Lyrik

Ballade, Elegie, Epigramm, Ghasel, Haiku, Hymne, Lied, Ode, Ritornell, Sonett, Villanelle
Anagramm, Lipogramm, Palindrom, Akrostichon, Bildreihengedicht, Rollengedicht

Hans Aßmann von Abschatz (1646-1699)

Sprüchwörter

Die Jungen bestänckt/
Die Alten ertränckt.

Der Jungen Noth
Der Alten Tod.

Eine Feder auff einmahl
Macht zulezt die Henne kahl.

Sein Auskommen weiß der Mann/
Der nichts weiß und schweigen kan.

Allzufetter Heerd
Selten lange währt.

Fette Braten/ mager Muhß:
Mangel folgt auff Uberfluß.

Fette Schüsseln/ steten Schmauß/
Schweifft zulezt die Armutt aus.

Es giebt bey Mühlen und Frauen
Sich immer ein Mangel zu schauen.

Ein böser Schreiber wird gewahr
Daß ihn verhindert iedes Haar.

Wer zu hoch will steigen/
Muß zum Falle neigen.

Wer hat seinen Eyffer nicht?
Auch die schwache Fliege sticht.

Weit entlegne Wasser-Flutt
Löscht dir keine nahe Glutt.

Für langen Zorn
Ein kurtzes Horn.

Böser Hund/
Kurtz Gebund.

Wenn er kaltes Wasser sieht/
Schreyt der Hund der sich verbrüht.

Heller Hellern beygelegt/
Machen daß man Thaler trägt.

Ein Narr ist genung fürs Hauß:
Sonsten muß der Klug hinaus.

Ein Narr minder/ oder mehr/
Schadet in der Stadt/ Welt nicht sehr.

Gutter Wein hat diesen Lohn/
Daß man lange redt darvon.

Gutter Wein giebt dieses frey
Daß man länger schwäzt dabey.

Wer das Sein' allein verricht
Schmutzet ihm die Hände nicht.

Der alten Hunde Bellen
Ist nicht aus Acht zu stellen.

Nicht leicht ohne Flöh auffsteht
Wer mit Hunden schlaffen geht.

Wer für andr' auff Raub gegangen/
Bleibt offt für sich selber hangen.
Wird offt für sich selbst gehangen.

Nichts behält wer allzuviel
Auff einmahl ergreiffen wil.

Allzuscharffes Schneutzen
Muß zum Blutten reitzen.

Roland auch der kühne Mann/
Nahm es nicht mit zweyen an.

Hast du Geld/ so giltst du viel:
Wer nichts hat/ taugt nicht ins Spiel.

Zweymahl muß den Beutel ziehn
Wer zu früh das Geld giebt hin:

Die Suppe schmeckt nach Rauche
Wo grünes Holtz im Brauche.

Wer sich nicht mißt
Verdorben ist.

Wer das Schmaltz in Händen hat/
Findt ihm leicht zur Suppe Rath.

Wer das Schmaltz in Händen hat
Macht das Muhs nach seinem Rath.

Je höher der Affe die Leiter ansteigt/
Je mehr er die Blöße des Hintersten zeigt.

Wer trocken maurt/
Maurt fest/ und taurt.

Beständigkeit
Bricht Glückes Neyd.

Wer da weißt sein Hauß
Beuts zum Mitten aus.

Wenig Tuch/
Kurtze Bruch.

Wer auff iede Feder acht/
Nie das Bette fertig macht.

Wenn du wilt haben der dir Dienste thut/
So ist der alte Spruch: Bezahle gutt.

Wo die Gall im Hertzen stockt/
Wird kein Honig ausgespockt.

Nach der That
Gilt der Rath.

Geld/ der Meister aller Sachen/
Weiß aus Nein offt Ja zu machen.

Von Waffen/ Vogel/ Hund und Lieben/
Folgt kurtze Lust und viel Betrüben.

Von dem/ was nicht angeht dich/
Weder Gutts noch Böses sprich.

Wo man Gänß und Weiber hat/ sicht/
Findet auch Geschnader statt.
Fehlt es an Gepapper nicht.

Besser Wolle weggeschoren/
Als das gantze Schaf verlohren.

Besser ist es/ daß das Ey
Als das Hun verlohren sey.

Junger Thaten/
Alter Rathen
Geht von staten.

Grosses Hoffen/ groß Betrug:
Wie so bald mißräth der Zug!

Katze zieh die Handschuh aus/
Sonsten fängst du keine Maus.

Man mißt den Mann nicht nach der Elen aus;
Offt hat ein grosser Geist ein kleines Haus.

Fremden Glücks und Unglücks Schein
Kan des Weisen Spiegel seyn.

Zucker und sich freundlich weisen/
Dient zur Würtz in alle Speisen.

Soll die Mühle fertig gehn/
Muß sie nicht im Trocknen/Thale stehn.

Ubermaß
Sprengt das Faß.

Kräht die Henn/ und schweigt der Hahn/
Ist das Hauß gar übel dran.

Laß deinen Mund verschlossen seyn/
So schluckst du keine Fliegen ein.

Sagen ist der Weiber Ruhm/
Thun der Männer Eigenthum.

Fleisch ohne Bein
Ist nie allein.

Vom Fasse quillt
Was eingefüllt.

Schande hinterm Sattel führt
Wer in Hoffart galoppirt.

In steter Sorge liegt
Wer nimmer sich vergnügt.

Nicht schlaffen/ und dennoch liegen im Bette/
Vergebens erwarten was man gern hätte/
Treu dienen/ und kein Erkäntnis genüssen/
Sind Dinge/ die einen auffs Sterben verdrüssen.