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LYRIK Achim von Arnim - Poetische Werke 24

Aßmann von Abschatz, Hans

Adler, Friedrich

Ahlefeld, Charlotte von

Albrecht von Haigerloch

Albrecht von Johansdorf

Angelus Silesius

Arent, Wilhelm

Arndt, Ernst Moritz

Arnim, Achim von

Arnold, Gottfried

Aston, Louise

Ball, Hugo

Bierbaum, Otto Julius

Birken, Sigmund von

Bleibtreu, Karl

Blumauer, Aloys

Bodenstedt, Friedrich von

Boie, Heinrich Christian

Bohne, Johannes

Brentano, Clemens


Conradi, Hermann

Hart, Heinrich

Hart, Julius

Hartleben, Otto Erich

Holz, Arno

Lenau, Nikolaus


Rückert, Friedrich


Ernst Moritz Arndt (1769-1860)

[Inhalt] [Anfänge] [Titel] [Zeilen]

Poetische Werke 24

Dichter Wald der Dichter

Erste Stimme.

Die Verzweifelnde.

Könnet ihr nur wiederhallen,
Dunkle Wälder, meinen Ruf,
Müsset ihr, wie ich, auch fallen,
Meine Klage Sturm erschuf:
Auf die umgestürzten Stämme
Werf ich mich verzweifelnd hin,
Und der Schmerz bricht durch die Dämme,
Überfließt den dürren Sinn.

Wie des wilden Weinens Reben
Klammre ich mich an euch fest,
Nie werd' ich mich wieder heben,
Denn zerschmettert ist mein Nest;
Horchend lieg' ich auf dem Boden,
Auf der Ameis Trümmerreich,
Und es zieht ein milder Odem,
Eine Stimme hold und weich!

Ferne Stimmen.

Wir sind erschlossen
Im Sange so freundlich,
Und alle Genossen,
Und keines mehr feindlich.

Zweite Stimme.

Die Liebende.

Ach ihr ernsten, kühlen Winde,
Wendend, prüfend jedes Blatt,
Wendet nur mein Schiff geschwinde,
Denn ich fühle mich schon matt:
Eine Heerde Schmetterlinge
Treib' ich nun durch Büsche hin,
Ehe ich sie zu euch bringe,
Naschen sie mit klugem Sinn.

Aber mir bleibt ungenossen
Ohne dich der Wiesen Glanz,
Mancher Bach kommt angeflossen,
Durstend flecht' ich dir den Kranz;
Liebe führt mich wie die Fehe,
Spannt zwei Schmetterlinge an,
Daß ich dich, du Süßer, sehe,
Den ich lang' schon hören kann.

Ferne Stimmen.

Wie sind wir erschlossen u.s.w.
Was jeden gedrücket,
Macht sorgenfrei alle,
Und alles beglücket
Und löst sich im Schalle.

Dritte Stimme.

Die Besorgte.

Hat der Liebste nicht geschrieben,
Wein' ich mit dem Abendthau,
Hohe Felsen muß ich lieben,
Weil ich gern zur Ferne schau.
Ist er mit dem Roß gestürzet,
Oder wohl aus Gram erkrankt?
All mein Leben wär' verkürzet,
Und mein Schritt schon zitternd wankt,

Wenn das meine Mutter wüßte,
Ach sie grämte sich zu todt,
Daß so jung ich sterben müßte,
Heute roth und morgen todt!
Ach sein Sonnenschirm mich decket,
Und die Sonne scheint nicht mehr!
Seine Stimme fern erschrecket,
Er ist nah und lachet sehr!

Ferne Stimmen.

Wie sind wir erschlossen u.s.w.
Wie eilen die Schritte,
Als wär' es ein Tanz,
Es tanzt in der Mitte
Der Abend mit Glanz.

Vierte Stimme.

Die Müssige.

Ach was hat man vom Spazieren,
Grün ist überall doch grün,
Und wohin wollt ihr mich führen,
Meine Füße, ihr seid kühn.
Nein, der Tag soll nicht versinken,
Unachtsam und unbemerkt,
Sehnsuchtsvoll die Wälder trinken
Aus dem Strahlenmeer gestärkt.

Doch ich wollt' ich wär' am Ziele,
Wollte, daß ich hätt' ein Ziel
Doch es giebt so viel Gefühle,
Und es wird schon etwas kühl;
Ei das paßt sich ja recht prächtig,
Allerliebst ist dieser Sang,
Der so heimlich, der so mächtig
Aus dem dunkeln Walde drang.

Ferne Stimmen.

Wie sind wir erschlossen u.s.w.
Die Blumen umschlingen
Die Füße mit Kränzen,
Sie glänzen dem Singen,
Sie duften den Tänzen.

Fünfte Stimme.

Die Studirende.

Wie die Bäume vor dem Fenster
Funkeln, rauschen hin und her,
Und die Schwalben wie Gespenster,
Pfeilschnell schießen kreuz und quer;
In den Büchern wird's so trübe,
Aller Sinn mir fast vergeht,
Zwielicht scheut der Weisheit Liebe,
Lieb' im Freien sich ergeht.

Ach was hör' ich für ein Singen,
Doch da fehlet meine Stimm',
Kinder wie nun zu euch dringen,
Daß ich mit zum Himmel klimm';
Bald so nah und bald so ferne
Auf des Felsens Schlangengang,
Seid ihr meinem Sinn wie Sterne,
Nah dem Herzen, fern dem Drang.

Ferne Stimmen.

Wie sind wir erschlossen u.s.w.
Der Waldglanz versinket
Beim nächtlichen Gang,
Und spiegelnd uns winket
Viel heller der Sang.

Sechste Stimme.

Die Wirthliche.

Alle sind wir fortgelaufen,
Keine sorget für den Tisch,
Denn die Erdbeer, roth im Haufen,
Ladet sie zum Walde frisch;
Wenn sie dann nach Hause kommen,
Fragen sie nach Labung gleich,
Eine hat sich müd' geschwommen,
Jene kletternd durch den Zweig.

Wenn ich auch so denken wollte,
Wie bestände da das Haus,
Lieber wär' mir's auch, ich holte
Statt der Kräuter einen Strauß;
Was sie da wohl wieder singen?
Ach das klingt doch gar zu schön,
Mag die Katz' das Essen bringen,
Ich muß hin zu dem Getön.

Nahe Stimmen.

Wie sind wir erschlossen
Im Sange so freundlich,
Und alle Genossen
Und keines mehr feindlich;
Was jeden beglücket,
Macht sorgenfrei alle,
Uns alle beglücket
Und löst sich im Schalle.

Wie eilen die Schritte
Als wär' es ein Tanz,
Es tanzt in der Mitte
Der Abend mit Glanz,
Die Blumen umschlingen
Die Füße mit Kränzen,
Sie glänzen dem Singen,
Sie duften den Tänzen.

Der Waldglanz versinket
Beim nächtlichen Gang,
Und spiegelnd, uns winket
Viel heller der Sang,
Dies Bächlein noch rauschet,
So träumend wir grüßen,
Die Nachtigall tauschet
Mit lustigen Küssen.

Wie sind wir verbunden
Im Sange so freundlich,
Die feindlichen Stunden
Sind allen vereinlich,
Wie wird hier erschlossen
Ein Wiederhall prächtig,
Der nimmer genossen;
Wir werden andächtig!

Mein Stammbuch 22 Der freie Dichtergarten 2

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