• Hans Aßmann von Abschatz (1646-1699)

  • Als neulich Celadon
    Bey Amaranthens Wangen
    Getreuer Liebe Lohn
    Durch manchen Kuß empfangen/
    Zog die verliebte Seele
    Aus ihres Leibes Höle.

    Sie zog dem Munde zu
    Der ihren Mund berührte/
    Zur Wallstatt seiner Ruh
    Sein treues Hertze führte/
    Es in ihr Hertz versenckte
    Und ihr zu eigen schenkte.

    Ach/ sprach er/ voller Lust/
    Seht die Rubinen-Schalen
    Voll süsser Nectar-Kost/
    Voll Artzney meiner Qualen!
    Wer wolte vor die Freuden
    Nicht willig Mangel leiden?

    Ach/ wenn man giebt und nimmt/
    Versagt und willig giebet/
    Wenn uns entgegen kümmt
    Das Mündgen/ das man liebet/
    Und Hertz an Hertze drücket/
    Wie wird der Geist entzücket!

    Stärckt der Corallen Zier
    Die Ohnmachts-vollen Hertzen/
    Ich wehle mir dafür
    Zum Labsal meiner Schmertzen
    Die rothen Zucker-Klippen
    Die Balsam-reichen Lippen.

    Laßt Bienen auff den Klee
    Nach süsser Nahrung fliegen!
    Hier quillet eine See
    Voll Anmutt und Vergnügen.
    Drum laß ich mir vor allen
    Den süssen Mund gefallen.

    II. Anemons und Adonis Blumen 76
  • Hans Aßmann von Abschatz
    LYRIK - operone