• Hans Aßmann von Abschatz (1646-1699)

  • Thüringer Wald

    O schöne Gegend/ welche mir
    Das alte Deutschland stellet für/
    Wie unsrer Tuisconen Schaar
    Vorzeiten so vergnüget war/
    Wie sie dem linden Strome nach
    Der Silber-hellen Spiegel-Bach
    In ein begrüntes Thal hinaus
    Gebauet manch geringes Hauß/
    In welchem sie mit Fried und Ruh
    Ihr langes Alter brachten zu/
    Und/ ohne schnödes Mein und Dein/
    Mit dem vergnüget konten seyn/
    Was sonder viel-gebrauchte Müh
    Darreichte Wiese/ Wald und Vieh.
    O selig/ wer zu dem bereit
    Beschlüssen kan den Lauff der Zeit/
    In seines Vaterlandes Schoß/
    Von gutten Freunden nimmer bloß/
    Um Schätz und Gütter unbetrübt/
    In keine Pracht der Welt verliebt/
    Läst seine beste Lust allein
    Freund/ Bücher und Gewissen seyn/
    Geniest des Orts in stiller Ruh
    Der seinen Sitten saget zu.
    Ihm zeiget sich der grüne Wald
    Nicht minder nütz als wohlgestalt/
    Der Glutt und Kühlung bey sich trägt/
    Und tausend Sänger in sich hegt.
    Da sieht er/ wie der kläre Fluß
    Zum Tranck und Spiegel dienen muß:
    Da giebt ihm Ruhe bey der Nacht
    Vor Sorgen-voller Bette Pracht/
    Die mehr als Bley und Centner schwer/
    Das auffgebreitte Blumen-Heer/
    Wenn seine Lichter schläffet ein
    Der viel beschaute Monden-Schein/
    Der Himmel und ein freyer Mutt
    Deckt seine Glieder mehr als gutt/
    Zur Speise dienet Frucht und Wild/
    So den gesunden Magen füllt
    Ohn eitle Sorge für den Leib.
    Gedancken seyn der Zeit-Vertreib/
    Die sich ohn allen Kummer frey
    Dem Sternen-Dache schwingen bey/
    Und hat er keinen Uberfluß
    So ist nichts/ was er darben muß.

    VIII. Vermischte Gedichte 13
  • Hans Aßmann von Abschatz
    LYRIK - operone