L Y R I K
Charlotte von Ahlefeld (1781-1849) - Gedichtzeilen

Aßmann von Abschatz, Hans

Adler, Friedrich

Ahlefeld, Charlotte von

Albrecht von Haigerloch

Albrecht von Johansdorf

Angelus Silesius

Arent, Wilhelm

Arndt, Ernst Moritz

Arnim, Achim von

Arnold, Gottfried

Aston, Louise

Ball, Hugo

Bierbaum, Otto Julius

Birken, Sigmund von

Bleibtreu, Karl

Blumauer, Aloys

Bodenstedt, Friedrich von

Boie, Heinrich Christian

Bohne, Johannes

Brentano, Clemens


Conradi, Hermann

Hart, Heinrich

Hart, Julius

Hartleben, Otto Erich

Holz, Arno

Lenau, Nikolaus


Rückert, Friedrich


Charlotte von Ahlefeld (1781-1849)

[Inhalt] [Anfänge] [Titel] [Zeilen]

Gedichtzeilen

  1. Nein, nur das ist Einsamkeit,
  2. Netzte sie mit Thau die stille Flur,
  3. Neu beseelt mit süssem Streben
  4. Neu empor im Glanz der Auferstehung.
  5. Nicht der milderen Entwicklung Lust.
  6. Nicht des Busens tiefe Wunde beil.
  7. Nicht ewig lässt sie sich in unsre Bahn verflechten,
  8. Nicht Hochzeitreigen warten mein,
  9. Nicht Hymens Festaltar,
  10. Nicht in der Heimath Land.
  11. Nicht mancher Hochgenuss?
  12. Nicht mehr ist ihr erschöpfter Sinn
  13. Nicht mehr ist sie meiner Wünsche werth.
  14. Nicht mehr munter auf der Fluth,
  15. Nicht mehr stockend, durch die Fluren rinnt.
  16. Nicht nach verschiednen, öden Zielen gehn,
  17. Nicht schauerlich ist es hinab zu steigen,
  18. Nicht Vernichtung, nur ein leiser Schlummer
  19. Nicht zugleich mit Thron und Scepter nahm!
  20. Nichts rettete sie mir.
  21. Nie konnt' ich im Glanz der Städte finden,
  22. Nimm hin dies Bild, das auch in weite Ferne
  23. Nimmer mit sich selbst im bangen Streite,
  24. Nimmer wählt' Dich zum Kranz jugendlich fröhliche Lust.
  25. Nimmt sie die Blüthen unsers Daseyns mit,
  26. Noch der Flor der Wehmuth nicht umwand.
  27. Noch mein Herz Dich, trautes Dörfchen, liebt,
  28. Noch weilt mein Auge mit Vertrauen
  29. Nur bleicher Lampenschein,
  30. Nur dann, wenn ich Dich freudig wiedersehe,
  31. Nur des Lenzes milden Abendwind.
  32. Nur die Abgeschiedenheit gewähret Frieden,
  33. Nur die Hoffnung hebt durch frische Farben
  34. Nur drei sah ich enträthselt einst erglühen
  35. Nur eine bessre Zukunft zu erspähen,
  36. Nur in tiefen, unheilbaren Wunden
  37. Nur leise Dir im Hauch der Ahndung blühn.
  38. Nur öde Wüsten steinigt vor sich sieht,
  39. Nur Seufzerhauch sey deine Melodie.
  40. Nur verstohlen blickend, lacht,
  41. Nur wenig rasche, schnell gewagte Schritte,
  42. O banne schnell der Liebe leise Sorgen,
  43. O Baum, den stets mein Herz mit Liebe nennt,
  44. O dann hätte ich nie Euch zu durchleben verdienet,
  45. O dann trüg ich mit verstummter Klage
  46. O fahre fort! ─; Es ziemte eine Krone
  47. O fühltest Du mit mir das warme Leben,
  48. O gieb Antwort mir auf diese Frage,
  49. O Ihr geliebten, Ihr herrlichen Höhen,
  50. O jaget, Ihr Wolken,
  51. O kehre bald zurück!
  52. O lass ihr keinen Augenblick verhüllen,
  53. O lasst sein Schiff nicht scheiternd untergehen,
  54. O lösche Du mit Deiner Blicke Strahlen,
  55. O möchtest Du doch ahnend schauen,
  56. O Natur ─; wie milde giebst Du wieder
  57. O netzt auch mir das Auge, das so dunkel
  58. O öffne es, Du Heilige, und rufe
  59. O so nimm mein Herz auf ewig hin!
  60. O so sinds der Kindheit Frühlingskränze
  61. O wenn Dein Blick hinauf zum Himmel strebt
  62. O wie eilt' ich dann, sie zu begrüssen
  63. O wie freudig wollt' ich sterben,
  64. Ob unsre Wege durch das weite Leben
  65. Oder wenn in dunklen Mauern,
  66. Oder wenn in stillen Gründen,
  67. Oeffnet sich der Erde dunkler Schooss.
  68. Oft erscheinst Du mir heiter ─; doch öfter in Nebel und Wolken,
  69. Oft hat des Herbstes lindes, kühles Wehen
  70. Oft sah ich neben Dir die Sonne untergehen,
  71. Oft schon, wenn ich mit heissem Sehnen
  72. Oft voll Wonne, oft voll Schmerz ─;
  73. Oft, wenn ich mich des Lebens freute,
  74. Ohne Deine Rede, sanft und mild,
  75. Opfre mit Thränen des Danks Deinem geweihten Altar.
  76. Rauh den Sieger, der so trotzig war;
  77. Rauhe Lüfte hauchen mir entgegen,
  78. Rauschte harmlos, wonnevoll und frei
  79. Regt sich noch sein Bild in meiner Brust.
  80. Reichet er dem tiefgekränkten Alten
  81. Richten sich aus ihrem dunklen Grabe
  82. Richtet sich die Pflanzenwelt empor.
  83. Rief auf der Ehre Bahn,
  84. Rief meines Schicksals Stimme ernst zurück,
  85. Ringen sich, geweckt zu süssen Düften,
  86. Rings von Stille ist umgeben?
  87. Ringsumher ist jede Spur verschwunden
  88. Ringt siegend sich zu ew'ger Dauer los,
  89. Rinnet noch des Lebens reine Quelle,
  90. Riss ich den bunten Schmuck mir aus dem Haar,
  91. Röthete wie Purpur sich der Morgen,
  92. Ruft kein Flehen jemals Euch zurück?
  93. Ruhig sieh zu meiner Gruft hinab,
  94. Sag, was verlangest Du?
  95. Sage ihre bald verwelkte Blüthe
  96. Sah ich in holder, lieblicher Gestalt
  97. Sammeln, und winden zum Kranz, den ich, o holde Erinn'rung,
  98. Sammelt auch auf öden Fluren Garben,
  99. Sanft wie Dein leuchtender Schein, seiner Erinnerung Gruss.
  100. Sang die Nachtigall im Hain verborgen,
  101. Schärfet noch der Unterjochten Scham,
  102. Schau ich trübe nach den hellen
  103. Schauernd füllt mein Herz?
  104. Schaut um aufs neu das bange Herz zu quälen,
  105. Scheiden muss ich, aber stillen Frieden
  106. Schien mir des Daseyns höchste, reinste Lust.
  107. Schien mir ein Heil'genschein,
  108. Schien sie würdig zur Gesandtin mir;
  109. Schliesst auch sich eine Reihe bittrer Schmerzen
  110. Schlüpft das Fischlein froh dahin.
  111. Schmeichelnd sich in ihren Kelch und saugen
  112. Schmerzet es wenig, verkannt und verachtet zu seyn.
  113. Schmerzlos leben und vergehn, wie Ihr!
  114. Schnell des Schmerzes Aufruhr lindernd stillt.
  115. Schnell verlöschet ihrer Farbe Licht,
  116. Schon sah ich sie vom Morgenroth
  117. Schuf zum Tempel mir die weite Flur,
  118. Schwang der Geist sich, welchen Gott Dir gab.
  119. Schwebt ahnend mir die trübe Zukunft vor.
  120. Schwebt wie ein stiller Schwan einher
  121. Schwebte spät auf rosigem Gefieder
  122. Schweifet mein Blick umher auf den bunten Kreisen des Lebens,
  123. Schwimmt es mit dem Bächlein weiter,
  124. Seht, mein leichtes Fahrzeug schwanket
  125. Sei er der Kreis, der magisch uns verbindet.
  126. Sein Auge still zu Dir erhebt,
  127. Sein ernstes Wort, das Liebe zu mir sprach.
  128. Sein Götterdaseyn hat es nun geendet
  129. Sein Waffenbruder trat im Schein
  130. Seine Rechte zur Versöhnung dar.
  131. Seinem stillen, stummen Leben
  132. Seiner Diener Hohn, den niemand wehret,
  133. Seiner reinen Freuden mir in's Herz,
  134. Seit mein Auge sie gesehen,
  135. Seitdem traten meiner Hoffnung Sterne
  136. Seitdem verhüllt mit ihrem schwarzen Schleier
  137. Selbst die kleinen Sänger schweigen?
  138. Selbst in zarten Händen untergehn,
  139. Sey mir gegrüsst, Du trauriges Asyl!
  140. Sey mir gesegnet, Du, den Menschenliebe
  141. Seyd mir dennoch willkommen, auch im Geleite der Trauer,
  142. Sich an der Klippen Rand.
  143. Sich der Wellen Lauf ergiesset ─;
  144. Sich des bittern Grams nicht kann erwehren?
  145. Sich golden in das Blau des Himmels flicht.
  146. Sich in die Tiefe meiner Seele stahl?
  147. Sich majestätisch hebt?
  148. Sich mir ein Frauenbild.
  149. Sich mir im Busen tief.
  150. Sich nur der Wehmuth Thräne still ergiesst.
  151. Sich still und ernst mein heitrer Sinn verlohr.
  152. Sich strahlend zum Himmel ihr Geist.
  153. Sich über des Schicksals drückende Schranken,
  154. Sich vernehmbar macht das Herz,
  155. Sie dem Blicke unerreichbar ferne.
  156. Sie ist der Sehnsucht Bild, die ─; tief verschwistert
  157. Sie ist vorüber ─; ─; doch die öde Leere
  158. Sie können nicht der Gruft Dich abgewinnen.
  159. Sie langen an, der Anker dringt
  160. Sie neigte kindlich sich vor ihm
  161. Sie nur allein webt um den dunklen Traum,
  162. Sie preiset flüsternd das Geschick,
  163. Sie rollt umher den Flammenblick,
  164. Sie schien aus höhern Räumen herzukommen.
  165. Sie selbst lebt über den Sternen
  166. Sie sind dahin ─; in weite Ferne bannte,
  167. Sie welkten hin, die Rosen, deren Düfte
  168. Sie wird der Welt als leerer Schmuck erscheinen,
  169. Sie zeige Dir die Zukunft, die dem Kummer
  170. Sieh, ich bin noch ─; nimmer kann vergehen,
  171. Sind der Freude Rosen längst verblichen.
  172. Sind sie auch sparsam verstreut, dennoch mit sorgender Hand
  173. Sind Thränen meinem kranken Herzen Seegen.
  174. Sind wir einsam, wenn das Leben
  175. Sinkt abgestorben und verblüht hinab.
  176. Sinkt betend und ergeben vor Dir hin.
  177. Sinkt, dass nichts auf Erden heilig bliebe,
  178. Sinnender Wehmuth, erscheint ihr meinem thränenden Blick.
  179. So auch erheb' ich zu Ihm die schwermuthsvollen Gedanken,
  180. So begrüsst' ich freudig die Natur;
  181. So blicke denn mit kindlichem Vertrauen
  182. So bricht mein Herz entzwei.«
  183. So dass in's finstere Gebiet der Trauer
  184. So denk' auch Du an unsres Glückes Tage.
  185. So drang die Stimme tief mir in die Brust,
  186. So dufte in der Zukunft dunklem Schoosse
  187. So entflieht sie oft auf leichten Schwingen,
  188. So entwich im eng beschränkten Kreise
  189. So erfüllet auch Er mit Licht und Kraft mir den Busen,
  190. So erheitre sie der Freundschaft Bild,
  191. So ertrüge dieses Daseyns Schwere
  192. So folgt' ich seelig meinem stillen Wege,
  193. So freventlich beraubt.
  194. So glänz' ihm Hoffnung, Muth und Ruh.
  195. So gönne mir die letzten, goldnen Strahlen,
  196. So grüss' ihn mit dem schönsten Scheine,
  197. So hoffnungslos sein Sinn.
  198. So kehr' in Todesblässe mein Erröthen,
  199. So lass' ich ihn, den ich verlor,
  200. So löscht auch mir des Daseyns goldnes Licht.
  201. So mildert gern den heissen Brand der Schmerzen,
  202. So nimm den Ring von meinem Haar umgeben
  203. So nimm den Wanderstab und suche Frieden ─;
  204. So nimm denn aus des Sommers reicher Fülle,
  205. So nimm mein Bild, zum liebevollen Pfande
  206. So nimm sie denn, die freundlichen Geschenke,
  207. So reisse schnell mich von dem Leben los,
  208. So sang er mit schmelzenden Tönen
  209. So sank auch mir des Wiedersehns
  210. So siehst Du bald sie jugendlich erneut.«
  211. So sprach er mit entschlossnem Ton
  212. So trage Ahndung Dich in höh're Räume,
  213. So vernichten Fesseln auch die Reize,
  214. So vertauscht des Landes stilles Leben
  215. So wahr ich Ritter bin!«
  216. So wie Du ─; zu fühlen ihn verstehn,
  217. So willst Du nun die traute Heimath fliehen,
  218. So wirf gleich mir des Lebens Bürde ab.
  219. So würd' ich dennoch gern vom Daseyn scheiden,
  220. So zürne nicht des Schicksals finstern Mächten,
  221. Sollst mir Weihgeschenk des Frühlings seyn.
  222. Sollt' er liebevoll mir wiederkehren,
  223. Sonnenglanz in reiner Pracht
  224. Sonst begrüsst' ich gern das rege Leben,
  225. Sonst mord' ich Dich mit eigner Hand.
  226. Sorgenlos und leicht und heiter
  227. Spiegelt sich Dein unbefangner Sinn.
  228. Sprach sie mit leisem Ton.
  229. Sprich wie sonst, mit freundlichem Vertrauen,
  230. Spricht der König ─; Schande ist mein Loos.
  231. Spurlos wieder zurück, gleich einem Schatten der Nacht.
  232. Starben hin im Seufzerhauch des Abschieds.
  233. Statt der bangen Sehnsucht nimm von mir.
  234. Steht, so dünkt ihm, auf der Lauer,
  235. Steigen Engellieder
  236. Stets der Sonnenschein, und mild und munter
  237. Stieg ich aus der Schattenwelt herauf.
  238. Still flossen meine Tage hin, wie Thränen,
  239. Still tritt der Mond in weiter Himmelsferne
  240. Still und schweigend kalten Nebelwogen,
  241. Still und schweigend wie Du, wandelt Er ferne von mir.
  242. Stillen unsern Durst der Seele nicht.
  243. Stiller Friede, wie nur schöne Seelen
  244. Stilles Dörfchen, aus dem Lärm der Welt,
  245. Stillet mit freundlichem Trug die blutenden Wunden der Sehnsucht,
  246. Stillt der Morgen das erträumte Bangen
  247. Stillt meiner Züge leiser Umriss Dir.
  248. Strahlt leisen Trost in die beklommne Brust,
  249. Strahlt mir des Mondes Licht Beruhigung.
  250. Strahlt' in Dir mir Lunas Silberlicht.
  251. Strebt das kranke Herz mit leisem Weh;
  252. Süss umhallt von Nachtigallentönen.
  253. Süss umschwebt von Deinem theuern Bilde,
  254. Süsse Fantasieen,
  255. Süsse Wohlgerüche zu verhauchen,
  256. Tausend blühen schimmernd jetzt im Hain ─;
  257. Theure Blume ─; ─; mein entfloh'nes Glück
  258. Thränen trüben schwellend meinen Blick,
  259. Thränen ─; euerm frühen Glück geweiht.
  260. Tief in dämmernder Nacht der undurchdringlichen Zukunft,
  261. Tief in den kalten Grund ─;
  262. Tief trag ich es verborgen
  263. Tiefgebeugt, und in sich selbst gekehret,
  264. Tödtet rauh das zarte Grün der Hoffnung.
  265. Tön' auch mir mit Deinem Schmeichelworte,
  266. Trauere dann ─; doch halt es nicht zurück!
  267. Traurig zieht der Jahreszeiten Wechsel
  268. Trennung rief in eine weite Ferne
  269. Treu in liebender Brust bewahret hab' ich Dein Bildniss,
  270. Um das verlassne, ferne Vaterland?
  271. Um das verletzte Haupt,
  272. Um den sichern, heitern Sinn.
  273. Um gewaltsam ihre Flucht zu hemmen,
  274. Um in der Ferne meiner zu gedenken,
  275. Um in des Kranzes Harmonie zu winden
  276. Um mein Geschick zu tragen
  277. Um mich ein treues Herz ─;
  278. Um sanft in ihr Dein Innres zu ergiessen?
  279. Um zu lindern Dein unendlich Sehnen
  280. Umfängt der Jugend schauerliches Grab
  281. Umgeben von dem hellen Chor der Sterne;
  282. Umschleiern wilde, unfruchtbare Reben,
  283. Umstarrt vom Eis des Norden
  284. Umziehen bald den Horizont des Lebens
  285. Unbefangene Tage der frühen, blühenden Jugend,
  286. Unbekannt mit schmerzlichen Gefühlen,
  287. Und Glück gewährt mir Treue nur,
  288. Und ahnungsvoll die bange Brust mir schwellt,
  289. Und als ihr Auge sich erhebt,
  290. Und auch noch dann wenn jede Hoffnung schwindet,
  291. Und aufwärts strebend in die höhern Räume,
  292. Und Aurora's milder Glanz verbleicht.
  293. Und aus der Ahndung ihm Erfüllung keimt ─;
  294. Und aus der blauen Ferne schwebt
  295. Und aus meinem Herzen brechen Klagen,
  296. Und bald erlosch, wie die Vernunft,
  297. Und bebt vor ihm zurück,
  298. Und brennend schien in ihrer dumpfen Schwüle
  299. Und dann berührt das Bild vergangner Stunden
  300. Und dann gedenk' mit schmerzlichem Entzücken
  301. Und dann scheint mir die Welt nicht mehr ein Kerker zu seyn.
  302. Und darum geleit' ich
  303. Und das Ahnen, das uns leis' umschwebet
  304. Und das Daseyn wäre freundlich mir.
  305. Und das Dunkel umher hellet sein sonniger Glanz.
  306. Und das Gras wacht auf, und decket träumend
  307. Und das Herz ist mir erstarrt und schwer.
  308. Und das mit Thau besprengte Grün
  309. Und Dein Bewusstseyn und Dein reines Streben
  310. Und dem der Hoffnung goldnes Sterngefunkel
  311. Und denkt: »ihm mag die Einsamkeit
  312. Und der Erinnrung goldnes Unterpfand;
  313. Und der Raben hungriges Gewimmel
  314. Und der Schimmer hält nicht, was er so schmeichelnd verspricht.
  315. Und der Schwermuth schauerliche Nächte
  316. Und der Sehnsucht leis' erwachte Spur
  317. Und der Sonne milde Blicke schweben
  318. Und der Stille nur entkeimt die Ruh.
  319. Und der Tanz der jugendlichen Horen
  320. Und der Tod, mit bangem Schauer
  321. Und der Vergangenheit Reiz wäre ein Schatten mir nur.
  322. Und der Winterschauer einer ew'gen Ferne
  323. Und des Baches eisbefreite Welle
  324. Und des Busens ungestilltes Sehnen,
  325. Und des Lebens Dunkel wird mir milder,
  326. Und des Meeres wilde Wogen
  327. Und des Rades ewig gleicher Schwung
  328. Und des Sturmes wilder Leidenschaft.
  329. Und des Tages helle Strahlen tauchen
  330. Und dessen Bild mich dennoch stets umschwebt!
  331. Und die Blumen öffnen ihre Kelche ─;
  332. Und die Brust, geschwellt von Dank und Liebe,
  333. Und die einzeln uns geschenkten Freuden
  334. Und die Espen zittern,
  335. Und die klaren Fluthen geben
  336. Und die Reize ländlicher Natur,
  337. Und die Stürme werden es verheeren.
  338. Und die Vergangenheit auf's neue Dir beleben.
  339. Und die Wellen kräuseln
  340. Und die Zukunft soll Dir ewig lehren
  341. Und diese drei will ich Dir liebend brechen,
  342. Und Dir, die Du ihm lächelnd glichest, nach.
  343. Und doch darfst Du die Gaben nicht verschmähen,
  344. Und doch ─; von allen Blüthen, die es schmücken,
  345. Und doppelten Gefahren Preis gegeben,
  346. Und durchschaueren die Wintersaat.
  347. Und eil' auf ihren Flügeln her zu mir.
  348. Und eile sehnend, wie ich Dich erwarte,
  349. Und eine bessre Zukunft wird Dir ahnen.
  350. Und eines lichtern Tages Strahlen hellen
  351. Und er lässt den Zug des Wagens halten
  352. Und er verhüllt sein Angesicht
  353. Und erhält mich in der Hoffnung Schoos.
  354. Und erloschen ist sein Muth.
  355. Und es begleite Dich in ferne Lande,
  356. Und es bewegte ernst und leise
  357. Und es erklang wie Geisterton der Weihe
  358. Und es ersteht mir, wonnetrunken,
  359. Und es kehret ihr Staub vergessen zum Schoosse der Erde
  360. Und es strahlt mir nur des Lenzes Feier
  361. Und es zittern bange Schauer
  362. Und ew'ger Gram umwölkt den trüben Sinn.
  363. Und finster, wie Gewitter drohn,
  364. Und flüchtete gerne
  365. Und fremde Stimmen, fremde Schritte schallen
  366. Und frischen Muth ─; des Daseyns schönste Blüthe,
  367. Und gesellt sich finstern Sorgen zu.
  368. Und gestillt in wonnevollen Wehen
  369. Und getheilt in Freud' und Trauern,
  370. Und giesse sanft, was hier Dir nicht beschieden,
  371. Und glaub' es seinem Lächeln, es wird gerne
  372. Und goldnen Schimmer webt um ferne Höhen.
  373. Und heilen mild den Wandrer der sich naht,
  374. Und heilte von dem Sehnen
  375. Und heiss' dem Leben, dass es zu Dir flieht.
  376. Und hob mich auf des Wohllauts goldnen Wellen
  377. Und Hoffnung mache dann das Herz Dir leicht.
  378. Und hohe Festigkeit.
  379. Und holde Träume Dir der Mondschein webt,
  380. Und ich muss vor ihr vergehen,
  381. Und ich zärtlich an mein Herz Dich drückte.
  382. Und ihr Vergehn im Schoosse der Natur.
  383. Und im einfachen Schmuck birgt sich Dein hohes Verdienst.
  384. Und im Wiederschein der Purpurgluthen
  385. Und in dem hochgewölbten, finstern Gange
  386. Und in dem zerstreuenden Gewühle
  387. Und in den verworrnen Zweigen
  388. Und in der Stille des Abends, die mich balsamisch umsäuselt,
  389. Und in des Busens tief verschlossnem Sehnen
  390. Und ist ihm einst ein Schmerz beschieden,
  391. Und jeder höhere Genuss, der Dir beschieden,
  392. Und jeder Misston wurde Harmonie.
  393. Und kann die Schauerszene nicht verlassen,
  394. Und kehr ich dann zurück als Held,
  395. Und knarrend öffnet sich die Pforte hier;
  396. Und König sey auch Er!
  397. Und lächelt mit liebender Huld
  398. Und lass ihn nie von Deiner theuern Hand;
  399. Und liebend grub ich einst in Deine Rinde
  400. Und linderst sanft durch Unterricht und Wissen
  401. Und lindert tröstend der Erwartung Qual.
  402. Und Lindrung bringen uns der Wehmuth Gaben,
  403. Und machtest meinen Kummer mild.
  404. Und man hört Sesostris stolz ihn fragen:
  405. Und manche Drohung schallte ihr
  406. Und mein einsam Loos war zu beneiden.
  407. Und mein Sinn sich tief in Euch verlor.
  408. Und meine Liebe blieb mir immer neu.
  409. Und mich durchschauerte, wie eines Gottes Nähe,
  410. Und mich verwundete der Rosen Dorn.
  411. Und mir Thränen in den Augen stehen?
  412. Und mit ahnungsvollem, süssem Beben,
  413. Und mit stiller Sorgfalt Euch verwahrt.
  414. Und mit ungehemmtem, raschem Streben,
  415. Und muthig nimm mein letztes Abschiedswort.
  416. Und neu gestärkt erheben Gras und Bäume
  417. Und neuen Muth erweckt in mir Dein Blick.
  418. Und nie heilt dieser Himmelsstrich
  419. Und nimm die Uhr, die Dir mit leisem Schlage
  420. Und nimmer verkläret
  421. Und nimmt der Hoffnung letzten Schimmer mit.
  422. Und noch tönt, süss wie Sirenenlieder,
  423. Und nur die Reue bleibt, die um versäumte Stunden
  424. Und nur durch graue Nebelwolken blinket
  425. Und nur selten kehrt sie uns zurück.
  426. Und Pauken und Trompetenschall
  427. Und rascher Blitze Feuerstrahlen hellen
  428. Und räthselhafter Ahndung leises Tönen
  429. Und reicht ihm still die Hand:
  430. Und richt' ihn kühn empor.
  431. Und rief den innern Frieden mir zurück.
  432. Und rings um mich der Blüthenbäume Duft
  433. Und rings umher erblick ich Nacht und Grauen,
  434. Und sag' ihm leis': auch in der Ferne
  435. Und sagte fest und kalt:
  436. Und sah zu ihr hinan.
  437. Und sang ein trauriges Lied,
  438. Und schaue, wie im Traum,
  439. Und schenkt in Thränen mir der Wehmuth Lust.
  440. Und scheute nicht des ernsten Schicksals Zorn;
  441. Und schnell trägt sie das Boot zum Schiff,
  442. Und schnell verscheucht mein Glaube, ohne Wanken,
  443. Und schweigend sah ich meinen Kranz verblühn.
  444. Und segne dennoch freudig Dein Geschick,
  445. Und seine Heimath winkt ihm himmelwärts.«
  446. Und selbst in banger Qual beglückte mich
  447. Und sende mir das kindliche Vertrauen,
  448. Und sendet in die drohenden Gefahren
  449. Und seufze schmerzlich: ach, ich bin allein!
  450. Und seufze: wär' der kurze Traum des Lebens
  451. Und seufzend säuselt in dem steten Schwanken,
  452. Und sie senken die ergrimmten Blicke,
  453. Und sinnend weilen, wenn der Sterne Blinken
  454. Und sorgsam pfleg'ich noch den zarten Zweig,
  455. Und sprach: »Ich bin bereit.
  456. Und starke Kraft in schwacher Brust erneuert?
  457. Und steigt ab. ─; Vor seiner Völkerschaar
  458. Und stets, Du freundlichster der Sterne,
  459. Und stillte sein trauerndes Herz,
  460. Und strahl' ihm süssen, reinen Frieden;
  461. Und Stürme drohend über mir empor,
  462. Und stürzt sich in die Fluth!
  463. Und tauscht den Trieb nach Neuheit und nach Reisen
  464. Und Thätigkeit im tosenden Gedränge
  465. Und theile Liebchens Glück;
  466. Und Thränen drängen brennend sich
  467. Und Thränen fliessen jenem Frühlingstag
  468. Und tief im Busen regte sich mein Schmerz.
  469. Und trage sie an Deiner treuen Brust.
  470. Und tritt zu ihr herein;
  471. Und trug sie ganz allein.
  472. Und umringt von nahmenlosen Schmerzen,
  473. Und vereinte uns mit einem Bande,
  474. Und verlohren ist der goldne Frieden,
  475. Und verschwunden ist des Sommers Glanz;
  476. Und wäre einst nach meiner Tage Mühen,
  477. Und was mit Glorien schmückt das nackte Leben,
  478. Und weite Ferne drängt sich zwischen uns.
  479. Und wenn alle Rosen von Dir scheiden,
  480. Und wenn der Trennung unermessne Kluft
  481. Und wenn Du nicht auf Flügeln eilst,
  482. Und wenn einst der Sommer wiederkehret,
  483. Und wenn Stürme schauernd Dich bewegen,
  484. Und wie Blumen am gemeinen Wege
  485. Und wie in Meerestiefe zog
  486. Und wiegt in Schlummer das erregte Herz.
  487. Und wild erglühtem Blick,
  488. Und windet immer steiler sich hinan;
  489. Und winkt in ferner Zukunft Dir
  490. Und wir lächeln über die Gefahren,
  491. Und wird allein des Grabes finstrer Schooss
  492. Und wirst Du sie aus reiner Quelle laben,
  493. Und wo auf den bedornten rauhen Wegen
  494. Und zauberte mir Wunderbilder vor.
  495. Und zeigt' ihr dort das Felsenschloss
  496. Unerreichbar bist Du, o Mond, in der Ferne des Himmels,
  497. Ungeliebt und ungehört.
  498. Ungetrübt und klar und helle
  499. Uns in schaffender Magie
  500. Uns über trübes Missgeschick zu heben, ─;
  501. Uns vereinigte, und sieh, ich ehre
  502. Uns wie ein Traum entflohn.«
  503. Uns zeigt der Mystik magischen Gewinn,
  504. Uns zerstören namenlose Leiden
  505. Uns zu erneun, wie kostbar wär' sie dann!
  506. Unschuldsvolle, nie vergels'ne Stunden,
  507. Unter Engeln schwesterlich zu wohnen,
  508. Unvergängliche Blume, die Er mir scheidend gegeben,
  509. Unvergessliche Zeit, die Du so eilig entflohst.
  510. Unvermögend, seinem Trotz zu fliehen,
  511. Verbluten sanft des Herzens tiefe Wunden.
  512. Verdient nur eine, dass man sie beweine.
  513. Vereinigen sich schon zum höchsten Lohne.
  514. Vergänglich ist das festeste im Leben ─;
  515. Vergebens strebt' ich früh und spät
  516. Vergessen lernt sich bald!«
  517. Vergisst Dich Deine Freundin nicht!
  518. Verklungne Stunden wiederholen kann;
  519. Verlass den Ruhm, verlass den Sieg,
  520. Verlohren sich der Abendröthe Gluthen.
  521. Verloren ging, was ich ihr schrieb,
  522. Vernehm' ich nicht ─; harmonisch würde dann
  523. Vernichtet unter in der tiefen Fluth.
  524. Verräth die heissen Thränen nie.
  525. Verrieth es seinen Schmerz.
  526. Verschliesst sich hinter mir das Gitterthor,
  527. Vertilgt in meiner Brust ist das Vertrauen,
  528. Verworren flog das goldne Haar
  529. Vögel singen in den grünen Zweigen,
  530. Voll heissen Durstes trank das dürre Land.
  531. Vom Abgrund des Jammers zurück.
  532. Vom Entzücken höh'rer Sphären trunken,
  533. Vom frohen Leben ewig, ach, geschieden,
  534. Vom Schmerz bethränt zu seyn.
  535. Von allen Freuden, die das Herz beglücken,
  536. Von Argusaugen angeschaut,
  537. Von Deines Himmels blauer Weite,
  538. Von der Natur mir tausendfach umkränzt.
  539. Von des Sommers Lieblichkeit und Lust.
  540. Von Dir getrennt, mich grausam mein Geschick.
  541. Von düstern Linden schwermuthsvoll beschränkt,
  542. Von lichten Himmelsglorien umwallt.
  543. Von Liebeszauber süss umwebt,
  544. Von neuem Muthe froh umglänzt,
  545. Von Sturm und Wellengeräusche,
  546. Von tobenden Wellen umkreist.
  547. Vor allen Bäumen ewig theuer seyn.
  548. Vor meinen Blicken schwebten holde Bilder,
  549. Vorüber, wie so manche Hoffnung schon.
  550. Während er Dich übersieht ─; stolz vorüber Dir geht.
  551. Wandelnd im Schimmer des Mondes, und tief in Gedanken versunken,
  552. Wanke dennoch nimmermehr Dein Sinn.
  553. Wanken sie dahin im finstern Gram.
  554. War die Begier erwacht.
  555. Ward der Blick der Sonne immer heisser,
  556. Warum bleibt Dein Muth stets gleich und gross?
  557. Warum klagst Du, dass ich früh gesunken,
  558. Warum seid Ihr mir so schnell verschwunden?
  559. Warum verjagt so wilder Schmerz
  560. Warum, Du trauter Kampfgenoss,
  561. Was beut mir Euere Hand?
  562. Was birgst Du wohl in Deinen Nebelduft?
  563. Was Dein feierlicher Gang zertöret.
  564. Was er als Stab und Stütze uns gegeben,
  565. Was im Dämmerschatten Deiner Linden
  566. Was in reiner Unschuld einst gelebt,
  567. Was ist wahre Einsamkeit?
  568. Was ist's, das mächtig mich in's Weite ruft,
  569. Was klopft so ungestüm Dein Herz,
  570. Was löschet in verborgnen, heissen Thränen
  571. Was mich knüpft an Deine stille Flur.
  572. Was nur allein das inn're Glück vollendet;
  573. Was schaust Du so auf's Meer?
  574. Was seine stumme Bitte spricht.
  575. Was soll auf Deiner freien Stirn
  576. Was trauerst Du, dass Liebe auch vergeht?
  577. Was zieht uns aus der Fremde bunten Kreisen
  578. Weckt nur inniger der Wehmuth Klage.
  579. Wehrt das Schicksal nun, es ziehen
  580. Wehten dann die Morgenwinde leiser,
  581. Weiche nimmer aus dem matten Herzen,
  582. Weil Dir das Schicksal manchen Wunsch versagt?
  583. Weil er weiss, wie bang ich Dich entbehrt?
  584. Weil mein Herz, von Sehnsucht still verzehrt,
  585. Weilet oft mein still umwölkter Sinn,
  586. Welchem Loos ihr trübes Schicksal gleicht.
  587. Welke nie der Hoffnung Grün Dir hin.
  588. Welkend wirft man sie weg, der Flora schimmernde Kinder,
  589. Wend' ich den traurigen Blick, und er erheitert sich oft.
  590. Wend' ich mein Auge zu ihm, so strahlt er mir Frieden entgegen,
  591. Wenn alles schläft, erweckt die Feier
  592. Wenn aus der Fülle goldner Jugendträume
  593. Wenn der Hoffnung goldnes Licht nicht wäre,
  594. Wenn der Sturm erwacht.
  595. Wenn des Flusses klare Wellen
  596. Wenn die rege Fantasie
  597. Wenn die Welt geräuschvoll Dich zerstreut?
  598. Wenn Dir der Unschuld Genien das Leben
  599. Wenn Dir Liebe droht mit giftigem Pfeil.
  600. Wenn Du den Mann, den ich erkohr,
  601. Wenn Du es so begehrst.
  602. Wenn Einsamkeit Dich schwermuthsvoll umgiebt.
  603. Wenn Er ─; Du weisst ja, wen ich meine ─;
  604. Wenn getrennt von Dir mein trübes Leben
  605. Wenn ich auf öder und formloser Haide
  606. Wenn ihre Gluth der Lilie sich vorbindet,
  607. Wenn im Weltgeräusch, das mich umgiebt,
  608. Wenn in Blüthenbäumen laue Luft sich wieget,
  609. Wenn in dem ewig festen Gleise
  610. Wenn mein Auge sich an Euch geweidet,
  611. Wenn nicht ihre Hand sie für mich bricht.
  612. Wenn Philomelens bange Liebesklage
  613. Wenn sein Herz mit raschen Schlägen
  614. Wenn sich die Neigung mit der Pflicht entzweit.
  615. Wenn sich in Deinen blüthenvollen Zweigen
  616. Wenn sich Wesen um uns drangen,
  617. Wenn sie des Lebens Sonne Dir entziehn.
  618. Wenn sie im Thale als Riesen mir drohn.
  619. Wenn still herbei geführt von zartem Sehnen
  620. Wenn still verlöscht die Abendsonne sinket?
  621. Wenn über mir das reine Blau der Luft
  622. Wenn uns schwere Träume oft umfangen,
  623. Wenn zwischen uns sich weite Fernen dehnen,
  624. Wer hat um ihren Umfang je gewusst? ─;
  625. Wer nimmt des Kummers Last von meinem Herzen,
  626. Werd' ich im Schmerz des Verlangens vergehen,
  627. Werd' ich oft in stiller Einsamkeit
  628. Werden nicht zu Staub im tiefen Grab ─;
  629. Wie die Seeligkeit vergangner Stunden ─;
  630. Wie düstrer Flor vor meinem Angesicht.
  631. Wie ein Frühlingstag verblüht.
  632. Wie ein Seufzerhauch vorüber flieht.
  633. Wie er flatternd über Blumen schwebt,
  634. Wie ferner Donner nach.
  635. Wie Freundesblick, Dein Silberschein.
  636. Wie Geisterhauch umweht mich Deine Klage
  637. Wie gute Geister wehen durch die Fluren
  638. Wie heisst das Land, das Dir so freundlich winket?
  639. Wie heisst es? wirst Du fragen.
  640. Wie in der Sonne Feuerstrahl
  641. Wie in Ungewittern
  642. Wie kann ich hier die heil'gen Blüthen pflegen,
  643. Wie mancher goldne Jugendwahn,
  644. Wie Meereswogen wälzt' es sich
  645. Wie milde säuselst Du, o kühler Regen,
  646. Wie mit Flor bezogen ist der Himmel,
  647. Wie nimmer noch mein trunkner Sinn vernommen;
  648. Wie sanft naht jene Trauermelodie
  649. Wie Silberlaut' aus Harfensaiten quellen,
  650. Wie Sonnenlicht in eines Kerkers Dunkel,
  651. Wie voll Schwermuth und Ernst auf nächtliche Stille des Grabes
  652. Wie welke Blumen in den niedern Staub?
  653. Wiedersehen ist uns einst beschieden,
  654. Wiederum den Schooss der Mutter Erde.
  655. Will ihm hundertfältig nahn.
  656. Willig und geniessend Geist und Herz;
  657. Willkommner Tod, denn in der Erde Schooss
  658. Winden schreckend sich heran.
  659. Winkt des Glückes lichterfüllte Tage
  660. Winkt süsse Ruh' uns an des Schlummers Hand.«
  661. Wird auch sie der Stunden leichter Raub? ─;
  662. Wird Deines Kleinmuths eigensinn'ger Raub?
  663. Wird der Schmerz, der irdisch uns durchbebt.
  664. Wird es mir nimmer durch Hoffnung versüsst?
  665. Wird kein neues Band mir Dein Vertrauen,
  666. Wird mein Leben bald verbleichen,
  667. Wirst Du in der Ferne mein gedenken,
  668. Wirst Du oft mir stille Stunden schenken,
  669. Wo bist du hin, als seiner Stimme Zauber
  670. Wo bist du hin, du Stunde des Entzückens,
  671. Wo die kindlich ungetrübte Miene
  672. Wo Dir des Lebens Morgenroth getagt? ─;
  673. Wo ehmahls Glanz und Schimmer mir gelacht ─;
  674. Wo fern von Dir, in still verschwiegnen Thränen,
  675. Wo freundlich die Sonne
  676. Wo heulende Stürme ersausen ─;
  677. Wo ich mich im heitern Spiel verlohr,
  678. Wo ich nur Dich, und Schmerz und Sehnsucht trage,
  679. Wo ich opferte der Andacht reine Triebe.
  680. Wo ist die Zelle, dass ich einsam weine?
  681. Wo keine Quelle rauscht, kein Bächlein fliesst,
  682. Wo nach des Todes träumeleerem Schlummer
  683. Wo schäumend die Woge sich bricht,
  684. Wo sie Dich im Morgenthau mir pflückte,
  685. Wohin ich nur im Geist Dir folgen kann.
  686. Wohl lieb und lindernd seyn.«
  687. Wohl oft von heissen Thränen schon bethaut.
  688. Wohl vergänglich, spricht er, ist das Glück ─;
  689. Wolken ziehn sich über Dir zusammen,
  690. Womit die Liebe sucht, in holden Bildern
  691. Womit ich wünsche Dich geschmückt zu sehen.
  692. Würd' ich auf der Sonne Lächeln lauschen,
  693. Wusste froh die Hoffnung zu versüssen.
  694. Zarte Pflanzen, die ich oft beneidet,
  695. Zeigt mir Bilder dumpfer Schwermuth nur.
  696. Zeigt Rettung bietend ihm ein sichres Land.
  697. Zerstreuung möcht' ich im Gewühle suchen,
  698. Ziehn der Ahndung Träume
  699. Zieht auf Stoppelfeldern hin und her.
  700. Zu dem Lebewohle, das sie spricht,
  701. Zu deuten Dir den seelenvollen Sinn,
  702. Zu fliegen, und an der geliebten Brust
  703. Zu jenen Sternenhöhen, die wir schauen.
  704. Zu mehren ihre Pein.
  705. Zu winken scheint das Wasser ihm,
  706. Zum erstenmahl mein bebend Herz durchdrang
  707. Zum Felsenufer nun hinan ─;
  708. Zum heimathlichen Strand.«
  709. Zum Vaterland mit mächtiger Gewalt,
  710. Zum wohlverdienten Schmucke Deinem Haupt,
  711. Zur Heimath hin mit stürmischer Gewalt,
  712. Zur Labung freundlich uns herabgesandt,
  713. Zwar hielten strenge Banden mich
  714. Zwar nicht mehr auf irdisches Glück;
  715. Zwar wartete der Altar schon
  716. Zwischen Blumenufern Dir dahin.
  717. »Bald sey der Trennung trübe Zeit
  718. »Bist Du entschlossen, muthig ihm zu nahen,
  719. »Den wohlverdienten Lorbeerkranz,
  720. »Denn,« sagt' sie, »ich bin Königinn,
  721. »Der Körper ist ein Sohn der schweren Erde ─;
  722. »Dort, wo die Fluthen erbrausen,
  723. »Du mein Verlobter?« stöhnet sie,
  724. »Empfange meine Hand.
  725. »Fasse Muth, und hebe ohne Thränen
  726. »Gehorchen sollst Du morgen schon,
  727. »Hier, Schönste!« spricht er feierlich,
  728. »Kehr bald zurück, ich harre Dein!«
  729. »Leb' wohl, bis wir uns wiedersehn!
  730. »Lebt wohl, sprach sie, »Euch kröne Sieg,
  731. »Mit Zuversicht hoff' ich sie dort zu finden,
  732. »O schweig, Vermessener! denn nie
  733. »Siehst Du das Schloss, das aus der Fluth
  734. »So lass der Liebe Rosen denn verbleichen,
  735. »So wirfst Du, sprach sie, Deines Lebens Frieden
  736. »Such,« spricht er, »die verlohrne Ruh
  737. »Was seufzest Du mit bangen Klagetönen
  738. »Was soll der Kranz, was soll er mir?
  739. »Was,« sprach er, »Lieber! fällt Dir ein?
  740. ─; Schmachvoll zieh ich Deinen Siegeswagen,

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OPERONE