• Angelus Silesius (1624-1677)

  • Sie muntert sich aus dem Getöne der Kreaturen zu seinem Lobe auf

    1
    Auf, meine Stimm und Saitenspiel,
    Laß Jesu zu Ehren
    Dich hurtiglich hören
    Und mache seines Lobes viel.
    Musiziere,
    Figuriere,
    Laß es schallen,
    Daß die Wälder widerhallen.

    2
    Ihm singt und klingt die ganze Welt,
    Ihn loben gar schöne
    Mit süßem Getöne
    Die Vöglein auf dem grünen Feld.
    Alle schwirren,
    Schrein und girren,
    Alle preisen
    Gott, das Wort, mit ihren Weisen.

    3
    Ihm saust und summt es überall,
    Ihm wehen die Winde
    Bald heftig, bald linde,
    Ihm redet manches Berg und Tal.
    Alle Lüfte,
    Alle Grüfte,
    Die erschallen
    Ihrem Schöpfer zu gefallen.

    4
    Ihm hört man ofte früh und spat
    Die Lämmelein bläckern,
    Die Zickelein meckern
    Und tönen alls, was Atem hat.
    Alle Felder,
    Alle Wälder
    Sind voll Stimmen,
    Die ihn stets zu loben glimmen.

    5
    Die Schäfer gleichfalls, jung und alt,
    Erfüllen die Weiden
    Mit merklichen Freuden
    Und loben ihn gar mannigfalt.
    Hin und wieder
    Hört man Lieder
    Von ihm singen,
    Pfeifen, Hörner, Geigen klingen.

    6
    Drum schweig auch du nicht, meine Seel,
    Sei hurtig zu singen,
    Die Saiten zu schwingen,
    So lang du lebst in deiner Höhl.
    Laß dich hören
    Ihm zu Ehren,
    Tön und schalle,
    Daß Wald, Feld und Berg erhalle.

    Heilige Seelenlust oder geistliche Hirtenlieder - Drittes Buch 56
  • Angelus Silesius
    LYRIK - operone