• Hans Aßmann von Abschatz (1646-1699)

  • Todes-Post zu dreyen Stimmen

    Bass

    1.
    Beschicke dein Hauß/ die Boten erscheinen/
    Welche dir nach und nach kündigen an/
    Daß dein Abscheiden nicht ferne seyn kan:
    Bestelle dein Grab/ versorge die Deinen.

    2.
    Beschicke dein Hauß! die bleichenden Haare/
    Die streichenden Jahre sind Leiter zur Bahre/
    Schwindel im Haubte/ Beklemmung und Schmertzen
    Drohen mit tödlichen Stössen dem Hertzen.

    3.
    Bestelle dein Hauß/ berathe die Seele!
    Stunden entführen/ verlieren die Zeit:
    Wer sich zur Reise nicht weißlich bereit/
    Geht irre/ verfällt zur höllischen Höle.

    4.
    Bethräne mit Sehnen was Ubels verübet/
    Fall deme zu Füssen der Sünde vergiebet!
    Eyfriges Ruffen und gläubiges Hoffen
    Hält dir die Pforte der Himmels-Burg offen.

    Tenor

    1.
    Traurige Stimme/ bekümmerte Post/
    Die zagende Seele vom Leibe zu scheiden/
    Behagende Freuden und Freunde vermeiden/
    Würmern im Grabe gedeyhen zur Kost!

    2.
    Sollen die Glieder so zeitlich erkalten?
    Zeigt sich kein Mittel die Seele zu halten?
    Wissen denn keine geübte Chymisten/
    Länger den fliehenden Athem zu fristen.

    3.
    Begeben das Leben/ verlassen das Gutt/
    Aechzen und lechzen nach Labsal und Trost/
    Wenn sich die Wellen der Höllen erbost/
    Verblassen/ erstarren betrübet den Mutt.

    4.
    Man dencket bekräncket was Jugend begangen/
    Wie reiffere Jahre mit Schulden umfangen!
    Find sich kein Retter/ kein Bürge zu zahlen/
    Bleibet nichts übrig als Kercker und Qualen.

    Discant

    1.
    Fröliche Zeitung/ erfreuende Post/
    Von Leyden und Hertze- durch schneiden sich scheiden/
    Beschwerden der Erden in Ruhe vermeiden/
    Ewig geniessen die Englische Kost!

    2.
    Lasset die siechenden Glieder erkalten/
    Weiß sich die Seele nur sicher zu halten!
    Wenn Erd und Himmel zerschmeltzen in Flammen/
    Kommen sie beyderseits wieder zusammen.

    3.
    Wohl sterben giebt Erben zum himmlischen Gutt/
    Unser Erlöser geht selber voran/
    Machet uns eben die stachlichte Bahn:
    Drum folget demselben mit freudigem Mutt.

    4.
    Wie will uns verübete Missethat drücken?
    Sie lieget auff Jesu geduldigem Rücken.
    Sünden verschwinden und bleiben dahinden/
    Wenn wir uns feste mit diesem verbinden.

    Alle drey Stimmen

    O Jesu/ verleyhe bey Schmertzen Geduld/
    Verzeyhe/ befreye von schwärtzender Schuld!
    Zeige zu lezteren Stunden die Wunden/
    Drinnen wir Leben und Labsal gefunden!
    Hilff mir wohl schliessen den irrdischen Lauff!
    Vater/ am Ende nimm meinen Geist auff!

    V. Sonntags- und Fest-Gedancken 85
  • Hans Aßmann von Abschatz
    LYRIK - operone