Lyrik

Ballade, Elegie, Epigramm, Ghasel, Haiku, Hymne, Lied, Ode, Ritornell, Sonett, Villanelle
Anagramm, Lipogramm, Palindrom, Akrostichon, Bildreihengedicht, Rollengedicht

Hans Aßmann von Abschatz (1646-1699)

Sarch-Gedancken

Was hab ich hier vor mir? Diß ist mein leztes Hauß.
Zwar einen engen Platz bedeckt das schmale Dach/
Doch Raum genung für mich: Diß ist mein Schlaff-Gemach.
Hier ruh' ich für dem Sturm der Nord-Lufft sicher aus.
Mich stört kein böser Traum/ mein Küssen ist der Span/
Wo aller Span und Streit der Welt ist abgethan.

Diß ist mein Schnecken-Hauß und sichrer Auffenthalt/
Wenn Erd und Himmel zürnt/ wenn Blitz und Donner dräut/
Diß ist mein Garten-Saal; wenns Schnee und Hagel streut/
So bin ich wohl bedeckt; bin ich erblaßt und kalt/
Wie bald werd ich auffs neu in stetem Sommer blühn/
Als reine Lilien und zarter Gelsamin.

Diß ist der Nachen/ der zur Glückes-Insul läufft/
Die Brücke/ drauff ich kan mit sichrem Fusse stehn/
Die Pforte/ da ich durch ins Paradiß soll gehn/
Diß ist der Kasten/ den die Sündflutt nicht ersäufft/
Mein Jesus schleust nach mir die Thüre selber zu/
Und weckt mich/ wenn es Zeit/ zur Himmels-Lust und Ruh!