• Charlotte von Ahlefeld (1781-1849)

  • Heimweh

    Was zieht uns aus der Fremde bunten Kreisen
    Zur Heimath hin mit stürmischer Gewalt,
    Als ginge ewig dort in sanften Gleisen
    Der Strom des Glücks, der sonst uns nirgends wallt?

    Was löschet in verborgnen, heissen Thränen
    Des Lebens Glanz, der düster uns verbleicht,
    Wenn still herbei geführt von zartem Sehnen
    Das Bild des Vaterlandes uns beschleicht? ─

    Es ist das Heimweh, das mit bangen Schmerzen
    In fremden Ländern schauernd uns ergreift,
    Das nach und nach von dem erkrankten Herzen
    Den Blüthenschimmer jedes Frohsinns streift.

    Das zieht uns aus der Fremde schönern Kreisen
    Zum Vaterland mit mächtiger Gewalt,
    Und tauscht den Trieb nach Neuheit und nach Reisen
    In Wünsche um nach stetem Aufenthalt.

    Gedichte 4
  • Charlotte von Ahlefeld
    LYRIK - operone