• Hans Aßmann von Abschatz (1646-1699)

  • Laßt Solyms Mauren
    Voll Freude stehen/
    Ich will ins Trauren
    Mit Jesu gehen.

    Bey duncklem Schatten
    Mich bey ihm zeigen/
    Durch Kidron watten/
    Den Oel-Berg steigen.

    Betracht/ o Hertze/
    Mit Buß' erweichet/
    Ob auch ein Schmertze
    Dem seinen gleichet!

    Schau Jesum sitzen
    Auff seinen Knihen/
    Und Blutt verschwitzen
    Für Angst-Bemühen.

    Sieh an das Sehnen
    Den Zorn zu stillen/
    Die bittern Thränen
    Um deinet willen.

    Die bangen Stunden
    Sieht man sich mehren:
    Es wird gebunden
    Der Herr der Ehren.

    Das Mord-Geschlechte
    Führt ihn gefangen/
    Gleich einem Knechte/
    Mit Spieß und Stangen.

    Für Hohen-Priestern/
    Die auff ihn zielen/
    Gleich den Philistern/
    Soll Simson spielen.

    Man tritt zusammen
    Und suchet Zeugen/
    Ihn zu verdammen/
    Das Recht zu beugen.

    Sein Warheit-sagen
    Muß Schläge leyden/
    Man schickt die Klagen
    Samt ihm dem Heyden.

    Was Juden tichten
    Ohn Scham-Erröthen/
    Soll jener richten/
    Und Jesum tödten.

    Ihr Hertze brennet
    Von Haß und Neyde/
    Biß er vergönnet
    Daß Unschuld leyde.

    Schau/ Jesus träget
    Bedornte Krone/
    Wird angeleget
    Zu Schimpff und Hohne

    Mit einem Kleide
    Voll Staub und Motten/
    Zur Augen-Weyde
    Der/ die ihn spotten.

    Sein Angesichte
    Wird angespihen/
    Das allem Lichte
    Ist fürzuziehen.

    Man schlägt die Backen
    Mit groben Händen/
    Die unserm Nacken
    Die Straff abwenden.

    Er schwimmt im Blutte
    Von Peitsch und Riemen/
    Wird uns zu gutte
    Voll rother Striemen.

    Ach Mensch erbleiche!
    Für deine Sünden
    Muß Gott der Streiche
    So viel empfinden.

    Das Holtz der Plagen
    Muß seinen Rücken
    Mit schwerem Tragen
    Zu Boden drücken.

    Er wird durchgraben
    An Händ und Füssen/
    Die Nägel haben
    Sie gantz zurissen.

    Er hengt verachtet
    Bey Diebs-Gesinde/
    Lechzt und verschmachtet
    Von Schmertz und Winde.

    Es naht zum Ende;
    Man hört das Leben
    In Gottes Hände
    Den Geist auffgeben.

    Er schleust das Leyden
    Mit lautem Ruffen/
    Macht durch sein Scheiden
    Den Himmel offen.

    Die offne Seite
    Vom Speer durchritzet
    Wird zum Geleite
    Das allen nützet:

    Flutt/ Blutt gemenget
    Fliest zu der Erden/
    Wen diß besprenget
    Kan selig werden.

    Solch Labsal fange/
    Betrübte Seele/
    Wenn dir gedrange/
    Aus dieser Höle.

    So wird dein Leyden
    Dir leichte fallen/
    Und du mit Freuden
    Gen Himmel wallen.

    V. Sonntags- und Fest-Gedancken 87
  • Hans Aßmann von Abschatz
    LYRIK - operone