• Hans Aßmann von Abschatz (1646-1699)

  • Alrunens Warnung an Deutschland

    Mein Deutschland! mercke wohl/ was ich dir mit Verdruß/
    (Doch hats der Himmel so verhangen) melden muß?
    Dein Herman hat zwar izt der Römer stoltze Pracht
    Durch wohlerfochtnen Sieg zu unsern Füssen bracht/
    Die Wölffin ist erlegt durch deinen kühnen Arm/
    Der Affter-Gott August frist sich in Leyd und Harm/
    Der frey-gemachte Rhein hebt nun sein Haubt empor/
    Die Weser dringet sich der frechen Tyber vor:
    Ach aber! daß dein Glück auch möchte feste stehn/
    Und nicht manch rauher Sturm auff deine Scheitel gehn!
    Dein Unfall spinnet sich aus deiner eignen Brust.
    Daß du durch Einigkeit gesiegt/ ist dir bewust.
    Die Zwietracht wetzet schon auff dich ihr gifftigs Schwerdt/
    Und läst nicht eher ab biß dirs ins Hertze fährt.
    Man neidet Hermans Mutt/ verkleinert seinen Ruhm/
    Gibt für/ er achte dich sein dienstbars Eigenthum:
    Es will jedweder Fürst bey dir ein König seyn/
    Und fragt nicht/ ob dazu die Mittel treffen ein;
    Drauff folget Neyd und Haß/ samt Zwietracht/ Mord und List
    Biß du der Tummelplatz auch fremder Waffen bist.
    Zwar wirst du auff einmahl zu Bodem nicht gelegt/
    Weil sich dein Mutt noch offt in gröster Ohnmacht regt.
    Es schleust dir Welschland nie so strenge Fässel an/
    Daß sie nicht manchmahl noch dein Arm zubrechen kan/
    Du dringest Käyser aus/ und setzest Käyser ein/
    Doch must du fremder Macht Gehülff und Werckzeug seyn.
    Die Beute/ die du hast erfochten/ ziehet Rom/
    Die Wölffin nährt dein Blutt/ dein Schweiß den Tiberstrom/
    Sie führt dich durch die Welt in Kriegen hin und her/
    Macht dich an Ruhme reich/ an Volck und Tugend leer.
    Ihr falsch-vermummter Sinn/ die Lüste fremder Welt/
    Die uns noch unbekant und manches Reich gefällt/
    Sind deiner Dienste Sold/ den man als eine Pest
    Dein junges Volck mit sich zu Hause nehmen läst.
    Indessen finden sich entlegne Völcker zu/
    Die schmälern deine Gräntz und stören deine Ruh/
    Die Mannschafft ist zerstreut/ die Mannheit ist zu weich/
    Die Einigkeit zutrennt: so fällt das deutsche Reich!
    Ein Theil von deinem Volck erwehlt der Gallen Land/
    Läst deutschen Mund und Sinn/ ein Theil sucht seinen Stand/
    Mit fremder Art vermischt/ in Welschlands weicher Schoß/
    Giebt seinem Feinde Rom zulezt den härtsten Stoß/
    Der Uberrest bleibt hier/ prüfft mancherley Gefahr;
    Mit kurtzem: Deutschland wird nicht wieder was es war/
    Biß sich ein Grosser Carl zur Francken Krone schwingt/
    Und den zertheilten Leib zusammen wieder bringt.
    Der göldne Käyser-Stuhl bleibt dir von solcher Zeit:
    Wo aber bleiben Fried? und Macht? und Einigkeit?
    Dein eigen Eingeweyd ist deine liebste Kost:
    Offt bistu allzufaul/ die Waffen frist der Rost/
    Wenn Fremde sie/ auff dich zu schmeissen/ ziehen aus/
    Offt bistu allzu gach und stürmst dein eigen Hauß.
    Man streitet nicht um Ehr und Freyheit/ wie vorhin/
    Der Deutsche dienet Freund und Fremden um Gewinn/
    Die Nachbarn äffen dich/ dein Einfalt wird verlacht/
    Dein treu- und redlich seyn giebt leider! gutte Nacht/
    Dein junges Volck ersäufft in Pfützen geiler Lust/
    Bedeckt an Eisen statt mit Golde seine Brust/
    Will sonder Ungemach vollführen Krieg und Streit:
    Diß ist der rechte Weg zu schwerer Dienstbarkeit.
    Alrune hat mir diß/ als künfftig/ offenbahrt/
    Und ich/ auff ihr Geheiß/ in diesem Stamm verwahrt.
    Ach/ daß wenn diese Schrifft wird kommen an den Tag/
    Sie für manch deutsches Hertz ein Wecker werden mag!
    Wacht/ Helden-Kinder/ auff/ scheut Müh und Arbeit nicht;
    Bedörnert ist der Weg/ auff dem man Rosen bricht.
    Was nüzt euch/ wenn ihr faul/ der Ahnen lange Zahl?
    Sie haben ihren Ruhm geprägt in harten Stahl/
    Drum daurt er heute noch; wolt ihr euch schreiben ein
    In Sand und Mos/ so wird eur bald vergessen seyn.
    Was ist es/ daß ihr dann mit vielem Schmucke prahlt?
    Sie haben ihren Schild mit eigner Faust gemahlt.
    Das unverzagte Roth/ das unbefleckte Weiß/
    Das tren beständge Schwartz behielt den besten Preiß.
    Folgt ihren Tritten nach/ verlangt ihr ihren Ruhm/
    Sonst ist kein deutsches Blutt eur wahres Eigenthum!

    VII. Leichen- und Ehren-Gedichte 30
  • Hans Aßmann von Abschatz
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