Lyrik

Ballade, Elegie, Epigramm, Ghasel, Haiku, Hymne, Lied, Ode, Ritornell, Sonett, Villanelle
Anagramm, Lipogramm, Palindrom, Akrostichon, Bildreihengedicht, Rollengedicht

Hans Aßmann von Abschatz (1646-1699)

Die Flutten/ die du siehst von meinen Augen rinnen/
Lieb-werthe Rosilis/ sind nicht gemeine Thränen/
Wie deine Göttligkeit wohl irgend möchte wehnen!
Wo wolt ich solche Ström und Bäche fassen künnen?
Sie werden ausgebrennt vermittelst meiner Sinnen
Von Liljen deiner Schos/ von Rosen deiner Wangen/
Und müssen den Geruch von deiner Gunst erlangen/
Dem keine Specerey den Preiß wird abgewinnen.
Die Liebe giebt die Glutt/ der Ofen steht im Hertzen/
Der dicken Seufftzer Wind bläst mir das Feuer auff/
Der Augen Helm vergönnt dem Wasser freyen Lauff/
Und weil so hitzig ist die Flamme meiner Schmertzen/
So müssen in die Höh so viel der Dünste steigen/
Und durch der Augen Röhr ohn Ende sich verseygen.