L Y R I K
LYRIK Angelus Silesius - Poetische Werke 160

Aßmann von Abschatz, Hans

Adler, Friedrich

Ahlefeld, Charlotte von

Albrecht von Haigerloch

Albrecht von Johansdorf

Angelus Silesius

Arent, Wilhelm

Arndt, Ernst Moritz

Arnim, Achim von

Arnold, Gottfried

Aston, Louise

Ball, Hugo

Bierbaum, Otto Julius

Birken, Sigmund von

Bleibtreu, Karl

Blumauer, Aloys

Bodenstedt, Friedrich von

Boie, Heinrich Christian

Bohne, Johannes

Brentano, Clemens


Conradi, Hermann

Hart, Heinrich

Hart, Julius

Hartleben, Otto Erich

Holz, Arno

Lenau, Nikolaus


Rückert, Friedrich


Angelus Silesius (1624-1677)

[Inhalt] [Anfänge] [Titel] [Zeilen]

Poetische Werke 160

Sie singt ihm ein fröhliches Morgenlied

1
Weil ich schon seh die goldnen Wangen
Der Morgenröt am Himmel prangen,
So will auch ich dem Himmel zu.
Ich will der Leibsruh Abschied geben
Und mich zu meinem Gott erheben,
Zu Gott, der meiner Seele Ruh.

2
Ich will durch alle Wolken dringen
Und meinem süßen Jesu singen,
Daß er mich hat ans Licht gebracht.
Ich will ihn preisen, will ihm danken,
Daß er mich in des Leibes Schranken
Durch seinen Engel hat bewacht.

3
Er ist die Sonne, deren Strahlen
Mehr als sonst tausend Sonnen prahlen,
Er ist das wesentliche Licht.
Er ist der Schein, der in die Herzen
Vor allem Heer der Himmelskerzen
Wie ein gewünschter Blitz einbricht.

4
Er machet uns zum Freudenhimmel,
Verjagt des bösen Feinds Getümmel,
Vertreibet alle Traurigkeit.
Er reinigt unsre Seel von innen,
Er geußt in unsere Kraft und Sinnen
Den Vorschmack ewger Seligkeit.

5
Er ist mein Himmel, meine Sonne,
Meins Herzenstag und meine Wonne,
Mein Abend- und mein Morgenstern.
Er macht mir Leib und Seele munter,
Er geht allein mir niemals unter,
Wenn ich nur mich nicht ihm entfern.

6
Hätt ich jetzt hunderttausend Zungen,
So müßt er sein mit alln besungen,
Mit alln gelobet und gepreist.
Es müßt ihm schon von ihnen allen
Ein schönes Dankgeschrei erschallen,
So weit als Sonn und Monde reist.

7
Ei, daß doch alles Gras der Erde
Zu lauter schönen Stimmen werde
Und alle Tropfen in dem Tau.
Ei, daß doch alles Laub der Wälder
Ihn lob mit allem Kraut der Felder
Und allen Blumen auf der Au.

8
Es stimme, was im Wasser schwimmt,
In Lüften lebt, im Feuer glimmt,
Zu seinem Lobe mit mir ein.
Es wollen aller Engel Chöre,
Daß ich ihn herrlicher verehre
Und alle Heilgen mit mir schrein.

9
Er wolle selbst mein Tun und Dichten
Zu seinen lautern Ehren richten,
Das Herz regieren und den Mund.
Die Sinne, Willn und Kräfte stärken
Zu aller Zucht und guten Werken,
Erhalten Leib und Seel gesund.

10
Er wolle mir Genade geben,
Daß ich ihn mehr mit meinem Leben
Als mit den Worten ehr und preis.
Er wolle mich zu allen Zeiten
Auf seinem Weg und Stege leiten
Bis in seins Herzens Paradeis.

11
Ehr sei dem Vater, Ehr dem Sohne,
Dem heilgen Geist in einem Throne
Sei gleicher Dienst und Ehr erweist.
Die göttliche Dreieinigkeit
Sei hier und dort in Ewigkeit
Mit Dank, Lob, Ruhm und Ehr gepreist.

Heilige Seelenlust oder geistliche Hirtenlieder - Fünftes Buch 37

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