben.«

Hager sich als Mörder nennt,
Eh er sich das Hirn einrennt.

»Gott ach Gott, wo werd ich ruhen,
Höre schon den Vogel rufen,

Gott ach Gott, wo soll ich fliehen,
Sehe schon den Vogel ziehen.«

Albert spricht zur Herzogin:
»Das war nicht der Rede Sinn,

Meinte unsre eignen Augen,
Wie wir nicht zusammen taugen.«

Beyde Kinder unverweset
Liegen noch im Marmorsarge,
Als wär heut der Mord gewesen,
Recht zum Trotze allem Argen.

Des Knaben Wunderhorn 331 Band 2 - 124

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