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LYRIK Achim von Arnim - Poetische Werke 170

Aßmann von Abschatz, Hans

Adler, Friedrich

Ahlefeld, Charlotte von

Albrecht von Haigerloch

Albrecht von Johansdorf

Angelus Silesius

Arent, Wilhelm

Arndt, Ernst Moritz

Arnim, Achim von

Arnold, Gottfried

Aston, Louise

Ball, Hugo

Bierbaum, Otto Julius

Birken, Sigmund von

Bleibtreu, Karl

Blumauer, Aloys

Bodenstedt, Friedrich von

Boie, Heinrich Christian

Bohne, Johannes

Brentano, Clemens


Conradi, Hermann

Hart, Heinrich

Hart, Julius

Hartleben, Otto Erich

Holz, Arno

Lenau, Nikolaus


Rückert, Friedrich


Ernst Moritz Arndt (1769-1860)

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Poetische Werke 170

Fabel von einer kleinen Kirche in einer großen Stadt

Lang stand die Kirche klein und enge,
Von hohen Häusern fast versteckt,
Ihr Glöcklein gab nur sanfte Klänge,
Kein Reicher ward davon erweckt;
Nur Handwerksleute, ganz geringe,
Die gingen alle Sonntag hin,
Daß sie ein heilig Wort durchklinge
Mit treuem Muth, mit mildem Sinn.

In diesem Kirchlein abgelegen,
Gar unbeachtet von der Welt,
Ein alter Herr mit großem Segen
Seit funfzig Jahren Predigt hält;
Und Keiner wußte in Pallästen,
Daß er so herrlich dient der Stadt,
Von seinen armen Sonntagsgästen
Wird jeder geistig voll und satt.

Da kommt ein Krieg, macht bang die Reichen;
Wohl Mancher hört das Glöcklein nun,
Und möchte sich mit Gott ausgleichen
Und gleich den armen Leuten thun,
Und hört des ew'gen Worts Vertrauen,
Im Kirchlein von dem Gottesmann,
Und fühlt ein kräftiges Erbauen
Und fährt im Glück da wieder an.

Bald rollen nach die hohen Wagen,
Und einer zieht den andern fort,
Die Brillen junger Leute sagen:
Daß viel zu sehen sey am Wort.
Die bunten Pelze, Federhüte,
Die ziehen hin, auch wenn's zu spät:
Sie nennen dies der Kirche Blüthe,
Als ob nun Andacht erst geräth.

Sie drängen sich zu allen Stühlen,
Die Armen machen willig Platz,
Sie freuen sich, daß Reiche fühlen,
Was in dem Alten für ein Schatz;
Der Duft der Werkstatt ganz verschwindet
In Wohlgerüchen geistig fein;
Doch der Gebildete jetzt findet:
Daß arme Leute gar sehr schrein.

Ist voll ihr Herz, ihr Mund geht über,
Wer singen lernte, singet sacht;
Bequem seyn ist den Reichen lieber,
Sie nehmen alle Stühl' in Pacht,
Das treibt die Armen von den Sitzen,
Die Mancher ein halbhundert Jahr:
Durch die Verjährung zu besitzen
Und zu vererben sicher war.

Wär Glaube bei euch Reichen mächtig,
Ihr schafftet Platz für jedermann,
Ihr bautet eine Kirche prächtig,
Die Kutscher führen Steine an,
Ihr lobt den Plan zur großen Kirche,
Doch euer Lob regt keinen Stein,
Fabriken baut ihr wie Gebirge,
Die Gotteshäuser fallen ein.

Getrost ihr Armen, laßt euch lehren,
Vorüber ging hier Manches schon,
Bald wird die Neugier andre ehren,
Und spricht dann eurem Alten Hohn;
Ich seh vor manchem Gotteshause
Der Kutschen Reih, als wär da Schmaus,
Und jetzt, als wär es arm vom Schmause,
Wächst Gras davor, sie blieben aus.

Nachlese 19

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