• Hans Aßmann von Abschatz (1646-1699)

  • Taback: übersezt aus dem Barclayo

    Pflantze/ deren Rauch das Gifft
    Bunter Schlangen übertrifft/
    Welche die Natur verbannt
    In ein weit-entlegnes Land.
    Wo der Wilden tummer Geist
    Seine Larven Götter heist/
    Wo der Barbarn freche Schaar
    Weyland unbeherrschet war.
    Wer/ o mehr als Höllen-Kraut/
    Hat der Fichte dich vertraut?
    Wessen unbehirntes Haubt
    War der Sinnen so beraubt/
    Daß es dich in unser Land
    Durch die weite See gesandt?
    Kunte nicht Neptun das Schiff/
    So durch seine Wellen liff/
    Und dergleichen schnöde Last
    Hielt gefangen um den Mast/
    Durch der Winde rasend Heer
    Stürtzen in das tieffste Meer/
    Treiben auff erhöhten Sand/
    Schlagen an der Klippen Wand/
    Führen auff ein falsches Bay
    Schmettern in viel Stück entzwey!
    Konte nicht der Jupiter
    Aller Sternen Ober-Herr/
    Auff das schwancke Wasser-Hauß
    Blitz und Donner schütten aus/
    Und verzehren durch die Glutt
    Schneller Flammen Schiff und Gutt.
    Aber/ ach! als Streit und Krieg
    Uberall behielt den Sieg/
    Als sich unser Vaterland
    Richte hin mit eigner Hand/
    Als das Blutt aus naher Schoß
    Durch des Freundes Hände floß/
    Als die Mutter ihrem Sohn
    Halff durch arge Gifft davon/
    Fehlte bey dem Krieges-Joch
    Diese Pest/ diß Ubel noch.
    Dieses must auff frischer Bahn
    Seyn den Fremden nachgethan/
    Dieses must in kurtzer Zeit
    Seyn gelitten weit und breit/
    Biß es worden so gemein
    Daß es ärger nicht kan seyn.
    O verkehret-neuer Brauch!
    O beschwerter Höllen-Rauch/
    Wer kan deinen Nebel-Dunst
    Uns beschreiben nach der Kunst?
    Wer kan bringen auffs Papir
    Was für Schaden steckt in dir?
    Des Avernus schwartzer See
    Schicket nimmer in die Hoh
    Aus dem faulen Schwefel-Bruch
    Einen solchen Mord-Geruch;
    Wenn sie Flegeton bewegt
    Und Cocytus überschlägt.
    Wann in Radamantus Haus
    Ihre Fackeln löschet aus
    Die um Schultern Haubt und Haar
    Viel-beschlangte Schwester-Schaar/
    Findet sich kein solcher Rauch
    Als auff dieses Krautes Brauch/
    Welches um die Stirne flieht
    Und den tollen Kopff durchzieht/
    Welches den Verstand bekriegt/
    Angebohrnes Naß besiegt.
    O Gewächse/ dessen Gifft
    Basiliscen übertrifft/
    Hätte bey der alten Welt
    Herculem den kühnen Held
    Cacus der verschlagne Mann
    Mit Tabac geblasen an/
    Seiner Helden-Armen Krafft
    Hätte nichts an ihm geschafft.
    Hätte deinen Nutz erkannt
    Das berühmte Grichen-Land/
    Würde man/ statt andrer Gifft/
    Haben deinen Brauch gestifft/
    Würdestu der Dichter Schaar/
    So damahls im Leben war/
    Von des Höllen-Hundes Speyn
    Zweiffels-frey entsprossen seyn.
    So den Vater denn durch Mord
    Hätt ein Sohn geschicket fort/
    Würde für ihn Brand und Glutt/
    Hahn und Affe/ Sack und Flutt/
    Creutz und Galgen/ Rad und Strang/
    Schweffel/ Pech und Folter-Banck/
    Geissel/ Bley und andre Pein/
    Allzuschlecht gewesen seyn:
    Des Tabackes Nebel-Nacht
    Würd ihn haben umgebracht.

    VIII. Vermischte Gedichte 7
  • Hans Aßmann von Abschatz
    LYRIK - operone