Lyrik

Ballade, Elegie, Epigramm, Ghasel, Haiku, Hymne, Lied, Ode, Ritornell, Sonett, Villanelle
Anagramm, Lipogramm, Palindrom, Akrostichon, Bildreihengedicht, Rollengedicht

Hans Aßmann von Abschatz (1646-1699)

Man findet wenig Pracht in alten Adels Schilden/
Der Ahnen tapffre Faust hat solche selbst gemahlt/
Ein Denckmahl ihres Sinns den Erben einzubilden/
Da izt die neue Welt mit vielem Schmucke prahlt.
Wo man den Vogel kan aus seinen Federn kennen/
So mag man manchen wohl des Adels Mißbrutt nennen.

Der Alten Einfalt wieß die ungefälschten Sitten
Mit schlechten Farben aus: das unbefleckte Weiß
Die rothe Tapfferkeit/ die manchen Sieg erstritten/
Das treu-beständge Schwartz behielt damahls den Preiß.
Izt muß offt alles voll und bund gemahlet stecken/
Der äusserliche Pracht den innern Mangel decken.

Wenn izt ein Alter solt in seine Hörner blasen/
Damit er seinen Feind zu schrecken war gerüst/
Und manchen edlen Held auff Blut-gefärbten Rasen
Zum Streite fodern aus/ zu weisen/ was er ist/
Wie würde Schild und Helm offt auff die Seite fliegen/
Der neu-erworbne Stand und Schmuck im Rothe liegen.

Doch muß der Ahnen Rauch nicht so zu Kopffe steigen/
Daß man beschimpffen will/ was Tugend edel acht/
Das Wappen/ nicht der Ruhm der Väter/ ist uns eigen.
Man setze weiter nach/ wie sie die Bahn gemacht;
Wann vieler Jahre Schweiß nicht soll umsonst zerrinnen:
Erhalten schätzet man so künstlich als gewinnen.