• Charlotte von Ahlefeld (1781-1849)

  • Im Herbst

    Wie mit Flor bezogen ist der Himmel,
    Graue Nebel sinken feucht und schwer,
    Und der Raben hungriges Gewimmel
    Zieht auf Stoppelfeldern hin und her.

    Blätter rauschen auf den öden Wegen,
    Die ich froh und glücklich einst betrat;
    Rauhe Lüfte hauchen mir entgegen,
    Und durchschaueren die Wintersaat.

    Ringsumher ist jede Spur verschwunden
    Von des Sommers Lieblichkeit und Lust.
    Nur in tiefen, unheilbaren Wunden
    Regt sich noch sein Bild in meiner Brust.

    Nur die Hoffnung hebt durch frische Farben
    Die verblichne, freudenleere Welt;
    Sammelt auch auf öden Fluren Garben,
    Die sie in der Zukunft Felder stellt.

    Und der Schwermuth schauerliche Nächte
    Hellt uns oft ihr goldner Himmelsschein;
    Freundlich führt uns ihre milde Rechte
    In das Reich der Fantasieen ein.

    Tön' auch mir mit Deinem Schmeichelworte,
    Hoffnung, Frieden in das bange Herz;
    Kränze windend um der Zukunft Pforte,
    Deute Du der Sehnsucht ihren Schmerz.

    Und wenn einst der Sommer wiederkehret,
    Lass in seinem frischbelebten Grün
    Jede Freude, die mein Herz entbehret,
    Mir im Glück des Wiedersehens blühn.

    Gedichte 27
  • Charlotte von Ahlefeld
    LYRIK - operone