• Charlotte von Ahlefeld (1781-1849)

  • Sonnett

    Als mir, von goldner Freiheit noch umfangen,
    Des Daseyns Fülle blühend sich erschloss,
    Da war's ein dunkles, heiliges Verlangen,
    Das über mich der Sehnsucht Flammen goss.

    Da blickt ich froh und kühn in die Gefilde
    Der Zukunft hin, von Morgenroth beglänzt;
    Das Leben schien in ungetrübter Milde
    Von der Natur mir tausendfach umkränzt.

    Und doch ─ von allen Blüthen, die es schmücken,
    Von allen Freuden, die das Herz beglücken,
    Verdient nur eine, dass man sie beweine.

    Es ist das süsse, trunkene Entzücken,
    Das nur durch Schweigen wagt sich auszudrücken
    In stummer Liebe seeligem Vereine.

    Gedichte 18
  • Charlotte von Ahlefeld
    LYRIK - operone