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LYRIK Hans Aßmann von Abschatz - Poetische Werke 433

Aßmann von Abschatz, Hans

Adler, Friedrich

Ahlefeld, Charlotte von

Albrecht von Haigerloch

Albrecht von Johansdorf

Angelus Silesius

Arent, Wilhelm

Arndt, Ernst Moritz

Arnim, Achim von

Arnold, Gottfried

Aston, Louise

Ball, Hugo

Bierbaum, Otto Julius

Birken, Sigmund von

Bleibtreu, Karl

Blumauer, Aloys

Bodenstedt, Friedrich von

Boie, Heinrich Christian

Bohne, Johannes

Brentano, Clemens


Conradi, Hermann

Hart, Heinrich

Hart, Julius

Hartleben, Otto Erich

Holz, Arno

Lenau, Nikolaus


Rückert, Friedrich


Hans Aßmann von Abschatz (1646-1699)

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Poetische Werke 433

Der edle Schecken

Wie schade/ daß ich hier nunmehr darnieder liege!
Mich zeugte Zimber-Land/ ein Schiff war meine Wiege/
Mein Kleid war Schnee und Sammt/ mein Auge voller Glutt/
Mein Schenckel voller Krafft/ mein Hertze voller Mutt.
Mein spielend Maul voll Schaum; mein wohl-gewölbter Rücken/
Trug jeden starcken Mann: Ich wuste nichts von Tücken/
Die unanständig seyn; nur gerne war ich frey/
Und ließ mir nicht den Schmid von hinten kommen bey.
Piastens lezter Sohn hat mich mit Lust beschritten/
Wenn er den Kopff gefällt/ wenn er den Ring erritten.
Mein Glücke fiel mit ihm/ wies an den Höfen geht/
Wo auff des Herren Heyl der Diener Wohlfart steht.
Doch fiel mir nicht der Mutt: wer sich nur wohl gehalten/
Und redlich hat gedient/ kan doch mit Ehren alten/
Die Liebe/ die mein Herr den Seinen hinterließ/
Die Treue/ die ich ihm nach meiner Pflicht erwieß/
Hat mir noch so viel Gunst bey Lebens-Zeit erworben/
Daß ich/ der Jahre satt/ im Herren-Dienst gestorben.
Zieht manch veraltet Pferd den Karn und Glocken-Strang/
Darüber klag ich nicht/ und weiß dem Herren Danck/
Der mich bey Ruhe/ Lust und Futter lassen leben/
Und keiner schnöden Hand zu Diensten untergeben.
Der mich/ so alt als ie nicht leicht ein Pferd/ beklagt/
Und mehre Kosten noch auff mein Gedächtnis wagt.
Wer saget aber/ daß ich hier darnieder liege?
Ich liegen? stand ich nicht in meiner ersten Wiege?
Wer mich gesehen hat wird noch ein Zeuge seyn/
Wie sich mein Haubt zum Schlaff im stehn gewieget ein.
Nach muntrer Fohlen Art scherzt ich mit Sprung und Streiche/
Kein Riese Pferdes-Art thät mirs an Künheit gleiche/
Biß Renter/ Fleiß und Kunst mich in die Ordnung bracht/
Und ein bequemes Roß voll Mutt aus mir gemacht.
Die Jahre wolten mir zwar das Vermögen brechen;
Sie konten nicht das Hertz/ als wie die Lunge/ schwächen:
Ich schritt und drabte frey: und wenn mich nicht die Macht
Des Todes unverhofft in seine Stricke bracht/
Ich wär ihm noch zulezt aus Stall und Stand gesprungen.
Ist mir der lezte Sprung nun gleich nicht wohl gelungen/
So fehl ich dennoch nicht der Ehren Renne-Bahn;
Die Sonne spannt mich izt an ihren Wagen an/
Weil diese Welt noch Lob wird kühnen Pferden geben/
Wird mein Gedächtnis auch in meinen Enckeln leben/
Wenn Fohlen in die Lufft mit hellem Wyhern schreyn/
So dencket/ daß sie sich ob meiner Ehr erfreun!

VII. Leichen- und Ehren-Gedichte 39

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