• Hans Aßmann von Abschatz (1646-1699)

  • Wahre Freundschafft/ Sechstinne

    Was ist das höchste Gutt auff diesem Erdenkreiß?
    Es halten ihrer viel davor den theuren Koth
    Der Erde gelbes Marck/ das man mit strenger Hand
    Aus fest-verschloßner Schos der großen Mutter reist/
    Sie setzen gegen Gold die Seele selber auff/
    Im Fall sie lachet an ein Nutzen und Gewinn.

    Was ist auff dieser Welt der edelste Gewinn?
    Viel schätzen sich vor reich/ im Fall der Riegelkreiß
    Erdienter Herren-Gunst gehoben aus dem Koth
    Ihr vor verachtes Haubt/ im Fall die Gnaden-Hand
    Des Fürsten sie erhöht und aus dem Staube reist/
    So bläset sich ihr Sinn aus allen Kräfften auff.

    Was hebet man mit Recht vor alle Gaben auff?
    Es nehmen ihrer viel den kurtzen Jahr-Gewinn/
    Dadurch erweitert wird der enge Lebenskreiß/
    Vor Ehre/ Geld und Gutt/ sie kleben an dem Koth
    Der irrdnen Sterbligkeit mit Hertze/ Mund und Hand/
    Biß sie zulezt davon ein traurig Ende reist.

    Was ist darnach man sich mit bestem Rechte reist?
    Was nur den geilen Leib zur Freude muntert auff/
    Diß acht der meiste Theil der Menschen vor Gewinn/
    Da doch so lange Zeit den rundten Jammerkreiß
    In Ach und Weh bewohnt der schwache Bau von Koth/
    Verwechselt Leyd und Freud einander reicht die Hand.

    Was ist zu nehmen an mit ausgestreckter Hand?
    Nicht stoltze Wissenschafft/ die von der Erde reist
    Den Wind-gefüllten Sinn/ zu steigen Himmel auff/
    Die vielen zwar verheist der Ewigkeit Gewinn/
    Doch wenn sich kehret um der Ehre falscher Kreiß/
    Wird durch der Feinde Grimm gestürtzet in den Koth.

    Geld/ Gnade/ Zeit und Lust und Wissen fällt in Koth/
    Ein treuer Jonathan des Freundes rechte Hand/
    Der von dem Freunde sich in keinen Nöthen reist/
    Der Gutt und Blutt vor ihn mit Freuden setzet auff/
    Ist/ meinem Sinne nach/ der edelste Gewinn/
    Den uns gewähren kan der Erde Kugelkreiß.

    VIII. Vermischte Gedichte 65
  • Hans Aßmann von Abschatz
    LYRIK - operone