• Hans Aßmann von Abschatz (1646-1699)

  • Verbündnis-Regeln der Gesellschafft zum weltlichen Einsiedler

    Wer kommen will in dieses Hauß/
    Darff nicht die ungetreuen Sinnen
    Mit falschen Farben zieren aus;
    Ein treues Hertz allein ist angenehm hierinnen.

    Wer in die treu-verknüpffte Zahl
    Will willig werden auffgenommen/
    Muß durch geneigter Stimmen Wahl
    Erlaubnis neben uns zu treten überkommen.

    Auff gleiche Jahr und gleichen Stand
    Pflegt unser wählen sich zu gründen/
    Der Tugend reichen wir die Hand/
    Auch Demutt und Gedult kan bey uns Stelle finden.

    Wer in diß Bündniß schreitet ein
    Muß dreyerley zuvor versprechen:
    Beständig/ Andachts-voll zu seyn/
    Und sich zu keiner Zeit Gehorsams zu entbrechen.

    Wo Andacht in dem Hertzen brennt/
    Läst sie sich auch durch Wercke spüren/
    Wer sich ein frommes Mitglied nennt/
    Wird unsre Wohnungs-Statt durch ein Gedächtnis zieren.

    Der beste Zeit-Vertreib und Spiel
    Besteht in schwätzen oder singen:
    Wem nicht die Stimme folgen will
    Kan Lieder nach Befehl der andern Schwestern bringen.

    Die Andacht leitet auch dahin/
    Daß man ein täglich Angedencken
    Soll in dem Hertzen lassen blühn/
    Wenn Zeit und Glücks-Fall uns durch schweren Abschied kräncken.

    Beständigkeit macht uns verpflicht/
    Bey diesem Stande treu zu leben/
    Und keinem fremden Orden nicht/
    Biß sieben Jahre sind vorbey/ sich zu ergeben.

    Auch lehret uns Beständigkeit
    Bey einerley Gedancken bleiben/
    Den Nahmen den wir uns geweyht
    Mit Gold und Diamant in Sinn und Hertze schreiben.

    Gehorsam ist jedwedes Glied
    Dem Orden schuldig zu erweisen/
    Wohin es sein Verordnen zieht/
    Bey höchster Ungenad und Straffe zu verreisen.

    Ein Kuß soll jedem seyn vergünnt
    Beym Wiederkommen und beym Scheiden/
    Wer straffens-würdig sich befindt/
    Soll/ was ihm aufferlegt/ mit allem Willen leiden.

    Wer sich mit List gedrungen ein/
    Wer Treu und Höfligkeit verletzet/
    Wer irrt/ und ungestrafft will seyn/
    Wird durch gemeinen Schluß aus unsrer Zahl gesetzet.

    Wer der Gesellschafft sich entreist/
    Und einen andern Stand will fassen/
    Soll von uns werden ausgeweist/
    Und seines Wanckelmutts ein Denckmahl hinterlassen.

    VIII. Vermischte Gedichte 74
  • Hans Aßmann von Abschatz
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