• Charlotte von Ahlefeld (1781-1849)

  • Frühling ohne Wiederkehr

    Lieblich ist des Lenzes erstes Lächeln,
    Wenn in Blüthenbäumen laue Luft sich wieget,
    Und des Baches eisbefreite Welle
    Nicht mehr stockend, durch die Fluren rinnt.

    Dann ermuntern sich zu neuem Leben
    Die verblichnen Wiesen aus dem Winterschlafe,
    Und das Gras wacht auf, und decket träumend
    Wiederum den Schooss der Mutter Erde.

    Und die Blumen öffnen ihre Kelche ─
    Alle die im späten Herbste starben
    Richten sich aus ihrem dunklen Grabe
    Neu empor im Glanz der Auferstehung.

    O Natur ─ wie milde giebst Du wieder
    Was Dein feierlicher Gang zertöret.
    Fest im stillen, ewig gleichen Kreislauf,
    Folgt auf Deinen Ernst ein mildes Lächeln.

    Nicht Vernichtung, nur ein leiser Schlummer
    Hält des Frühlings holde Lust gefangen;
    Bald, bekränzt mit Veilchen, kehrt er wieder
    Süss umhallt von Nachtigallentönen.

    Doch wann kehrt der Liebe Frühling wieder?
    Ach, verscheucht hat ihn die Nacht der Trennung
    Und der Winterschauer einer ew'gen Ferne
    Tödtet rauh das zarte Grün der Hoffnung.

    Des Beisammenlebens Stundenblumen
    Starben hin im Seufzerhauch des Abschieds.
    Kummervoll benetzt von heissen Thränen,
    Sind der Freude Rosen längst verblichen.

    Keine Sonne wird sie neu erwecken ─
    Keines Wiedersehens goldner Schimmer
    Winkt des Glückes lichterfüllte Tage
    Aus dem Grabe der Vergangenheit hervor.

    Traurig zieht der Jahreszeiten Wechsel
    Meinem still umwölkten Blick vorüber.
    Ach es folgt der Frühling auf den Winter,
    Aber nimmer kehrt der Liebe Frühling wieder!

    Gedichte 28
  • Charlotte von Ahlefeld
    LYRIK - operone