Lyrik

Ballade, Elegie, Epigramm, Ghasel, Haiku, Hymne, Lied, Ode, Ritornell, Sonett, Villanelle
Anagramm, Lipogramm, Palindrom, Akrostichon, Bildreihengedicht, Rollengedicht

Hans Aßmann von Abschatz (1646-1699)

Die schwartzen Augen

Wohin soll ich zu erst die Augen wenden/
Die mir zu einer Zeit zwey Sonnen blenden?
Wo soll ich erstlich hin/
Dieweil in meinem Sinn
Ich gantz entzücket bin/
Die Blicke senden?

Steht unter Steinen nicht der Demant oben?
Sein Feuer macht die dunckle Folge loben?
Der schwartzen Augen Zier
Wird billig auch von mir
Für allen andern hier
Mit Ruhm erhoben.

Laß Phöbus hohen Glantz den Himmel mahlen:
Mit tausend Sternen mag der Abend prahlen:
Der Augen lichte Nacht/
Mit welchen ihre Pracht
Amene kundbar macht/
Wirfft hellre Stralen.

Die Sonne kan allein den Leib beschwärtzen/
Bey Nachte scheinen nur die Himmels-Kertzen:
Durch dieser Augen Schein
Senckt sich dem Hertzen ein
Die angenehme Pein
Verliebter Schmertzen.

Kan nicht ihr Blick von Hertz zu Hertze steigen?
Sie sind des edlen Sinns getreue Zeugen:
Was nicht der kluge Mund/
Der manchen Geist verwundt/
Mit reden machet kund/
Entdeckt ihr Schweigen.

Wer kan sich an so schönen Feinden rächen?
Ich bleibe stets bemüht ihr Lob zu sprechen/
Ob mir gleich ihre Pracht
Hat manche Pein gemacht/
Biß mir zu gutter Nacht
Die Augen brechen.