• Hans Aßmann von Abschatz (1646-1699)

  • Als er in Gesellschafft/ aber die Unrechte/ küßte

    Ich bin von Küßen satt: was hab ich nun davon?
    Ein müder Uberdruß ist meiner Arbeit Lohn.
    Der dürren Lippen Staub klebt noch an meinen Zähnen.
    Ich hab aus Höffligkeit Margillens trocknen Mund berührt/
    Corallen/ aber falsch/ und Rosen ohne Krafft gespürt.
    Die Küsse sind ein Thau/ der ohne Gunst und Gegen-Gunst
    Wird Meel-Thau oder Reiff. Wer küsset / wenn er küßt umsunst/
    Dem wird der Safft darvon zu Wasser oder Thränen/
    Ein einig Kuß von mir an rechten Ort gesezt/
    Der hätte mich weit mehr als alle die ergözt.

    II. Anemons und Adonis Blumen 71
  • Hans Aßmann von Abschatz
    LYRIK - operone