• Hans Aßmann von Abschatz (1646-1699)

  • Herrn Wolff Caspars von Hund/ Röm. Käyserl. Majest. wohl-verdienten Hauptmanns/ und des Fürstenthums Lignitz Landes-Eltistens

    Zwey Dinge sind/ die sich im Grabe nicht begraben/
    Die/ wann der Leib verdirbt/ vom Tode bleiben frey:
    Der Nach-Ruff/ welchen uns die Tugend leget bey/
    Die Seele/ welche wir von Gott empfangen haben.
    Kein unverzehrlich Tacht/ kein immer-brennend Licht
    Gleicht dieser Himmels-Flamm und hellem Zunder nicht;
    Wenn gleich solt Oel und Schein erblaßter Sternen schwinden/
    Läst sich der beyden Glantz noch unvertunckelt finden.

    Das Unverweßlich-seyn sucht Morgenland vergebens/
    Die theurste Specerey ist selbst verderblich Gutt/
    Ertz/ Steine/ Säulen zwingt Zeit/ Sturm/ Wind oder Glutt;
    Der beste Balsam ist der Nachruhm reines Lebens/
    Wer dieses Kleinod zu der Ahnen Schilde legt/
    Das Bild der Gottesfurcht in seine Seele prägt/
    Lebt in und ob der Welt/ und wenn sich die begräbet/
    So weiß er/ daß er doch die Zeit selbst überlebet.

    Hier liegt der edle Geist verstrickt in seinen Banden/
    Das allzu schwere Fleisch/ der Eitelkeiten Koth/
    Klebt seinen Flügeln an/ doch kennt er keinen Todt:
    Wann die gewünschte Zeit der Freyheit ist verhanden/
    Im Fall ihn nicht die Last der Laster unterdrückt/
    Und in das schwartze Reich betrübter Nächte schickt/
    So klimmt er an das Licht/ und übersteigt die Sonne/
    Bewohnt bey Gottes Thron das Reich der steten Wonne.

    Die Dünste dieser Welt umnebeln das Gesichte/
    Ein neidig Auge streicht der Sonne Flecken an.
    Man mindert oder mehrt was der und du gethan/
    Wenn unser Lebens-Licht verlöscht/ so wird es lichte.
    Wenn Lust und Nutz entweicht/ kein Zwang uns mehr umgiebt/
    So rühmt und schilt die Welt/ was ieder ausgeübt.
    Der Fürnis springet ab/ die wahren Lebens-Farben
    Erheben unsre Zier/ entblößen unsre Narben.

    Wir sencken zwar nunmehr die abgelebten Glieder
    Des Edelen von Hund mit Thränen in die Grufft:
    Das beste Theil von ihm hat Gott zu sich gerufft/
    Sein wohl verdienter Ruhm schallt aus dem Grabe wider.
    Die Plagen dieser Welt/ das Siechthum dieser Zeit
    Ersetzet ihm nunmehr die Schos der Ewigkeit:
    Der müde Leib verschläfft/ der Geist darff nimmer fühlen
    Die Stürme/ welche noch auff unsre Häubter zielen.

    Rom ziert des Siegers Haubt mit grünen Lorberzweigen/
    Durch saure Müh errang der Kämpffer seinen Preiß/
    Die Ehre des Triumphs erworben Blutt und Schweiß;
    Hat nicht die theure Seel izt gleichen Schmuck zu eigen?
    Auff Streiten folget Sieg/ auff Arbeit Ruh und Lohn;
    Sie träget beydes izt von Gott bekrönt darvon/
    Kan gegenwärtig sehn/ vor- wissen und genüssen/
    Was wir im Schatten nur zu Trost und Hoffnung wissen.

    Das Tuschwerck dieser Welt/ der ungewisse Schimmer
    Verführet ferner ihr verklärtes Auge nicht:
    Sein heller Leitstern ist das ungeschaffne Licht:
    Vor war der enge Leib/ der Himmel izt/ ihr Zimmer.
    Knallt hier die Mord-Carthaun/ und dräut des Säbels Wutt/
    Kein Unfall ficht sie an/ kein Feind entführt ihr Gutt;
    Wird hier der Mensch durch Streit und Sorgen abgezehret/
    Ihr ist die volle Gnüg und süsse Ruh gewähret.

    Die kurtze Lebens-Zeit durch kluge Thaten strecken/
    Durch freye Tapfferkeit dem Tode beugen für/
    Dem man entgegen geht/ ist deren beste Zier/
    Die ihrer Eltern Schild zur Tugend soll erwecken.
    So steckte der von HUND durch tugendhafften Lauff/
    Bey seiner Ahnen Helm noch neue Nägeln auff/
    Sein angeerbter Ruhm/ durch eignes Lob erhöhet/
    Verfällt nicht/ weil die Welt und diese Grabschrifft stehet:

    Der Tugend festen Grund legt ich in jungen Jahren:
    Was meiner Ahnen Faust erwarb zu ihrer Zeit/
    Das pflanzt ich weiter fort durch eigne Tapfferkeit;
    Wie edel mein Gemütt/ hat Freund und Feind erfahren.
    Ich diente sonder Scheu und treulich Gott und Land/
    Drum bot mir Gnad und Gunst von Hoch- und Niedern Hand.
    Muß ich der Jahre satt/ das irdsche Leben schlüssen/
    Viel Tugend-Nägeln solln aus meinem Grabe sprissen.

    VII. Leichen- und Ehren-Gedichte 5
  • Hans Aßmann von Abschatz
    LYRIK - operone